She & Him: Classics

She & Him: Classics

Sony

VÖ: 05.12.2014

 

Wertung: 8,5/12

 

Sängerin/Schauspielerin Zooey Deschanel und Gitarrist/Produzent M. Ward veröffentlichen mal wieder ein gemeinsames Werk. Es ist bereits ihr fünftes Album. Wer hätte dies gedacht, als sich die beiden 2008 erstmals als She & Him präsentierten? Wer fälschlicherweise dachte, dass es sich dabei um ein einmaliges Projekt handeln würde, weil die Schauspielerin eben auch mal das Kunstfach wechseln wollte, wurde über die Jahre nicht nur eines Besseren belehrt, sondern wird nun schon wieder staunen. Mit „Classics“ legen sie ein Coveralbum mit 13 Neu-Interpretationen zeitlos-schöner Klassiker vor.

 

She & Him funktioniert auch nur so gut, weil die beiden die Möglichkeiten der neuen Medien nutzen. Kommuniziert wird per Mail und auf diese Art und Weise kann man nicht nur Ideen austauschen, sondern diese auch noch in die Tat umsetzen und sich per Mail hin- und herschicken. Deschanel kümmert sich um das Songwriting, Ward ist für die Arrangements zuständig. So lief zumindest bisher die Arbeitsteilung ab. „Classics“ ist von der Thematik aber ja schon ein ganz anderes Album. Die beiden durchstöberten ihre Plattensammlung und wählten die persönlichen Lieblingslieder für ihr neuerliches Vorhaben aus. Das Ergebnis hat mit zeitgenössischer Popmusik nichts am Hut – zum Glück. Was ist „Classics“ doch für eine Wohltat für die Ohren!

 

Der jüngste Song ist von 1974, der älteste von 1930. Dies zeigt die musikalische Bandbreiteder beiden, aber auch die Vorliebe für alte, zeitlose Musik. Vieles kennt man, anderes ist wiederum in Vergessenheit geraten, nur belanglos, nein belanglos ist das nicht. Das fängt schon mit dem schönen „Stars Fell on Alabama” an, welches schon von Billie Holiday, Ella FitzGerald und Louis Armstrong interpretiert wurde. „Oh No, Not My Baby” ist gar noch bezaubernder. Man hat da die Versionen von Aretha Franklin und Carole King im Ohr und selbst Dusty Springfield hat das Stück schon gesungen und selbstverständlich ist es von Zooey Deschanel mutig in die Fußstapfen dieser großen Stimmen zu treten, denn diese Kraft hat sie einfach nicht. Sie kann dafür die vielen wunderschönen musikalischen Farbtupfer auf hervorragende Art und Weise ergänzen und ausfüllen. Die beiden geben den Songs ihre Unschuld zurück und es ist, als würde man diese zum ersten Mal hören.

 

It’s Not for Me to Say“ hört sich nach dem guten, alten Hollywood-Kino an, während „Stay Awhile“ den Soul wieder aufleben lässt, aber ohne das hippe Neo davor. Und diese Gitarre, zum Dahinschmelzen. „This Girl´s In Love With You“ passt sogar zur Jahreszeit. Kein Weihnachtskitsch, aber trotzdem auf seine Art besinnlich. Wenn man Kaminfeuer und Schnee vertonen könnte, es würde so klingen. „Time After Time“ wird von beiden als Duett vorgetragen. Die lakonische Art von Ward gibt dem Stück die richtige Würze. Coolness und Anmut ergeben abermals eine aufregende Mischung. „She“ ist natürlich immer eine Bank, weil das einfach ein derart großer Song ist, der auch in vielen Jahrzehnten immer noch gespielt wird. Hier liegt leider etwas zu viel Hall auf dem Gesang von Ward, da gibt es wesentlich bessere Interpretationen. „Teach Me Tonight“ und besonders „It´s Always You“ unterstreichen, dass Easy Listening kein Schimpfwort ist. „Unchained Melody“ haut leider nicht ganz hin, da wurde dem Song doch einiges an Seele genommen. Mit „I´ll Never Be Free“ hauen die beiden aber wieder richtig einen raus, die vielleicht beste Version des Songs! Mit „Would You Like To Take A Walk” haben sich die beiden ganz viel vorgenommen. Ella Fitzgerald und Louis Armstrong haben das Stück seinerzeit perfekt umgesetzt, dagegen konnten She & Him nur verlieren. „We´ll Meet Again“ entlässt einen schließlich mit einem wohligen Gefühl aus diesem Album.

 

Fazit: So viel Wärme tut um diese Jahreszeit extrem gut. Musik wie eine Decke, die einen schön kuschelig einhüllt. She & Him liefern mit „Classics“ ein ganz bezauberndes Album mit – Überraschung – alten Klassikern ab. Ihre Interpretationen sind oftmals sehr zurückgenommen - weniger ist eben doch mehr. Es ist zwar nicht jede Coverversion so stark wie das Original, aber das war ja auch nicht zu erwarten. Meist zaubern Zooey Deschanel und M. Ward aber ganz außergewöhnliche Versionen auf das musikalische Parkett. Ein Nischenalbum, aber ein verdammt schönes!

 

http://www.sheandhim.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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