The Cranberries: Something Else

The Cranberries: Something Else

BMG

VÖ: 28.04.2017

 

Wertung: 8,5/12

 

Es gibt nicht viele irische Bands, die in den USA zum Millonenseller avancierten. U2 fallen einem da natürlich ein. The Cranberries gelang in den 90ern aber auch dieses Kunststück. Dieser wohlige Indiefolkpop mit Mainstreamambitionen traf den Nerv der Zuhörer – und zwar weltweit. Dolores Mary Eileen O’Riordan wurde gar vor den Karren einer ganzen Frauenbewegung gespannt. Zumindest die ersten vier Alben konnten sich in den obersten Regionen der Charts platzieren. Die Singles „Dreams“, „Linger“ und - in unseren Breitengraden besonders - „Zombie“ liefen rauf und runter. In den 00er Jahren wurde es merklich ruhiger um die Band. Die zwischenzeitliche Auflösung war das Ende vom Lied. Mittlerweile ist die Band wieder aktiv, das letzte Album „Roses“ von 2012 war aber nur leidlich spannend. Jetzt wärmt die Band noch mal die großen Klassiker auf. In neuen Schläuchen.

 

Da man das 25-jährige Bandjubiläum 2014 irgendwie verschlafen hat, muss „Something Else“ nun als verspätete Geburtstagsfeier betrachtet werden. Als Idee schwirrte ein Akustikalbum mit Orchesterbegleitung in den Köpfen von The Cranberries herum. Das ist im Grunde auch naheliegend, denn die Songs des Backkatalogs drängen sich für ein solches Projekt ja förmlich auf. Die Band schlug schließlich für zwei Wochen in der Universität von Limerick auf. Dies ist übrigens das Zuhause des Irish Chamber Orchestra. Es wurden extra kleine Kabinen errichtet um für die Instrumente eine gewisse Live-Atmosphäre zu schaffen.

 

Damit nicht nur die größten Momente der ersten vier Alben auf „Something Else“ enthalten sind, gibt es auch noch drei neue Songs. „The Glory“ passt natürlich in die Atmosphäre rein, ist aber auch etwas brav und unspektakulär. „Rupture“ drückt etwas zu sehr auf die Tränendrüse. Die Single „Why“, die Dolores kurz nach dem Tod ihres Vaters schrieb, ist der nachhaltigste und berührendste Song der drei neuen Tracks.

 

Wie es bei einem solchen Projekt meistens der Fall ist, sind die anderen Songs in diesem akustischen Gewand mit Orchesteruntermalung mal herausragend oder gewöhnungsbedürftig. Der größte Teil macht aber unheimlich Spaß. Man erinnert sich eben auch sehr gerne an die Songs, mit denen der eine oder andere Hörer vermutlich eine ganze Menge verbinden wird. „Linger“ ist überragend. Na klar, die Nummer passt natürlich auch genau in diese Instrumentierung, trotzdem ist die Umsetzung hervorragend. Der Gesang der guten Dolores klingt zudem so frisch – und ja – jugendlich wie schon lange nicht mehr. „Dreams“, der andere Überhit der Frühphase, geht dafür einigermaßen in die Hose. Instrumentierung und Gesang sind völlig windschief. Nicht schön, auch wenn das Original selbstverständlich noch zu erkennen ist. „When You´re Gone“ ist dafür so gut wie eh und je. Das ursprünglich elektrische „Zombie“ gewinnt in diesem Gewand eine ganz neue Dringlichkeit und so kann man sich das ausgelutschte Ding glatt wieder anhören.

 

„Ridiculous Thoughts“ kommt treibend genau auf den Punkt, während „Ode To My Family“ glücklicherweise nicht komplett von der Orchesterbegleitung vereinnahmt wird. Das wäre mitunter ja auch zu befürchten gewesen. So bleibt das doch recht nahe am Original. „Free To Decide“ und „Just My Imagination“ wissen zu gefallen. „Animal Instinct“ und besonders „You & Me“ drücken noch mal auf die Tränendrüse. Das gehört eben bei The Cranberries auch zur Grundausstattung. Das ist auch gut so!

 

Fazit: „Something Else“ mag – bis auf die drei bisher unveröffentlichten Songs – zwar nur auf bekanntes Material zurückgreifen, aber das macht überhaupt nichts. Die akustische Instrumentierung mit Orchesterbegleitung überzeugt. Zudem führt einem dieses Album mal wieder eindrucksvoll vor Augen, dass The Cranberries überragende Songs im Backkatalog haben. Das Album macht über weite Strecken einfach Spaß. Punkt.

 

http://www.cranberries.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

The Cranberries: Roses

The Cranberries: Roses
Universal
VÖ: 24.02.2012

 

Wertung: 6,5/12

 

Wer hätte noch mit einem neuen Album von The Cranberries gerechnet? Die letzte Scheibe hat doch schon einigen Staub angesetzt. Früher oder später scheint aber tatsächlich jede Band eine Reunion zu starten. Als Einzelgänger ist es nicht nur irgendwie langweilig, sondern auch der Erfolg bleibt aus. Selbst für die Stimme und das Gesicht der Gruppe – Dolores O´Riordan – war die Solokarriere kein Selbstläufer und verlief bis dato eher mittelprächtig. Es ist also kein Wunder, dass sie davon spricht, dass es sich jetzt so anfühlt, als hätten The Cranberries nie aufgehört gemeinsam zu musizieren.

Nun liegt also „Roses“ vor und es bleibt abzuwarten ob damit noch mal an die ganz großen Erfolge angeknüpft werden kann. Die Band konnte bisher nämlich über 30 Millionen Alben an die Frau und den Mann bringen. Besonders das Debüt und der Nachfolger waren und sind immens erfolgreich. Das wissen natürlich auch The Cranberries und so schließen sie mit den neuen Songs nahtlos daran an. Man fühlt sich glatt wieder in die Jahre 93 und 94 zurückversetzt. Reicht das? Die Welt der Musik hat sich immerhin ein ganzes Stück weitergedreht. Da aber sowieso gerade die 90er wieder durch den Fleischwolf gedreht werden, könnte die Geschichte für „Roses“ doch noch eine gute Wendung nehmen.

Auch, wenn sich das alles anhört wie damals, ist der Band doch etwas ganz Entscheidendes abhanden gekommen. Das Gespür für Hits fehlt. Wer ein „Linger“, „Dreams“, „No Need To Argue“ oder das überspielte „Zombie“ sucht wird enttäuscht werden. Selbst an „Salvation“ reicht nichts von „Roses“ heran. Mit bösem Zungenschlag könnte man das Album unter langweilig verbuchen. Es stellt sich gar die Frage, ob man diese netten und unspektakulären Songs nicht sogar darunter verbuchen muss? Ganz so einfach ist es aber dann doch nicht, denn musikalisch macht die Band ja immer noch das, was sie einst auszeichnete. Hin und wieder blitzt gar die alte Klasse der Kompositionen auf. Leider bleiben sie aber immer auf der Hälfte stehen und machen einen Rückzieher. Es mangelt eben an echten Höhepunkten.

Die Stimme und die Art des Gesanges der guten Dolores war ja schon immer gewöhnungsbedürftig, wenn sie aber derart gezwungen leiert und presst wie in „Conduct“ nervt es. Das schöne „Tomorrow“ ist das genaue Gegenteil. Der Song gefällt mit einer verspielten Leichtigkeit. Müsste man den Song bildlich beschreiben, dann würde man wohl von einer Frühlingswiese sprechen. Der Morgentau schimmert in der aufgehenden Sonne in einer bunten Farbpalette und es riecht schon ganz dezent nach Sommer. „Fire & Soul“ kann das noch einigermaßen weiter tragen, aber spätestens mit „Raining In My Heart“ wird es wieder langatmig. Es fehlt einfach an einer Melodie, einer Idee, die das Stück nachhaltig bereichert. Man freut sich ja schon, wenn das Tempo bei „Losing My Mind“ variiert wird und zumindest der Refrain mal etwas mehr Dampf auf dem Kessel hat. Mit „Show Me“ haben sie sogar noch mal einen Song mit Hitqualitäten im Gepäck. Geht doch! Danach reitet die Platte so ganz langsam und gemächlich dem Ende entgegen. Ist ein bisschen wie bei den Heftenden von Lucky Luke: beim ersten Mal ist man noch interessiert, aber da es sich sowieso immer wiederholt, hat man spätestens beim dritten Mal schon die Klappe zugemacht.

Fazit: „Roses“ erfüllt sicher die Erwartungen der noch immer zahlreichen The Cranberries Fans. Trotzdem klingt die Platte doch arg nach aufgewärmter Soße und die schmeckt bekanntlich nur beim ersten Mal richtig gut. Nichtsdestotrotz knüpft die Band mit diesem Album an die Anfänge an, gleichwohl die Songs hier allesamt nie an die wirklich großen Dinger der Bandgeschichte heranreichen. Für Fans ist das sicher ein Fest, neue dürften mit diesem Album aber nicht hinzukommen.

http://www.cranberries.com/

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch