SuperHeavy: dito

SuperHeavy: dito

Universal

VÖ: 16.09.2011

 

Wertung: 9/12

 

In den letzten Wochen konnte man immer wieder von einer Supergroup lesen, die diese Bezeichnung auch tatsächlich verdient. Die Rede ist von SuperHeavy und hinter diesem Projekt verbergen sich tatsächlich fünf Schwergewichte der Musikszene. Ein jeder Name lässt Musikliebhaber mit der Zunge schnalzen und weiter vorstellen muss man die Dame und die vier Herren auch nicht weiter: Joss Stone, Mick Jagger, Dave Stewart, Damian Marley und A.R. Rahman.

 

SuperHeavy verspricht auf dem Papier schon etwas ganz Großes zu werden. So ungewöhnlich die Altersstruktur dieser Band ist, so unterschiedlich ist auch die musikalische Sozialstation eines jeden Mitglieds. Das gemeinsame Album wurde zudem auch noch rund um den Globus bearbeitet: Südfrankreich, auf Zypern, in Miami, in der Türkei, in der Karibik und in Chennai in Indien. Aufgenommen wurden die gemeinsamen Kompositionen dann schließlich innerhalb von drei Wochen in Los Angeles.

 

Der Name SuperHeavy wurde gewählt, weil dieser für die beteiligten Protagonisten für Improvisation steht. Regeln und ein festes Korsett sollte es nicht geben. Dies alles ließ den Schluss zu, dass das Album viele Stile vereint und vielleicht sogar ein bisschen den roten Faden verliert und keine Richtung erkennen lässt. Das ist aber ganz und gar nicht der Fall. Der Aufbau ist sogar recht konventionell, gar konservativ. Dem Albumfluss kommt diese Tatsache ungemein zu gute. Dies bedeutet ja auch nicht, dass die einzelnen Individuen nicht ihre jeweilige Stärke einbringen konnten.

 

Das Album wird stark vom Reggae dominiert und sammelt links und rechts ein paar Einflüsse der Weltmusik auf. Ragga ist da nicht weit und da kann man ja auch mal schnell die Abbiegung in Richtung Popmusik unternehmen. Wo man dann sowieso in der Nähe ist, wird auch noch mal schnell beim alten Bekannten Rock nach dem Rechten geschaut. Na gut, die Frau will ja auch auf ihre Kosten kommen und so ist ein Kurzbesuch beim Soul auch gestattet.

 

Beim Opener „SuperHeavy“ hat der Fünfer versucht alles unterzubringen, was geht. Das hört sich verdammt nach Seeed an! Die Gitarreneröffnung ist auf Stewart zugeschnitten, dann darf sich Rahman in den Vordergrund spielen, bevor Mick Jagger in bekannter Manier nölt und im Hintergrund Joss Stone die Röhre anwirft und Damian Marley ist der Ragga-Meister. Das ist schon ein interessanter Auftakt nach Maß, gleichwohl wird hier auch versucht allen Beteiligten dieser Supgergroup zu gleichen Anteilen gerecht zu werden. Eindeutig sollte hier ein dickes Ausrufezeichen zu Beginn gesetzt werden. Ist geglückt.

 

Da wird bei „Unbelievable“ schon zwei bis drei Gänge runter geschaltet. Hier scheint Jagger die Gruppenführung zu übernehmen. Reggae ist auch hier das Hauptthema. Rahman bringt gleichwohl Einflüsse der Weltmusik unter. Übrigens fällt schon jetzt auf, dass die Platte wie Hölle groovt. Die Single „Miracle Worker“ ist noch mal entspannter und Damian Marley und besonders Joss Stone verbreiten Jamaika-Feeling. Jagger muss freilich wie ein beleidigtes Kind dazwischen plärren. Eine Violine sorgt gar für ein bisschen Country-Einschlag.

 

Die Gitarren dengeln und quengeln bei „Energy“ dann in schönster Rockmanier los. Jagger darf dann auch sein Lieblingsinstrument auspacken und die Mundharmonika wie zu besten Stones-Zeiten heulen lassen. Danach hat die Platte einen kleinen Hänger. Mit der Voodoo-Beschwörung „One Day One Night“ geht es in eine düstere Richtung, die zumindest aufhorchen lässt und die Akustik-Ballade „Never Gonna Change“ bringt etwas mehr Gefühl in die Geschichte. Die Nummer geht allerdings mehr als Solo von Jagger durch, der auch gleich für den kompletten Gesang verantwortlich ist. Geschrieben hat er das Stück zusammen mit Stewart. Am längsten Song der Platte "Rock Me Gently" – nämlich 6 Minuten – haben Stone, Marley und Stewart alleine geschrieben. Das ruhige Stück überzeugt mit einem wunderbaren Aufbau. Die Instrumentierung nimmt sich sehr stark zurück und stellt die Stimmen in den Vordergrund. Das poppigste Stück von „SuperHeavy“. Im krassen Gegensatz dazu steht „I Can´t Take It No More“ (von Jagger alleine geschrieben). Da kommt das Rockviech wieder durch. So einen rockigen Track braucht die Scheibe aber nun auch. Mit „I Don´t Mind“ stellen Joss Stone und Mick Jagger unter Beweis, dass die beiden auch als gefühlvolles Duett harmonieren können. Ohne richtigen Höhepunkt plätschert der Song allerdings auch ein bisschen dahin. Bei „World Keeps Turning“ wird zum Schluss noch mal das ganz große Gefühlsbesteck ausgepackt. Fein, fein.

 

Fazit: Man wusste im Vorfeld nicht so genau, was man von der Supergroup SuperHeavy erwarten konnte. Die Zusammenarbeit von Stone, Jagger, Stewart, Marley und Rahman ist zwar jetzt kein Wunderwerk der Musikgeschichte, macht aber viel Spaß und irgendwie haben es alle Beteiligten geschafft ihre jeweiligen Stärken unterzubringen, aber nicht in den Vordergrund zu spielen. Gut, Jagger gibt zwar den Platzhirsch, aber das steht dem Mann wohl auch zu. Musikalisch bewegt sich das oftmals in eine Reggae-Richtung, schafft aber auch immer wieder den Sprung zum Rock, Pop und Soul. Es bleibt abzuwarten ob dies eine einmalige Angelegenheit bleiben wird - nach diesem Album darf aber gerne mehr kommen!

 

http://www.superheavy.com/

 

Album-Player

http://artists.universal-music.de/uid/_player/superheavy/



Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch