The Beach Boys: Greatest Hits

The Beach Boys: Greatest Hits

EMI

VÖ: 21.09.2012

 

Von The Beach Boys kommt mal wieder eine „Greatest Hits“ CD in die Läden. Bitte nicht noch so eine völlig sinnlose Zusammenstellung ist man da versucht zu sagen. Ganz so einfach kann man es sich allerdings nicht machen, denn die vorliegende erscheint immerhin im Rahmen der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bandjubiläum. Nach den ganzen Konzerten im Zuge der Feierlichkeiten, dem neuen Studioalbum „That´s Why God Made The Radio“ stellt dies den nächsten Höhepunkt dar, denn gleichzeitig werden auch zwölf Studioalben wiederveröffentlicht. Natürlich hat man den Sound noch mal auf den neusten Stand gebracht und somit sind die Scheiben allesamt digitally remastered!

 

Die einfache Ausgabe der „Greatest Hits“ richtet sich allerdings nur an all jene, die noch überhaupt nichts von den Beach Boys im Schrank stehen haben und nur die Hits haben wollen oder brauchen. Man sollte dann doch noch ein paar Euro mehr investieren und direkt zu „The Greatest Hits: 50 Big Ones“ greifen. Hier gibt es nämlich satte 29 Tracks mehr, natürlich alle remastert. Die Single „Isn´t It Time“ wurde dazu neu abgemischt. Optisch dürfte das Lift-Top-Boxset auch mehr hergeben. Das Booklet enthält zudem exeklusive Liner Notes von David Wild, Mitherausgeber des Rolling Stone. Man kann allerdings auch noch ein bisschen warten, denn später im Jahr – Hallo Weihnachtsmann! Hallo Christkind – soll noch ein umfangreiches 50th Anniversary Boxset folgen!

 

Wer hätte gedacht, dass sich Brian Wilson, Al Jardine, Mike Love, Bruce Johnston und David Marks noch mal an einen Tisch setzen und eine gemeinsame Tour als The Beach Boys planen? Richtig, auf die Idee wären nicht mal die kühnsten Optimisten gekommen. Ein neues Album schien sowieso nie ein wirkliches Thema zu sein. Und dann kam doch alles anders. Insofern macht diese Zusammenstellung dann sogar wieder Sinn, da es mit „That´s Why God Made The Radio“ auch einen Track der aktuellen Scheibe gibt. Das reicht im Grunde auch völlig aus, denn das dazugehörige Album ist zwar nett, reicht aber beileibe nicht an die Klasse der alten Songs heran – so ehrlich muss dann auch selbst der Beinhartfan sein.

 

„Surfin´ U.S.A.“, „Wouldn´t It Be Nice“, „God Only Knows“, „California Girls“ und natürlich „Good Vibrations“ (im Mono-Mix) unterstreichen nachhaltig, die besondere Klasse dieser Band. Viele Songs liegen übrigens im Stereo Mix vor, manche auch erstmalig und „Do It Again“, „Surfin´ Safari“, „Be True To Your School“ und „Rock And Roll Music“ wurden dieses Jahr gar komplett remastert. Die Songs strahlen so eine ganz neue Dynamik aus, ist allerdings auch gewöhnungsbedürftig.

 

Fazit: Die neuerliche „Greatest Hits“ von The Beach Boys ist klanglich die beste Zusammenstellung der Band. Da man hier auch neues Material vorfindet, ist es selbstredend auch die aktuellste Werkschau. Wer damit auskommt und sowieso noch nichts von den Jungs im Schrank hat, sollte hier zugreifen. Alle anderen warten dann auf das ultimative Boxset! Eine Wertung entfällt, da die Promo-CD ohne Booklet vorliegt und dies mitunter die ganze Geschichte noch mal aufwerten würde!

 

http://www.thebeachboys.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

The Beach Boys: SMILE

The Beach Boys: SMILE

EMI

VÖ: 28.10.2011

 

Wertung: 8/12

 

„SMILE“ der Beach Boys ist so ziemlich die geheimnisvollste Platte der Musikgeschichte, die niemals veröffentlicht wurde. Unzählige Berichte wurden darüber schon verfasst. Keiner wusste so genau was es mit „SMILE“ auf sich hatte, aber nach „Pet Sounds“ erhoffte und erwartete man sich ganz Großes. Mythen, Legenden und Märchen gibt es jede Menge - nur wie sieht es mit der Wahrheit, also der Musik aus? Brian Wilson, der geniale Kopf dahinter, hat ja vor nicht allzu langer Zeit schon mal musikalisch Stellung bezogen. Was fehlt ist natürlich immer noch das Originalalbum.

 

Zwischen Sommer 1966 und Anfang 1967 nahmen die Beach Boys verschiedene Songs und Fragmente für ein neues Album auf. Die Geschichte ist bekannt, das alles verschwand schließlich in den Archiven und schlummerte selig vor sich hin. Die Nachfrage nach den Songs ist seitdem allerdings ungebrochen. Mittlerweile hat man den Eindruck, dass dies alles von Generation an Generation weitergegeben wird. Das hat eine Eigendynamik entwickelt, die schon manchmal groteske Züge angenommen hat. Teile davon wurden ja sowieso für spätere Alben verwendet.

 

Nun wird gleich alles zugänglich gemacht. Ob dies nun tatsächlich auch der letzte kleine Mosaikstein ist, können die Beteiligten nur selber beantworten. Fakt ist, dass die „SMILE“ Sessions nun in allen erdenklichen Formaten erscheinen. Wer nur die rudimentären Songs braucht, die letztlich auch auf dem Album landen sollten, wird mit der Einzel-CD bestens bedient sein. Es gibt allerdings auch noch eine Box, die noch viel weiter ins Detail einsteigt. Neben Instrumental- und Alternativtracks gibt es dort sogar Gesprächsfetzen aus dem Studio zu hören. Das Artwork entstand übrigens in Zusammenarbeit mit dem Pop-Art-Künstler Frank Holmes.

 

Was sich Wilson und Van Dyke Parks hier erschaffen haben ist in höchstem Maße ungewöhnlich. Für die damalige Zeit sowieso. Das nun vorliegende Album ist eigentlich gar kein Album im klassischen Sinne. Songs gibt es nicht. Die Grenzen sind fließend und gehen ineinander über. Mit Ausnahme der Singles vielleicht. „Heroes And Villains“ und der brillante Überhit „Good Vibrations“ halten „SMILE“ in gewisser Weise zusammen. Der Rest setzt sich aus Fragmenten, Kollagen, Songteilen, Ideen und teilweise auch unhörbarem Material zusammen. Tempo- und Stilwechsel können im Sekundentakt passieren. Das ist in höchstem Maße faszinierend, aber eben auch anstrengend. Gängige Strukturen werden komplett auf den Kopf gestellt. Das Konzeptalbum hat natürlich auch den berühmten Harmoniegesang zu bieten. Trotzdem ist es nicht einfach da dran zu bleiben, da alles ineinander übergeht. Mit diesen Songs muss und wird man sich noch lange beschäftigen.

 

Fazit: Nun wird „SMILE“ doch noch veröffentlicht. Zwar dürften diese Sessionsauszüge nicht unbedingt mit dem eigentlich angedachten Album gleichzusetzen zu sein, aber der Blick hinter die Kulissen vermittelt mehr als nur einen Eindruck in diese Popoper. Das ist progressiver als so manches Album des Progrocks. Man muss sich dieses Konzept förmlich erarbeiten. Genau darin liegt ja auch der Reiz und die Brillanz blickt an allen Ecken und Enden durch. Der Mythos wird nicht zerstört, aber endlich gelüftet.

 

http://www.beachboys-smile.de

 

Text: Torsten Schlimbach

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