Stevie Nicks: 24 Karat Gold – Songs From The Vault

Stevie Nicks: 24 Karat Gold – Songs From The Vault

Warner

VÖ: 03.10.2014

 

Wertung: 8/12

 

Stevie Nicks veröffentlicht mal wieder ein neues Album. Der Oktobertermin hätte passender nicht gewählt werden können, denn in den Songs von Nicks war schon immer eine herbstliche Stimmung auszumachen. Die Melancholie war stets ein treuer Begleiter durch ihr Musikerleben. Die Songs sind übrigens alt und haben teilweise Jahrzehnte auf dem Buckel. Sie hat mal ordentlich Hausputz gemacht und dabei so manches Demo und so manche Textzeile wieder zu Tage gefördert. Eigentlich waren diese Stücke für andere Alben gedacht, konnten dort aber kein geeignetes Plätzchen finden. Da sie die ganzen Liebesdramen der einzelnen Tracks teilweise schon ewig lange mit sich herumschleppt und die daraus resultierenden Songs pures Gold sind, musste diese Platte nun endlich mal raus.

 

Aufgenommen wurde „24 Karat Gold – Songs From The Vault“ innerhalb von zwei Wochen in Nashville. Unterstützt wurde sie dabei gleich von einer ganzen Armada hervorragender Musiker. Produziert wurde das Album schließlich von Waddy Wachtel und Dave Stewart. Letzterer war für die Songs allerdings keine gute Wahl. Es ist und bleibt eines der ungelösten Rätsel der Musikgeschichte, warum man überhaupt auf die Idee kommen kann Dave Stewart für eine – weitestgehend – Rockplatte zu engagieren. Der Mann ist ja nicht gerade für Ecken und Kanten im Sound bekannt, auch wenn eines seiner eigenen Werk - „Greetings From The Gutter“ - natürlich brillant ist. Der Mann hat trotzdem andere Qualitäten und so ist „24 Karat Gold – Songs From The Vault“ teilweise zu poliert, da hätte man gerade aus Nashville einen erdigen Sound erwartet. Stewart hat allerdings auf dem letzten Nicks-Album einen guten Job abgeliefert, von daher ging sie wohl auch garnicht erst Experimente ein.

 

Das Material ist eine schöne Zeitreise. Fleetwood Mac kommen einem da mehrmals in den Sinn. Dieses dunkel gefärbte Reiben in der Stimme kriegt nur Stevie Nicks hin. Dies macht sie auch so außergewöhnlich. Manchmal fragt man sich aber auch wo sie textlich hin will. Da ist sie dann wieder die sonderbare Elfe aus dem Wunderland. Trotzdem ist das in letzter Konsequenz ein nettes Album geworden. Schon der Opener „Starshine“ rockt, rollt und rumpelt frisch aus der Garage auf den Highway. Selbst das Keyboardsolo passt. Wäre da nicht die Produktion, dann könnte man sich das auch genau so von Tom Petty & The Heartbreakers vorstellen. „The Dealer“ geht es dann etwas entspannter an und offenbart durch das Sounddickicht einige sehr schöne Licks, Riffs und kleine Verspieltheiten. Und dann dieses Stimme!

 

„Mabel Normand“ macht es sich zwischen Dylan, MOR-Rock und Americana recht gemütlich, ist aber auch fordernd und bissig. Mit „Blue Water“ schließt sich eine wunderbare Ballade an und „Cathouse Blues“ ist eine schöne kleine jazzige Western-Saloon-Nummer. Der Track „24 Karat Gold“ erinnert ein bisschen an die Dire Straits. „Hard Advice“ ist der typische Nicks-Schwulst, den sie auch immer mal wieder auf ihren Alben unterbringt. Dafür kann man zu „Lady“ schon mal seine Gänsehaut auspacken. Man kann es nicht oft genug sagen: diese Stimme. „I Don´t Care“ wütet sich durch die Sümpfe, während „All The Beautiful Worlds“ einer dieser für Nicks typischen melancholischen Popsongs ist. Die Nummer passt auch gut zu Stewart. „Belle Fleur“ kommt ganz gefällig daher, allerdings ist „If You Were My Love“ der vertonte Kitsch. Das luftig und leichte „Carousel“ lädt zum Träumen ein und ist ein wunderschönes, zeitloses Musikstück. Und zum Schluss zeigt sich dann auch, dass sie einfach nicht von Lindsey Buckingham loskommt. Der Song mag schon alt sein und doch erzählt er eine ganze Menge über die Stevie Nicks von heute, sonst wäre dieser auch kaum auf dem Album gelandet: „She Loves Him Still“

 

Fazit: Abgesehen von dem üblichen Nicks-Kitschgedöns ist „24 Karat Gold – Songs From The Vault“ ein ausgezeichnetes Album. Man hätte sich da teilweise eine Produktion gewünscht, die etwas erdiger ist. Dies hätte den Songs garantiert nicht geschadet. Das Material stammt aus verschiedenen Dekaden, ergibt als Ganzes aber ein überraschend harmonisches Bild ab. Letztlich wird dieses Platte die Musikwelt nicht auf den Kopf stellen, aber wer dieses Album für sich entdeckt, hat einen treuen Begleiter gefunden. Legt man mit Sicherheit immer mal wieder gerne auf.

 

http://www.nicksfix.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Stevie Nicks: In Your Dreams

Stevie Nicks: In Your Dreams
Warner

VÖ: 06.05.2011

 

Wertung: 8/12


Nicht nur die Generation 2.0 weiß die neuen Medien für sich zu nutzen, sondern mittlerweile auch all´ jene, die seit Jahrzehnten im Musikgeschäft dabei sind. Das neue Album von Stevie Nicks etwa kommt nicht wie aus heiterem Himmel, sondern ist bestens dokumentiert. Zumindest konnte man schon im Februar 2010 lesen, dass sich in dieser Hinsicht etwas tut. Kein Geringerer wie Dave Stewart setzte die Nachricht ab, dass man gemeinsam an neuen Songs arbeiten würde. Die Twitter-Meldung weckte natürlich Begehrlichkeiten, da sowohl Stevie Nicks, wie auch Dave Stewart immer noch zu den Großen zu zählen sind.


Nun liegt das Album „In Your Dreams" in seiner vollen Schönheit und Pracht vor einem. Zugegeben, ein bisschen Angst konnte einem die Verbindung Nicks und Stewart durchaus machen und im Hinterkopf hatte zumindest ich die leise Vorstellung von einem süßlichen Popalbum. Ein weiterer Blick auf die beteiligten Personen entfaltet da durchaus eine beruhigende Wirkung. Mike Campbell von Tom Pettys Heartbreakers ist mit von der Partie und schrieb sogar an der einen oder anderen Nummer mit. Ein Hauch von Fleetwood Mack weht ebenfalls durch die Songs, denn Lindsey Buckingham und Mick Fleetwood haben ebenfalls im Studio vorbeigeschaut. Glen Ballard fungierte zudem als weiterer Produzent und dies alles zusammengefasst ließ dann doch wieder auf ein gutes Album hoffen.


Stevie Nicks sprach im Vorfeld von verschiedenen Einflüssen. Manches erinnere an Bob Dylan, anderes sei richtig hartes Rockzeug und dann seien da noch die nachdenklichen Songs, mit einer Menge Poesie in den Texten. Wie im Fußball auch, zählt aber letztlich das Ergebnis und was auf dem Platz passiert. „In Your Dreams" spielt zumindest in der Champions-League! Diese Erkenntnis ist dann doch einigermaßen überraschend.


Fangen wir gleich mit den kitschigen Dingen an. „Italian Summer" trieft nur so vor Zuckerwatte. Das ist eigentlich die Marke Pop, die einem die letzten Haare ausfallen lässt. Himmel. Stevie Nicks scheint dieser Song aber viel zu bedeuten und sie spricht gerne darüber, wie das Stück 2009 nach einem Italienaufenthalt entstanden ist. Eigentlich hätte man mehr von diesem Popkitsch erwartet. Pustekuchen. Das Duett „Cheaper Than Free" von Nicks und Stewart geht auch in eine solche Richtung. Ältere Herrschaften dürfen das aber auch mal! Ist gar nicht böse gemeint.


Der Rest des Albums ist davon aber zum Glück weit entfernt. Natürlich ist „In Your Dreams" keine Anbiederung an den Zeitgeist. Der Auftakt mit „Secret Love" ist in letzter Konsequenz sicher auch astreiner Pop. Trotzdem sind die vielen kleinen Tempowechsel erfrischend und wenn sich die Gitarre immer wieder bemerkbar macht, freut dies sogar das Rockerherz. Stevie Nicks hat immer noch eine markante Stimme, worüber sie sich voll und ganz im Klaren ist, denn sonst würde sie nicht so singen. Vom Tempo könnte das sogar einer dieser zeitlosen Roadsongs sein. Wer hat gelacht, als Stevie Nicks Songs im Dylan-Format erwähnt hat? Bitte „For What It´s Worth" hören und schweigen. Da schlägt das Folkherz doch eine ganze Spur schneller.


Wie auch schon bei den Heartbreakers ist die Beteiligung von Campbell nicht hoch genug einzuschätzen. Bei „Wide Sargasso Sea" wird geschickt mit Blueselementen gespielt, die der Nummer etwas Geheimnisvolles verleihen. Das simple, aber sehr effektive Pianospiel bei „Moonlight (A Vampire´s Dream)" passt perfekt zur Stimme und sorgt für eine geschlossene Erhabenheit. Nach und nach schält sich ein zeitloser Popsong heraus. Schade, dass einige Nummern im Mittelmaß stecken bleiben. „Annabel Lee" und „Everybody Loves You" ist netter Standardpop, der aber im Nirgendwo rangiert. Aber hey, es gilt dreizehn Songs auf „In Your Dreams" zu entdecken und so lange sich mit „Soldier´s Angel" ein Track anschließt, der wie frisch aus den Sümpfen entsprungen zu sein scheint, ja, so lange ist doch alles gut! Mit der knochentrockenen Rocknummer „Ghosts Are Gone" dreht Stevie Nicks auf der Zielgeraden noch mal richtig auf.


Fazit: „In Your Dreams" von Stevie Nicks (und ein bisschen auch von Dave Stewart) ist ein überraschend gutes Album! Zwar ist es nicht ganz frei von Klischees und ein bisschen Popzuckerwatte träufelt auch hin und wieder aus den Boxen, aber unter dem Strich überwiegt die Freude über die anderen Songs, die mal mit dem Blues spielen, den Folk satteln oder auch mal erdigen Rock zu bieten haben. In der Summe ist die Scheibe etwas zu lang geraten, denn dann hätte es sogar für ein Altersmeisterwerk gereicht. Trotzdem ist „In Your Dreams" eine erfreuliche musikalische Rückmeldung von der Dame mit der markanten Stimme!


http://rockalittle.com/


Text: Torsten Schlimbach

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