Take That: Progressed (2 CD)

Take That: Progressed (2 CD)

Universal

VÖ: 17.06.2011

 

Wertung: 7/12

 

„Progressed“ von Take That kommt nun ein halbes Jahr nach Veröffentlichung erneut in die Läden und man fragt sich nach dem WARUM? Soll das Album nun im Rahmen der Tour wieder promotet werden und durch den zusätzlichen Kaufanreiz der neuen Songs die Fans wieder mobilisiert werden? Hat man sich die Kritik an den seltsamen Dancefloor-Songs der eigentlichen Langrille zu Herzen genommen oder markiert diese Ausgabe schon das Ende der neuerlichen Ära mit Robbie Williams? Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte!

 

Was allerdings bei den acht neuen Songs sofort auffällt, ist die eher ruhige Ausrichtung. Das geht dann doch schon wieder in die Richtung, die man ohne Herrn Williams eingeschlagen hatte. Der elektronische Ansatz ist zwar auch hier präsent, funktioniert teilweise aber wesentlich besser, wie noch auf dem Hauptwerk. Besonders gut zum Tragen kommt dies beispielsweise bei „Love Love“ aus dem neuen X-Men Film. Mit „When We Were Young“ legen Take That sogar einen sauberen Song vor, der auch wunderbar auf die späten und erstklassigen Popwerke „Beautiful World“ und „Circus“ gepasst hätte. Diese sehnsuchtsvolle Grundstimmung ist einfach perfekt für diese Band. Das gilt auch für „The Day The Work Is Done“. Es scheint gar so, als hätte Barlow die Führung wieder übernommen und als ob nicht mehr krampfhaft versucht würde, irgendwo einen Platz für Robbie Williams in der erwachsenen Ausgabe von Take That zu finden. Gut so!

 

Mit „Beautiful“ hat auch die zweite CD wieder einen Disocstampfer an Bord, aber irgendwie passt das hier alles besser zusammen wie auf dem ersten Silberling. Es wird auch nicht versucht unbedingt innovativ zu klingen. Genau dies scheint der Schlüssel zu sein, denn letztlich haut es genau dann hin. „Don´t Say Goodbye“ ist auch in ein modernes Klanggewand gekleidet, vernachlässigt die melancholische Seite aber keineswegs. Das schnelle „Aliens“ ist dann der berühmte Ausreißer und stellt das Bindeglied zwischen den beiden CDs dar. Mit „Wonderful World“ wird dann noch mal ganz tief in die Pathos- und Schmalzkiste gegriffen.

 

Fazit CD2: Diese neuen(!) acht Songs sorgen dafür, dass „Progressed“ sich doch noch einigermaßen annehmbar über die Ziellinie schleppt. Das eigentliche Album war irgendwie pure Effekthascherei und es wurde krampfhaft versucht einen Platz für den zurückgekehrten Sohn zu finden. Erst durch die zweite CD schwimmen sie sich frei und zeigen sämtliche Facetten, die diese Band zu bieten hat – und da sind einige gute für den Erwachsenenpop dabei. Trotzdem bliebt auch irgendwie ein fader Beigeschmack, denn wenn man nach einem halben Jahr schon eine überarbeitete Version nachschieben muss, kann irgendwas nicht stimmen.

 

Für CD1 gilt immer noch:

Erster Gedanke: Der verlorene Sohn ist zurück und das soll alles sein? Dann ist es wohl besser, wenn der gute Robbie wieder den sicheren Hafen der Band verlässt. Alleine waren die Jungs doch um Längen besser. Zweiter Gedanke: Der gute Robbie bremst die anderen aber ganz schön aus. Es klingt ja glatt so, als würde die Handbremse nie gelöst. Verdammt Jungs, was ist nur los? Dritter Gedanke: Mal ehrlich, wo sind denn die ganzen tollen und erwachsenen Popsongs der letzten beiden Alben hin? Vierter Gedanke: Öhm, vielleicht liegt das ja gar nicht an der Band, sondern an den eigenen Erwartungen. Fünfter Gedanke: Es ist doch schön, dass sich die fünf Jungs irgendwie weiterentwickelt haben. Es wäre doch extrem langweilig, wenn jetzt nur der Kakao vom letzten Mal aufgewärmt würde. Sechster Gedanke: Es wird ja langsam, ist doch sicher ein gutes Zeichen. Siebter Gedanke: Nein, reden wir uns das nicht schön, denn das ist nicht schön.

 

Ja, es können einem sehr viele Gedanken durch den Kopf schießen, wenn man sich das neue Take That Album anhört. Zunächst macht sich eine leichte Enttäuschung breit, die sich dann vollends in eine große Enttäuschung steigert. Ja, der größte europäische Popstar ist in den Schoß seiner Band zurück gekehrt. Ja, die anderen haben ihn wieder in ihren Reihen aufgenommen und ja, er darf auch mit an den Songs werkeln und das hört man. Man darf gespannt auf die DVD „Take That: Look Back, Don’t Stare” sein, denn hier wurde alles dokumentiert – vom ersten Kontakt, über die Entstehung des Album bis letztlich zum Endprodukt.

 

Die Scheibe startet mit dem schon bekannten “The Flood”. Die Nummer braucht zunächst ein paar Durchgänge, setzt sich dann aber nachhaltig im Ohr fest und hat alles, wofür Take That stehen. Ein Ohrwurm vor dem Herrn, muss man einfach mal sagen. Dann wird es aber seltsam. “SOS” startet mit einer treibenden Basslinie und entpuppt sich letztlich als Dancetrack. Wer mag das in diese Richtung wohl forciert haben? Na? Eine Idee? Der Refrain nervt und wird auch nicht bei der zwanzigsten Runde besser. Dafür überzeugen die Strophen. Gerade der Wechselgesang von Owen und Williams reißt es da raus. Letzlich ist das aber trotzdem ein komisches Ding. Vermutlich, weil man ganz einfach etwas anderes erwartet hat. Mit “Wait” kommt dann aber die erste Ballade, oder? Ein gefühlvoller Barlow Song, oder? Und die ersten Worte des Tracks – oh no – schießen einem auch durch den Kopf. Eigentlich ist das eine gute Nummer, aber so langsam dämmert es und der Schuldige ist gefunden. Es ist gar nicht Robbie, sondern der Produzent Stuart Price. Der hat ja auch aus dem letzten Madonna-Album ein Trauerspiel gemacht.

 

Und so wird hier ständig irgendwas aufgefahren, was Retro und gleichzeitig die größte Grütze ist. Es tut mir leid, aber so ein Ding wie “Kidz” ist einfach schlecht, da macht es der Marschrhythmus auch nicht besser. Mit “Pretty Things” sind Take That dann endgültig in den 80ern angekommen. Aber auch hier: eigentlich wäre das Stück gut, nur was Price daraus gemacht hat ist einfach völlig neben der Spur. “Happy Now” kann man immerhin attestieren, dass dies die Black Eyed Peas auch nicht besser machen würden. Auch “Underground Machine” geht als netter Dance-Stampfer durch.

 

Und nicht, dass hier der Gedanke aufkommt, dass diese Zeilen von einem notorischen Take That Hasser geschrieben würden. Nein, denn die letzten beiden Alben wurden für gut befunden und zumindest “What Do You Want From Me?” mit Herrn Owen als Hauptakteur geht in diese Richtung. Trotzdem hat es Stuart Price geschafft auch dieses Ding wieder zu versemmeln. Die Schuhe zieht es einem dann endgültig bei “Affirmation” aus. Hallo? Das ist “A Question Of Time” von Depeche Mode! Sicher, ein bisschen anders verpackt, damit es nicht direkt so auffällt. “Eight Letters” ist dann aber noch mal die große Barlow-Show. Selbst hier schafft man es noch den Schluß in den Sand zu setzen. Hut ab!

 

Fazit CD1: “Progress” kann nicht im Ansatz an die letzten guten Popalben von Take That anknüpfen. Bevor man das aber dem Herrn Williams alleine in die Schuhe schiebt, muss man aber einen Blick auf den Mann an den Reglern werfen. Stuart Price hat das Ding einfach verhunzt, Punkt. Da muss man ja nicht groß um den heißen Brei reden. Und dann ist das auch zu sehr auf den guten Robbie zugeschnitten. Die Songs selber sind nämlich gar nicht so schlecht. Das hätte wesentlich mehr als diese Dancepop-Soße werden können.

 

http://www.takethat.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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