Saltatio Mortis: Brot Und Spiele - Klassik Und Krawall (2CDs)

Saltatio Mortis: Brot Und Spiele – Klassik Und Krawall (2CDs)

We Love Music/Universal

VÖ: 22.03.2019

 

Wertung: 7,5/12

 

Saltatio Mortis hat sich über zwei Dekaden immer weiterentwickelt. Die Spielmannsleute sind den Fußgängerzonen und Jahrmärkten längst entwachsen und füllen mittlerweile schon die eine oder andere amtliche Halle der Republik. Auch der Sound hat sich gewandelt und mittlerweile ist das auch mal sehr poppig und eingängig. Mittlerweile ist die Kapelle fest auf die Chartsspitze abonniert. Jetzt wird der Erfolg von „Brot Und Spiele“ noch weiter ausgereizt und mit „Brot Und Spiele - Klassik Und Krawall“ eine Art Ableger veröffentlicht. Und wie dies heutzutage so üblich ist, gibt es die ganze Sause auch gleich in verschiedenen Konfigurationen.

 

Jetzt kann man vermutlich lange darüber streiten, ob hier einer die Dollarzeichen in den Augen hat oder tatsächlich einen künstlerischen Anspruch verfolgt und verwirklicht. Die Wahrheit wird – wie immer – irgendwo in der Mitte liegen. Auf der anderen Seite wird natürlich keiner gezwungen den Kram zu kaufen – wohlwissend, dass Fans aber nicht aus ihrer Haut können. Unter dem Strich kriegt man hier durchaus einen Mehrwert geboten und dem eigentlichen Album wird eine gänzlich neue Facette abgetrotzt.

 

Saltatio Mortis sind thematisch durchaus am Puls der Zeit. Wer die Band immer noch an den rechten Rand rücken will, hat da wohl nicht genau hingehört. Vorbei sind die Zeiten, als sich Saltatio Mortis rechtfertigen mussten, als gemeinsame Festivalauftritte mit dieser unsäglichen Kapelle aus unserem Nachbarland auf dem Terminplan stand. Songs wie „Wo Sind Die Clowns“, „Brot Und Spiele“ „Europa“ und „Besorgter Bürger“ sind richtig und wichtig. Im Krawall-Modus auf der Live-CD kommt das schon richtig und die Zuschauer steigen da auch dankbar ein.

 

Selbstverständlich dürfen auch Songs wie „Burnhild“, „Mittelalter“, „Eulenspiegel“ und „Spielmannsschwur“ nicht fehlen. Die Zuschauermenge wird vor „Sie Tanzt Allein“ noch zum Mitsingen animiert – ein beeindruckender Chor. „Nie Wieder Alkohol“ würde sich übrigens auch gut im Kölner Karneval machen – inhaltlich und auch den Mitgrölfaktor betreffend. Unter dem Strich muss man festhalten, und zwar unabhängig, ob man die Band mag oder nicht -, dass die Kapelle live schon eine Wucht ist.

 

Die Klassik-CD wartet dann mit einigen Überraschungen auf, dürfte aber auch so manchen Beinhartfan auf eine harte Probe stellen. Will man den Punkbrecher „Sie Tanzt Alleine“ als Piano-Ballade hören? Das ist sicher Geschmackssache, klar. Auf der anderen Seite gewinnt „Besorgter Bürger“ sogar noch mal an Eindringlichkeit dazu. „Nie Wieder Alkohol“ ist in diesem Gewand praktisch ein neuer Song. Ein Klassikorchester ist eben noch mal eine ganz andere Facette. Trotzdem dümpelt manches auch etwas dahin und ist etwas zu brav. Hat die Band das auch mal gemacht, es war wohl ein ehrlicher Wunsch, dies auf diese Art und Weise umzusetzen.

 

Fazit: Saltatio Mortis haben „Brot Und Spiele“ noch mal ganz neu arrangiert und aufgenommen. Jetzt haben die Songs ein Klassikgewand und klingen dabei mitunter komplett anders. Das ist mal sehr eindringlich, aber hin und wieder zieht das sich auch etwas. Als Wachmacher ist ja das „Krawall“-Album dabei, welches hörbar zeigt, dass Saltatio Mortis eine ganz famose Live-Band sind!

 

http://www.saltatio-mortis.com/ 

 

Text: Torsten Schlimbach

Saltatio Mortis: Brot Und Spiele (Deluxe Edition)

Saltatio Mortis: Brot Und Spiele (Deluxe Edition)

Universal

VÖ: 17.08.2018

 

Wertung: 8/12

 

Saltatio Mortis ist eine fleißige Band. Mit „Brot Und Spiele“ wird nun bereits das elfte Studioalbum veröffentlicht. Nimmt man noch die Live- und Best Of-Sammlungen dazu, dann kommt man sogar schon auf neunzehn Veröffentlichungen. Eine stolze Zahl, eine beeindruckende Karriere. Die Spielleute können ja auch auf eine treue Anhängerschaft bauen. Bei Teilen der Fans könnte die Treue jetzt einige Risse bekommen. Geschenkt. Das ist ja im Grunde immer so. Die Band hat sich eben stetig weiterentwickelt und wenn sie jetzt noch weiter in die Stadien und die späteren Slots der Festivals drängt, dann ist das ja nicht unbedingt schlecht.

 

Der ganze Mittelalter-Klimbim ist auf „Brot Und Spiele“ etwas in den Hintergrund gerückt. Die Dudelsäcke dienen auf dem eigentlichen Album eher als Untermalung der Melodien, denn als Alleinstellungsmerkmal. Das wird vielen sicher nicht gefallen. Warum an dieser Stelle explizit das Hauptwerk erwähnt wird? Nun, die Deluxe Edition wartet mit einer zweiten CD auf, deren Songs weitaus atmosphärischer sind, auch mal rein instrumental gehalten werden, den mittelalterlichen Folkanteil hochhalten und sprachlich eben auch auf dem Mittelaltermarkt zu finden sind. Im Grunde ist die Bonus-CD sogar ein eigenständiges Album, denn immerhin findet man dort dreizehn Songs vor! Es sind auch weitaus ruhigere Songs als auf dem eigentlichen Album. „Heimdall“ wird bei der Anhängerschaft sicherlich auf sehr offene Ohren stoßen! Betitelt wurde die zweite CD mit „Panem Et Circenses – Ad Fontes“ und damit dürfte die Richtung ja ziemlich deutlich klar sein. Diese dreizehn Tracks werten diese Veröffentlichung auf jeden Fall auf!

 

Und „Brot Und Spiele“? „Brunhild“ ist im Grunde der einzige Song im klassischen Saltatio Mortis-Stil. Der Rest orientiert sich am Punk-Pop-Schlager der Toten Hosen. Selbst stimmlich ist da eine Nähe zu erkennen. Saltatio Mortis sind aber die weitaus bessere Wahl. Die Düsseldorfer hören sich auf den letzten Alben ja tatsächlich wie eine Schlagercombo an. Aber genug davon, hier soll es um „Brot Und Spiele“ gehen. Saltatio Mortis legen eine große Spielfreude an den Tag. Die schmissigen Songs sind weitestgehend sehr ernster Natur. Dies bezieht sich sowohl auf die Musik, als auch auf die Texte. „Brot Und Spiele“ muss man durchaus als politisches Album verstehen!

 

Dies manifestiert sich meist in einer einfachen und direkten Sprache. Die Zeiten verlangen aber auch nach einer klaren Ansprache, da muss man sich nicht hinter verklausulierten Phrasen verstecken. Die dringlichen Themen unserer Zeit werden von Saltatio Mortis behandelt. Dies äußert sich im Titeltrack „Brot Und Spiele“, aber auch in der Nummer „Europa“, wo unmissverständlich klargemacht wird, was eigentlich unsere Werte sein sollten. Und wer die Karlsruher bisher fälschlicherweise in die braune Ecke sortiert hat, dürfte mit „Besorgte Bürger“ nun endgültig die Antwort finden „…hör gut zu besorgter Bürger…wir wissen was Du bist…Du bist ein Arschloch und Rassist!“. Selbst die schmalzige Ballade „Spur Des Lebens“ ist politisch. Dies ist übrigens ein Text an ein noch nicht gezeugtes Kind. Hier wird sich mit der Frage auseinandergesetzt, ob man in diesen Zeiten überhaupt Kinder in die Welt setzen sollte. Als Duettpartnerin ist Marta Jandová dabei. Der Song ist leider auch der schlimmste des Albums. Musikalisch gesehen. Das könnte man auch so auf das letzte Album der Hosen packen. Jede Wette, dass viele Leute - ohne Hintergrundinfos - dies als einen neuen Song der Toten Hosen identifizieren würden. „Dorn Im Ohr“ oder „Mittelalter“ sind zu schmissigem Punkpop ebenfalls politisch angehaucht. Mit „Nie Wieder Alkohol“ wird die ganze Geschichte etwas aufgelockert. Auch diese Nummer ist eher in Gefilden zu finden, die man von Saltatio Mortis so bisher nicht unbedingt kannte. Die Abstürzenden Brieftauben lassen an dieser Stelle ganz nett grüßen. Ach ja, „Hier Kommt Alex“ gibt es auch wieder, nennt sich nun aber „Ein Stück Unsterblichkeit.“

 

Fazit: „Brot Und Spiele“ ist ein gutes Album! Das werden zwar viele Saltatio Mortis-Fans anders sehen, da der Mittelalterteil deutlich hinuntergefahren wurde und die Band nun eher im schmissigen Punkpop zu finden ist, aber das macht dieses Werk ja nun nicht per se schlecht. Die Spielleute sind hier und da ja trotzdem als solche auszumachen. Und die Deluxe Edition hat mit der zweiten CD ja nun wirklich genug Material zu bieten, welches auch die langjährigen Fans glücklich machen dürfte. Auf dem eigentlichen Album gibt es jede Menge deutliche Ansagen. Da sage noch einer, dass deutschsprachige Künstler sich nicht trauen würden klare Kante zu zeigen. Schon alleine dafür: Hut ab!

 

http://www.saltatio-mortis.com/ 

 

Text: Torsten Schlimbach

 

https://youtu.be/er2Rg0ByWB4 („Spur des Lebens“)

https://youtu.be/vLU4GJllWIE („Große Träume“)

https://youtu.be/pbvIxxbxnFM („Brunhild“)

https://youtu.be/U6xXsp03wyg („Heimdall“)

https://youtu.be/AzDRrmFB3Uc („Dorn im Ohr“)

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch