Tears For Fears: Songs From The Big Chair (Deluxe Edition)

Tears For Fears: Songs From The Big Chair (Deluxe Edition)

Universal

VÖ: 07.11.2014

 

Wertung: 7,5/12

 

Das zweite Album der Tears For Fears markierte den großen Durchbruch für die Band. „Songs From The Big Chair“ ging auch jenseits des Teichs durch die Decke und New Wave bekam ein neues Gesicht. Jetzt wird dieses Erfolgswerk erneut aufgelegt und in verschiedenen Konfigurationen angeboten. Im Grunde lohnt sich hier sowieso nur das 6-CD Deluxe Boxset! Neben den üblichen Remixen und B-Seiten liegt dort auch eine CD mit neun bisher unveröffentlichten Stücken bei! Abgesehen davon – und dies ist schon Grund genug sich das Teil anzuschaffen – gibt es dort auch eine 5.1 Surround Sound Version des Albums, die Soundhexer Steven Wilson zu verantworten hat! Wer dessen eigene Arbeiten und seine Tätigkeiten für Jethro Tull kennt, weiß, dass der Mann zur Zeit das beste Händchen und Ohren für ein solches Unterfangen hat.

 

„Songs From The Big Chair“ ist voll von Synth-Pop, der teilweise reichlich überladen wurde. So war das eben damals. Und selbstverständlich war dies auch eine Art Markenzeichen der Band. Als Hauptsongschreiber fungiert auf diesem Werk abermals Orzabal. Ian Stanley und Manny Elias wurden allerdings auch stärker eingebunden und sind Mitautoren von „Shout“. Schlagzeuger Chris Hughes ist gleichzeitig auch Produzent der Platte und schrieb auch am Hit „Everybody Wants to Rule the World“ mit. Orzabal und Curt Smith griffen zudem noch auf die Dienste von Neil Taylor an der Gitarre, William Gregory am Saxophon und Andy Davis am Flügel zurück. Mit Jerry Marotta saß ein weiterer Musiker – neben Hughes - am Schlagzeug.

 

Das Material der Deluxe Doppel-CD dürfte ja hinlänglich bekannt sein. Warum selbiges jetzt noch mal aufgelegt wurde, erschließt sich da nicht so ganz. Es gab immerhin 1999 schon eine Remaster-Version des Albums, welche auch noch mit reichlich Bonusmaterial punkten konnte. 2006 wurde dann noch mal eine überarbeitete Deluxe Edition mit vielen Raritäten und Remixen in die Läden gestellt – natürlich als 2-CD Version. Die Unterschiede sind jetzt nur marginal, am Sound dürfte sich da gleich überhaupt nichts getan haben. Die teure Box wird sich ja auch nicht gleich jeder kaufen, vielleicht werden ja durch diese Veröffentlichung dann auch noch mal welche auf die 2-CD Deluxe Edition aufmerksam.

 

Der Auslöser für den immensen Erfolg in den USA war die erste Single „Everybody Wants To Rule The World“. Die Nummer, die weitaus positiver gestimmt ist als jene Songs des Debüts, läuft auch heute noch ständig im Radio. Wenn es aber einen Titel gibt, mit dem man Tears For Fears in Verbindung bringt, dann ist es „Shout“. Der Song ist längst ein Klassiker und ein Welthit. Vieles auf dem Album kann da nicht mithalten. „Mothers Talk“ ist einfach ein Paradebeispiel für die furchtbare Musik der 80ies. „I Believe“ kommt – lässt man die Produktion mal außen vor - doch ganz gut. Die Ballade könnte man sich glatt von einem George Michael vorstellen. „Head Over Heels“ geht in Ordnung, hat aber auch ein paar unschöne Elemente. Im Grunde geht die gesamte Songstruktur fast in eine Boyband-Richtung. „Listen“ zeigt zumindest, dass Tears For Fears – in erster Linie Orzabal – kompositorisch schon etwas auf dem Kasten hatten.

 

Für Fans sind Tracks wie „The Big Chair“ oder „Empire Building“ sicher ein nettes Zubrot. Der experimentelle Ansatz wurde sich vermutlich in Düsseldorf abgeguckt. Letztlich ist das nett, aber alles nicht von dieser Dringlichkeit durchzogen, wie es die Singles eben sind. Die Piano-Version von „The Working Hour“ kann auch nur wenig Akzente vermitteln, die jazzige Note zwischendurch setzt aber immerhin ein dickes Ausrufezeichen. Die Ballade „Sea Song“ ist zum Schluss der ersten CD noch mal ein schöner Glanzpunkt.

 

Die zweite CD hält dann von den Auskopplungen die Single-Versionen bereit. Die üblichen Remixe jener Zeit gibt es natürlich auch. Herausragend ist „I Believe“, welches hier als „A Soulfoul Re-Recording“ betitelt wird. Das geht gesanglich ja schon wieder in die George Michael Liga und der ist bekanntlich ein ganz Großer seiner Zunft. Auch hier gibt es Jazz und Soul als musikalische Untermalung. Alles in allem wird die CD aber von den drei Säulen „Mothers Talk“, „Everybody Wants To Run The World“ und „Shout“ in verschiedenen Mixen – der US-Markt bekam marginal andere verpasst – dominiert. Etwas für Komplettisten.

 

Fazit: „Songs From The Big Chair“ ist das erfolgreichste Album von Tears For Fears und wurde schon entsprechend oft neu aufgelegt. Jetzt gibt es eine üppige Box, mit einer 5.1 Surround Sound Version, die von Steven Wilson gemischt wurde! Die Deluxe Edition in der 2-CD Version ist sicher verzichtbar, da es vor acht Jahren schon mal eine ähnliche Geschichte gab. Wer diese verpasst hat und nicht gleich zur großen Box greifen möchte, wird hiermit natürlich bestens bedient. Eine zweite CD beschäftigt sich dann mit den verschiedenen Versionen und Remixen der Singles!

 

http://tearsforfears.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

DISC ONE
1. Shout
2. The Working Hour
3. Everybody Wants To Rule The World
4. Mothers Talk
5. I Believe
6. Broken
7. Head Over Heels
8. Listen
9. The Big Chair B-Side Shout
10. Empire Building B-Side Mothers Talk
11. The Marauders B-Side The Way You Are
12. Broken Revisited Ltd Cassette Version
13. The Conflict B-Side Change
14. The Working Hour - Piano Version Ltd Cassette Version
15. Pharoahs B-Side Everybody
16. When In Love With A Blind Man B-Side Head Over Heels
17. Sea Song B-Side I Believe

DISC TWO
"Edited Songs": 7" Versions

1. The Way You Are 7" Version
2. Mothers Talk 7" Version
3. Shout 7" Version
4. Everybody Wants To Rule The World 7" Version
5. Head Over Heels 7" Version
6. I Believe (A Soulful Re- Recording) 7" Version
7. Everybody Wants To Run The World 7" Version
8. International 7" Versions
9. The Way You Are Short Version
10. Mothers Talk - US Remix 7" Version
11. Shout US Single Version
12. Shout Short Version
13. Everybody Wants To Run The World Running Version - Instrumental
14. Head Over Heels Chris Hughes 7" radio edit
15. Mothers Talk Video version
16. Listen Clean intro
17. Interview With Curt and Roland B-Side Everybody Wants To Rule Rule World

DISC THREE
Remixed Songs": 12" Versions, Dubs and more

1. The Way You Are Extended Version
2. Mothers Talk Extended Mix
3. Shout Extended Version
4. Everybody Wants To Rule The World Extended Mix
5. Broken / Head Over Heels / Broken Preacher Mix
6. Mothers Talk Beat Of The Drum Mix
7. Shout US Remix
8. Everybody Wants To Rule The World Urban Mix
9. Mothers Talk US Remix ALTERNATE (from 2CD deluxe)
10. Shout US Dub Version
11. Everybody Wants To Rule The World Instrumental
12. Shout Acapella

DISC FOUR
"Unreleased Songs": Promos, Demos & Live tracks At The BBC

1. Head Over Heels
2. The Working Hour
3. Broken R.Skinner
4. Live At Massey Hall
5. Mothers Talk
6. Broken/Head Over Heels
7. Memories Fade
8. The Working Hour
9. Everybody Wants To Rule The World Live At Massey Hall
10. Shout Unreleased - Demos etc
11. Mothers Talk (RG Jones) early mix / instrumental
12. The Way You Are (demo)
13. Broken (demo)
14. Shout (alternative mix)
15. Everybody Wants To Rule The World (alt 7" with brass)

Disc 5 - 5.1 Mix / Stereo 5.1 Mix
1. Shout
2. The Working Hour
3. Everybody Wants To Rule The World
4. Mothers Talk
5. I Believe
6. Broken
7. Head Over Heels
8. Listen

Stereo Mix
1. Shout
2. The Working Hour
3. Everybody Wants To Rule The World
4. Mothers Talk
5. I Believe
6. Broken
7. Head Over Heels
8. Listen

Disc 6 - DVD
Scenes For The Big Chair documentary

1. Chris Hughes interview from "Scenes" DVD
2. Tears For Fears at the BBC
3. The Way You Are TOTPs - 22/12/83
4. Mothers Talk TOTPs - 16/8/84
5. Mothers Talk TOTPs - 30/8/84
6. Shout TOTPs - 03/1/85
7. Everybody Wants To Rule The World Wogan - 13/3/85
8. Everybody Wants To Rule The World TOTP - Mar 85
9. Everybody Wants To Rule The World TOTP - April 85
10. The Working Hour Wogan - 11/12/85
11. Videos
12. The Way You Are
13. Mothers Talk
14. Shout
15. Everybody Wants To Rule The World
16. Head Over Heels
17. I Believe
18. Mothers Talk (US version)
19. Mothers Talk (alternative UK video)

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Tears For Fears: The Hurting - 30th Anniversary (Deluxe Edition)

Tears For Fears: The Hurting - 30th Anniversary (Deluxe Edition)

Universal

VÖ: 18.10.2013

 

Wertung: 7/12

 

Tears For Fears waren eine wichtige und erfolgreiche Band der ersten Hälfte der 80er. Das Debütalbum „The Hurting“ erschien allerdings erst 1983, da waren Tears For Fears aber schon längst eine erfolgreiche Singlesband. „Suffer The Children“ erschien bereits im November 81 und „Pale Shelter (You Don´t Give Me Love“) wurde im März 82 veröffentlicht. Es sollte noch ein weiteres Jahr dauern bis „The Hurting“ schließlich in den Läden stand. Die beiden Singles waren quasi die Initialzündung dafür, dass auch die Plattenindustrie richtig Notiz von den Briten nahm. Aufgrund der Demobänder der beiden Songs waren Tears For Fears aber längst bei Mercury Records gelandet. Der Rest ist, wie man so schön sagt, längst Geschichte.

 

„The Hurting“ feierte dieses Jahr also einen runden Geburtstag und jetzt steigt mit leichter Verspätung dann auch die Party. Das Album wird in einer schönen Box mit drei 3CDs und einer DVD gewürdigt, kommt aber auch noch mal in der abgespeckten 2CD-Variante auf den Markt. Die beiden Köpfe hinter Tears For Fears – Roland Orzabal und Curt Smith – waren an der Zusammenstellung und dem Mastering direkt beteiligt. Insofern ist dies also im Sinne der Künstler und hier wird nichts verzerrt oder verfälscht. Für Fans eine feine Sache, die sowieso direkt zur Box greifen sollten, da es nur hier das rare Material gibt und zudem erstmals auf DVD das legendäre Konzertvideo zu „In My Mind´s Eye“ enthalten ist. Wer „The Hurting“ noch nicht im Schrank stehen hat und nur das eigentliche Album braucht und ein paar Remixe oder andere Songversionen braucht - viele davon erstmals auf CD -, ist natürlich auch mit der Deluxe Version bestens bedient.

 

Zu der ganzen Sause gibt es im Booklet einen ausführlichen Text. Dazu gesellen sich noch einige s/w Fotos. Für Menschen im fortgeschrittenen Alter stellt sich das Lesen der kleinen Schrift – insbesondere der Discographie – als etwas schwierig dar, selbst mit Brille. Tears For Fears kommen eben noch aus der Zeit als das LP-Format gängige Praxis war. Trotzdem ist die bekannte Deluxe Aufmachung aus dem Hause Universal mal wieder ganz nett und stellt letztlich einen echten Mehrwert dar. Es gibt ja auch noch Lupen!

 

Besonderes Augenmerk liegt bei dieser Veröffentlichung natürlich auf der zweiten CD mit den B-Seiten und Remixen. Sehr viel Material davon gibt es jetzt erstmals überhaupt auf CD! Von „Suffer The Children“ liegen die 7“ und 12“ Versionen bei, sowie das reine Instrumentalstück. Man hat aber auch noch die Promo Version von 89 mit auf dieses Set gepackt. Auch von „Pale Shelter“ liegen die 7“ und 12“ Versionen bei. Da die Singles ja bereits ein gutes Stück vor dem Album erschienen sind, unterscheiden sich diese eben auch von den später für „The Hurting“ aufgenommenen Ausgaben und somit sind diese auch das erste Mal auf einer offiziellen CD zu finden. „Change“ kriegt hier den vielsagenden Zusatz „New Version“. Ganz so neu ist selbige allerdings nicht, denn sowohl auf Kassette wie auf 12“ war das Stück so schon enthalten. Man ahnt es aber schon: das hier ist aber das CD-Debüt! Auf die B-Seite „Wino“ trifft dies ebenso zu wie auf „The Prisoner“ und „Ideas As Opiates!

 

„The Hurting“ selbst lebt natürlich in erster Linie von den herausragenden Singles. „Mad World“ wurde zum Welthit und überstrahlt dabei sogar noch die anderen drei („Suffer The Children“, „Pale Shelter“ und „Change“). Das Album befasst sich im Grunde mit der Pubertät und dem Erwachsenwerden. Trotz dieses eher schwierigen Themas strahlt „The Hurting“ auch durch sein sonniges Gemüt sehr hell. Neben den Singles ist der Rest des Albums allerdings nicht mehr ganz so aufregend. In den fast zwei Jahren, wo dieses Duo Zeit hatte genug Songs für das Debüt zusammenzukratzen, ist nicht ganz so viel überragendes Material abgefallen. „Watch Me Bleed“ oder „Start Of The Breakdonw“ fallen dann auch eher mit einem Hauch von Albumfüllern auf. „The Prisoner“ ist noch einigermaßen spannend und experimentell, Pink Floyd konnten das aber immer wesentlich besser.

 

Fazit: Das Debütalbum von Tears For Fears feiert Geburtstag und wird entsprechend noch mal gewürdigt. „The Hurting“ erscheint in der dicken Box für Fans und in einer abgespeckten 2CD-Version. Hier gibt es viele bisher noch nie auf CD veröffentlichte Versionen oder B-Seiten zu entdecken. Eine kleine Schatztruhe für Jäger und Sammler. Das eigentliche Album lebt von seinen starken Singles, der Rest fällt da schon deutlich ab. Wer noch mal ganz tief in die 80er eintauchen möchte ist bei „The Hurting“ definitiv richtig.

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch