Talk Talk: Natural Order 1982 -1991

Talk Talk: Natural Order 1982 -1991

EMI

VÖ: 25.01.2013

 

Wertung: 9/12

 

Nachdem letztes Jahr schon vier Klassiker von Talk Talk in neuem Gewand veröffentlicht wurden, gibt es nun den Nachschlag. Mark Hollies hat sich mal wieder persönlich darum gekümmert und alles überwacht. Hier hat also nicht mal eben ein Praktikant des Labels per Copy und Paste etwas zusammengestellt. Nette Geschichte, insbesondere „Natural Order 1982 – 1991“. Bei dieser neuen Compilation hat sich der Meister dem Remastering und der Covergestaltung angenommen. Er hat in seiner Karriere aber sowieso selten etwas dem Zufall überlassen und immer ein Gesamtkonzept im Kopf gehabt und somit ist diese Vorgehensweise nur konsequent.

 

„Natural Order 1982 – 1991“ ist keine schnöde Aneinanderreihung der größten Hits. Bei diesem Album geht es vielmehr darum einige Schätzchen und Raritäten zu heben und den Fans wieder oder erstmals zugänglich zu machen. „Renée“ liegt beispielsweise in einer überarbeiteten Version vor. Das Stück wurde mit den klanglichen Möglichkeiten von heute aufgepeppt, aber eben nicht um seines Charakters beraubt. Der Song klingt so klarer und direkter. Dieses erhabene Wunderwerk ist immer noch eine Großtat von Talk Talk. „Have You Heard The News“ hat ebenfalls den typischen Hollies-Sound der diese Band so unverwechselbar macht.

 

Das sphärische „For What´s It´s Worth“ ist sicher interessant, aber letztlich nicht mehr als eine B-Seite, denn es fehlt doch etwas der Überraschungsmoment. Da gefällt „John Cope“ - ebenfalls eine B-Seite – schon wesentlich besser. Das Ding rockt für Talk Talk Verhältnisse sogar und könnte als kleiner Indie-Hit durchgehen. Das krachige „After The Flood“ in einer alternativen Version schließt sich da direkt an. Sonic Youth, aber auch Can sind da nicht mehr weit entfernt. Das epische „Eden“ zieht einen auch in dieser „2013 Remaster-Version“ in seinen Bann. Eines der vielen Meisterwerke von Talk Talk! Mit dem abgefahrenen „Taphead“ verabschiedet sich dieses Album endgültig in Richtung Avantgarde.

 

Fazit: „Natural Order 1982 – 1991“ ist für Fans und Spezialisten auf dem Talk Talk Gebiet eine feine Zusammenstellung aus Raritäten und obskurem Material. Neueinsteigern ist dieses Album sicher nicht direkt ans Herz zu legen, denn dafür ist das Material schon zu sehr in der Nische verankert und hat nichts mit den Hits zu tun. Auf der anderen Seite sind diese Songs und Versionen ein Beleg für die Genialität von Mark Hollies!

 

Text: Torsten Schlimbach

Talk Talk: Natural History 1982 – 1988 (CD/DVD)

Talk Talk: Natural History 1982 – 1988 (CD/DVD)

EMI

VÖ: 25.01.2013

 

Wertung: 9/12

 

Wer noch nicht soweit ist in „Natural Order“ einzutauchen, sollte zunächst mit „Natural History“ von Talk Talk starten. Hier gibt es die Singles der ersten vier Alben zu hören. Um eine neue Zusammenstellung handelt es sich hierbei allerdings nicht. Dies dürfte jetzt sogar schon die dritte Runde sein. Die ursprüngliche Veröffentlichung von 1990 wurde 2007 dann erneut in den Handel gebracht. Jetzt gibt es immerhin ein neues Cover und die Songs wurden remastert.

 

Von „Today“ bis „Desire“ deckt diese Compilation alles ab, was man unter Hits versteht. Talk Talk hatten davon sicher einige im Gepäck. Ganz vorne zu finden sind da natürlich die Klassiker „Such A Same“ und „It´s My Life“, die immer noch täglich irgendwo im Radio gespielt werden. „Dum Dum Girl“ und besonders „Life´s What You Make It“ sind aber ebenfalls zu den bekannteren Titeln zu zählen. Anhand der zwölf Songs lässt sich wunderbar nachvollziehen, dass Talk Talk eine der prägenden Bands der 80er waren und Mark Hollies der geniale Kopf hinter der Musik.

 

Das Herzstück dieser Veröffentlichung ist sowieso die DVD! Zu den Singles gibt es hier noch die Videoclips zu sehen, die den Zeitgeist widerspiegeln - „Today“, „Talk Talk“ (beide Takes sind enthalten) oder „My Foolish Friend“ - und somit auch eine Reise in die Vergangenheit darstellen, aber auch im krassen Gegensatz zur Musik stehen. Gerade die beiden Singles „Such A Shame“ und „It´s My Life“ wurden filmisch entgegengesetzt zur Musik angelegt. „Such A Shame“ ist dabei sogar regelrecht witzig. Hollies kann sich sein Lachen auch kaum verkneifen. Dies steht in umgekehrten Verhältnis zur Musik und nimmt selbiger die Schwere. Abgesehen davon gibt es hier auch die Halstuch- und Krawattenmode jener Tage zu sehen.

 

„It´s My Life“ wirkt mit den vielen Natur- und Tieraufnehmen wie aus Brehms Tierleben entsprungen. Sehenswert sind auch die beiden dilletantischen Takes von „Dum Dum Girl“. Diese wurden am späten Nachmittag auf dem Feld gedreht. Hollies singt live zur Musik vom Band und wird dabei von zwei Kameras gefilmt, die ihn auf Schienen umkreisen und ebenfalls immer im Bild zu sehen sind. Das hat was von einer DIY-Attitüde. Die Liveaufnahme von „Give It Up“ zeigt, welchen Stellenwert und Größe die Band in der Zwischenzeit angenommen hatte. Bonusmaterial sucht man allerdings vergeblich.

 

Fazit: „Natural History 1982 – 1988“ ist eine schöne Zusammenstellung, die sich eigentlich an alle richtet, die nur die Singles im Schrank stehen haben möchten. Eigentlich, denn die beiliegende DVD lässt einen tiefer gehenden Blick zu und hat noch sämtliche Videoclips zu bieten. Dieser Einblick in diese Ära lässt Erinnerungen wach werden und ist das Herzstück dieser Veröffentlichung!

 

Text: Torsten Schlimbach

Talk Talk: The Party´s Over

Talk Talk: The Party´s Over

EMI

VÖ: 30.03.2012

 

Wertung: 6,5/12

 

Für Talk Talk mag mit dem Debütalbum die Party vorbei gewesen sein, für den Rest der 80er fing diese dafür erst an. Talk Talk wurden schon immer gerne und oft in die falschen Schubladen gesteckt. Die Band um Mastermind Mark Hollis hat den Sound dieser Zeit ebenso kultiviert, wie eben auch die ganzen belanglosen Spaßkapellen, aber eben auch auf eine viel subtilere, nachhaltigere und künstlerisch auch wertvollere Art und Weise.

 

Auf dem Debüt „The Party´s Over“ ist davon freilich noch nicht ganz so viel zu merken. Die neun Songs atmen noch die Luft der New Romantics ein und aus. Auch Hollis entfaltet mit seiner Stimme noch nicht den Zauber, den er in den folgenden Jahren verbreitet. Mit diesem Album ist die Band noch deutlich auf der Suche und nimmt die musikalischen Versatzstücke dieser Zeit auf und baut sie zu einem ersten zaghaften Versuch zusammen eine eigene Identität zu schaffen. Gerade beim Titeltrack „The Party´s Over“ mäandert das aber auch langweilig und ziellos vor sich hin.

 

Mit „Talk Talk“ - ausgerechnet – und „Today“ gibt es aber auch erste kleine Hits zu vermelden, die schon erahnen lassen, was da noch kommen sollte. Das druckvolle „Hate“ ist aus kompositorischer Sicht auch schon ein Fingerzeig für die Zukunft. Alles in allem ist bei diesem Debütalbum aber auch noch viel Luft nach oben. Gleichwohl fängt die Platte den Zeitgeist natürlich sehr gut ein – auf eine wesentlich nachdenklichere Art und Weise!

 

Fazit: Mit „The Party´s Over“ treten Talk Talk erstmals in das Licht einer breiteren Öffentlichkeit. Obwohl sie aufgrund der New Romantics Ästhetik in die 80er passen, heben sie sich auch vom Neonlicht dieser Zeit deutlich ab. Mit dem Albumtitel ist eigentlich schon alles gesagt! Leider wird die Band immer noch in die falschen Schubladen einsortiert. Alles in allem kreisen die Songs aber auch etwas ziellos um den Orbit und deuten allenfalls an, zu was Talk Talk noch fähig waren. Jetzt wieder im Handel mit Neubearbeitungs des Artworks von Mark Hollis höchstpersönlich!

 

Text: Torsten Schlimbach

Talk Talk: It´s My Life

Talk Talk: It´s My Life

EMI

VÖ: 30.03.2012

 

Wertung: 7,5/12

 

Zwei Jahre nach dem Debüt folgten mit „It´s My Life“ die ersten wegweisenden Songs von Talk Talk. Bandkopf Mark Hollis schien zumindest aus heutiger Sicht einen stetigen Plan für die Band zu verfolgen. Das Debüt wurde ja noch von der kühlen Ästhetik dominiert, die auf dem Nachfolger ganz dezent anderen Klängen weichen musste. Erstmals brechen Talk Talk den Sound auf. Percussion und Trompete deuten schon an wohin der Weg führen wird.

 

Leider ist das Album in seiner Gesamtheit gesehen noch nicht der ganz große Wurf und auch nicht das viel zitierte Meisterwerk. Ebenso werden Talk Talk mit „It´s My Life“ gerne in die Popbandecke gedrängt. Das stimmt ja nur bedingt und das ist dann auch bitte nicht mit belanglos gleichzusetzen. Die Übersingle und Titeltrack „It´s My Life“ kennt natürlich auch heute noch jedes Kind. Eingängige Harmonien und dieser komische, weinerliche und traurige Gesang von Hollis sind eben auch eine unschlagbare Mischung. Die dominierenden Keyboards lassen das oftmals als einen der Prototypen für 80er Jahre Pop erscheinen. Sicher nicht verkehrt, gehört aber eben auch zu den guten Stücken.

 

„Such A Shame“ ist ein weiterer, großer Klassiker von Talk Talk - ebenso auch für die 80er. Mit „Renée“ gibt es einen ersten Fingerzeig in die Zukunft der Avantgarde und des Progpop. Der Rest ist gelinde gesagt dünner und belangloser Pop, der bestenfalls noch als nett durchgeht. Mit zwei Übersingles und einem großartigen Song unterstreichen Talk Talk aber, dass sie eben keine dieser Plastikbands der 80er waren und sind.

 

Fazit: „It´s My Life“ lässt erstmals erahnen, was da von Talk Talk noch an großartiger Musik kommen sollte. Hier gibt es zwei der wegweisenden Pophits der 80er, die so ziemlich jeder kennt, der irgendwo noch ein Radio stehen hat und gelegentlich auch benutzt. Mittlerweile sind diese Songs längst zu Klassikern avanciert. Nach dieser Platte betraten Talk Talk dann endgültig Neuland. Das Artwork wurde auch hier von Sänger Mark Hollis höchstpersönlich überarbeitet.

 

Text: Torsten Schlimbach

Talk Talk: The Colour Of Spring

Talk Talk: The Colour Of Spring

EMI

VÖ: 30.03.2012

 

Wertung: 10,5/12

Tipp!

 

Mit „The Colour Of Spring“ hievten sich Talk Talk auf eine neue Ebene der Popmusik. Nach den beiden Übersingles des Vorgängers hätten sie es sich auch einfach machen und den eingeschlagenen Weg einfach noch ein bisschen weiterverfolgen können. Es ist ja hinlänglich bekannt, dass sie sich zu anderen Ufern aufmachten. Das wollte und konnte nicht jeder mitgehen, aber so ist es eben, wenn Musiker neue Türen öffnen.

 

„The Colour Of Spring“ steckt voller Schönheit. Man könnte fast von einem zeitlosen Meisterwerk sprechen. „Living In Another World“ steigert sich beispielsweise in fast sieben Minuten vom Pop- zum Rocksong. Die Mundharmonika hat man bei Talk Talk bis dahin so auch noch nicht gehört. Oder nehmen wir das wunderschöne „April 5th“. Elegische, schwebende Musik, die einen in andere Sphären holt. Talk Talk malen die allerschönsten Klanglandschaften mit ihrer Musik. Gerade bei diesem Stück nehmen sie sich alle Ruhe und Zeit der Welt. Lieber mal einen Ton weglassen denn einen zu viel spielen.

 

Der markante Rhythmus und die durchschneidende Gitarre von „Life´s What You Make It“ ist auch heute noch fest in vielen Köpfen verankert. Diese Nummer war ein weiterer, großer Hit für die Band und ist mittlerweile ebenfalls zum Klassiker gereift. Die Arrangements und Harmonie machen dieses Album insgesamt so besonders und ein facettenreiches Stück wie „Chameleon Day“ im Speziellen. Das grenzt schon an Kammermusik. Mit „Time It´s Time“ darf man sogar staunend dem Prog-Pop lauschen.

 

Fazit: „The Colour Of Spring“ katapultierte Talk Talk endgültig raus aus dem Dunstkreis der fröhlichen 80er. Die Band war längst in ganz anderen Dimensionen angekommen und hat mit dieser Platte wahrlich ein Meisterwerk geschaffen. Aus kompositorischer Sicht ist das ein Höhepunkt des gesamten Jahrzehnts. Elegisch, schwelgerisch, aber auch still und nachdenklich kredenzen sie einem Pop zwischen Anvantgarde und kammermusikalischen Versatzstücken. Wer tatsächlich auch mal künstlerisch anspruchsvolle Musik dieses Jahrzehnts erleben möchte, der sollte jetzt zu diesem Album – selbstverständlich mit überarbeitetem Artwork von Mark Hollis – greifen!

 

Text: Torsten Schlimbach

Talk Talk: Spirit Of Eden

Talk Talk: Spirit Of Eden

EMI

VÖ: 30.03.2012

 

Wertung: 12/12

Tipp!

 

Erstaunlich, dass zwischen dem Debüt und „Spirit Of Eden“ von 1988 nur knapp sechs Jahre liegen. Musikalisch sind das Welten, gar ganz andere Galaxien! Mit „The Colour Of Spring“ wurde man ja schon behutsam vorbereitet – so scheint es jedenfalls in der Nachbetrachtung – und doch erwischt einen dieses Album immer wieder kalt. Man wird einfach völlig von diesen Klängen überrollt. Es fällt gar schwer diesen Meilenstein mit Worten zu beschreiben. Dies grenzt schon an ein Ding der Unmöglichkeit.

 

Die schönsten Harmonien stehen neben den größten Dissonanzen, die die Welt je gesehen hat. Jazz trifft auf Avantgarde. Rock trifft auf Pop. Wenn Sonic Youth, Miles Davis, U2, die Beatles, Nirvana, Velevet Underground und Depeche Mode ein gemeinsames Album aufnehmen könnten – es würde wie „Spirit Of Eden“ klingen. Talk Talk haben es zudem geschafft eine unglaublich warme Atmosphäre zu kreieren. Gerade zu dieser glattgebügelten und (musikalisch) kühlen Zeit der Aufnahmen ist das höchst beachtlich!

 

Was es auf „Spirit Of Eden“ allerdings nicht gibt sind Ohrwürmer. Keine Hits! Sollte man vielleicht als Aufkleber gleich auf die Hülle pappen. Kein Kommerz. Dies ist Musik aus den Tiefen der menschlichen Seele. Düster und traurig schälen sich die Songs aus den Boxen. Dieses Werk verdient übrigens die Bezeichnung Album, da man dies nur in seiner Gänze hören sollte. Alles ist im Fluss und geht ineinander über. So sieht das triste Leben der Menschheit also aus. So lange dabei derart schwelgerische Songs bei raus springen, ist das schon in Ordnung so.

 

Vielleicht trug der Aufnahmeort in einer alten Kirche dazu bei. Vielleicht war es der lange Prozess, der sich über vierzehn Monate hinzog. Man kann es abschließend nicht sagen was zu diesem sperrigen Meisterwerk geführt hat. Hollis hat sich darüber ja auch nie weiter ausgelassen. Fakt ist jedenfalls, dass sich die Töne auf morbide Art und Weise einbrennen. Nichts ist zu viel und es ist eher die Sparsamkeit mit Melodien, Instrumenten und überhaupt mit aller gängigen Poppraxis, die „Spirit Of Eden“ so einzigartig macht. Dem Jazz ist das nicht unähnlich, nur auf eine viel düstere Art.

 

Fazit: Wer nur die Hits von Talk Talk aus dem Radio kennt und sich sowieso eher im Mainstream zu Hause fühlt, sollte tunlichst die Finger von „Spirit Of Eden“ lassen. Dieser schwere Brocken ist garantiert keine leichte Kost. Wer offene Ohren hat, sollte seine Kopfhörer aufsetzen und dieses unglaubliche Album mit all seinen Facetten erforschen. Ein Meisterwerk der 80er!

 

Text: Torsten Schlimbach

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