The Afghan Whigs: Do To The Beast

The Afghan Whigs: Do To The Beast

Sub Pop/Cargo Records

VÖ: 11.04.2014

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Die großartigen The Afghan Whigs sind zurück. Seit 1998 hat es kein neues Album der Kapelle mehr gegeben. Als man sich einst trennte, waren nicht die üblichen künstlerischen Differenzen der ausschlaggebende Punkt, sondern die weit entfernten Wohnorte der Bandmitglieder. 2006 versuchte man noch mal den Laden wieder ans Laufen zu bringen, aber das wurde dann auch schnell wieder beendet. Jetzt gibt es einen neuen Anlauf, nur macht man es diesmal auch richtig. Mit neuer Platte im Rücken lassen The Afghan Whigs es nun wieder richtig krachen. Und wer hat sich die Rechte daran gesichert? Sub Pop! Das hätte kein Geschichtenerzähler besser erfinden können. Zurück im Heimathafen also.

 

„Do To The Beast“ ist das Album dazu und eins ist sicher: ein Märchen ist das nicht. Es ist aber ein Ungetüm. Der böse Wolf tanzt hier wie Rumpelstilzchen durch das Fegefeuer als würde die Sonne nie wieder aufgehen. Ist sie im Lager von The Afghan Whigs seit den 90ern vermutlich auch nie wieder. Was die Mannen um Greg Dulli da in L.A., New Orleans, Cincinnati und Joshua Tree aufgenommen haben, steigt mit einem schaurigen Lachen aus der Hölle empor. „These Sticks“ ist der Song dazu. Greg Dulli singt, kreischt und flüstert als hätte der Wahnsinn plötzlich ein Gesicht bekommen. Dazu strahlt dieses Stück eine brachiale Kraft aus, dass es faszinierend und angst einflößend zugleich ist. „Do To The Beast“ hätte kein besseres Ende verdient gehabt.

 

Mit „Parked Outside“ fängt dieses Album aber auch genauso wahnwitzig an. Es dröhnt, es scheppert und es knallt. Die Wüste ist nah und doch sieht man in der Ferne auch ein bisschen die Sümpfe in der untergehenden Sonne blitzen. Das ist unglaublich dicht arrangiert und wer unbedingt will, hört da natürlich auch ein bisschen die Indie/Rockschiene der 90er heraus. Der Soul ist auch noch da. „Matamoros“ geht jedenfalls in diese Richtung, zackige Gitarren inbegriffen. Ein bisschen orientalische Elemente geben dem Song zudem den richtigen Drive. Das eher ruhige „It Kills“ wächst nach hinten raus noch opulent an und ist mit dem typischen schwarzen Humor der Band angereichert.

 

Wer vor lauter Staunen seine Kinnlade jetzt wieder richten möchte, kann das getrost vergessen. „Algiers“ - hierzu gibt es übrigens ein großartiges Video – ist der (Western-)Song, um den Tarantino seinen nächsten Film bauen müsste. Ein ganz großes Ding ist das. In einer guten und gerechten Welt würde so etwas im Radio gespielt werden. „Lost In The Woods“ ist nicht minder famos. Düster, bedrohlich und gleichzeitig wunderschön – das ist in der musikalischen Welt von The Afghan Whigs kein Widerspruch. „The Lottery“ ist erneut eines jener dichten Rockstücke, wie es nur diese Band einem vor die Füße kotzen kann. „Can Rova“ wabert leider etwas ziellos dahin und ist der schwächste Track der Scheibe. Erinnert ein bisschen an den guten, alten Krautrock. „Royal Cream“ lässt danach aber wieder den Putz bröckeln und „I Am Fire“ setzt dann noch mal auf den eindringlichen Gesang von Dulli und groovt ansonsten ganz nett vor sich hin.

 

Fazit: Der ursprüngliche Lead-Gitarrist der Band, Rick McCollum, ist auf diesem Album übrigens nicht dabei. Wie man so hört, soll es da einige persönliche Probleme gegeben haben. Die Band arbeitete aus diesem Grund mit einer Reihe verschiedener Gitarristen. Dies tut dem guten Gesamteindruck von „Do To The Beast“ keinen Abbruch. The Afghan Whigs sind definitiv zurück und dies mit einem lauten Knall! Die Erwartungen waren sicher extrem hoch, denn die Band hat in der Vergangenheit nur Großtaten abgeliefert, aber es machte sich auch ein bisschen Angst breit, denn man weiß ja wie das mit den Reunions so ist. Angst verbreitet „Do To The Beast“ auch, aber dies aufgrund der dichten und düsteren Atmosphäre. Es groovt, es brodelt, es rockt, es ist ein Höllenwerk!

 

http://theafghanwhigs.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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