Sharon Van Etten: Remind Me Tomorrow

Sharon Van Etten: Remind Me Tomorrow

Jagjaguwar/Cargo Records

VÖ: 18.01.2019

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Im Leben von Sharon Van Etten standen die Zeichen die letzten Jahre auf Veränderung. Ihn ihrem Privatleben hat sich einiges getan und das hat wiederum direkten Einfluss auf ihre Musik gehabt. Eine Wechselwirkung, an deren vorläufigem Ende nun das Album „Remind Me Tomorrow“ steht. Zurückzuführen ist das wohl alles auf die gemeinsame Tour mit Nick Cave im Jahre 2013. Ihr damaliger Drummer ist nun ihr Lebenspartner, Manager und Vater eines gemeinsamen Sohnes. Und dies alles in einer Zeit, als sich das politische Klima änderte. Van Etten bekam dann auch noch eine Anfrage, Musik für einen Film von Katherine Dieckmann zu komponieren. Dieckmann ist selbst Mutter und konnte der guten Sharon auch ihre Angst nehmen. Das Covermotiv zeigt nun übrigens die Kinder von Dieckmann. Neben der Musik hat Sharon Van Etten nun auch noch ein zweites Standbein, denn sie spielte in der Netflix-Serie „The OA“ auch noch mit.

 

„Remind Me Tomorrow“ ist nun das Album, auf dem die Dame einen gänzlich neuen Weg eingeschlagen hat. Die Gitarre landete einstweilen in der Ecke. Als sie anfing Musik für den Film von Dieckmann zu schreiben, fand sie bei dem Schauspieler Michael Cera eine alte Orgel und einen Jupiter-4-Synthesizer vor. Sie spielte und experimentierte damit herum. „Remind Me Tomorrow“ dürfte so manchen Fan verstören. Hier wird auch ganz bewusst mit den Erwartungen gebrochen.

 

„I Told You Evberything“ eröffnet das Album dann auch folgerichtig mit den Orgelklängen. Van Etten singt dazu wie eine Elfe, bevor das Stück abbricht und dann den Synthesizer von der Kette lässt. Wo Florence & The Machine längst im Mainstream angekommen ist, ist Sharon Van Etten immer noch verschwurbelt genug. Mit dem versponnenen „Memorial Day“ begründet sie gar ihr eigenes Genre. „Comeback Kid“ ist vermutlich der beste Indiesong der letzten fünf Jahre. Die dunkle und treibende Nummer zieht den Hörer unweigerlich in ihren Bann. Abgesehen davon ist das auch noch tanzbar. Und auch, wenn die Mittel andere sein mögen, wird das sogar den Indie- und Rockkids einsammeln.

 

„Jupiter 4“ ist das Stück zum Synthesizer. Es wabert und wabert. Der entrückte Gesang deckt viele Facetten ab und geht auch mal in die unangenehmen Höhen, nur um im nächsten Moment wieder ganz unten im Keller anzukommen. Düster und bedrohlich schälen sich die Klängen aus den Boxen, die eine unglaubliche Stahlkraft und Faszination ausüben. „Seventeen“, eine der Auskopplungen des Albums“, ist der beste Song, den Florence Welch nie aufgenommen hat. Großartiger Track. „Malibu“ schleppt sich ganz langsam dahin. Durch die Orgel zu Beginn erinnert das an Tori Amos, Zwischendurch gibt es dann wieder Sounds, die durchaus dem Krautrock alle Ehre machen. Mit „Hands“ und besonders „Stay“ gibt es zum Schluss noch mal zwei erstklassige Songs, welche die neue Kunst von Sharon Van Etten als etwas ganz Eigenständiges präsentieren.

 

Fazit: Auf den Konzerten wird Sharon Van Etten demnächst sicher auch noch mal die Gitarre in die Hand nehmen. Auf dem neuen Album „Remind Me Tomorrow“ spielt selbige allerdings nicht mehr die Rolle wie früher. Orgel und Synthesizer sind der dominierende musikalische Unterbau. Das ist oft düster, bedrohlich, mysteriös und faszinierend. Dazu singt Van Etten wie aus einer anderen Welt. Ein großartiges Album einer großartigen Künstlerin!

 

https://www.sharonvanetten.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch