Sportfreunde Stiller: Sturm & Stille

Sportfreunde Stiller: Sturm & Stille

Universal

VÖ: 07.10.2016

 

Wertung: 7/12

 

Die drei Jungs der Sportfreunde Stiller sind gute Jungs. Das soziale Engagement, das Aufbegehren und zeigen einer Haltung ist in diesen Tagen wichtiger denn je. Seltsamerweise halten sich da aber sehr viele deutsche Künstler und Stars bedeckt. Nicht so die Sportfreunde Stiller. Daumen hoch! Überhaupt hat die Kapelle aus Bayern einiges richtig gemacht, denn sonst wäre sie nach mittlerweile zwanzig Jahren nicht immer noch da. Jetzt veröffentlichen sie das siebte Studioalbum. „Sturm & Stille“ wurde es benannt. Zwölf neue Tracks für die große Anhängerschaft.

 

Irgendwie ist es mit den Sportfreunden Stiller ein bisschen so wie mit den Die Ärzte. Man liebt sie, merkt aber mit jeder neuen Platte, dass man mittlerweile doch zu alt dafür geworden ist. Es war bisher schön, aber man muss sich dann doch eingestehen, dass sich hier die Wege trennen. Nein, „Sturm & Stille“ ist kein schlechtes Album. Es wird vielen Menschen ganz sicher eine ganze Menge bedeuten. Vielleicht ist das sogar die Art von Musik, die Leben retten kann. Nur mir gibt das alles nichts mehr. Flo Weber bringt es eigentlich ganz treffend auf den Punkt: Wir sind wir. Genau so ist es. Flo Weber, Peter Brügger und Rüdiger Linhof verstellen sich nicht. Sie machen einfach so weiter. Eine Konstante in schwierigen Zeiten. Es ist eben aber auch alles wie immer. Man selber hat sich vielleicht weiterentwickelt und braucht keinen neuen Aufguss des Bekannten.

 

Was soll das Trio denn auch machen? An dieser Art komischer Sprechgesang wird sich nichts mehr ändern. An dieser Nettigkeit auch nicht. Es kann aber auch nicht genug nette Menschen geben. Die Sportfreunde Stiller scheinen, so der Eindruck, sehr nette Menschen zu sein. Und nett klingen die Songs immer noch. Aber davon haben sie eben schon eine ganze Wagenladung im Gepäck. Und wenn sie dann versuchen sich woanders anzubiedern, dann geht das wie mit „Lumpi (L.U.M.P.I.)“ auch in die Hose. Sie sind ja nicht Deickind, die Sportfreunde Stiller.

 

„Raus In Den Rausch“ feiert im Grunde das Leben. Musikalisch ist das pathetisch, bombastisch, aber mit ein paar Breaks auch etwas vertrackt. Guter Auftakt. Mit „Viel Zu Schön“ folgt allerdings gleich ein Song, der den Trademark-Sound der Band in die Waagschale wirft. Guter Text, Musik soweit bekannt. Und so geht es durch „Sturm & Stille“ dann weiter. Der Titeltrack ist die Ballade an der Stelle, an der Bands eben gerne mal eine Ballade platzieren. „Zwischen Den Welten“ rockt ja irgendwie. Schön schrammelig und so. „Das Geschenk“ ist der vertonte Kitsch. Da trieft es zuckersüß aus den Boxen. „Disko4000“ klingt dann tatsächlich nach Disko – funky und so. „Brett Vorm Kopf“ im Stakkatogewand ist ebenfalls ein eher typischer Song für die Münchner. „Keith & Lemmy“ hat danach aber mit einfachsten Mitteln eine schöne Melodie am Start. Die Hookline brennt sich ein. Macht Spaß. Ob wir irgendwann allerdings alle wie Keith Richards aussehen? Hoffentlich nicht!

 

Im letzten Drittel darf es mit „Rotweinflaschengrün“ noch mal eine Ballade sein. „Ich Nehm´s Wie´s Kommt“ ist so ein bisschen New Wave und mit „Auf Jubel Gebaut“ gibt es ein ganz dickes Dankeschön an die Fans. Es sind eben gute Jungs!

 

Fazit: „Sturm & Stille“ ist das siebte Album der Sportfreunde Stiller. Wer sich an den Jungs nicht satt hören kann, wird auch dieses Werk schnell in sein Herz schließen und lieben. Das Trio ist sich treu geblieben. Eine großartige Weiterentwicklung darf man allerdings daher nicht erwarten. Das macht aber ja nichts, denn wenn man diesen Weg nicht weiter mitgehen will, kann man sich ja immer noch an die vielen gemeinsamen und schönen Stunden erinnern. Alles hat eben seine Zeit.

 

http://www.sportfreunde-stiller.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

Sportfreunde Stiller: New York, Rio, Rosenheim

Sportfreunde Stiller: New York, Rio, Rosenheim

Universal

VÖ: 24.05.2013

 

Wertung: 7,5/12

 

Das letzte Studioalbum der Sportfreunde Stiller liegt schon unglaubliche sechs Jahre zurück. Die Band war freilich nicht gänzlich von der Bildfläche verschwunden. Natürlich standen eine Reihe von Konzerten auf dem Plan, der Auftritt beim Bundesvision Song Contest endete letztlich mit einem enttäuschenden 10. Platz und dann gab es ja auch noch den Unplugged-Auftritt und das dazugehörige „MTV Unplugged In New York“ Album. Es gab sogar eine Zeit, da hatte man die Schnauze von der Band einfach voll. Die ständige Präsenz war mitunter zu viel. Das haben die drei Jungs wohl auch selbst gemerkt, darum wurde ja seinerzeit auch eine längere Pause angekündigt. Letztlich eine sehr gute Entscheidung!

 

Es ist ja bekannt, dass Florian Weber, Rüdiger Linhof und Peter Brugger auch noch ein paar Nebenprojekte am Start haben. Neue und andere Eindrücke und Einflüsse können sicher nicht schaden und sind für die Hauptband keineswegs hinderlich. Manchmal reicht es aber auch aus – so banal es klingen mag – auch einfach mal was anderes zu machen. Die Sportfreunde Stiller haben auf die eine oder andere Weise sicher davon profitiert. Überprüfen kann man dies nun auf „New York, Rio, Rosenheim“. Produziert wurden die zwölf Songs von Oliver Zülch und Dave Anderson.

 

Die erste Erkenntnis: Die Sportfreunde Stiller sind zurück! Die zweite Erkenntnis: Die Band hat sich nicht verbogen und betritt jetzt auch nicht Neuland. Die dritte Erkenntnis: Erwachsener sind sie geworden und doch ist der alte Wortwitz noch da. Fans werden mit „New York, Rio, Rosenheim“ also sehr glücklich werden. Ob sich mit diesem Album allerdings noch mal ein ganz neuer Anhängerkreis dazu gesellt, muss zumindest stark angezweifelt werden, denn dafür sind die Veränderungen dann doch wieder zu klein. Gut so, denn alles andere würde auch unglaubwürdig klingen. Die Sportis, wie sie von den treuen Fans genannt werden, bleiben sich treu und das ist die vierte und schönste Erkenntnis.

 

„New York, Rio, Rosenheim“ wir mit Morsezeichen eingeläutet und geht dann nahtlos in „Hymne Für Dich“ über. Wenn ein Album mit einem Neil Young Zitat anfängt, kann es schon mal keine schlechte Scheibe sein. Die Nummer rockt, die Botschaft wird dabei allerdings auch nicht vergessen und die Wohoooo-Chöre werden auf den Konzerten sicher gerne gegrölt werden. „Wenn Pferde Schlafen“ reitet diesen Weg musikalisch zunächst weiter. Textlich geht es schon in Richtung „Applaus Applaus“, der ersten Single. Diese ist natürlich ein verdammter Ohrwurm, ganz im Stile der Sportfreunde Stiller. So kennt und so liebt man die Jungs. Unter dem Strich ist das Stück aber auch etwas enttäuschend, denn im Grunde wird hier nur noch mal „Ein Kompliment“ aufgewärmt.

 

Der opulente Titeltrack ist der Hit der Platte. „New York, Rio, Rosenheim“ krallt sich in den Ohren fest und verweilt dort für eine lange Zeit. „Unter Unten“ feiert dann so ein bisschen die „Mia San Mia“ Mentalität, während „Es Muss Was Wunderbares Sein“ der ungewöhnliche Ausreißer ist. Da stolpert der Beat und wenn man es nicht besser wüsste, dann könnte man es der Neuen Deutschen Härte – nur ohne Härte – zurechnen. „Clowns Und Helden“ rockt, legt aber auch eine große Portion Leichtigkeit an den Tag. „Festungen Und Burgen“ ist danach der Song für die Wunderkerzen. Zuckrig läuft hier der Kitsch aus den Boxen. Nun gut, kann man der Band gerade noch so verzeihen.

 

Preisfrage: Was macht man, wenn man eine Schreibblockade hat? Man schreibt einfach einen Song darüber - „Wieder Kein Hit“. „Lederjacke“ ist musikalisch und textlich Stiller-Standard und nur leidlich spannend. Das vertrackte „Let´s Did It“ gefällt da schon besser. Aus der Ferne lassen Deichkind ganz nett grüßen. Herzig, bombastisch und mit Pathos beladen beendet die Band mit „Wunder Fragen Nicht“ dieses Album mit ordentlich viel Getöse.

 

Fazit: „New York, Rio, Rosenheim“ wird die deutsche Musikwelt nicht komplett auf den Kopf stellen und auch im Universum der Sportfreunde Stiller bleibt alles wie vor der Pause. Es sind die kleinen Dinge, die sich geändert haben. Von Stillstand kann man also nicht unbedingt sprechen, gleichwohl man sich bei diesem Album direkt wie zu Hause fühlt. Das ist ja nicht schlecht, die Jungs ziehen einfach ihren Stiefel durch. Wer damit bisher nicht klar kam, wird es auch 2013 nicht mehr. Erwachsener klingt dieses Album allerdings schon – und dabei wird nicht auf den Wortwitz verzichtet. Fans dürften diese zwölf Songs jedenfalls schnell in ihr Herz schließen.

 

http://www.sportfreunde-stiller.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch