The Beatles: Sgt. Pepper´s Lonely Hearts Club Band (Anniversary Edition)

The Beatles: Sgt. Pepper´s Lonely Hearts Club Band (Anniversary Edition)

Universal

VÖ: 26.05.2017

 

Wertung: 12/12

Tipp!

 

Unglaublich aber wahr: „Sgt. Pepper´s Lonely Hearts Club Band“ feiert am 01. Juni 2017 seinen 50. Geburtstag! 5 Jahrzehnte hat dieses beeindruckende Album nun schon auf dem Buckel. In den ganzen Jahren hat die Scheibe nichts an ihrem Reiz verloren und der Einfluss ist immer noch immens groß. Das Cover wurde vom britischen Pop-Art-Künstler Peter Blake inszeniert und ist wohl eines der bekanntesten Bilder der Popgeschichte. Mythen und Legenden wurden gestrickt und es gibt sogar ganze Bücher, die sich nur mit dem Kosmos und der Entstehungsgeschichte von „Sgt. Pepper“ beschäftigen. Die Faszination hält ungebrochen an und mittlerweile ist dieses Meisterwerk längst zum Kulturgut der Menschheit geworden. Jetzt wird „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band“ mit besonderen Jubiläums-Editionen förmlich zelebriert.

 

Giles Martin und Sam Okell haben sich die Songs noch mal vorgenommen und in Stereo und 5.1 Surround Audio neu(!) gemischt. Die beiden Herren arbeiteten mit einem Spezialisten-Team von Toningenieuren und Sound-Restauratoren der Abbey Road Studios in London zusammen. Alles basiert natürlich auf den originalen Vier-Spur-Aufnahmen die George Martin damals auf Wunsch der Beatles in Mono aufgenommen hatte. Keine Sorge, das Album wird dadurch nicht verfälscht, der Klang sorgt trotzdem dafür, dass man dieses Meisterwerk noch mal ganz neu entdecken kann und darf! Das Booklet ist nun sogar opulenter ausgefallen. Die Einleitungsworte dazu schrieb übrigens Paul McCartney im März 2017. Er drückt dort auch noch mal sein Erstaunen darüber aus, dass man sich 50 Jahre später immer noch mit diesem Album befassen kann. Ringo Starr weist im Buch zur Super Deluxe Edition darauf hin, dass das Album 1967 wohl die gesellschaftliche Stimmung eingefangen haben muss.

 

Fans dürften auf den Veröffentlichungstag hin gefiebert haben, da die verschiedenen Konfigurationen jede Menge Bonusmaterial auffahren. Die Beatles lassen uns quasi mit ins Studio und an der Entstehung des Albums teilhaben. Die unveröffentlichten Session-Aufnahmen und das Video-Material dürfte jedes Fanherz ein bisschen schneller schlagen lassen. Die vollständigen ‘early takes’ von den Sessions liegen in chronologischer(!) Abfolge - wie sie aufgenommen wurden – vor! Man sollte sich zumindest die 2 CD „Anniversary Edition“ zulegen, da man hier auf einer zweiten CD immerhin achtzehn Session Tracks erhält. Das ist ja auch schon recht umfangreich. Zudem hat man da auch zwei Takes und den Stereo Mix 2015 von „Strawberry Fields Forever“, sowie die Instrumentalversion und einen neuen Stereo Mix von "Penny Lane" untergebracht. Die beiden Songs erschienen im Februar 1967 als Doppel-A-Seite und waren im Grunde das Bindeglied zwischen „Revolver“ und „Sgt. Pepper“. Die beiden Tracks sind für die Entstehungsgeschichte ja von Bedeutung, da sie die ersten Aufnahmen für die Pepper-Sessions im November 66 waren.

 

Die Relevanz des Albums liegt in der Genialität, aber ist natürlich auch in der damaligen Zeit begründet. Keine andere Band hatte bis dahin einen derartigen Stilmix gewagt. Die Kreativität der Beatles stellte alles auf den Kopf. Man darf dabei ja auch nicht vergessen, dass die Arbeitsbedingungen – vor dem Hintergrund der heutigen Möglichkeiten – regelrecht primitiv waren. 4 Spuren mussten reichten. Die visuelle Gestaltung sorgte zusätzlich dafür, dass das Gesamtkonzept überlebensgroß wurde.

 

Das Album sollte jeder musikbegeisterte Mensch kennen. Der rockige Auftakt mit dem Titelstück wird vom imaginären Publikum mit Applaus begrüßt. Konterkariert wird das durch den Horn-Chor. Beschränkt man das auf den rockigen Anteil, dann hört man sehr gut, dass Bands von Oasis bis Mando Diao da ganz genau hingehört haben. Dann folgt „With A Little Help From My Friends“ mit seiner bewusst einfach Melodie. Ein typischer Ringo-Song eben, der aber natürlich unglaubliches Ohrwurmpotenzial hat.

 

Über „Lucy In The Sky With Diamonds“ wurden ja auch schon ganze Abhandlungen geschrieben. Die Mär, dass es sich hier um eine LSD-Erfahrung der Band handeln würde, hält sich ja immer noch hartnäckig. Nun gut, der Text lässt diese Vermutung schon zu. Die psychedelischen Effekte sprechen auch nicht gerade dagegen und der Wechsel der Tempi und Rhythmen stellt auch heute noch so manche Hörgewohnheit auf den Kopf. „Getting Better“ hat die Soundbearbeitung noch mal ungemein gut getan. Es wird ja oftmals übersehen, dass McCartney ein wirklich innovativer Bassist war und ist, der viele andere seines Fachs beeinflusst hat. Hier kann man noch mal überprüfen warum das so ist. Bei „Fixing A Hole“ kommt zudem die Gitarre noch mal druckvoller in den Ohren an. „She´s Leaving Home“ lugt mit Streicher und Harfen-Arrangements gekonnt zur Klassikmusik rüber. Das psychedelische Lennon-Stück „Being For The Benefit Of Mr. Kite“ stellt anschließend die Atmosphäre komplett um. Effekte wohin man auch hört. Sehr viel Hall, eine Kirmes-Orgel oder Rückwärtsabläufe und Geschwindigkeitsmanipulationen im Studio sorgten dafür, dass die Rockmusik auf ein ganz anderes Level gehoben wurde.

 

Danach geht es mit dem guten George auf eine Reise nach Indien. „Within You Without You“ überfordert auch heute noch so manche zarte Seele. Ein bisschen Klarinette gefällig? „When I´m Sixty-Four“ stellt das Instrument, neben einem Besenschlagzeug, in den Mittelpunkt des Geschehens. Dagegen ist „Loveley Rita“ ja ein fast normaler Song. Die liebevollen Details machen aber auch aus diesem Stück ein Kleinod. Das Saloon-Klavier ist zudem ein sehr nettes Gimmick. Auch hier ist der Sound schlichtweg überragend. „Good Morning Good Morning“ taucht wieder in den Wahnsinn, bestehend aus Tiergeräuschen, verschiedenen Rhythmen und übersteuerten Bläsern, ab. Danach gibt es von „Sgt. Peppers“ noch mal ein kurzes Reprise. Diese eine Minute und einundzwanzig Sekunden verdeutlichen nachhaltig, dass Herr Starr ein wirklich sehr guter Drummer war, denn was er hier mit wenigen Mitteln veranstaltet, wird auch heute noch von allen möglichen Bands kopiert. Mit „A Day In The Life“ endet das Album mit der einzigen wirklichen Lennon-McCartney Songwritingarbeit. Das verbindende Orchester-Element der beiden Teile ist immer noch einer der Kunstgriffe der 60er. Ein genialer Abschluss einer genialen Platte!

 

Die zweite CD lässt einen dann am Entstehungsprozess teilhaben. Take 9 von „Sgt Pepper“ kommt ohne die vielen Spielereien aus (kein Applaus) und gewinnt dadurch sogar noch mal, weil das gute Stück so noch rockiger erscheint. Von „With A Little Help From My Friends“ gibt es eine Instrumentalversion mit Startschwierigkeiten zu hören. Das dengelt aber auch ein bisschen ziellos dahin. „Lucy In The Sky With Diamonds“ gibt es als Take 1 zu hören – mit Husten und Diskussion zu Beginn. Die psychedelische Note ist aber auch hier – immerhin der Anfang - schon gegeben. Interessant, wie sich das schließlich entwickelt hat. Der Refrain ist beispielsweise noch nicht vorhanden. „Getting Better“, „Fixing A Hole“ oder „She´s Leaving A Hole“ gehen tatsächlich an das Eingemachte. Die Herren geben sich nicht nur kurze Kommandos, sondern man hört deutlich, wie sie noch auf der Suche sind und sich die Stücke erarbeiten! Bei „Within You Without You“ gibt es den ersten Take mit den indischen Instrumenten zu hören. Hierbei handelt es sich somit um eine reine Instrumentalversion.

 

„When I´m Sixty-Four“ als Take 2 ist immens stark. McCartney an Bass und Gesang ist hier wahnsinnig direkt und ungefiltert. „Loveley Rita“ zeigt wieder den harten Arbeitsprozess und Lennon hat da noch ein paar Dinge mitzuteilen. „Good Morning Good Morning“ klingt in dieser Form gar nach einer Garagenband. Die Gitarre bei „Sgt. Pepper´s Lonely Hearts Club Band“ (als Reprise) auch. Und das Schlagzeug erst. „A Day In The Life“ ist noch sehr reduziert und wirkt daher sehr intensiv. Den Abschluss bilden dann die schon erwähnten Versionen von „Strawberry Fields Forever“ und „Penny Lane“. Der neue Stereo-Mix von „Penny Lane“ ist übrigens überzeugend und gut!

 

Fazit: Es ist völlig egal, ob man die Beatles und „Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band“ mag oder nicht, denn der Einfluss des Albums auf die Popmusik und -kultur ist nicht von der Hand zu weisen und ungebrochen. Auch 50. Jahre später! Ein Klassiker! Man kann auch darüber streiten, ob es nun das beste Album der Band ist oder eher nicht. Dieses Meisterwerk hat jedenfalls die Messlatte ganz hoch gelegt und Standards gesetzt, an denen viele scheiterten. Die Jubiläums-Editionen lassen einen nun auch noch mit ins Studio und die Zuhörer am Entstehungsprozess teilhaben. Der Sound reicht von sehr gut bis brillant – gerade vor dem Hintergrund des Alters der Aufnahmen und mit welchen Mitteln da damals gearbeitet wurde. Für jede vernünftige Sammlung ein essenzielles Werk!

 

http://sgtpepper.thebeatles.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

The Beatles: Live At The Hollywood Bowl

The Beatles: Live At The Hollywood Bowl

Apple/Universal

VÖ: 09.09.2016

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Die Aufnahme „Live At The Hollywood Bowl“ von den Beatles haben viele Fans ja längst im Schrank stehen. Zumindest auf die älteren Semester trifft das zu. Die Aufnahmen wurden einst in der zweiten Hälfte der 70er veröffentlicht, sind aber natürlich längst vergriffen und zu gesuchten Sammlerstücken geworden. Alleine schon unter dem Gesichtspunkt jedem Fan – und da sind mittlerweile ja ein paar Generationen hinzugekommen – diese Songs zugänglich zu machen, ist die neuerliche Veröffentlichung sicher als sehr sinnvoll zu bezeichnen. Die beiden Grammy-Gewinner, Produzent Giles Martin und Toningenieur Sam Okell, haben die ganze Geschichte in den berühmten Abbey Road Studios nun neu abgemischt und gemastert. Natürlich sind das die von Sir George Martin ursprünglich gemischten dreizehn Songs des Originalalbums – als besonderes Schmankerl gesellen sich aber vier bisher unveröffentlichte Stücke der legendären Konzerte dazu!

 

Warum die neuerliche Veröffentlichung Pflicht ist? Weil sich die Technologie seit damals unglaublich weiterentwickelt hat. George Martin hat sicher sein Bestes gegeben, seinem Sohn standen nun aber ganz andere Möglichkeiten zur Verfügung. Die Initialzündung für dieses Projekt ging übrigens von den Capitol Studios aus, die den Kontakt mit Giles Martin suchten, weil in den Archiven einige Hollywood Bowl-Dreispuraufnahmen entdeckt wurden. Bestimmte Sounds wurden nun aus den Aufnahmen entfernt – dank neuer Demix-Technologie – oder separiert. Keine Sorge, die Ursprünglichkeit wurde keineswegs verfälscht, aber der Klang ist schon sehr viel klarer und der Bootlegcharakter der ersten Veröffentlichung rückt doch sehr weit in den Hintergrund.

 

Die Fakten sind ja soweit bekannt. Jeweils 17.000 Menschen schrien sich die Seele aus dem Leib. Die Beatles waren kaum zu hören. Vermutlich hätte selbst Motörhead bei diesem Publikum aufgeben müssen. Die Beatles selber hatten keine Monitore, so dass sie nicht hören konnten, was sie da sangen. Dieser Fakt ist schon recht beachtlich, denn dafür wirken die Harmonien schon verdammt stark. Die vier Herren sahen sich ja immerhin noch dem Gekreische ausgesetzt – sie hörten also nicht sonderlich viel. Umso beeindruckender ist der Einstieg mit „Twist And Shout“ und den Harmonien zu Beginn.

 

Die Soundqualität ist unter den gegebenen Umständen schon recht beeindruckend. Der Bass bei „Dizzy Miss Lizzy“ hat noch nie so klar geklungen. Die hysterischen Zuschauer sind nun schon sehr stark in den Hintergrund gemischt worden. Bei den Solos hat man den Eindruck, dass die Zuschauer wieder ein Stück nach vorne geholt wurden. So wird natürlich auch eine Dynamik erzeugt, die ein authentisches Livegefühl erzeugt. Bei „Can´t Buy Me Love“ zeigt sich zudem, dass die vier Herren sich blind verstanden. Ringo treibt die Nummer unaufhörlich an. Da haben von The Hives über Mando Diao bis zu Oasis alle ganz genau zugehört. Und wie sich die jungen Wilden hier mit ganz viel Verve in „Roll Over Beethoven“ werfen, ist schon recht toll. „Boys“ mit Ringo ist ein heimlicher Höhepunkt des Sets. Die anderen geben den perfekten Backgroundchor ab. Die Beatles stehen eben über allen anderen. Immer noch. Und wer nacheinander „A Hard Day´s Nicht“, „Help!“, „All My Loving“ und „She Loves You“ in diesem Stadium der Karriere am Start hat, ist sowieso über jeden Zweifel erhaben. Zumindest ist das auf diesem Set ja so. Die ersten beiden Tracks stammen nämlich vom Auftritt im Jahre 65 und die anderen von 64. Endlich kann man das auch bei gutem Sound genießen!

 

Die Bonustracks wissen auch zu überzeugen. „You Can´t Do That“ ist etwas ausgefeilter, während „Everybody´s Trying To Be My Baby“ doch hier und da unsicher wirkt. Dazwischen gibt es das unverwüstliche „I Want To Hold Your Hand“ auf die Ohren. Als Abschluss wurde „Baby´s In Black“ gewählt – eine Ballade. Mehr oder weniger. Das Album enthält übrigens ein 24-seitiges Booklet mit einem Essay des renommierten Musikjournalisten David Fricke. Das Cover fängt mit seinem schönen Blauton die Stimmung des Albums sehr schön ein und setzt diese auch optisch sehr gut in Szene.

 

Fazit: „Live At The Hollywood Bowl“ von The Beatles ist keine gänzlich neue Aufnahme – abgesehen von den vier Bonustracks – aber der Sound ist doch um einiges besser als die alte Vinyl-Ausgabe aus dem Jahre 1977. Der Sohn von Sir George Martin hat mit den technischen Mitteln der Jetztzeit da klanglich noch mal eine ganze Menge herausgeholt. Unter den widrigen Umständen, die die Beatles damals vor Ort vorgefunden haben, ist deren Leistung sowieso umso beachtlicher. Die optische Gestaltung und das schöne Booklet runden die Geschichte wunderbar ab. Der Film feiert übrigens am 15. September in London seine Weltpremiere. (Mit seinem raren und exklusiven Filmmaterial konzentriert Ron Howards "The Beatles: Eight Days A Week - The Touring Years" sich auf den ersten Teil der Beatles-Karriere (1962-1966) – jener Periode, in der sie tourten und zu Weltruhm gelangten. Der Film entstand in enger Zusammenarbeit mit Paul McCartney, Ringo Starr, Yoko Ono Lennon und Olivia Harrison. "The Beatles: Eight Days A Week - The Touring Years" streift auch die Hollywood Bowl Konzerte der Band und enthält Aufnahmen ihrer Performance von "Boys“, das auch auf "The Beatles: Live At The Hollywood Bowl" enthalten ist.)

 

http://thebeatleseightdaysaweek.com/de/

 

Text: Torsten Schlimbach

The Beatles: The U.S. Albums

The Beatles: The U.S. Albums

Universal

VÖ: 17.01.2014

 

Vor ziemlich genau 50 Jahren landeten die Beatles in Amerika und versetzten ein ganzes Land in Ekstase. Der 7. Februar 1964 ist für die Musikwelt durchaus von historischer Bedeutung. Zwei Tage später saß ein großer Teil der Nation vor dem Fernseher. Unglaubliche 74 Millionen Amerikaner und noch ein paar weitere Millionen Kanadier verfolgten den ersten Auftritt der Beatles im amerikanischen Fernsehen. Die „Ed Sullivan Show“ war für die Briten das Sprungbrett um auf diesem Kontinent endgültig Legendenstatus zu erlangen. Sie spielten insgesamt fünf Songs live on air. Dieses Ereignis wird nun mit einer umfangreichen Box gebührend gefeiert. Eine 13-CD Box mit den US Alben umfasst alle Platten von „Meet The Beatles!“ (1964) bis „Hey Jude“ (1970).

 

Eigentlich ist die Geschichte der vier Jungs aus Liverpool längst erzählt und eigentlich kann dem Backkatalog nichts mehr hinzugefügt werden. Eigentlich! Selbst diese Box macht durchaus Sinn und dürfte auch bei den Hardcore-Fans noch für Entzückung sorgen – zumindest dann, wenn man die Sammlung auch auf CD komplettieren möchte. „A Hard Day’s Night” „The Beatles’ Story”, „Yesterday And Today“, „Hey Jude“ und die US-Version von „Revolver“ erscheinen hier erstmals auf CD! Dies alles liegt in einer Box mit originalgetreuen LP-Artworks, einschließlich der inneren Schutzhüllen der Alben, und mit einem 64-seitigen Booklet mit Fotos, Promobildern und einem neuen Essay von dem amerikanischen Autor und TV-Manager Bill Flanagan vor. „The Beatles’ Story“ und „Hey Jude“ sind nur in einer Stereo-Version enthalten, da es von den beiden Alben eben keine anderen gibt. Die übrigen elf Alben sind dafür im Mono- und Stereosound vertreten.

 

Auch wenn sich die Alben der US-Veröffentlichungen von den UK-Alben unterscheiden, beispielsweise bei den Tracklists, Mixen, Albumtiteln und Artworks, ist das Material letztlich hinlänglich bekannt. Was soll es auch da Neues geben? Aus den weiter oben genannten Gründen macht dieses Projekt unter dem Strich allerdings Spaß, ist aber bei einem Anschaffungspreis von knapp 180 Euro allerdings auch eine Pille, an der man schwer zu schlucken hat. Die Box macht sich aber bestimmt gut im Schrein.

 

Heutzutage ist es ja nicht gänzlich unüblich, dass Alben für die verschiedenen Märkte noch mit dem einen oder anderen Bonustrack aufwarten. Die Ursprünge dieser Vorgehensweise liegen allerdings ganz weit zurück. Man kann es sich im Jahre 2014 kaum vorstellen, aber es gab mal eine Zeit, als die Beatles in den USA alles andere als erfolgreich waren. Britische Gruppen hatten es dort traditionell schwer. Capitol Records wollte die Platten zunächst nicht vertreiben. Die ersten Tonträger der Fab Four erschienen somit auf dem kleinen US-Label Vee-Jay Records. Die Single „Please Please Me/Ask Me Why“ wurde im Februar 1963 veröffentlicht, kam allerdings nicht in die Hitparaden. „From Me to You/Thank You Girl“ folgte im Mai, war aber ebenso ein Rohrkrepierer. Die dritte Veröffentlichung erschien wiederum bei Swan Records und somit schon wieder auf einem anderen Label. „She Loves You/I’ll Get You“ war aber auch nicht gerade ein Renner. Nachdem die Band im Februar 64 auch in den USA die Beatlemania auslöste, stieg die Single dann doch noch auf Platz 1. „I Want to Hold Your Hand/I Saw Her Standing There“ war schließlich die erste Veröffentlichung auf Capitol Records und erschien Weihnachten 63. Der Titel stieg immerhin auf Platz 45 der Billboard Charts ein. Es dauert dann noch zwei Wochen bis „I Want to Hold Your Hand“ an die Spitze kletterte – der endgültige Durchbruch der Band. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

 

In den USA, aber auch in Deutschland erschienen Veröffentlichungen, die zunächst stark von den britischen Alben abwichen. Die ersten Platten waren ausschließlich Zusammenstellungen, auch die eigentlichen Alben waren abweichende Versionen. Dies alles kann man nun anhand der U.S. Albums Box wunderbar nachvollziehen. Von „I Want To Hold Your Hand“, über „Matchbox“, „Please Please Me“ bis hin zu „Rain“ und „Hey Jude“ reicht der Songreigen.

 

Fazit: Natürlich hat der geneigte Fan die U.S. Alben längst alle im Schrank stehen. Diese Box hier macht aber durchaus Sinn, da nun auch die bisher nie offiziell auf CD erschienenen Alben auch enthalten sind. Die einzelnen Platten liegen – sofern vorhanden – in der Mono- und Stereo-Version vor. Eine Bewertung muss an dieser Stelle allerdings entfallen, da anhand des vorliegenden Promo-Samplers keine Aussage über die Haptik und Optik der Box getroffen werden kann.

 

http://www.thebeatles.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

 

 

The Beatles: The U.S. Albums

in mono und stereo, wenn nicht als nur stereo gekennzeichnet

** erstmals auf CD


Meet The Beatles!
[Capitol Records: erschienen am 10. Januar 1964; 11 Wochen auf Platz 1]

The Beatles’ Second Album
[Capitol Records: erschienen am April 10, 1964; fünf Wochen auf Platz 1]

A Hard Day’s Night (Original Motion Picture Soundtrack) **
[United Artists: erschienen am 26. Juni 1964; 14 Wochen auf Platz 1]

Something New
[Capitol Records: erschienen am 20. Juli 1964; neun Wochen auf Platz 2]

The Beatles’ Story [stereo only] **
[Capitol Records: erschienen am 23. November 1964; Topposition: Platz 7]

Beatles ’65
[Capitol Records: erschienen am 15. Dezember 1964; neun Wochen auf Platz 1]

The Early Beatles
[Capitol Records: erschienen am 22. März 1965; Topposition: Platz 43]

Beatles VI
[Capitol Records: erschienen am 14. Juni 1965; sechs Wochen auf Platz 1]

Help! (Original Motion Picture Soundtrack)
[Capitol Records: erschienen am 13. August 1965; neun Wochen auf Platz 1]

Rubber Soul
[erschienen am 6. Dezember 1965; sechs Wochen auf Platz 1]

Yesterday And Today **
[Capitol Records: erschienen am 20. Juni 1966; fünf Wochen auf Platz 1]

Revolver **
[Capitol Records: erschienen am 8. August 1966; sechs Wochen auf Platz 1]

Hey Jude [stereo only] **
[Apple Records: erschienen am 26. Februar 1970; vier Wochen auf Platz 2]

The Beatles: Live At The BBC – The Collection

The Beatles: Live At The BBC – The Collection

Universal

VÖ: 08.11.2013

 

Wertung: 12/12

Tipp!

 

Vor fast zwanzig Jahren erschien die erste Beatles Zusammenstellung „Live At The BBC“. Das Doppel-Album wurde von den Kritikern gefeiert und für die Fans war es mal wieder der heilige Gral, der einem da präsentiert wurde. Das vorzügliche Material war aber auch ein Griff in die Raritätenkiste, denn immerhin war das bisher ja auf keinem Album zu finden. Die Radioausstrahlungen dürfte bis dahin kaum einer in dieser Masse archiviert haben. Jetzt gibt es den Nachschlag mit „On Air – Live At The BBC Volume 2“.

 

Zwischen März 1962 und Juni 1965 konnte die BBC auf 275(!) Auftritte der Beatles zurückgreifen! Bei den BBC-Sessions spielte die Band immerhin 88 verschiedene Songs ein. Natürlich kommt es dabei zu Überschneidungen, es gab aber auch Titel, die nur ein einziges Mal gespielt wurden. George Martin war für die erste Zusammenstellung von „Live At The BBC“ verantwortlich. Für die zweite Runde übernahmen diesen Job die Produzenten Kevin Howlett und Mike Heatley. Beide Alben wurden in den Abbey Road Studios sorgfältig von Guy Massey und Alex Wharton gemastert. Auch „Live At The BBC“ wurde sich erneut zur Brust genommen und klanglich auf den neusten Stand gebracht. Die beiden CDs hören sich jetzt wesentlich besser an – klarer und druckvoller. Man kann beide Veröffentlichungen nun auch als „The Collection“ gemeinsam erwerben.

 

Die Aufmachung kann sich sehen lassen. Die Papphülle von „The Collection“ hätte zwar etwas stabiler ausfallen dürfen, aber das ist auch der einzige kleine Kritikpunkt, der aber nicht weiter ins Gewicht fällt, da die Hülle selbstverständlich schon ihren Zweck erfüllt und die beiden Doppel-Alben sicher umschließt. Diese liegen jeweils als feines, ausklappbares Digipack vor. 94 wurde die erste Veröffentlichung ja noch in einer dicken, umständlichen CD-Box in die Regale gestellt. Optisch wird dies jetzt ungemein aufgewertet. In den Hochglanz-Booklets beider Sammlungen befinden sich Kevin Howletts Essays über die BBC-Sessions und seine ausführlichen Kommentare zu allen Tracks. Viele Fotos runden die Sache wundervoll ab.

 

„Live At The BBC – The Collection“ hat auf den vier CDs natürlich eine ganze Menge Material zu bieten. Ein amtliche und üppige Zusammenstellung, die aber keineswegs komplett ist. Vieles hat man zwar schon auf Bootlegs finden können, die allerdings von der Soundqualität unterirdisch waren, aber selbst wer sich hier eifrig daran gemacht hat seine Sammlung zu vervollständigen, wird doch noch Lücken haben. Von der Masse des Materials und der Klangqualität dürfte man aber sicher keine anderen Veröffentlichungen als diese vier Alben finden, die da mithalten können. Insofern ist „Live At The BBC – The Collection“ nun sicher das ultimative Vermächtnis dieser Beatles-Auftritte.

 

Das erste BBC-Album wurde liebevoll in den Abbey Road Studios remastert, was sich tatsächlich deutlich bemerkbar macht, den Charme der Aufnahmen aber keineswegs verfälscht. Es ist immer wieder schön sich durch diesen Songreigen zu wühlen. Von „Riding On Bus“ über „That´s All Right (Mama)“, „You Really Got A Hold On Me“, „A Hard Day´s Night“, „I´m A Loser“ oder „Love Me Do“. Viele Coverversionen befinden sich darunter - eine ganze Reihe von Chuck Berry. Eröffnet und beendet wird die ganze Geschichte mit „From Us To You“, in dieser Form extra für die Radiosendung aufgenommen. Mit „I´ll Be On My Way“ findet sich hier zudem ein balladesker Lennon/McCartney Song wieder, der nie richtig im Studio aufgenommen wurde. „Honey Don´t“ kennt man zwar auch schon, aber hier wird er erstmals von Lennon gesungen und nicht von Ringo Starr.

 

Man muss sich das sowieso mal vorstellen, da kommt eine Band mit den Instrumenten unter dem Arm zum Radiosender und spielt die Songs live im Studio. Ohne Netz und doppelten Boden wohlgemerkt! Fehler lassen sich nicht mehr korrigieren und jeder konnte es hören. Die BBC Aufnahmen der Beatles führen einem noch mal vor Augen, dass die vier jungen Herren durchaus eine richtige Rock and Roll-Band waren, die mitunter sehr roh und ungeschliffen klang. Da schrammeln die Gitarren was das Zeug hält. Mitunter wirkt das, als wüssten sie selbst nicht, wie gut sie eigentlich sind. Garniert wird die ganze Geschichte mit den herrlichen O-Töne und Interviewfetzen, die die größte Band aller Zeiten von einer herrlich naiven Seite zeigen.

 

Unter den 63 Tracks der zweiten BBC-Reihe sind 37 bisher unveröffentlichte Performances. „On Air – Live At The BBC Volume 2“ knüpft nahtlos an das bekannte und offiziell veröffentlichte Material an. Die Beatles waren da noch nicht die größte Band des Planeten und wenn der Moderator McCartney fragt, wer er denn sei – Antwort Paul – dann sitzt man ungläubig vor der Anlage. Wie kann man denn den besten Songschreiber seiner Generation nicht kennen? So war es damals, die Beatles waren auf dem Weg, aber eben noch nicht im Olymp angekommen. Die BBC war live dabei und jetzt dürfen alle noch mal miterleben wie es seinerzeit wohl gewesen ist. Ein großes Stück Zeitgeschichte steckt somit auch in diesen Aufnahmen.

 

Wer die großen Welthits sucht, wird mitunter nicht fündig werden. Klar, „Please Please Me“ oder „I Saw Her Standing There“ fallen sicher in diese Kategorie, aber letztlich sind es abermals die Coverversionen, die hier überwiegen. Mit „Talking About You“ und „Beautiful Dreamer“ gibt es aber auch zwei Songs der Band, die offiziell nie auf einem Tonträger veröffentlicht wurden. Zehn der Songs auf On Air hatte die Band in den 1960ern gar nicht für die EMI aufgenommen, die oben genannten Stücke gehören dazu. Besonders die Performance von Chuck Berrys „I’m Talking About You” hat ungemein Schmiss, aber auch die Beatles-Version des Klassikers „Beautiful Dreamer” ist hervorragend. Zwar ist das nicht perfekt, aber authentisch und mit viel Hingabe und naivem Charme gespielt. Auch „Happy Birthday, Dear Saturday Club“, eine Verneigung der Band vor der wichtigsten Popsendung der 60er auf der BBC, ist eine sehr schöne Überraschung.

 

Fazit: Endlich wird „Live At The BBC“ von den Beatles weitergeführt. „On Air – Live At The BBC Volume 2“ beinhaltet gleich 37 unveröffentlichte Performances! Überschneidungen mit dem ersten Set gibt es selbstverständlich keine. Es ist einfach toll, die Band in dieser Karrierephase zu hören. Wie ein roher und ungeschliffener Diamant schmeißt sich die Band auf ihr naive, aber großartige Art und Weise in die Songs. Die vielen humorvollen Zwischentöne – 23 an der Zahl – sind da das Salz in der Suppe. Selbst wer das erste Doppel-Album schon im Schrank stehen hat, sollte über einen Kauf des Komplettpakets nachdenken, da man „Live At The BBC“ sehr behutsam remastert hat und sich der Klang so deutlich verbessert hat. Die Aufmachung von „The Collection“ ist ebenfalls ein Hingucker. Ein Stück Beatles- aber auch Zeitgeschichte! Sollte in keiner Sammlung fehlen!

 

http://www.thebeatles.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

The Beatles: 1 (Remastered)

The Beatles: 1 (Remastered)

EMI

VÖ: 02.09.2011

 

Damit ist die Serie der weltweiten Neuauflage des vollständigen Beatles-Albumkatalogs um eine weitere Veröffentlichung reicher. Auch die schlicht „1“ betitelte Platte liegt nun in einem neuen Klaggewand vor. Hierzu hat man jetzt auch auf die Remaster aus dem Jahre 2009 zurückgreifen können, wodurch der Sound natürlich noch mal aufgewertet wurde. Als die 27 Tracks starke CD erstmals im Millenniumsjahr 2000 veröffentlicht wurde, konnte man nur auf die Remaster der analogen Bänder der 80er und frühen 90er bauen. Für Komplettisten ist es sicher schön, dass man nun auch auf „1“ in diesem Klanggewand zurückgreifen kann.

 

Zu der Zusammenstellung selber muss man ja hoffentlich nicht mehr viel sagen. Auf dem Cover prangert ja nicht umsonst eine große 1! Das Album beinhaltet die Nummer-1-Singles, die The Beatles in Grobritannien und den USA verbuchen konnte. Natürlich stellt sich die Frage nach dem Sinn bei der wichtigsten Band der Rock- und Popgeschichte noch mehr als bei anderen Bands, da man letztlich den gesamten Backkatalog im Schrank stehen haben sollte!

 

„1“ ist ja sowieso mit ein paar Kuriositäten versehen. „Love Me Do“ ist enthalten und „Please Please Me“ nicht? Die Charts sind ja für dieses Album entscheidend und somit konnte die sich die erste Single eben hier verewigen. „Day Tripper“ und „We Can Work It Out“ wurden ebenso als Sinlge-A-Seite veröffentlicht wie „Yellow Submarine“ und Eleanor Rigby“ die folgerichtig auch allesamt enthalten sind. Anhand dieser 27 Songs kann man eben von den Anfängen bis zu „The Long And Winding Road“ die Entwicklung der Band innerhalb kürzester Zeit nachverfolgen. Man vergisst ja gerne, dass die Beatles eigentlich nur relativ kurz als Band Bestand hatten.

 

Die Klangqualität ist natürlich extrem gut. Druckvoller wirken die Songs und atmosphärisch wesentlich wärmer wie noch vor Jahren, als die Songs erstmals auf CDs untergebracht wurden. Insofern macht diese erneute Veröffentlichung durchaus Sinn. Die neue Edition liegt übrigens im Digisleeve vor und kann noch mit einem 32-seitigem Booklet punkten!

 

Fazit: Die Beatles werden ja immer wieder von einer neuen Genration entdeckt. Als Neueinsteiger steht man ja oftmals vor der Frage, wo man anfangen soll. Wie arbeitet man sich am besten in das umfangreiche Schaffen einer derart großen Band ein? Da gibt eine solche Zusammenstellung natürlich eine gute Figur ab, da der Zuhörer hier quasi an die Hand genommen wird und vom Anfang bis zum Ende eine große und stilprägende Vielfalt geboten bekommt. Schön, dass „1“ nun auch in der klanglich besten Qualität vorliegt!

 

http://www.thebeatles.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch