Simply Red: Blue Eyed Soul

Simply Red: Blue Eyed Soul

BMG

VÖ: 08.11.2019

 

Wertung: 8,5/12

 

Nach dem eher mäßigen „Big Love“ von vor vier Jahren, wollen es Simply Red nun mit „Blue Eyed Soul“ erneut wissen und lassen ein zehn Track starkes Album von der Leine. Alle Songs für das 12. Studioalbum wurden selbstverständlich von Mick Hucknall geschrieben. Produziert hat wieder Andy Wright. Vieles auf „Blue Eyed Soul“ wurde quasi live eingespielt und nachträglich nur mit wenigen Overdubs versehen. Hucknall wollte sich nach eigenem Bekunden mit diesen Songs amüsieren und eben nicht auf sein Leben zurückblicken - wie so viele andere Künstler seines Alters.

 

„Blue Eyed Soul“ ist somit auch kein trübsinniges Album geworden. Vielleicht ist es noch nicht mal mit dem eigenen Backkatalog von Simply Red vergleichbar. Das Werk klingt auf seine Weise sogar reduziert, ist aber trotzdem üppig ausstaffiert. Man höre sich nur „Riding On A Train“ an. Der Bass entpuppt sich als Funkmonster, die sechs Saiten stellen sich in den Dienst der gesamten Mannschaft und die Bläser dominieren auf eine unnachahmliche Art und Weise. Die Nummer erinnert an den großen James Brown. „Chula“ hingegen könnte aus einem dieser Blaxploitation-Filme der 70er stammen.

 

Was macht eigentlich Hucknall? Er singt nicht nur, er croont, er krächzt, er keift und schreit. Er hat sich die großen Soulmeister wohl zum Vorbild genommen. Mit dem butterweichen „Sweet Child“ gibt es den entspannten Soul, für den man den Mann so liebt. „Complete Love“ ist eine Ballade, für die er ebenfalls über alle Maßen geschätzt wird. Die Nummer ist aber auch etwas schwülstig und kitschig. „Take A Good Look“ könnte man sich auch gut von Rod Stewart vorstellen. Mit „Ring That Bell“ gibt es in der Albummitte einen derart lässigen Funk- und Soultrack auf die Ohren, dass sich alle Epigonen von Hucknall in die Ecke stellen können. Gesanglich ist das ganz groß! „Bad Bootz“ hingegen ist eine Verbeugung vor dem unwiderstehlichen Isaac Hayes, der hier eindeutig als Inspirationsquelle zu identifizieren ist. „Don´t Do Down“ bleibt dem treibenden Funksoul treu.

 

Fazit: „Blue Eyed Soul“ ist anders als „Big Love“. Der überwiegende Teil des Albums fährt auch nicht die Simply Red-Sicherheitsschiene, sondern ist auch ein Großteil im Funk zu finden. Der Geist von James Brown und Isaac Hayes weht durch einen Großteil der Songs. Die Balladen sind die schwächeren Songs, weil diese vorhersehbar sind. Der Rest des Albums – besonders die zweite Hälfte – ist dafür umso großartiger. In dieser Form darf man sich durchaus auf die Tour freuen!

 

http://www.simplyred.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Simply Red: Big Love

Simply Red: Big Love

Warner

VÖ: 29.05.2015

 

Wertung: 7/12

 

Und da ist Mick Hucknall wieder mit Simply Red wie Kai aus der Kiste zurück. Unter diesem Trademark lässt sich auch einfach mehr verkaufen und das zieht eben auch mehr Leute an. Simply Red war ja eigentlich für beendet erklärt und Mick Hucknall wollte sich seiner Solokarriere widmen. Mehr oder weniger ist das auch egal, denn Simply Red ist ja im Grunde nichts anderes wie Hucknall. Von der ursprünglichen Besetzung ist ja sowieso niemand mehr mit im Boot. Immerhin gehört Ian Kirkham seit 1987 zur Besetzung. Ansonsten kamen und gingen die Musiker und die Fluktuation bei Simply Red war derart groß, dass man damit gleich mehrere Bands ausstatten könnte. Jetzt folgt also mit „Big Love“ dann doch noch mal ein Album. Eine Sensation ist das nicht, es war fast zu erwarten.

 

Zu den Feierlichkeiten der Bandgründung von vor 30 Jahren sollte und musste ein neues Album her und da ist es. Das ist schön, nur schade, dass außer Hucknall eben keiner mehr von damals dabei ist. Fans werden sich trotzdem freuen, dass der Name Simply Red zurück ist. Die Stimme von Hucknall ist ja sowieso über jeden Zweifel erhaben. Der Mann hat mit seinem samtweichen Organ schon vielen Leuten schöne Stunden beschert. „Big Love“ wird das sicher auch schaffen. Hier und da. Wenn man nämlich mal ganz ehrlich ist, dann ist das Album schlicht und ergreifend unspektakulär. Bösartige Menschen würden von langweilig sprechen. Es gibt ja Leute, die sich maximal fünf Alben pro Jahr zulegen, dieses Jahr wird „Big Love“ darunter sein. Das Album ist für Menschen ab 35 sicher eine tolle Sache. Muss und soll es auch geben!

 

Handwerklich sind die zwölf Songs erstklassig umgesetzt worden. Den Titelsong „Big Love“ könnte man sich auch gut von Paul McCartney vorstellen. Die Albumeröffnung und erste Single „Shine On“ ist tanzbar und ist als erstes Lebenszeichen nach acht Jahren sicher die richtige Wahl um sich bei den Leuten wieder zurück ins Gedächtnis zu rufen. Das Saxophon bringt dann auch noch den typischen Simply Red-Sound zurück. „Daydreaming“ knüpft nahtlos daran an. Man fühlt sich an die großen Motown-Zeiten erinnert. „The Ghost Of Love“ ist gar ein kleines Meisterstück. Das ist Soulmusik mit ein paar Easy Listening-Elementen auf ganz hohem Niveau.

 

„Dad“ mag noch ganz nett sein, aber „Love Wanders“ ist einfach eine total langweilige Ballade. Das ist alles gut umgesetzt worden, es berührt einen aber überhaupt nicht. „Love Gave Me More“ und „Tight Tones“ können zwar mit dem typischen Simply Red-Soundgewand aufwarten – vorbei die Zeit der Experimente – reißen aber auch keine Bäume aus. Das Album verflacht an dieser Stelle leider etwas. Man kann nicht mal genau sagen, woran es einem Song wie „Woru“ mangelt. Die Nummer holt einen einfach nicht ab. Das ist eben typische Kost, wie man sie von Mick Hucknall seit Jahrzehnten kennt. Es müsste einfach mal die Komfortzone verlassen werden. Der Barjazz von „The Old Man & The Beer“ macht es ja vor, wie es wesentlich besser gehen könnte. Mit „Each Day“ ist dann nur leider schon alles vorbei. Eine manierliche Ballade als Albumabschluss und doch bleibt alles in allem ein etwas fader Geschmack zurück.

 

Fazit: Simply Red melden sich zurück. „Big Love“ dürfte die Fans begeistern, denn das Album hört sich so an, wie sich eben Simply Red-Alben anhören. Die Komfortzone wird da kaum verlassen. Das ist freilich alles auf einem handwerklich und gesanglich hohen Niveau anzusiedeln, gar keine Frage. Soul, ein bisschen Motown und Funk und ganz viele Balladen - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Nach gutem Beginn verflacht „Big Love“ aber leider auch immer mehr. Alles in allem: business as usual.

 

http://www.simplyred.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch