The Band: dito 50th Anniversary (2 CDs)

The Band: dito 50th Anniversary (2 CDs)

Capitol/Universal

VÖ: 15.11.2019

 

Wertung: 11/12

Tipp!

 

The Band und das gleichnamige Album zählen längst zum Kulturgut der Musikgeschichte. Eigentlich ist es kaum vorstellbar, dass damals kaum etwas über die Band bekannt war. Dies war immerhin schon das zweite Werk und doch blieb da einiges nebulös. Heutzutage ist jeder Künstler fast gläsern und gibt über die sozialen Medien eine ganze Menge von sich preis, denn sonst kann man in dem Haifischbecken Musikgeschäft erst gar nicht mitschwimmen. 1969 war die Musik eben wichtig und die Formation, die aus vier Kanadiern und einem US-Amerikaner bestand, traf damit voll und ganz ins Schwarze. Garth Hudson, Levon Helm, Richard Manuel, Rick Danko und Robbie Robertson wurden zur Stars.

 

Zu Ehren von diesem Meisterwerk wird selbiges nun noch mal neu aufgelegt. Das Album erscheint in ganz neuem Glanz und selbstverständlich kann man da – so will es ja auch der Zeitgeist – viele verschiedene Konfigurationen käuflich erwerben. Die Jubiläumsedition wurde aufwendig produziert und neu abgemischt. Das Super-Deluxe-Boxset – bestehend aus 2CDs, Blu-ray, 2LPs, 7“-Single und Hardcover-Buch – dürfte dabei sämtliche Fanträume erfüllen. Es geht natürlich auch eine Nummer kleiner und mit einer 2-CD oder Doppel-LP lässt es sich auch schon ganz gut leben. Eine limitierte farbige 2LP-Variante („Tigeraugen“-Look; 180g) lässt dann auch noch die Sammlerherzen höher schlagen. Produziert hat das Bob Clearmountain. Der Stereo-Mix ist übrigens neu und basiert selbstverständlich auf den Original-Mastertapes. Dies geschah unter den Argusaugen von Robbie Robertson, welcher wiederum sämtliche Konfigurationen absegnete.

 

Die 2 CD-Version liegt uns zur Besprechung vor und kann – so viel kann an dieser Stelle schon verraten werden – begeistern. Eine aufwändige Umverpackung gibt es zwar nicht und die beiden CDs sind in dem üblichen Doppel-CD-Case unauffällig versteckt, aber der Inhalt punktet dafür umso mehr. Das Booklet gleicht schon einem dicken Heft. Jede Menge Fotos und ein üppiger Begleittext von Anthony DeCurtis flankieren diese Veröffentlichung. Informationen zu den Songs dürfen natürlich auch nicht fehlen.

 

Besonderes Augenmerk dürfte auf der zweiten CD liegen. Der geneigte Fan und Hörer können sich über einen Mitschnitt der legendären Woodstock-Performance von The Band freuen, immerhin eine Live-Aufnahme, die vor einer halben Millionen Menschen stattfand und bis jetzt nie offiziell veröffentlicht wurde. Die etwas windschiefe Interpretation von „I Shall Be Released“ fällt unter die Rubrik „interessant“, während „The Weight“ eine großartige Liveumsetzung darstellt. „Long Black Veil“ oder das von einem tollen Bassspiel begleitete „Baby Don´t You Do It“ unterstreichen die Extraklasse von The Band auf der Bühne. Schon alleine dafür lohnt sich die Anschaffung des Sets!

 

Dazu gesellen sich noch einige rare und alternative Versionen. Der Rough Mix von „Rag Mama Rag“ klingt nach Saloon und Jam. „The Night They Drove Old Dixie Down“ als alternativer Mix ist ganz nett. Die große Überraschung ist der lässige alternative Take von „Up On Crippel Creek“. „Whispering Pines“ lässt einen als Zuhörer ein bisschen hinter die Kulissen gucken. Die Band bricht den Song ab und bespricht, wie man stattdessen die Nummer spielen sollte. „Jemima Surrender“ ist ebenfalls mit einem alternativen Take vertreten, der aber der verwendeten Version nicht das Wasser reichen kann. Den Schluss bildet „King Harvest (Has Surley Come)“ – auch das hat eher Jamcharakter und gewährt einem noch mal einen kleinen Einblick in den Arbeitsprozess von The Band.

 

Das eigentliche Album ist ein Klassiker der amerikanischen Musik – vielleicht sogar der Rockmusik. „Rag Mama Rag“ ist einer der großen Hits der Platte. „The Night They Drove Old Dixie Down“ ist in Deutschland ja schon aufgrund der Interpretation von Juliane Werding und „Am Tag Als Conny Kramer Starb“ sehr bekannt. „When You Awake“ plätschert etwas dahin, aber das famose „Up On Cripple Creek“ entschädigt für alles. „Rockin´ Chair“ legt die Folkwurzeln von The Band deutlich frei, während „Look Out Cleveland“ rockt, gleichzeitig aber Hitqualitäten offenbart. Die vielen kleinen Wendungen, auch von Seiten des Tempos, machen das zu einem ganz besonderen Musikstück. Weitere alternative Versionen wurden an das eigentliche Album angehangen. Herausragt hier die alternative Version von „Rag Mama Rag“ mit kleinem Klassikintro auf dem Klavier.

 

Fazit: Die Jubiläumsedition von „The Band“ ist eine würdige Veröffentlichung zum 50. Geburtstag des Klassikers. Man darf sich über die erste offizielle Veröffentlichung des Woodstock-Auftritts freuen und die vielen alternativen Versionen sind eine echte Bereicherung. Hin und wieder kriegt man auch einen Einblick, wie die Band sich die Songs gemeinsam erarbeitete. Das eigentliche Album liegt in einem tollen Stereo-Mix vor. Das Set sollte in keiner Sammlung fehlen!

 

Text: Torsten Schlimbach

The Band: The Last Waltz - 40th Anniversary Edition

The Band: The Last Waltz - 40th Anniversary Edition

Rhino/Warner

VÖ: 11.11.2016

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

„The Last Waltz“ gilt als einer der besten Konzertfilme aller Zeiten. Das Ereignis fand bekanntlich an Thanksgiving im Jahre 1976 statt. Der Ballsaal des Winterland Theatre in San Francisco erwies sich als der perfekte Ort für den letzten Aufgalopp von The Band. Rick Danko, Levon Helm, Garth Hudson, Richard Mamel und Robbie Robertson standen allerdings nicht alleine auf der Bühne und wurden von zahlreichen Stars und Weggefährten begleitet. Es war ein Konzert der besonderen Art und sorgt nun auch vierzig Jahre später immer noch für Gänsehaut. Diesen besonderen Geburtstag nimmt man zum Anlass „The Last Waltz“ erneut zu veröffentlichen. Regisseur Martin Scorces hielt dies einst filmisch für die Nachwelt fest.

 

Nun wird das noch mal so richtig – wie heutzutage üblich – ausgeschlachtet. Es erscheinen gleich mehrere Konfigurationen und dies kurioserweise an zwei verschiedenen Daten. Am 11.11.2016 wird die hier zur Besprechung vorliegende 2 CD- und 6 LP-Version veröffentlicht. Am 9.12.2016 folgt dann noch eine auf 2.500 Exemplare limitierte Collector´s Edition. Da ist dann alles drin, was es gibt und was man – mehr oder weniger – braucht. Der Original-Soundtrack erscheint selbstverständlich mit neu gemastertem Audio von den Original-Mastertapes. Zum ersten Mal wird jetzt im Gesamtpaket der Film mit der Musik zusammengebracht.

 

„The Last Waltz“ ist nicht nur ein wichtiges Zeitdokument, sondern auch musikalisch herausragend. Über die Jahrzehnte verteilt gab es schon diverse Veröffentlichungen, Ergänzungen mit Bonusmaterial und immer mal wieder soundtechnisch angepasst. Ob die nun vorliegende Ausgabe tatsächlich noch mal eine Verbesserung zum Remastering von 2013 darstellt, kann mangels Vergleichsmöglichkeit nicht festgestellt werden. Nichtsdestotrotz ist das klanglich eine Offenbarung. Glücklicherweise hat man den Loudness War umschifft und lieber auf einen ganz fein austarierten Klang gesetzt. Das ist schon Feinschmeckerkost.

 

Die normale CD-Version ist bei der Aufmachung allerdings etwas dürftig ausgefallen. Das Booklet hat kaum nennenswert etwas zu bieten. Da werden die rudimentären Informationen zu den einzelnen Songs aufgelistet und die Credits abgedruckt, das war es dann im Prinzip auch schon. Es gibt zwar noch ein Vorwort von David Fricke, aber das ist ja fast unnötig zu erwähnen, denn mittlerweile kommt ja keine Wiederveröffentlichung eines Meilensteins ohne Liner Notes von Fricke aus. Der Mann ist eben auch Musikliebhaber und nebenbei ein renommierter Journalist.

 

Eric Clapton, Neil Diamond, Ronnie Hawkins, Dr. John, Joni Mitchell, Van Morrison, Muddy Waters und Neil Young – um nur einige zu nennen – bereichern hier als Musiker und Sänger die Szenerie. Selbstverständlich ist auch His Bobness gleich mehrfach dabei. Es fällt aber trotzdem schwer da einen Künstler herauszuheben. Das Gesamtergebnis ist einfach so stimmig und überragend, dass „The Last Waltz“ in wirklich keiner Musiksammlung fehlen darf.

 

Vielleicht gibt es ein paar Höhepunkte, die dann doch noch ein bisschen herausstechen. „Helpless“ von und mit Neil Young und Joni Mitchell geht schon unter die Haut. Dass Van Morrison ein herausragender Sänger ist, dürfte ja kein Geheimnis sein, aber die schmissige Version von „Caravan“ macht einen dann doch ein bisschen sprachlos. Dazu diese Gitarre und der Bass – ein Gedicht! „Manish Boy“ mit Muddy Waters und „Further On Up The Road“ mit Clapton sind ebenfalls eine kleine Offenbarung.

 

Als Bob Dylan die Bühne betritt, wird es natürlich auch magisch. „Baby Let Me Follow You Down“ rockt und so fordernd, angriffslustig und frisch wie bei „I Don´t Believe You (She Acts Like We Never Have Met)“ hat man Dylan selten gehört. „Forever Young“ klang damals musikalisch noch nicht so ausgelutscht und das geht dann – trotz einiger, gesanglicher Wackler – unter die Haut. Das große Finale gibt es mit dem obligatorischen „I Shall Be Released“.

 

Danach folgt „The Last Waltz Suite“. „The Well ist ein schön rockiges, teilweise psychedelisches Stück. Großes Ding! „Evangeline“ hat mit Emmylou Harrist eine weitere, große Dame des Musikgeschäfts als Duettpartnerin am Start. Das ist selbstredend grandios. „The Weight“ stellt auch eine Bereicherung dar. Ein Klassiker eben! Es endet alles, wie es begonnen hat, diesmal allerdings aufgrund des Orchesters etwas theatralisch und bombastisch mit „The Last Waltz“.

 

Fazit: Wer „The Last Waltz“ von The Band nicht kennt, hat ein großes Stück Musikgeschichte verpasst. Dieses letzte Manifest der Band gehört sowieso in jede vernünftige Musiksammlung! Wer da noch eine Lücke hat, sollte diese nun schnellstmöglich schließen und zu einer der 40th Anniversary Editions greifen. Da würde sich das Paket aus CDs und DVD/Blu-ray anbieten. Dies alles wird natürlich bei bestem Sound kredenzt. Ein Meilenstein!

 

http://theband.hiof.no/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch