Schandmaul: Artus

Schandmaul: Artus

Universal

VÖ: 03.05.2019

 

Wertung: 7,5/12

 

Schandmaul ist vielleicht die Band, die als einzige auch wirklich mit dem Prädikat Mittelalterrock betitelt werden kann. Zu viele sind irgendwo im Schlager und Deutschrock hängengeblieben oder dahin abgedriftet. Schandmaul haben stets die eigenen musikalischen Wurzeln im Auge behalten. Die stetig wachsende Anhängerschaft dankte es der Band mit der Pole Position für „LeuchtFeuer“. Dieser Erfolg soll nun mit „Artus“ wiederholt werden. Das ist zugleich der Einstand von Saskia Forkert auf einem Studioalbum. Anna Katharina Kränzlein ist dafür nicht mehr dabei

 

„Artus“ ist natürlich auf diesem Album präsent, aber zunächst folgen wir einem anderen Bekannten in „Der Meisterdieb“. Da ist das alte Robin Hood-Thema, welches in poppigem Gewand straight nach vorne geht. Die Sackpfeifen brillieren in dieser Nummer. Mit „Der Totengräber“ geht es tanzbar auf dem Dorfplatz des Mittelalters weiter. Das erinnert übrigens durchaus an den Kölner Karneval. Man könnte sich das nämlich auch von Brings vorstellen – nur mit kölschem Text. Das mag mitunter an den Polka-Rhythmen liegen.

 

Die Dudelsäcke sorgen in „Vagabunden“ für den Nostalgiefaktor. Dann besucht uns der „Froschkönig“ – ein weiteres altbekanntes Thema. „Auf Und Davon“ handelt von der Flucht der Iren vor der Hungersnot nach Amerika. Das Lied pendelt entsprechend zwischen Trauer und Hoffnung. Das gilt auch für „Der Kapitän“. Da ist dann – und das nicht nur aufgrund des Themas – Santiano nicht mehr weit entfernt. „Die Oboe“ ist ebenfalls ein Spiel mit den Gegensätzen, wie es Schandmaul eben gerne mal praktizieren. Die Strophen sind eher hart, während der Refrain fast schon eine sinnliche Melodie zu bieten hat. Krieg und Frieden werden musikalisch kongenial umgesetzt.

 

„Chevaliers“ ist übrigens ein Instrumentalstück, welches das Mittelalterflair noch mehr zur Entfaltung bringt. Dann folgt mit „Die Tafelrunde“, „Der Gral“ und „Die Insel - Ynys Yr Afallon“ dann die Artus-Saga. Das Thema passt natürlich perfekt zur Schandmaul und es kann die ganze musikalische Bandbreite, die diese Band nun mal draufhat, ausgespielt werden. Die drei Songs werden auf einer zweiten CD als Instrumentalnummern noch im Klassikgewand dargeboten. „Der Weiße Wal“ lässt mit gepflegter Härte Moby Dick noch mal aufleben.

 

Fazit: Schandmaul haben mir „Artus“ ein handwerklich sehr gutes Album aufgenommen. Trotzdem bleibt es etwas hinter dem bisherigen Schaffen zurück, da die Songs nicht ganz so mitreißend sind. Den Geschichten lauscht man gerne und die bekannten Themen wurde auch gut umgesetzt. Das Mittelalter lebt, wenn auch dieses Mal etwas bedächtiger.

 

https://schandmaul.de/band/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch