Schandmaul: Leuchtfeuer

Schandmaul: Leuchtfeuer

Universal

VÖ: 16.09.2016

 

Wertung: 8/12

 

Zwei Jahre nach dem letzten Album veröffentlichen Schandmaul mit „Leuchtfeuer“ nun das neunte Studiowerk. Über die Jahre hat sich die Mittelalterkapelle eine treue Fangmeinde erspielt und somit dürfte es wenig überraschend sein, dass Schandmaul so kontinuierlich Platten aufnehmen können. Das letzte Album „Unendlich“ konnte sogar 100.000 Einheiten verkaufen. Dies ist in der heutigen Zeit eine beachtliche Hausnummer. Besonders vor dem Hintergrund, dass die Band ja nun eine Nische bedient. Zugegeben, selbige erfreut sich größter Beliebtheit, trotzdem findet das ja nun beileibe nicht im Mainstream statt. Dreizehn „Leuchtfeuer“ brennen nun – mal mehr, mal weniger – lichterloh.

 

Mit „Orléans“ startet das Album mit dem bombastischen Song aller Zeiten – so zumindest Frontmann Thomas Lindner. „Steh auf, nimm das Schwert, kämpfe, wofür es sich zu kämpfen lohnt.” Unverkennbar dreht sich der Song um Jeanne D’Arc. Ein Leuchtfeuer für die Franzosen. „Heute Bin Ich König“ macht einen auf Hofnarr. Die mittelalterlichen Instrumente mögen die musikalische Szenerie dominieren, es ist aber eben auch eine Mischung aus Polka und Punk. „Jack O´Lantern“ passt am ehesten zu den typischen Mittelaltermärkten. Der Song folgt dem klassischen Erzählstil. „Leuchtfeuer“ – der Song – bringt noch ein paar härtere Gitarren unter, ist aber in den Strophen ebenfalls dem klassischen Folk zuzurechnen. „Schachermüller-Hiasl“ überrascht in der Machart, genau wie das leise Stück „An Deiner Seite“. Das kommt ja fast schon in der Tradition eines Reinhard Mey daher.

 

„Freunde“ bringt Schmiss und Schmackes mit und dürfte gerade live ein Brett sein. „Ich Werd´ Alt“ fährt übrigens den typischen Wortwitz auf, für den Schandmaul auch von den Fans geliebt werden. Auch dies ist in ein forsches Gewand verpackt worden. „Loreley“ kommt selbstverständlich auf ruhigen Sohlen daher. Die Mischung und Vielseitigkeit auf diesem Album ist eben sehr stimmig. Bei „Herr Der Wellen“ dürfen nämlich auch hier und da die Gitarren mal etwas heavier ertönen. „Tjark Evers“ wird vom Klavier dominiert. Das Stück ist schon sehr dicht bei der Klassikmusik zu finden. Das traurige „Zu Zweit Allein“ ist als Duett angelegt. Die weibliche Stimme dürfte allen gefallen, die auch Tarja in der Sammlung stehen haben. „Zeit“ beendet das Album in ruhigem Fahrwasser, aber mit allen Zutaten, für die Schandmaul so geliebt werden. Man hört gerne zu und lässt sich in eine andere Welt entführen.

 

Fazit: Schandmaul sind nun volljährig geworden und feiern mit „Leuchtfeuer“ eine ordentliche Party. Das Album ist sehr vielfältig und abwechslungsreich. Es gibt die typischen Mittelalterklänge und Themen, aber es wird auch mal die härtere Gangart eingelegt. Ruhige und nachdenkliche Momente fehlen da keineswegs. Zwischen Folk, Punk und Polka und Rock ist die Bandbreite extrem groß. Der rote Faden ist dabei aber zu jeder Zeit erkennbar. Das Booklet ist übrigens ziemlich üppige ausgefallen. Das erfreut das Fanherz!

 

http://www.schandmaul.de/startseite/

 

Text: Torsten Schlimbach

Schandmaul: Unendlich

Schandmaul: Unendlich

Universal

VÖ: 24.01.2014

 

Wertung: 7,5/12

 

Alles neu macht der Januar. Zumindest trifft dies auf Schandmaul zu. Mit ihrem achten Studioalbum feiern sie nämlich gleichzeitig den Einstand beim neuen Label. Inwieweit dies Auswirkungen auf die Musik gehabt hat, kann natürlich nur spekuliert werden. Vielleicht hatte dies aber genau die reinigende Wirkung, welche die Bayern so dringend benötigt haben. „Unendlich“ hat bisweilen eine erfrischende Leichtigkeit zu bieten, gar so, als wären die Folkrocker den Rucksack der Vergangenheit endlich los geworden. Man müsste sich jetzt sogar die Frage stellen, ob denn Schandmaul überhaupt noch als Mittelalterband einzusortieren sind?! Mit „Unendlich“ hat sich die Band davon manchmal derart weit entfernt, dass diese Schublade der Musik nicht mehr gerecht wird.

 

„Euch Zum Geleit“ ist eine Ballade, die zwar mit den folkigen mittelalterlichen Klängen spielt, aber letztlich ist das auch ganz fest in der Popmusik verankert. Selbiges gilt auch für „Saphira“. Das Stück kann man so nehmen und in das Formatradio packen, dem Mainstreamhörer wird das sicher nicht unangenehm aufstoßen – im Gegenteil. Spricht dies nun für oder gegen Schandmaul? Man ist da etwas im Zwiespalt. Die Eigenständigkeit bleibt da bisweilen auf der Strecke und will man von der Bandseite denn wirklich im Dudelfunk zwischen dem vielen Schrott untergehen? Schandmaul haben in der Vergangenheit ja schon mehrfach bewiesen, dass sie darauf gut und gerne verzichten können und in der eigenen Nische eine große Anhängerschaft hinter sich versammeln konnten.

 

„Unendlich“ ist aber jetzt mit Sicherheit keine Platte für die Tonne. Ein bisschen Schatten muss man eben manchmal in Kauf nehmen. Mittlerweile darf man da von einer gereiften Band sprechen. Man sollte natürlich eine gewisse Vorliebe für die lyrischen, gar poetischen Texte von Lindner mitbringen, denn dann wird man eine Menge Freude daran haben. Die Peinlichkeitsgrenzen werden erfreulicherweise nicht mal gestreift. Der stärkste Sänger wird er zwar nicht mehr, aber die Studiotechnik bietet da ja eine Menge Möglichkeiten. „Der Teufel“ ist da wohl ein Paradebeispiel, denn hier hört man Lindner gleich mehrfach. Musikalisch und textlich passt dieser Song übrigens perfekt zur jecken Jahreszeit in Köln. Erinnerungen an Brings werden da wach.

 

Anderes erinnert an Irish-Folk, da können die Gitarren auch noch so bratzen. Dies ist aber in der Hauptsache ja sowieso im Refrain gegeben. „Mittsommer“ und besonders das famose „Tippelbruder“ gehen in diese Richtung. Ausgerechnet die leiseren Songs sind auf diesem Album die heimlichen Höhepunkte. Das nachdenkliche „Mein Bildnis“ - größtenteils akustisch – ist eine echte Überraschung. Dazu werden auch noch zwei reine Instrumentalstücke gereicht. „Little Miss Midleton“ erinnert da gar an ein irisches Rauf- und Sauflied. Ein Song wie „Kaspar“ sei Schandmaul auch mal zugestanden. Rockig fräsen sich die Musiker durch die Nummer, die letztlich aber trotz aller Gewöhnlichkeit dann doch Spaß macht.

 

Fazit: Insgesamt ist das Album um zwei bis drei Songs zu lang, aber unter dem Strich überwiegt der positive Eindruck den man von „Unendlich“ gewinnt. Schandmaul zeigen sich als gereifte Band, die auch mal spielend den einen oder anderen Radiopopsong vom Stapel lässt. Dafür wird man aber auf der anderen Seite auch mit schönstem Wohlklang entschädigt und die ruhigen Momente des Albums wissen da besonders zu gefallen. Unter dem Strich wirken Schandmaul wie befreit und der Einstand beim neuen Label darf durchaus als geglückt angesehen werden.

 

http://www.schandmaul.de/landingpage/

 

Text: Torsten Schlimbach

Schandmaul: So Weit, So Gut – 15 Jahre Folk ´N Roll 1998-2013

Schandmaul: So Weit, So Gut – 15 Jahre Folk ´N Roll 1998-2013

F.A.M.E./Sony

VÖ: 30.08.2013

 

Wertung: 7,5/12

 

In München formierte sich 1998 eine ganz spezielle Band, derer es nicht viele im deutschsprachigen Raum gab. Mittelalterliche Klänge, harte Rockmusik und Folk rührten zu dieser Zeit noch nicht ganz so viele Bands zu einem ganz besonderen Soundgebräu an. Entweder oder war da eher die Devise, nicht so im Hause Schandmaul. Interessanterweise sah sich die Band selbst nie so sehr im Mittelalterrock verankert, dabei sind die Texte und die Instrumentierung eindeutig davon inspiriert. Dudelsack, Schalmei und Drehleier sind sicher keine Instrumente, die in der konventionellen Rockmusik häufig zum Einsatz kommen. Ebenso muten die Texte - gerade in den Anfangstagen - wie aus einem Märchen entsprungen oder an eine Sage angelehnt an. Narren, Spielmannsleute oder Könige treten in den Geschichten immer wieder in den Vordergrund und sind somit mehr als nur ein Fingerzeig in Richtung Mittelalter. In Extremo ist die andere große Genreband, die allerdings auch schon drei Jahre länger tätig ist.

 

Schandmaul erspielten sich über die Ochsentour eine treue Anhängerschaft. Viele Festivalauftritte und eigene Konzerte lockten die Leute in immer größeren Scharen an um Schandmaul zu sehen. Die Plattenfirmen wurden erst viel später auf die Truppe aufmerksam. Dies ist mittlerweile alles längst Geschichte. Geschichte, die die Band geschrieben hat und jetzt noch mal ins Gedächtnis rufen möchte. Man könnte glatt von Schandmaul-Festspielen sprechen. Da wäre zunächst das Benefizkonzert für die Aktion „Wir Helfen“ und natürlich auch noch die Tour mit den Jubiläumskonzerten zu 15 Jahre Schandmaul, die zudem noch einige Überraschungen für die Fans bereithalten. Eine „Best Of“ Sammlung darf da natürlich nicht fehlen. Selbige steht nun mit „So Weit, So Gut“ in verschiedenen Konfigurationen in den Läden. Neueinsteiger werden sicherlich mit der schnöden Einzel-CD ganz gut abgefrühstückt, aber eigentlich sollte man ein paar Taler mehr investieren und zur Doppel-CD greifen.

 

Auf der vorliegenden CD finden sich 15 Tracks wieder, davon 3 neue Songs. Die übrigen zwölf Nummern sind allerdings nicht nur Bandklassiker, sondern beinhalten auch fast schon vergessene Stücke. Die Band hat es sich dabei nicht nehmen lassen und dies alles neu(!) eingespielt und zum Teil auch neu arrangiert. „Herz Aus Gold“ ist einer jener Songs, die für ein „Best Of“ aufgenommen werden, dann aber auch schnell wieder in Vergessenheit geraten. Da macht das neue Instrumentalstück „Folk `N Roll“ schon mehr Laune. Die Singles werden hier übrigens nicht verbraten. Wer „Bin Unterwegs“, „Kein Weg Zu Weit“ oder „Der Anker“ sucht, wird hier nicht fündig. Der allererste Song und Bandklassiker ist mit „Teufelsweib“ aber enthalten. „Vogelfrei“ macht auch immer noch Spaß. Auf das „Trinklied“ trifft dies natürlich auch immer noch zu. Allerdings ist dies keines dieser saublöden Rauf- und Sauflieder und macht durch diese folkige und mittelalterliche Instrumentierung schon eine ganze Menge mehr her. Gerockt wird natürlich auch mal und doch ist ein Song wie „Walpurgisnacht“ vom Songaufbau her eben kein klassisches Rockstück.

 

Fazit: Willkommen in der Welt von Schandmaul! Hereinspaziert und 15 Jahre Schandmaul bestaunt. Der Staub der Mittelaltermärkte ist aber abgeklopft, denn die Songs wurden neu eingespielt und arrangiert. Braucht man das? Der Fan kriegt mit „So Weit, So Gut – 15 Jahre Folk ´N Roll 1998-2013“ immerhin irgendwie ein neues Werk geboten – drei neue Nummern inklusive. Wer eine Faible für dieses Genre hat, kennt Schandmaul natürlich längst! Sollte es doch noch wen geben, der die Münchner Truppe bisher verpasst hat – es gibt keine Ausreden mehr!

 

http://www.schandmaul.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch