Sound City: Real To Reel (OST)

Sound City: Real To Reel (OST)

Sony

VÖ: 08.03.2013

 

Wertung: 9/12

 

Was macht Dave Grohl eigentlich im Moment? Vielleicht geht der Alleskönner gerade über das Meer, verwandelt Wasser zu Wein oder bastelt – ganz simpel – weiter an seiner eigenen Legende. Alles was der Tausendsassa anpackt, hat irgendwie Hand und Fuß. Abgesehen davon findet man im Lexikon unter Workaholic garantiert seinen Namen. Vermutlich weiß er selbst schon nicht mehr, an welchen Projekten er die letzten Jahre gearbeitet hat. Alleine dieses Jahr stehen einige sehr schöne Veröffentlichungen, die durch sein Mitwirken entstanden, auf dem Plan. Einstweilen gibt es von dem Drummer, Sänger, Gitarristen, Songschreiber, Gast- und Mi(e)tmusiker – Aufzählung selbstverständlich nicht abschließend – den Soundtrack zu seinem Filmprojekt „Sound City“ auf die Ohren.

 

Ja, Mr. Grohl ist nun auch noch unter die Filmschaffenden gegangen und wie man hört, gibt er auch hier mehr als eine passable Figur ab. Vermutlich ist dies auch der Tatsache geschuldet, dass er sich nur um Herzensangelegenheiten kümmert und die Dinge somit von Hause aus schon durch einen ganz anderen Arbeitsethos entstehen. Der Spaß steht eben immer im Vordergrund. Bewundernswert! Für „Sound City“ lud er sich selbstverständlich nur befreundete Musiker oder solche, die er verehrt, ein. Ob es Absagen gab ist nicht überliefert, aber da das persönliche Telefonbuch von Dave Grohl dicker als die Bibel sein dürfte und der 43-jährige so gut vernetzt ist wie kaum ein anderer der Branche, kann man davon ausgehen, dass alle dem Ruf des Meisters gefolgt sind.

 

„Sound City“ ist eine Dokumentation über das legendäre Studio in Van Nuys, einem Stadtteil von L.A.. Grohl beschreibt die Geschichte selbst wie folgt: „Als Regie-Debütant fühle ich mich geehrt, meine Leidenschaft für Songwriting und Storytelling mit dieser fantastischen Riege an legendären Musikern zu teilen, erzählt durch die außergewöhnliche Geschichte eines der unbekanntesten Aufnahmestudios, Sound City. Zu dieser Gruppe von Künstlern zu gehören ist eine große Ehre!“ Die Idee zu diesem Projekt entstand letztlich, als er das 1972 speziell angefertigte Neve 8028-Mischpult des Sound City Studios kaufte. Man muss sich dazu nur mal die Riege der Künstler ansehen, die in den letzten vierzig Jahren damit so manche legendäre Platte aufgenommen hat: Neil Young, Fleetwood Mac, Tom Petty, Cheap Trick, Guns N'Roses, Nirvana, Rage Against the Machine, Slipknot, Nine Inch Nails oder Metallica – um nur einige zu nennen. Man muss natürlich nicht groß rätseln, ob Dave Grohl hier einen persönlichen Bezug hat oder nicht. Eines der bedeutendsten Alben der 90er wurde hier eingezimmert: „Nevermind“.

 

Natürlich ist der Foo Fighters Kopf an allen elf Songs des Soundtracks beteiligt. Er tritt entweder als Sänger, Gitarrist oder Schlagzeuger in Erscheinung. Die Musik erzählt selbstverständlich auch die Geschichte des Films und hat somit ebenfalls dokumentarischen Charakter, aber nicht immer den berühmten roten Faden zu bieten. Die ganze Kiste hat zudem einen wunderbaren Retro-Charakter und alle beteiligten Musiker ordnen sich dem gerne unter. Es geht ja auch nicht darum das eigene Ego ins Schaufenster zu stellen, sondern vielmehr darum einem Studio und seiner Aufnahmetechnik zu huldigen.

 

Und doch klingt manches wie erwartet. Der Auftakt „Heaven And Hell“, bei dem mit Peter Hayes und Robert Levon Been die beiden Köpfe des Black Rebel Motorcycle Club vertreten sind, hört sich dann eben auch wie ein neuer Song von BRMC an. Freunde der psychedelischen Klänge und des Stoner Rocks werden jedenfalls jubilierend durch die Wohnung tanzen. „Time Slowing Down“ wird von Masters Of Reality Mastermind Chris Goss wunderbar in Richtung Space-Rock getragen, während Grohl und Tim Commerford und Brad Wilk von Rage Against The Machine den psychedelischen Teppich auslegen. Stevie Nicks von Fleetwood Mac liefert bei „You Can´t Fix This“ den einzigen weiblichen Beitrag zu Sound City ab und gleichzeitig auch einen der Höhepunkte. Ihr rauchiges Timbre stellt immer noch sämtliche Körperhaare ins Achtung. Aleine schon wie sie die Zeile „You Can´t Fix This“ singt ist schon das Eintrittsgeld wert.

 

Danach gibt es einen zackigen – an die Foo Fighters erinnernden – Rocktrack. Kein Wunder, denn bei „The Man That Never Was“ ist ja auch fast die gesamte Foos-Mannschaft versammelt. Rick Springfield darf dazu trällern und macht gar keine schlechte Figur. Trotzdem hätte dieser Song auf dem letzten, regulären Foo Fighters Album nicht mal als B-Seite getaugt. Danach geht es ab in die Wüste. Das abgedrehte „Your Wife Is Calling“ fräst sich durch den Sand wie eine Walze. Alain Johannes und Fear-Legende Lee Ving veredeln das Stück zu einem Punkungetüm, dass es eine Freude ist. Erstaunlich unspektakulär ist hingegen „From Can To Can´t“ ausgefallen. Diese Halbballade entstand mit Corey Taylor und Scott Reeder, da hätte man eigentlich etwas anderes erwartet.

 

Das wahnwitzige „Centipede“ reißt es ja wieder raus und da Josh Homme mit von der Part(y)ie ist, wird die Nummer nach hinten raus auch noch mal zum Stonerungetüm aufgeblasen. Großartiges Stück. Noch besser ist „A Trick With No Sleeve“. Der Alternativrock der 90er ist in seinen schönsten Farben zurück. Hier kann sich Scott Weiland noch mal anhören, wie das damals so ging. Über „Cut Me Some Slack“ wurde ja im Vorfeld schon viel geschrieben und das gute Teil als Nirvana-Reunion verkauft. Ja, Krist Novoselic und Pat Smear sind dabei und natürlich Dave Grohl hinter der Schießbude. Für den Gesang konnten sie keinen Geringeren wie Sir Paul McCartney gewinnen. Selbiger rotzt seinen Text derart raus, dass man in seinem Backkatalog lange suchen muss, um einen ähnlichen Song zu finden. „Helter Skelter“ kommt einem da vielleicht noch in den Sinn. Wenn es eine Sache gibt, die Mr. Grohl nicht ganz so gut kann, dann sind es die Balladen. „If I Were Me“ plätschert doch eher recht langweilig über vier Minuten dahin. Zum Schluss hat sich bei „Mantra“ mit Josh Homme, Grohl und Trent Reznor eine weitere Konstellation gefunden, für die das Wort Supergroup erfunden wurde. Die Erwartungshaltungen an diesen epischen Song waren auch entsprechend groß – die werden allerdings erst ganz zum Schluss eingelöst. Immerhin!

 

Fazit: Der Soundtrack zur Dokumentation über das legendäre Sound City Studio „Sound City – Real To Reel“ zählt sicher zu den besten seiner Art, wenn man sich so die letzten Jahre anguckt. Ein bis zwei kleine Schwächephasen findet man zwar auch unter den elf Tracks und aufgrund der Vielzahl der beteiligten Musiker ist ein roter musikalischer Faden auch nur schwer zu finden, aber dafür wird man auch mit großartiger Rockmusik entschädigt die kompromisslos auf alle Masterpläne pfeift.

 

http://buy.soundcitymovie.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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