Ryan Adams: Ten Songs From Live At Carnegie Hall

Ryan Adams: Ten Songs From Live At Carnegie Hall

Sony

VÖ: 05.06.2015

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Ryan Adams spielte im letzten November in New York. Mit der altehrwürdigen Carnegie Hall in Manhattan hat er sich einen ganz besonderen Ort ausgesucht. Zwei Konzerte spielte er an dieser Stätte. Insgesamt gab es dort 42 Songs zu hören, die nun auch allesamt veröffentlicht werden. Wer sich nur einen kleinen Überblick verschaffen will, greift zur reduzierten und günstigen Variante. „Ten Songs From Live At Carnegie Hall“ gewährt einem aber auch tatsächlich nur einen kleinen Einblick in diese offensichtlich tollen Konzerte.

 

Wer hier noch mal auf den lärmenden Ryan Adams hofft, sollte besser einen ganz großen Bogen um „Ten Songs From Live At Carnegie Hall“ machen. Das komplette Gegenteil ist hier der Fall. Ryan Adams braucht nicht mehr als eine Akustikgitarre und manchmal setzt er sich auch hinter das Klavier, aber das reicht dann auch aus. Die Intensität dieser Geschichte ist aber kaum mit Worten zu beschreiben. Selbst aus der Konserve ist das noch derart eindringlich, dass einem die Tränen kommen können. Man muss freilich in der Stimmung sein, um dieses Album genießen zu können. Dies ist auch sicher keine Musik, die als Hintergrundberieselung taugt. Lässt man sich auf diese Live-Songs ein, dann kann man sich regelrecht darin fallen lassen.

 

„Gimme Something Good“ ist atmosphärisch derart dicht und intensiv, dass es einem die Sprache raubt. In dieser reduzierten Variante zeigt sich auch, dass Ryan Adams ein richtig guter Sänger ist. Und er ist natürlich auch ein prächtiger Unterhalter und sorgt mit seinem Monolog nach dem Song für reichlich Lacher. Dies ist auch ganz gut und nimmt der Veranstaltung etwas die Schwere. „How Much Light“ ist amerikanischer Folk, wie er besser nicht sein kann. Dies ist einer der beiden neuen Songs. „This Is Where We Meet In My Mind“ ist der andere. Ein ungewöhnlicher Song, der sich durch seine gleichbleibende Struktur nicht sofort erschließt.

 

Das schöne „Oh My Sweet Carolina“ eröffnet dieses Album kongenial. „Nobody Girl“ kennt man ja eher unter Strom, in diesem Gewand sind Faszination und Intensität, die von diesem Song ausgehen, ungebrochen. Mit „My Wrecking Ball“ ist nur ein Song enthalten, der nicht länger als vier Minuten ist. „Come Pick Me Up“ sorgt dann noch für den Neil Young und Bob Dylan Moment des Albums. Und ja, in dieser Form braucht Ryan Adams diesen Vergleich nicht zu scheuen!

 

Fazit: Eigentlich ist die Zeit von Livealben ja vorbei. Diese liegen höchstens noch als Zugabe der jeweiligen Blu-ray/DVD bei. Ryan Adams veröffentlicht jetzt trotzdem mal die 42 Songs seiner beiden Konzerte in der Carnegie Hall in New York. In der abgespeckten Form gibt es zehn Songs auf CD. Die Musik von Ryan Adams in dieser reduzierten, eindringlichen und intensiven Form zu hören ist ein Genuss! Hinsetzen, Augen schließen und die Welt für die Zeit von „Ten Songs From Live At Carnegie Hall“ vergessen!

 

http://paxamrecords.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Ryan Adams: dito

Ryan Adams: dito

Sony

VÖ: 05.09.2014

 

Wertung: 8/12

 

Das ist es also, das neue Album von Ryan Adams. Produziert hat er die Platte, die schlicht selbst betitelt ist, in seinen PAX-AM Studios in Los Angeles selbst. Er hat sich drei Jahre dafür Zeit genommen, denn „Ashes And Fire“ wurde immerhin schon 2011 veröffentlicht. Dies ist insofern bemerkenswert, da es mal eine Zeit gab wo der Mann extrem produktiv war und als eine Art Hans Dampf durch das Musikgeschäft fegte. Mittlerweile ist er aber auch in der Mitte seines Lebens angekommen und mit knapp 40 kann man es auch mal ruhiger angehen lassen. Das einstige Wunderkind ist ja mittlerweile sowieso entzaubert worden oder hat sich gleich selbst entzaubert. Dieses Album ist da keine Ausnahme, aber keinesfalls schlecht.

 

Man erwartet von Ryan Adams ja immer irgendwie etwas Besonderes. Speziell soll und muss es bitte sein. Der Mann, der einst als der Erbe von Bob Dylan gehandelt wurde, kocht aber auch nur mit Wasser oder spielt auch mal nur ganz normale Songs. Man fragt sich trotzdem, wann Ryan Adams diese besondere Note abhanden gekommen ist und wann er sein außergewöhnliches Songwriterhändchen verloren hat. Auf diesem Album hat er es jedenfalls nicht wiedergefunden und doch sind seine Songs teilweise immer noch besser wie die seiner Kollegen. Die Brillanz früherer Tage vermisst man allerdings schon sehr schmerzlich.

 

Ryan Adams wurde ja mal in die Ecke des Alternativ-Countrys gesteckt, dann kam Folk, Americana und mittlerweile ist er irgendwo beim Rock in der Mitte der Straße angekommen. Dieser drückt allerdings nur sehr gemächlich auf das Tempo. Der Opener „Gimme Something Good“ erinnert von der Machart und der kompositorischen Dichte an Tom Petty. Hier schneidet die Gitarre auch noch durch die Szenerie. Das traurige „Kim“ könnte auch von Mark Knopfler sein. Ein schönes Lied, aber auch ohne richtigen Höhepunkt und dann ist es plötzlich vorbei. „Trouble“ legt noch ein bisschen Popappeal obendrauf. Letztlich geht aber auch dies in die Richtung eines Tom Petty mit Bruce Springsteen-Note. Gereift und geläutert ist er, der Ryan Adams.

 

Und so geht es weiter. „Am I Safe“ ist eine Mischung aus Americana und Folk und dann folgt „My Wrecking Ball“, aber keine Sorge das Stück hat nichts mit Miley Cyrus am Hut. Da muss man schon ganz nahe an die Anlage heranrücken um Adams und seine spärliche Instumentierung zu hören. Große Singer/Songwriterkunst. Bei „Stay With Me“ packt er ja wieder die Elektrische aus und auch „Shadows“ erfreut sich eingestöpselter Instrumente. Nur richtig aus dem Quark kommt das nicht. Ryan Adams badet da ein bisschen zu sehr im Melancholiefass. „Feels Like Fire“ straft einen anschließend aber gleich wieder ab, denn hier rumpelt das Schlagzeug sehr schön durch die Prärie und „I Just Might“ lässt einen gar an Neil Young denken. Geht doch! „Tired Of Giving Up“ ist dann der erste richtig positive Song, was sich gerade in der Instrumentierung widerspiegelt. Die sehr nette Folkübung „Let Go“ führt dieses Album zu einem schönen und guten Ende!

 

Fazit: Ryan Adams legt mit seinem neuen Studioalbum eine gute, teilweise auch schöne Platte vor, die oftmals knietief in der Melancholie steht. Das ist weitestgehend langsame Rockmusik, die sich auf der Mitte der Straße sehr wohlfühlt. Hin und wieder muss man an Tom Petty denken, dann wiederum an Springsteen oder Neil Young. Americana und Folk sind nicht gänzlich verschwunden, Country hingegen schon. Ryan Adams befindet sich da in guter Gesellschaft, sortiert sich dort aber mittendrin ein und nicht mehr an der Spitze. Irgendwann kommt bestimmt wieder einer dieser jungen Wilden und der übernimmt dann die Regentschaft von Adams.

 

http://paxamrecords.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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