The Clash: Hits Back

The Clash: Hits Back

Sony

VÖ: 06.09.2013

 

Wertung: 9/12

 

Wie kaum eine andere Band zuvor und danach haben The Clash ein ganzes Genre definiert. Das gefiel noch lange nicht jedem und die Hüter des heiligen Grals betrachteten dies stets mit Argusaugen. Gerade die Konstellation mit einem Major im Rücken stieß vielen sehr sauer auf. Von Ausverkauf war da natürlich die Rede und legendär ist ja fast schon der Spruch, dass The Clash den Punk zu Grabe trugen, als sie bei einer großen Plattenfirma unterschrieben. Noch bevor es richtig losgehen sollte. Die Band war in dieser Hinsicht sicher streitbar, denn seinerzeit ging es um viel mehr als nur Musik. Für Nachgeborene mag das alles schwer nachvollziehbar sein, keine Frage. Was bleibt und diese Kapelle unsterblich machen wird, sind die Alben und die vielen, vielen Hits im Gepäck. Auf einen derartigen grandiosen Backkatalog kann keine andere Genreband blicken.

 

Mit The Clash lässt sich natürlich auch immer noch etwas verdienen, auch da kann man wieder den Punkgedanken hinterfragen, aber aus diesen Stiefeln ist die Band ja sowieso längst entwachsen. Wer sich das „Sound System“ zulegen möchte, muss jedenfalls richtig tief in die Tasche greifen, denn das Teil kostet nahezu 160 Euro! Das ist mal eine Hausnummer, guckt man sich aber die liebevolle Umsetzung an, dann relativiert sich das schnell. Der Inhalt liest sich schon schmuck. Alle Alben wurden von The Clash und dem preisgekrönten Toningenieur Tim Young remastert. Dazu werden drei CDs inkl. raren Tracks, Demos, Non-Album-Singles und B-Seiten gereicht. Eine DVD mit unveröffentlichtem Material von Julian Temple, frühen Super-8-Aufnahmen von Don Letts, allen Promotion-Videos der Band und bisher unveröffentlichtem Livematerial dürfte die Fanherzen ein Stückchen schneller schlagen lassen. Und dann die netten Gimmicks wie die Mappe mit Nachdrucken der „Armagideon Times 1 & 2“ und der „Armagideon Times 3“ (neue Auflage des Fanzines, zusammengestellt und designed von Paul Simonon), Dog Tags, Badges, Sticker und ein „Future Is Unwritten“-Notizbuch designed von Harland Miller nicht zu vergessen.

 

Wer es eine paar Nummern kleiner mag, wird mit dem 5 Studio Album CD Set bestens bedient. Selbiges gibt es auch schon für knapp 26 Euro und das bietet natürlich ein sehr gutes Preisleistungsverhältnis. Und wer mit noch weniger auskommt, kann sich „Hits Back“ zulegen und bekommt so quasi die Hits der Band geboten. Bisher gab es ja mit „The Essential Clash“ oder „The Singles“ auch schon Zusammenstellungen, aber diese hier wurde klanglich aufpoliert und das hört man auch! Abgesehen davon dokumentiert die Titelliste die Setliste bei der legendären „Brixton Fairdeal“-Show von 1982 plus acht weitere bedeutende Songs. Zusätzlich enthält das Booklet des Albums die von Joe Strummer handgeschriebene Setliste abgedruckt, die er üblicherweise vor jedem Konzert auf die Rückseite seiner Telecaster klebte. Strummer war bei der Zusammenstellung der Setlist ja bekannterweise sehr akribisch. Das Booklet enthält aber auch noch einen sehr netten Text von Pat Gilbert.

 

„Hits Back“ stellt auf eindrucksvolle Art und Weise noch mal klar, dass die Band sich nie um Grenzen scherte und selbige durchbrach. Reggae, Rap, Jazz, Dance, Rockabilly, Ska, Pop, Dub, Soul, Rhythm & Blues, Funk, HipHop und Rock'n'Roll gibt es alles auf dieser Zusammenstellung zu hören und bestaunen. Das enge Korsett des Punk wurde von der Band schnell durchbrochen. Leider muss man auch sagen, dass die Themen, die die Band in den späten 70ern und zu Beginn der 80er angegangen hat, immer noch aktuell sind. Nimmt man die beiden Songs, die dieses Set eröffnen und beenden, dann kann man eigentlich kaum glauben, dass „London Calling“ und „Radio Clash“ von einer Band stammen. „The Guns Of Brixton“, „Rock The Casbah“, „I Fought The Law“, „Should I Stay Or Should I Go“ oder „White Riot“ - muss man noch mehr sagen? Wenn man es auf die Hits und wichtigen Songs abgesehen hat, dann wird man mit „Hits Back“ bestens bedient.

 

Fazit: Die vorliegende Doppel-CD bietet einen guten Querschnitt durch das Schaffen von The Clash – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Die ganze musikalische Bandbreite kommt hier in komprimierter Form zum Vorschein. Wer sich jetzt erst in die Welt von The Clash einarbeitet, wird mit dieser Zusammenstellung bestens bedient. Man sollte sich an dieser Stelle allerdings auch ein paar Gedanken über das 5 CD Set machen. Fans greifen ja sowieso zum fetten „Sound System“.

 

http://www.theclash.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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