Skunk Anansie: Black Traffic

Skunk Anansie: Black Traffic

earMUSIC/Edel

VÖ: 14.09.2012

 

Wertung: 8/12

 

Jetzt weiß man auch, was mit „Wonderlustre“ nicht stimmte. Ohne die neue Skunk Anansie Platte hätte man das wohl nie herausgefunden, denn „Black Traffic“ ist doch eine erfreuliche Entwicklung in die richtige Richtung. Nicht, dass der Vorgänger schlecht war, im Gegenteil, aber die Power und die Rohheit, die das neue Werk mit jedem Ton ausstrahlt, ging „Wonderlustre“ dann doch etwas ab. Vermutlich war das aber auch sowieso der zaghafte Versuch wieder Fuß im Musikgeschäft zu fassen. Man darf ja auch nicht vergessen, dass Skunk Anansie zwischendurch mal eben so eine neunjährige Pause eingelegt haben. Musikerkarrieren sind oft von kürzer Dauer.

 

Sowieso hat sich die Band diesmal keine Beschränkungen auferlegt. Alles wurde Stück für Stück eingespielt um dies dann zu sampeln. Jetzt könnte man natürlich schon ein paar Schweißtropfen auf der Stirn haben, aber sämtliche Sorgen sind völlig unbegründet. Das Album ist nämlich beileibe nicht überproduziert und auch keine reine Kopfsache. Der Sound ist alles andere als klinisch sauber. Verspielt, ja. Das Quartett hat sich die letzten 1 ½ Jahre aber keineswegs zu sehr an Kleinigkeiten und Einzelheiten festgebissen. Geschrieben wurde „Black Traffic“ in monatelangen Sessions in L.A. und London. Es hat sich gelohnt in dieses Album derart viel Zeit zu investieren.

 

Textlich gibt sich die Band so angriffslustig wie zu Karrierebeginn. „I Believed In You“ ist eine deutliche Ansage in die gewählten Volksvertreter. Ebenso geht „This Is Not A Game“ an die Adresse der vermeintlichen Entscheidungsträger und wie letztlich die Bürger unter der aktuellen Finanzkrise leiden. Es geht aber nicht nur in eine politische Richtung, sondern auch um die Dinge, die jeden früher oder später einholen. „I Hope You Get To Meet Your Hero“ befasst sich mit den oftmals zu hohen Ansprüchen, die jeder an sich selber stellt und letztlich mit dem eigenen Ego. Wie immer ist es Skin, die hier kein Blatt vor den Mund nimmt. Da tropft tonnenweise das Charisma aus den Boxen. Die Dame und ihr Gesangsstil ist einfach unvergleichlich.

 

Musikalisch ist „Black Traffic“ fein ausbalanciert. Den knallharten Songs stehen fast schon süßliche Balladen gegenüber. Wer ein Album mit dem Brett „I Will Break You“ beginnt, ist sich seiner Sache sehr sicher. Dieser knallharte Auftakt gleicht einem Schlag mitten in die Fresse und knüpft nahtlos an die Bandanfänge an und dies auch noch ohne Gefahr zu laufen, die Abbiegung Richtung Peinlichkeitsstraße zu nehmen. Keine Zeit zum Durchatmen! „Sad Sad Sad“ hält das Tempo weiter hoch, ist im Refrain aber auch deutlich vom Pop infiziert worden. Die vielen Breaks innerhalb der Strophen sorgen dafür, dass auch die Spannung hoch bleibt. Einer der ungewöhnlichsten Song ist „Spit You Out“ mit Shaka Ponk, der nämlich klingt wie ein Klon von David Bowie. Übrigens abermals ein straighter Rocksong, der aber auch viele Spielerreien auffährt – vom treibenden Basslauf, über den gesampelten Gesang bis hin zu elektronischen Elementen.

 

„I Hope You Get To Meet Your Hero“ ist dann die erste Ballade, die gar klassisch anmutet. In diesem Gewand ist der Gesang von Skin immer von einer großen Verletzlichkeit durchzogen. Man hat als Zuhörer dann immer das Gefühl, dass die Dame einem ihre Seele zu Füßen legt. Ganz großartiger Song. „I Believed In You“ spielt gar mit Punkelementen, nimmt aber immer wieder den Fuß vom Gas, bricht ab, setzt erneut an und bringt es nicht nur textlich auf den Punkt. Es ist aber nicht alles Gold was hier glänzt. Die Ballade „Our Summer Kills The Sund“ ist doch arg verkitscht und zu schmalzig. Abgesehen davon nerven die ständigen Wiederholungen. Gesanglich ist sicher „This Is Not A Game“ einer der Höhepunkte der Platte und für den melancholische Refrain würden andere Musiker Haus, Hof, Mutter und Oma verkaufen – mindestens. „Sticky Fingers In Your Honey“ knallt einem noch mal ein kleines Punkbrett vor den Latz und erinnert ebenfalls an die Anfänge der Band. Schade, dass mit „Diving Down“ ein ziemlich belangloser Track die Platte dem Ende entgegen plätschern lässt.

 

Fazit: „Black Traffic“ von Skunk Anansie zeigt, dass die Band immer noch gut ist und auch fast auf kompletter Albumlänge überzeugen kann. Das Ding hat Biss, ist rotzig, verspielt, laut, leise, abwechslungsreich und mit dieser Straßenkötermentalität ausgestattet, für die man die Band einst so geliebt hat. Die Band hat definitiv noch was zu sagen – musikalisch und textlich. Skunk Anansie stellen wieder eine echte Alternative dar. „Black Traffic“ ist eine erfreulich gute und überzeugende Platte, die mit jedem Durchgang auch noch mal gewinnt.

 

http://www.skunkanansie.net/

 

Text: Torsten Schlimbach

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