Smashing Pumpkins: Monuments Of An Elegy

Smashing Pumpkins: Monuments Of An Elegy

Martha´s Music/BMG/Rough Trade

VÖ: 05.12.2014

 

Wertung: 7,5/12

 

Billy Corgan hat mal wieder Großes vor. Böse Zungen reden da auch gerne mal von Größenwahn. Der gute Billy legt mit „Monuments To An Elegy“ nicht einfach ein neues Album vor, nein, es soll der Mittelteil eines 44 Werke umfassenden Songzyklus sein. Mit dem durchwachsenen „Teargarden By Kaleidyscope“ von 2009 wurde dieses kühne Vorhaben einst gestartet. Warum die ganze Geschichte immer noch als Smashing Pumpkins läuft, ist zumindest auch sehr fraglich. Mit seiner Soloplatte ist er aber derart auf die Schnauze gefallen, dass es so schnell wohl keine weitere mehr geben wird. Es war aber ja sowieso schon immer so: Billy Corgan ist die Smashing Pumpkins und die Smashing Pumpkins sind Billy Coragn. Dies war in den seligen 90ern aber auch schon so, aber da hatte er zumindest Bandmitglieder, die für gewisse Reizpunkte sorgten und mit denen er sich austauschen konnte. „Monuments Of An Elegy“ ist nun das Ergebnis der Soloshow von Corgan. Keine schlechte, wohlgemerkt!

 

Aufgenommen wurden die neun Songs in Chicago. Mit Howard Willing und Howie Weinberg waren an der Produktion und am Mastering zudem zwei alte Bekannte beteiligt, die die Smashing Pumpkins auch schon während der glorreichen Tage unter die Arme griffen. Hinter der Schießbude saß mit Tommy Lee(!) von Mötley Crüe ein Mann, den man nicht unbedingt bei dieser Band erwartet hätte, der auf den zweiten Blick aber perfekt passt.

 

„Monuments Of An Elegy“ ist nicht episch angelegt, das war in der Vergangenheit mal ganz anders. Mit „Run2me“ kommt sogar nur ein einziger Song über die vier Minuten Marke. Alle anderen Tracks bleiben da drunter. Trotzdem hat dieses Album auch einige Längen. Im Grunde ist das ein typisches Smashing Pumpkins-Werk, es fehlt schlicht und ergreifend an manchen Ecken und Enden das Songwriting der Vergangenheit, diese vielen kleinen Winkelzüge, mit denen Corgan immer eine Gänsehaut erzeugen konnte. 2014 klingen die Smashing Pumkins immer noch nach den Smashing Pumpkins - nur eben ohne das Außergewöhnliche!

 

Billy Corgan schafft es bisweilen aber doch noch an seine alte Klasse anzuknüpfen. Das positive „Being Beige“ ist ein Stück voll erhabener Schönheit. Ein schönes Klaviermotiv gibt sich mit dieser Dringlichkeit der Gitarren die Klinke in die Hand und selbst das Schlagzeugspiel ist typisch für die Kürbisköpfe. Vielleicht ist das sogar der beste Song der Band seit mehr als einem Jahrzehnt. Schon für dieses Stück lohnt sich „Monuments Of An Elegy“. Das bassgetriebene „Anaise!“ klingt ein bisschen nach einem Überbleibsel aus der „Adore“-Phase. Die elektrische Seite der Pumpkins pulsiert und kreist um die Melodie, dass auch dieses Stück letztlich richtig gelungen ist. Mit dem bombastischen Auftakt von „Tiberius“ ist das erste Drittle verdammt stark ausgefallen.

 

„One And All“ erinnert an die „Machina – The Machines Of God“ Zeit und mäandert etwas ziellos dahin. Die luftigen und leichten Songs stehen den Smashing Pumpkins dabei besser zu Gesicht. „Run2me“ könnte zunächst auch von Erasure sein, nimmt dann aber eine erfreuliche Wendung hin zum Indierock mit großer Popmelodie. „Drum + Fife“ hat leider kaum nennenswerte Höhepunkte und auch „Monuments“ ist einer jener Songs, die diese Band seit „Adore“ immer wieder mit durchschleppen muss. „Dorian“ hat sogar ein gewisses Nervpotenzial. Mit „Anti-Hero“ gibt es zum Schluss noch mal eine kleine, wütende Indieperle, die dann wiederum Lust auf das nächste Album macht.

 

Fazit: Die Smashing Pumpkins des Jahres 2014 kann man sicherlich nicht mehr mit den Indiegöttern der 90er vergleichen. Die Band gibt es im Grunde ja auch nicht mehr und Billy Corgan ist die einzige Konstante. Man sollte vielleicht auch nicht versuchen das mit der Vergangenheit zu vergleichen. „Monuments Of An Elegy“ würde sicher nicht auf besonders viel Interesse stoßen, wenn es sich hierbei eben nicht um eine neue Veröffentlichung der Smashing Pumpkins handeln würde. Das wäre schade, denn unter den neun Songs befinden sich doch einige, kleine Indiepopmomente, die dieses Album eben doch wieder zu etwas Besonderem machen. Im Kleinen zwar, aber immerhin. Man nimmt da sogar die paar Längen gerne in Kauf.

 

http://www.smashingpumpkinsnexus.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Smashing Pumpkins: Adore (Reissue)

Smashing Pumpkins: Adore (Reissue)

Universal

VÖ: 03.10.2014

 

Wertung: 8,5/12

 

Die Smashing Pumpkins sind im Grunde Billy Corgan und Billy Corgan ist die Smashing Pumpkins. Die Grenzen verschwimmen da mittlerweile. Das war alles mal anders. Corgan war natürlich schon immer der Kopf der Band, aber Ende der 80er und bis Mitte der 90er war die Kapelle tatsächlich noch halbwegs als Einheit wahrnehmbar. Die Zeiten sind längst vorbei und Billy Corgan ist auf der Suche nach Ersatz. Wäre der Mann doch nicht ein solcher Dickkopf, dann hätte er vermutlich auch noch seine alten Weggefährten. Der ganze Verfall fing im Grunde mit „Adore“ an, jenem Album, welches sträflich unterschätzt wurde und jetzt in diversen Konstellationen erneut in den Handel kommt.

 

Bei „Adore“ war Jimmy Chamberlain nicht dabei. Der Mann hinter der Schießbude hatte mit einem ganzen Rucksack an Problemen zu kämpfen. Er hielt Corgan stets den Rücken frei und schien oftmals der einzige Mensch zu sein, der den guten Billy tatsächlich verstand. Und plötzlich bricht dann dieser immens wichtige Faktor weg. Und natürlich ist damit der Drummer ja auch noch abhanden gekommen. D´Arcy Wretzky und James Iha schienen auch nur noch Staffage zu sein. Billy Corgan hat mit „Adore“ im Grunde in Teilen ein Soloalbum aufgenommen, welches zudem auch noch sehr persönlich ist. Nach der Tour im Jahre 2000 implodierte sowieso alles.

 

„Adore“ kann man nun anhand der neuerlichen Veröffentlichung noch mal in all seinen Facetten erleben und dazu gehört auch die Drummachine, die Chamberlain weitestgehend ersetzte. Nicht nur die Band geriet während dieser Zeit aus den Fugen, auch Billy Corgan hatte in seinem Privatleben einige Schicksalsschläge zu verkraften. Seine Mutter starb und dann stand auch noch die Scheidung von seiner langjährigen Ehefrau an. Keine Einfache Zeit und dies alles hat sich natürlich auf „Adore“ ausgewirkt. Es ist ein düsteres und persönliches Album, welches von Kritikern und Fans völlig missverstanden wurde - was selbst für den Albumtitel gilt.

 

Das Album ist insgesamt etwas zu lang geraten und das bedrückende „Shame“ kann letztlich nur wenig Akzente setzen, gleichwohl man D´Arcy und James Iha hier auch mal deutlich hört. „Behold! The Night Mare“ schlägt gar eine Brücke von den rockigen Pumpkins zu diesen sehr kalten Sounds. Das Album steckt aber auch voller Perlen. „For Martha“ wartet mit diesem herzergreifenden Pianothema auf. Der Songs geht über die volle Distanz von acht Minuten einfach ans Herz. „To Sheila“ an den Beginn zu setzen war mutig. Der Song, der fast schon folkig ist, mag zwar wunderschön sein, ist aber auch sehr verhalten. Träumerisch geht es los mit „Adore“. Dann gibt es die kühle Ästhetik von „Ava Adore“, einem brillanten Musikstück, welches Depeche Mode die Ehre erweist. „Perfect“ ist schließlich formvollendeter Pop. Die Melodien und die Harmonieführung sind dabei nicht weit vom Vorgänger entfernt. Die Umsetzung mag eine andere sein, aber das Grundgerüst ist doch gleich geblieben. „Once Upon A Time“ ist auch so ein luftig leichter Song, der nicht diese Schwermut vom genialen „Tear“ hat und eben eine andere Facette in dieses Album reinbringt. „Apples + Oranjes“ ist auch so ein toller Song, der die alten Kürbisköpfe mit den neuen verbindet. Man sagte sich mit „Adore“ nicht komplett von der Vergangenheit los, nur wurden eben andere Mittel eingesetzt.

 

Fazit: Das 98er Album der Smashing Pumpkins wurde zum Zeitpunkt seines Erscheinens gehörig missverstanden. Jetzt wird dieses famose Manifest erneut veröffentlicht. Wer will, kann nun ganz tief in den Kosmos von „Adore“ eintauchen und sich mit dem 6-CD/DVD Boxset und 107 Tracks befassen. Das eigentliche Album klingt immer noch erstaunlich frisch und ist mit seinem folkigen Ansatz und durch den Einsatz einer Drummachine extrem interessant. Es sind großartige Songs, die Billy Corgan noch mal auf der Höhe seines Schaffens zeigen.

 

http://www.smashingpumpkinsnexus.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Smashing Pumpkins: Gish/Siamese Dream (Deluxe Edition) Teil 2

Smashing Pumpkins: Gish/Siamese Dream (Deluxe Edition) Teil 2

EMI

VÖ: 02.12.11

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Nachdem zunächst die beiden Reissues von „Gish“ und „Siamese Dream“ als Promo der vier CD-Alben vorlagen, konnten wir mittlerweile auch das Gesamtpaket begutachten. Es wäre doch zu schade, wenn man auf das weitere Bonusmaterial und die Aufmachung nicht auch noch zwei bis drei Sätze verlieren würde. Das haptische Erlebnis kommt dabei nämlich nicht zu kurz und die Aufmachung kann sich wirklich sehen lassen. Und dies im wahrsten Sinne des Wortes!

 

Die dicken Pappboxen stechen jedenfalls aus jeder Sammlung heraus. „Gish“ ist dabei in einem glänzenden Lila gehalten, wohingegen „Siamese Dream“ mit einem knalligen Orange auffällt. Das mag nicht den jeden Geschmack treffen, ein Hingucker ist es aber auf jeden Fall. Etwas unglücklich ist allerdings die Tatsache, dass man den Deckel nur mit einiger Anstrengung lösen kann – die edle Verpackung will ja schließlich nicht beschädigt werden. Das hätte man sicher besser lösen können!

 

Der weitere Inhalt hat allerdings eine ganze Menge an Pluspunkten zu bieten. Jeder Bild- und Tonträger wird von einem eigenen Pappschuber sicher umschlossen. Dazu gibt es in beiden Boxen ein umfangreiches Booklet zu bewundern. Für die Liner-Notes sind der Musikjournalist David Wild und Billy Corgan höchstpersönlich verantwortlich. Die Texte erweisen sich somit auch als nostalgische Zeitreise. Daneben gibt es jeweils auch noch hochwertige Foto-Miniaturen als nette Zugabe obendrauf. Abgerundet wird die ganze Geschichte mit einem Code, den man auf der Homepage der Bandseite einsetzen kann, um sich dort einen weiteren raren Track runterzuladen.

 

Das alles erfreut schon das Fan- und Sammlerherz. Heimlicher Höhepunkt einer jeden Box dürfte die beiliegende DVD sein. Im Falle von „Gish“ liegt eine Aufnahme aus Chicago vom 25. August 1990 vor. Knapp 48 Minuten nimmt einen dieses Konzert auf eine Zeitreise in die Bandanfänge mit. Billy Corgan hatte hier auch noch lange Haare und Kollege Chamberlain fiel durch eine zweifelhafte Frisur auf. D´Arcy und James Iha sind auch noch blutjung und insgesamt zeigt sich die Band noch von einer unsicheren, aber sympathischen Seite. Man darf da natürlich keine Wunderdinge der Technik erwarten. Das Bild ist meist unterirdisch und kratzt so gerade am Bootlegcharakter. Wer also nur die Hochglanzproduktionen der heutigen Zeit gewohnt ist, wird vermutlich einen kleinen Schock erleben. Darum geht es aber auch nicht. Die Darbietungen von „I Am One“, über „Snail“, „Rhinoceros“ bis hin zu „Godzilla“ aus diesem kleinen Club haben ja historischen Wert! Die Smashing Pumpkins waren zu diesem Zeitpunkt auch alles andere als eine gute Liveband. Sie überdecken dies aber mit einer großen Spielfreude. Die Akustikversion von „Crush“ in Wohnzimmeratmosphäre ist ebenfalls ein Schmankerl aus der Raritätenkiste.

 

Danach wurden die Haare kürzer und die Band besser. Dies alles kann man auf der wunderbaren DVD zu „Siamese Dream“ nachvollziehen. Bei der Aufnahme handelt es sich um die Record Release Party vom 14. August 1993, ebenfalls in Chicago/at the Metro. Mit dem starken Album „Siamese Dream“ im Rücken spielte die Urbesetzung eine ganz famose Show! Man kennt ja die Entstehungsgeschichte rund um diese Platte und den Gemütszustand von Herrn Corgan. bei den Klängen von „Rocket“ scheint eine ganze Wagenladung an Wackersteinen von seinen Schultern zu fallen – sein Lächeln spricht Bände! Die ganze Veranstaltung gleicht einem Triumphzug. Bei „Quiet“ gibt es kein Halten mehr und so mancher Fan dürfte sich da den einen oder anderen blauen Flecken geholt haben. Bei „Today“ ist die Band dann auch endgültig als musikalische Einheit zu vernehmen und hat „ihre“ Mitte gefunden. Immerhin gibt es auch zwischen den Songs ein paar Worte von Billy Corgan und die Interaktion mit dem Publikum ist durchaus gegeben. Das war ja in späteren Jahren leider nicht mehr immer der Fall. Ein erstaunliches Zeitdokument. Bei „Geek U.S.A.“ dürfte der Putz von der Decke gefallen sein. „Disarm“ war zu diesem Zeitpunkt live schon erstaunlich ausgereift. Zum Konzertschluss sieht man Corgan die Menge sogar mit erhobenen Armen anfeuern. Seine Bandkollegen kriegen zudem ein Lächeln von ihm geschenkt. Ja, da war noch die Welt der Smashing Pumpkins in Ordnung und nach „Silverfuck“ waren sich wohl alle Beteiligten einig, dass sie da gerade etwas Großes erlebt (Zuschauer) oder geleistet (Band) haben. Die Qualität ist übrigens für die Größe des Clubs – es gab ja nicht sonderlich viel Platz für die Kameras – in Ordnung!

 

Fazit: Die Aufmachung, das viele Zusatzmaterial und nicht zuletzt die beiden DVDs mit historischem Wert machen die beiden Deluxe Editions von „Gish“ und „Siamese Dream“ zu einem Fest für alle Fans, Sammler und Neueinsteiger. Hier kann man einen der vielen Höhepunkte der verrückten 90er noch mal auf wunderbare Art und Weise nachvollziehen!

 

http://www.smashingpumpkins.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Smashing Pumpkins: Gish/Siamese Dream (Deluxe Edition) Teil 1

Smashing Pumpkins: Gish/Siamese Dream (Deluxe Edition)

EMI

VÖ: 30.11.2011

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Da steht einem glatt das Wasser in den Äugelchen, wenn man sich heute anguckt was aus den Smashing Pumpkins geworden ist. Billy Corgan hat es über die Jahre geschafft, dass die Band zu einer Kirmestruppe verkommen ist. Mit den Helden des Alternativrocks der 90er hat die Kapelle, die mittlerweile wieder auf Tour ist, so rein gar nichts mehr am Hut. Der geniale Charakterkopf Corgan zerstört immer mehr den Mythos der Smashing Pumpkins und wenn man sich den Kindergarten so betrachtet, mit dem er jetzt tourt, dann macht das schon einigermaßen betroffen und man möchte den guten Billy einfach mal in den Arm nehmen um ihm nur mal zu sagen, dass er gerade alles zerstört, was er einst aufgebaut hat. Wieder einer der es – jedenfalls momentan – nicht schafft, in Würde zu altern. Ganz andere Baustellen, aber die Parallelen sind ja schon eklatant, aber es drängen sich ja geradezu die Vergleiche zu Michael Schumacher auf.

 

Dass die Smashing Pumpkins einst eine großartige Band waren und zumindest zeitweise sogar zum Besten gehörten, was es musikalisch zu entdecken gab, kann man nun anhand der ersten beiden Alben noch mal eindrucksvoll bewundern. „Gish“ und „Siamese Dream“ werden nun jeweils in einer remasterten Version neu aufgelegt. Wie es so üblich ist, gibt es die beiden Platten gleich in mehreren Formaten zu erwerben. Die Einzel-CDs machen, wenn überhaupt, für die jüngere Generation Sinn, die gerade erst in den Kosmos der Kürbisköpfe eintaucht. Alle anderen sollten gleich zu einem der anderen Ausgaben greifen – es lohnt sich!

 

Das Debüt „Gish“ hat über die Jahre nicht nur Kultstatus erlangt, sondern ist auch verdammt gut. Natürlich hat die Band seinerzeit nicht ein Opus in aller Perfektion vorgelegt, aber das ist ja auch nicht entscheidend. Trotzdem hört man dem Werk auch heute noch an, dass alle Beteiligten als Einheit zu Außergewöhnlichem im Stande waren. „Gish“ lärmt zwar noch etwas ungestüm durch die Gegend, lässt aber schon enorm viel Potenzial erkennen. Man höre sich nur das geniale „Siva“ an. Das Zusammenspiel zwischen laut und leise wurde später ja immer mehr perfektioniert, aber gerade das Ungestüme zeichnet nicht nur diesen Song, sondern die ganze Platte aus. Ein Meilenstein für die Band! Ohne „Gish“ wäre die Karriere sicher ganz anders verlaufen. Wie fast jedes Pumpkins Album hat auch dieses eine kleine Kuriosität am Rande zu bieten. Bei „Daydream“ darf D´Arcy sich als Sängerin versuchen. Sie hört sich dabei wie die kleine Ausgabe von Kim Deal an. Trotzdem gut, dass man sie nicht öfters an Mikrofon gelassen hat – und das will schon was heißen, denn Stammsänger Corgan wird sicher nicht als weltbester Sänger in die Geschichtsbücher eingehen. Die vielen Gitarrenmotive, die Iha auf den weiteren Alben noch verfeinern sollte, lockern den Einheitssound immer wieder auf und mit „Suffer“ zeigt sich die Truppe sogar experimentierfreudig.

 

Die „Deluxe Edition“ hält dann auch gleich noch einige Raritäten bereit. So gibt es vom damaligen Produzenten Butch Vig von „Tristessa“ und „La Vita Dolly“ ganz neue und aktuelle Mixe. Der sphärische 2011er Mix von „Starla“ beeindruckt dabei ganz besonders und der geniale Songaufbau verdeutlicht mal wieder, warum die Band in den 90ern derart vergöttert wurde. Von „Daydream“ gibt es übrigens auch eine Version mit Corgan als Sänger. Ohne D´Arcy zu nahe treten zu wollen, aber die auf der Deluxe Variante enthaltene Version ist definitiv besser. Auch musikalisch hat man sich hier nun vermehrt an Klanglandschaften versucht. Die zweite CD ist schon eine kleine Raritäten-Fundgrube. Das raus gerotzte „Siva“ der Peel Session kommt recht lässig daher.

 

Alles in allem war „Gish“ ein sehr solides erstes Ausrufezeichen der Smashing Pumpkins mit einigen genialen Momenten. Hier wurde der Weg für alles, was noch kommen sollte, geebnet. Die zweite CD mit neuen Mixen und Raritäten ist gerade für Fans eine feine Geschichte, aber auch Neueinsteiger können so noch mehr in die Welt der Band eintauchen!

 

Danach folgte dann die Explosion. Mit „Siamese Dream“ legten die Smashing Pumpkins ein Meisterwerk der 90er vor. Plötzlich war die Band in aller Munde und aus der täglich MTV-Rotation nicht mehr wegzudenken. Neue Superstars waren geboren und die Welt begriff nach und nach, dass nicht nur Seattle musikalisch etwas zu bieten hatte. Selbstverständlich wurde auch dieses Album nun remastert und die „Deluxe Edition“ hat entsprechend noch eine zweite CD zu bieten.

 

Der Einstieg mit Trommelwirbel und anschließendem Gitarrengewitter packt einen auch heute noch direkt und ist wie ein Schlag in die Magengrube. „Cherub Rock“ gleicht einer Explosion und sprengt alle Ketten und Konventionen. Butch Vig war auch an diesem Wunderwerk für die Regler zuständig. Auch, wenn einen die Gitarrenwände überrollen, so gibt es unter der Oberfläche doch sehr viel Schönheit zu entdecken und die Melodien sind fast kindlich verspielt. „Today“ haftet so immer noch etwas Unschuldiges an. Was man bei diesem Album nicht vergessen darf ist das fein akzentuierte Spiel von Chamberlain.

 

Eigentlich ist es schon kurios, dass dieses Album klingt wie es eben klingt und überhaupt entstanden ist. Der Zustand der einzelnen Bandmitglieder war nicht gerade ausgesprochen gut. Chamberlain gab sich wohl zu oft den Drogen hin, D´Arcy und Iha beendeten ihre Beziehung und Corgan befand sich in einem seelischen Ausnahmezustand. Vielleicht spiegelt sich dies alles in dem Inferno von „Silverfuck“ wieder. „Siamese Dream“ lärmt sich aber nicht nur durch alle Songs. Das berührende und brüchige „Disarm“ brachte in den 90ern so manchen an den Rande eines Weinkrampfs und hat auch 2011 nichts von seiner Faszination verloren. Ein zeitloses Meisterwerk. „Hummer“ legt gar Ohrwurmqualitäten an den Tag und mit „Luna“ und dem poppigen „Spaceboy“ sind weitere Höhepunkte auf dem Album versteckt, die eine ganz andere Seite der Smashing Pumpkins freilegen. Der Gitarren-Breitwandsound ist also nicht durchweg Programm. Dieses Album glänzt auch durch seine Vielseitigkeit und gilt zurecht als eines der Besten der 90er!

 

Glücklicherweise hat man diese tolle Platte nun mit jeder Menge unveröffentlichtem Bonusmaterial gewürdigt. Rehearsals, Demos und Mixe holen zum Rundumschlag aus. Das fängt bei der Dampfwalze von „Pissant“ an, lärmt sich durch den Song, der dem Album den Namen gegeben hat - „Siamese Dream“ - fährt die Akustikversion von Disarm auf, die allerdings mit der Albumnummer nicht mithalten kann und landet schließlich beim Instrumental Mix von „Soma“. Die Apartment Version von „Luna“ berührt und zeigt Corgan von seiner verletzlichen und sensiblen Seite, auch wenn viel Hall auf dem Gesang liegt. Die Aggressivität von „Quiet“ der BBC Session ist ein wahrer Donnerhall in die Fresse. Das ganze Bonusmaterial hat echten Mehrwert zu bieten und selbst bei „Never Let Me Down Again“ machen sich die Pumpkins nicht komplett lächerlich. Interessante Version des Depeche Mode Klassikers. Corgan weiß, dass er stimmlich nicht mit Gahan mithalten kann und so wurde der Song wesentlich ruhiger interpretiert. Fein! Fein!

 

Fazit: Die beiden Reissues von „Gish“ und „Siamese Dream“ unterstreichen noch mal nachhaltig, warum die Smashing Pumpkins mal zu den ganz Großen zählten. Das Bonusmaterial überzeugt und besonders die Deluxe Edition von „Siamese Dream“ ist ein Fest für alle Rockfans. Unnötig zu erwähnen, dass Billy Corgan hier alles überwacht und kontrolliert hat. Hoffentlich hat er dabei auch gemerkt, dass die heutige Variante der Band nichts mehr mit der Truppe zu tun hat, die diese beiden Alben eingeprügelt hat!

 

http://www.smashingpumpkins.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch