Tarja: From Spirits And Ghosts (Score For A Dark Christmas)

Tarja: From Spirits And Ghosts (Score For A Dark Christmas)

earMUSIC/Edel

VÖ: 17.11.2017

 

Wertung: 7/12

 

Pünktlich zur Vorweihnachts- und Adventszeit veröffentlicht Tarja Turunen das passende Album dazu. Aufgenommen hat sie die zwölf traditionellen Lieder allerdings im Hochsommer. In der Karibik. Wie kann man sich an diesem Ort und bei diesen Temperaturen in die passende Stimmung dazu versetzen?! Vielleicht ist man das als Finnin ja auch von Geburt an und permanent in einer düsteren Grundatmosphäre. Ihr klassisch ausgebildeter Gesang passt natürlich perfekt zu diesem Konzept.

 

Das Album wurde von Tarja, dem amerikanischen Emmy preisgekrönten Filmmusikkomponisten Jim Dooley und dem britischen Produzenten Tim Palmer produziert. Selbstverständlich hat Tarja ein ganzes Symphonieorchester engagiert, damit die Lieder auch die entsprechende musikalische Untermalung erhalten. „From Spirits And Ghosts (Score For A Dark Christmas)“ wurde nicht ohne Grund so betitelt. Die Atmosphäre ist schon sehr düster. Man wird nicht unbedingt in eine festliche Stimmung versetzt und wer zu dieser Jahreszeit sowieso schon in der Melancholie badet oder eher depressiv wird, sollte um dieses Album vermutlich einen größeren Bogen machen. Damit ist übrigens nicht die Qualität der Umsetzung oder des Gesangs gemeint – das Album kann einem aber schon auf das Gemüt drücken.

 

Der neue Song „Together“ ist zunächst aber eine wirklich wunderschöne Nummer, in die man sich fallen lassen kann, die einen abholt und zum Träumen einlädt. Ab der Hälfte wird es aber bombastisch – so wie man es von Tarja eben gewohnt ist – und dann scheint die Nummer auch kurzfristig in das Unangenehme zu kippen. Irgendwie kriegt sie aber doch noch die Kurve und reduziert es wieder ein ganzes Stück. „O Come, O Come, Emanuel“ ist ein traditionelles Stück, welches voll und ganz in der Klassik zu verorten ist. Ihre Stimme hat sie aber weitestgehend im Griff und diese driftet nicht in die hohen Sphären ab, für die man sie eben auch kennt. „We Three Kings“ ist für Tarja-Verhältnisse ja fast schon spektakulär unspektakulär. Das gefällt. „Deck The Halls“ hat mitunter etwas Bedrohliches. Die düstere Stimmung bleibt beim Zuhörer nicht ohne Wirkung.

 

Die nächste Auflage von „Amazing Grace“ hätte es ebenso wenig gebraucht, wie „Feliz Navidad“ oder „Have Yourself A Merry Little Christmas“. Anders verhält es sich mit „O Tannenbaum“. Und ja, richtig gelesen - das Lied ist gemeint. Gesungen wird auf deutsch. Das ist gewöhnungsbedürftig und seltsam. Auf der anderen Seite ist das aber auch faszinierend. In dieser Interpretation könnte man sich das glatt in einem dieser wahnwitzigen Tim Burton Filme mit Winterlandschaft vorstellen. „God Rest Ye“ ist zu klassisch und zu angestrengt, da gefällt „What A Child Is This“ in der ersten Hälfte schon wesentlich besser. Danach zerspringen wieder die Gläser und das Orchester gibt auch wieder alles und davon zu viel. „We Wish You A Merry Christmas“ passt in dieser Version auch zu dem schon erwähnten Burton Film. So düster, so kaputt, so bedrohlich.

 

Fazit: Man kann nicht gerade behaupten, dass Tarja Turunen mit „From Spirits And Ghosts (Score For A Dark Christmas)“ ein 08/15 Album für die Weihnachtszeit aufgenommen hat. „Auf diesem Album habe ich mich mit der Kehrseite von Weihnachten beschäftigt. Das Weihnachten der Einsamen und der Verlorenen. Das Weihnachten für die Menschen, die in den blinkenden Lichtern und bimmelnden Glocken keine Freude finden.“ Und damit trifft sie den Nagel auf den Kopf. Sie hat die traditionellen Lieder in ein dunkles Gewand gekleidet. Hin und wieder kippt ihre Stimme zwar wieder in das Unangenehme rüber und das Orchester trägt zu dick auf, oftmals entfaltet das aber eine morbide und faszinierende Wirkung! Für den Dezember genau richtig!

 

http://tarjaturunen.com/home-tarja/

 

Text: Torsten Schlimbach

Tarja: The Shadow Self

Tarja: The Shadow Self

earMUSIC

VÖ: 05.08.2016

 

Wertung: 6,5/12

 

„The Brightest Void“ wurde erst vor zwei Monaten veröffentlicht, da beglückt uns Tarja erneut mit einem neuen Album. Böse Zungen werden da von belästigen sprechen. Das erste Werk aus diesem Jahr war alles andere als ein Genuss. Vielleicht wäre da die Veröffentlichung einer Single oder EP sinnvoller gewesen. Wie dem auch sei, nun folgt mit „The Shadow Self“ also der nächste Songreigen. Die gute Nachricht: es ist das bessere Werk. Die schlechte Nachricht: aber nur unwesentlich. Elf Songs sind es geworden. Das Zusammenspiel von Klassik und Heavy klappt hier dann auch etwas angenehmer.

 

Zu ertragen ist das manchmal aber nur schwerlich. Hohes C, wieder runter und dann ein glattgebügelter Heavy-Einschlag damit es auch irgendwie ins Radio passt. „Supremacy“ klingt dann nach einer unschönen Mischung aus „Kashmir“ von Led Zeppelin und irgendwas von Muse. Der Auftakt mit „Innocence“ ist musikalisch zwar nach 08/15 Genre-Muster gestrickt, geht aber noch in Ordnung. Der Gesang von Tarja schmerzt aber mal wieder in den Ohren. „Demons In You“ überrascht zunächst mit einem Slap-Bass, bevor das Stück ordentlich nach vorne geht. Die fiesen Growls im Hintergrund machen sogar Spaß. Hätten nur Tarja und Alissa White-Gluz, die als Gast dabei ist, nicht zum Refrain hin wieder dieses Gejaule ausgepackt.

 

Wenn sie einfach nur singt, wie (größtenteils) bei „No Bitter End“, dann kann man sich das zumindest anhören. „Love To Hate“ treibt dann die Theatralik auf die Spitze. „The Living End“ nimmt sich endlich mal etwas zurück. Hier schlägt das Pendel dann endgültig in eine angenehme Musical/Klassikrichtung aus. Auch „Diva“ hat mit Metal kaum was zu tun. Dieses Stück passt auch auf jede Musicalbühne. Und das ist dann auch die Stärke der Dame. Dieses komische Zusammenspiel zwischen harter Musik und ihrem Opern-Background funktioniert nämlich nur bedingt. Da treffen zwei Welten aufeinander, die aber nicht harmonieren. Das zurückgenommene „Eagle Eye“ und ganz besonders „Undertaker“ sind wundervoll getragene Stück, die mit schönen Keyboardflächen überzeugen. Der Gesang bettet sich da ganz und gar harmonisch ein.

 

„Calling Form The Wild“ rast dann wieder mit voller Geschwindigkeit in die andere Richtung. Nicht gut. Den besten Song gibt es mit dem atmosphärisch sehr dichten „Too Many“ ausgerechnet am Ende von „The Shadow Self“ zu hören. Da passt dann auch alles zusammen. Wer mehr Hintergründe über das Album erfahren möchte, kriegt diese in einer guten halben Stunde auf der DVD im O-Ton von Tarja geliefert. Als Bonus gibt es die beiden Videos zu „No Bitter End“ und „Innocence“ zu sehen, die voll und ganz dieser Hochglanzproduktion gerecht werden.

 

Fazit: „The Shadow Self“ ist deutlich besser als das Werk aus dem Juni. Es gibt zwar unter diesen elf Songs auch einige Tiefpunkte und dann passen der klassisch ausgebildete Gesang und der Symphonic Metal überhaupt nicht zusammen. In der zweiten Hälfte wird es aber wesentlich angenehmer, weil Tarja dann auch nicht mehr gegen die Musik ansingen muss und sich das alles viel harmonischer präsentiert.

 

http://tarjaturunen.com/home-tarja/

 

Text: Torsten Schlimbach

Tarja: The Brightest Void

Tarja: The Brightest Void

earMUSIC

VÖ: 03.06.2016

 

Wertung: 5/12

 

Die erfolgreichste Solokünstlerin Finnlands ist dieses Jahr im Veröffentlichungswahn. Fans von Tarja dürfen sich gleich über zwei Alben freuen, die innerhalb von zwei Monaten in den Läden stehen werden. Den Anfang macht „The Brightest Void“ und mit „The Shadow Self“ geht es dann schon am 05.08.2016 weiter. Tarja verkündete im Vorfeld, dass die beiden Platten zwar miteinander verwoben wären, das Prequel aber durchaus als eigenständiges Werk gesehen werden könnte und als solches auch funktioniert. Letztlich ist das aber auch egal, denn die zahlreichen Fans werden sich ja sowieso beide Alben zulegen.

 

Die Aufmachung der CD-Version ist von außen – unabhängig davon, ob man das Covermotiv nun mag oder nicht – ganz nett. Die Haptik ist da sehr stimmig und das Motiv lässt sich auch mit den Fingern ertasten! Das Booklet ist allerdings ein Reinfall. Das soll wohl Kunst sein?! Schwarze (hervorgehobene) Schrift auf schwarzem Untergrund ist dann doch etwas – Verzeihung - bescheuert. Egal welches Konzept dahinter steht, aber das haut ja nun wirklich nicht hin. Es wird schon einen tieferen Sinn haben, klar. Macht die Sache aber nicht besser.

 

Die gute Nachricht: die Gäste werten „The Brightest Void“ ungemein auf. Na gut, teilweise. Wie das so ist, es gibt auch eine schlechte Nachricht: Tarja trällert auf diesem Werk auch. Es mag ja eine stattliche Anzahl an Leuten geben, die das Katzengeheule für das Nonplusultra im Rockbereich halten und Tarja Turunen wird ja nachgesagt, dass sie eine tolle Stimme hat. Mir ist das zu viel von Allem. Oper. Muscial. Theatralik. Einfach alles. Und dann diese Höhen. „No Bitter End“ sprengt jeden Rahmen. Da ergreift ja sogar die Nachbarkatze die Flucht. Ob bei „Eagle Eye“ nun Chad Smith (ja genau, DER Chad Smith) hinter der Schießbude sitzt oder nicht, ist dabei auch fast egal. Musikalisch ist das solider Hardrock, der Gesang geht aber überhaupt nicht. Furchtbar. Und dieser Bombast – nicht auszuhalten. Ein Kracher ist allerdings „Your Heaven And Your Hell“. Die gute Tarja bemüht sich zwar redlich auch diese Stück in Grund und Boden zu jodeln, aber Michael Monroe von Hanoi Rocks zeigt ihr mal wo der Hammer hängt. Die Mundharmonika zum Schluss lockert den straighten Hardrock zudem sehr schön auf.

 

Die Ballade „Empty Dream“ ist zunächst wenig aufgeregt und dann passt auch der Gesang. Logisch, dass zum Schluss wieder die große Theatralik-Keule geschwungen wird und dann ist das auch wieder für die Ohren anstrengend. „Witch Hunt“ ist nach ähnlichem Muster gestrickt worden. „Shameless“ rockt dann endlich wieder. Allerdings hat man das Gefühl, dass man das genau so schon mehrmals von Tarja gehört hat. Danach wird es mit „House Of Wax“ regelrecht dramatisch. Das Gitarrensolo weiß aber zu gefallen, sofern man das Wimmern der Stimme ausblenden kann. Der Spannungsaufbau des Stücks ist aber ganz gelungen. „Goldfinger“ - genau, die James Bond-Nummer – ist eine Vollkatastrophe. Wie man das Stück nur so niederjammern kann – unglaublich. „Paradise (What About Us)“ mit Within Temptation rettet dann noch, was nicht mehr zu retten ist. Für den Symphonic-Metal muss man zwar auch ein sehr offenes Ohr haben, aber immerhin ist das gesanglich halbwegs gezügelt.

 

Fazit: „The Brightest Void“ ist das erste von zwei Alben, welches dieses Jahr von Tarja Turunen veröffentlicht wird. Das Prequel zu „The Shadow Self“ ist gesanglich eine Vollkatastrophe. Unterirdisch in jeder Beziehung. Mir ist es völlig unverständlich wie man dieses Gejaule und Gejammer auch nur im Ansatz gut finden kann. Ja, die Dame ist eine klassisch ausgebildete Sängerin und darum singt sie eben auch die Hardrocksongs, wie sie selbige eben singt – aber macht es das besser? Die Sopranistin jault sich durch die neun Songs, dass es wahrlich keine Freude ist. Die Musik – sofern es sich nicht um theatralische Balladen handelt – macht im Hardrockbereich eine ordentliche Figur, auch wenn das natürlich alles total drüber ist. Die Nummer mit Michael Monroe gefällt, ansonsten ist das verzichtbar. Fans werden das naturgemäß anders sehen und „The Brightest Void“ lieben.

 

http://www.tarjaturunen.com/en/

 

Text: Torsten Schlimbach

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