Roy Orbison: The Ultimate Collection

Roy Orbison: The Ultimate Collection

Legacy/Sony

VÖ: 28.10.2016

 

Wertung: 8,5/12

 

Roy Orbison ist unvergessen. Der Mann mit der einzigartigen Stimme hat der Welt derart viele gute Songs – in erster Linie Balladen - hinterlassen, dass seine Musik von Generation zu Generation weitergegeben wird. Dies dürfte auch in der Zukunft der Fall sein. Über viele Jahrzehnte hat er bis zu seinem tragischen Tod mit nur 52 Jahren großartige Songs aufgenommen. Viele sind mittlerweile zu Klassikern geworden. Jetzt wird (mal wieder) eine Zusammenstellung von ihm veröffentlicht. Der Albumtitel „The Ultimate Collection“ trägt ja ziemlich dick auf, denn die Musik von Orbison wurde ja nicht unter einem Labeldach veröffentlicht. Zudem hat er 27 Studioalben und mehr als 60 Singles veröffentlicht. Da eine halbwegs ausgewogene Kollektion auf die Beine zu stellen ist schon ziemlich gewagt.

 

Roy Orbisons Sohn, Alex Orbison, hat sich nun an den umfangreichen Katalog seines Vaters gewagt und daraus „The Ultimate Collection“ zusammengestellt. Alex Orbison bezog allerdings auch seine Brüder Wesley und Roy Jr. mit ein und zusammen ist tatsächlich das Kunststück gelungen, eine karriereumspannende Kollektion auf die Beine zu stellen. Alex Orbison war dann auch an der Produktion mit Chuck Fleckenstein und John Jackson beteiligt. Vic Anesini hat die Geschichte dann in den Battery Studios in New York abgemischt.

 

Das Booklet der CD ist jetzt nicht sensationell, erstreckt sich aber immerhin über ein paar Seiten und hat einige Fotos aus verschiedenen Karrierephasen zu bieten. Zu den einzelnen Songs – auf der vorliegenden Einzel-CD sind es 26 – sind zudem noch die Cover der damaligen Singles abgebildet. Für die Liner Notes ist Jeff State verantwortlich, der ebenfalls an der bald erscheinenden Roy Orbison Biographie als Co-Autor beteiligt war. Als Vinyl ist das natürlich eine Doppel-LP geworden.

 

Natürlich fängt „The Ultimate Collection“ mit „Oh, Pretty Woman“ an. Mit welchem Titel auch sonst? Das ist im Grunde ja einer der Erkennungssongs von Orbison. Mit dem schmissigen, aber auch melancholischen „I Drove All Night“ und dem weiteren Überhit „You Got It“ werden zwei weitere ganz große Hits zu Beginn abgefeuert. Daran lässt sich übrigens auch ablesen, dass man hier nicht chronologisch vorgegangen ist.

 

Die schmalzige Ballade „Crying“ aus den 60ern lässt man auch nur Orbison durchgehen. „Only The Lonely (Know The Way I Feel)“ besticht durch diese außergewöhnliche Klangfarbe der Stimme, steht ansonsten natürlich auch exemplarisch für die amerikanische Musikkultur der 60er. Im weiteren Verlauf des Albums gibt es mit der Live-Version von „Claudette“ eine ganz beachtliche Variante zu hören. Hier wurde 1987 ein Staraufgebot aufgefahren, das seinesgleichen sucht. Neben Orbison agieren u.a. T Bone Burnett, Bruce Springsteen, Elvis Costello und Tom Waits!  Mit „Blue Bayou“ gibt es einen weiteren Welthit zu hören – diese Mundharmonika. Hach.

 

Orbison war zudem immer offen für Zusammenarbeiten mit anderen - auch genrefremden - Künstlern. „California Blue“ schrieb er beispielsweise gemeinsam mit Jeff Lynne und Tom Petty. Dieses Stück entstand einen Monat nach den Arbeiten mit den Traveling Wilburys. Schön, dass mit „Not Alone Any More“ und „Handle With Care“ auch zwei Songs von diesem Projekt – Dylan und Harrison ergänzten das Line-up – auf dieser Zusammenstellung vertreten sind. Eine weitere Zusammenarbeit ist mit „She´s A Mystery To Me“ enthalten. Den Song schrieben The Edge und Bono für Orbison. Der U2-Sänger ist zudem auf der Aufnahme als Gitarrist zu hören.

 

Fazit: Wer nicht gleich in mehrere Studioalben oder teure Boxen von Roy Orbison investieren möchte, sich aber dennoch einen Überblick über seine unfassbar guten Hits und Klassiker verschaffen möchte, wird nun mit „The Ultimate Collection“ bestens bedient werden.  Die Label-übergreifende Anthologie ist sicher ein guter Einstieg. Natürlich fehlt hier eine ganze Menge, aber das versteht sich ja von selber, denn 26 Songs können nur einen ersten Einblick gewähren.

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Roy_Orbison

 

Text: Torsten Schlimbach

Roy Orbison: One Of The Lonely Ones

Roy Orbison: One Of The Lonely Ones

Universal

VÖ: 04.12.2015

 

Wertung: 8,5/12

 

Es dürfte schon eine kleine Sensation sein, dass von Roy Orbison nun ein neues Album erscheint. Dabei handelt es sich nicht um eine Ansammlung und Zusammenstellung von gefunden Archivsongs. „One Of The Lonely Ones“ ist nämlich ein vollständige Studioalbum, welches erst jetzt neu entdeckt wurde. Warum es seinerzeit nicht veröffentlicht wurde und in der Schublade verschwand, bleibt ungeklärt und die ganzen Umständen sind zunächst nebulös. Vielleicht werden die nächsten Wochen da noch ein paar Dinge zu Tage fördern, die das Rätsel um das unveröffentlichte Album klären. Fakt ist jedenfalls, dass es zwischen Januar und August 1969 entstand. Jahrzehnte später wird es nun endlich veröffentlicht.

 

„One Of The Lonely Ones“ wurde natürlich bearbeitet und dies in den berühmten Blackbird Studios in Nashville, Tennessee. Chuck Turner mischte die Songs einzeln ab, aber er war nicht alleine, denn Alex Orbison schaute ihm dabei über die Schulter und auf die Finger. Die ganze Geschichte wurde im Stereosound aufgearbeitet und schließlich von Richard Dodd gemastert. Auf dem Booklet steht oben sounds great in Stereo - und genau so ist es! Die Aufnahmen klingen schlichtweg brillant und vor dem Hintergrund, dass selbige von 1969 stammen, ist diese Tatsache umso erstaunlicher.

 

Ob „One Of The Lonely Ones“ tatsächlich so als Album vorgesehen war, muss allerdings schon hinterfragt werden. Die Anzahl von zwölf Songs passt eher in die heutige Zeit und war damals nicht unbedingt üblich. Heute ist dies das normale Albumformat. Letztlich spielt das aber auch überhaupt keine Rolle, denn das Werk hat es verdient genau so veröffentlicht zu werden. Es ist auch keine Ausschussware! Im Gegenteil, Roy Orbison interpretiert die vielen Fremdkompositionen ganz vorzüglich. Die beiden abschließenden Balladen „After Tonight“ und „I Will Always“ sind sehr rührend und zeigen, dass der Mann einer der besten Sänger seiner Generation war.

 

„You´ll Never Walk Alone“ wurde über die Jahre zu einer der Fußballhymnen schlechthin. Der Klassiker von Rodgers und Hammerstein wurde 1965 von Gerry & The Pacemakers interpretiert und zu einem Chartserfolg. Die Version von Orbison ist aber auch sehr brauchbar. „Sweet Memories“ ist wie gemalt für den Mann mit der glasklaren Stimme. Er kann sich da in die Höhen schwingen, die sein Schaffen immer wieder ausgemacht haben. „Laurie“ stammt aus seiner Feder und ist ein typisches Musikstück für diese Zeit – und für Orbison. „One Of The Lonely Ones“ - der Titeltrack – ist etwas schmalzig, aber auch das hat das Schaffen des Mannes ja immer wieder ausgezeichnet und keiner konnte Schmalz so schön und passend verkaufen.

 

„Child Woman, Woman Child“ - ebenfalls aus der Feder des Meisters – hat ein paar rockige Momente zu bieten. Das Gitarrenmotiv erinnert für einen kurzen Moment sogar an „Cederwood Road“ von U2 – aber das ist ja unmöglich, denn der Song von Orbison ist ja bisher der Welt vorenthalten worden. „The Defector“ - ein weiterer Orbison-Track – hat sogar etwas Mysteriöses an sich und klingt nach Western und Prärie. „Give Up“ ist ein weiterer toller Song, der wie die Blaupause der 60er aus den Boxen kommt. Eine nette, kleine Fingerübung. Mit „Little Girl (In The Big City)“ beweist The Big O., dass er auch durchaus lässig sein konnte. Eine richtige coole Interpretation ist das und gerade die Strophen, wo seine Stimme wesentlich dunkler klingt, sind ganz famos.

 

Fazit: Sachen gibt es, die gibt es eigentlich nicht. Wie beispielsweise ein neues Roy Orbison Album, welches 1969 fertiggestellt wurde, dann aber in irgendeiner Schublade verschwand und erst jetzt das Licht der Welt erblickt. Der Sound von „One Of The Lonely Ones“ ist nahezu famos. Orbison hat tolle Musik für das Album geschrieben oder auf seine Weise interpretiert. Neben seinem typischen Standard-Sound, hat er aber auch ein paar rockige oder düstere Klänge einfließen lassen. Ein überraschend gutes Werk und es stellt sich die Frage, warum man die Platte damals nicht veröffentlicht hat.

 

http://www.royorbison.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Roy Orbison: Mystery Girl (Deluxe Edition)

Roy Orbison: Mystery Girl (Deluxe Edition)

Legacy/Sony

VÖ: 16.05.2014

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

„Mystery Girl“ war für Roy Orbison noch mal ein immens großer künstlerischer und kommerzieller Erfolg. Leider erlebte „The Big O“ selbigen nicht mehr, da er am 6. Dezember 1988 an einem Herzinfarkt starb, noch vor Veröffentlichung des Albums. „Mystery Girl“ feiert jetzt seinen 25 Geburtstag und dies hat man nun zum Anlass genommen, dieses Album mit reichlich Bonusmaterial erneut zu veröffentlichen. Alle hieran Beteiligten haben einen tollen Job gemacht und „Mystery Girl“ mit sehr viele Liebe und Würde überarbeitet, erweitert und verfeinert. Von der Aufmachung bis hin zu den Bonustracks und der DVD kann sich das hören und sehen lassen!

 

Man muss sich nur mal die Mannschaft angucken, mit der Orbison dieses Album seinerzeit eingespielt hat: Jeff Lynne (Gitarre, Piano, Bass, Backing Vocals), Tom Petty (Akustikgitarre, Backing Vocals), Mike Campbell (Gitarre, Bass, Mandoline), Jim Keltner (Schlagzeug), Howie Epstein (Bass, Backing Vocals) und Benmont Tench (Piano, Orgel). Bei diesen Namen dürften die Herzen der Musikliebhaber gleich ein bisschen schneller schlagen. Jetzt kann man „Mystery Girl“ aber noch mehr würdigen, denn klanglich scheint man die Platte auch noch mal einer kleinen Überarbeitung unterzogen zu haben. Viele kleine Details scheinen nun erst so richtig zur Geltung zu kommen und gehen nicht mehr im Soundbrei unter.

 

Besonderes Augenmerk gebührt dem bisher unveröffentlichten „The Way Is Love“. Entdeckt wurde diese kleine Perle nun auf einem Arbeitsdemo von Orbison. Ursprünglich wurde dieser kleine Song vom Meister höchstpersönlich und Bill Dees mit einem Kassettenrekorder aufgenommen! Jetzt musste man in mühevoller Kleinarbeit Roys Gesang aus der Tonbandaufnahme extrahieren. In Johnny Cashs „Cabin Studio“ wurde die Nummer von John Carter Cash produziert und von Toningenieur Chuck Turner abgemischt. Die Söhne von Orbison waren an dem finalen Mix beteiligt. Wesley und Roy Jr spielten die Gitarrenspuren ein, Alex saß an den Drums und alle drei steuerten die Gesangsharmonien bei. Die Brüder erfüllten sich damit einen Lebenstraum, denn einst wollten sie ursprünglich Musiker werden, um mit ihrem Vater in einer Band zu spielen. Das Stück selber ist auf den ersten Blick sehr unspektakulär, aber bei genauerem Hinhören ist das doch ein sehr schöner – wenn auch kitschiger – Song. Man hört natürlich, dass Musik und Gesang zu zwei völlig unterschiedlichen Zeiten entstanden sind. Dies fällt aber nicht negativ ins Gewicht und es ist gut, dass man „The Way Is Love“ in dieser Form nun noch veröffentlicht hat.

 

Die CD ist randvoll mit Demo- und Arbeitsaufnahmen. So hört man beim Studiodemo vom „She´s A Mystery To Me“ doch tatsächlich Bono – von ihm und The Edge stammt dieser Song – wie er Orbison Anweisungen gibt und auch beim eigentlichen Song dabei ist. Das Stück ist natürlich noch lange nicht so ausgefeilt, aber es ist sehr schön so an dem Entstehungsprozess teilhaben zu können. Und dies gilt im Grunde für jeden Bonustrack. Auch bei „Dream You“ kann man anhand der Wortfetzen schon ganz gut hören, wie Orbison den Song erarbeitet hat. Die Demoversion ist zudem wesentlich rockiger und rotziger. Mitunter gewinnt die Nummer dadurch sogar und diese unpolierte Facette tut „Dream You“ durchaus sehr gut. „The Only One“ scheppert noch etwas ziellos daher und auch „The Comedians“ fehlt es noch am richtigen Dreh. Es macht aber ungemein Spaß diese verschiedenen Phasen der einzelnen Tracks zu hören. „In The Real World“ ist im Grunde auch als Demo komplett ausgearbeitet. „California Blue“ gefällt im reinen Akustikgewand wesentlich besser als in der verkitschten und aufgemotzen Albumvariante. Hier kommt auch die göttliche Stimme von Orbison voll und ganz zur Geltung. „Windsurfer“ ist da eher bruchstückhaft und von der Soundqualität sehr dürftig. Schön, dass man das Demo den Hörern trotzdem nicht vorenthält. „You Are My Love“ beendet dieses Album sehr schön in der Tradition der 50er. Ausgerechnet vom Überhit „You Got It“ gibt es keine weitere Aufnahme zu hören.

 

Das eigentliche Album hat Höhen und Tiefen. Zu „You Got It“ muss man ja hoffentlich nichts mehr sagen. Das Stück ist längst ein Klassiker und wird auch heute noch ständig irgendwo gespielt. „In The Real World“ hat diesen wunderschönen Tom Petty Grundton, ist aber derart süßlich, dass es schon etwas zu viel des Guten ist. Dieser Eindruck wird durch die Art des Gesangs nicht gerade entkräftet. „Dream You“ rockt sich danach wunderbar durch die Garage, während „A Love So Beautiful“ an einen alten George Harrison Song erinnert. Grandios gesungen, gehört aber auch eher zu den Schmachtfetzen, die es einem nicht einfach machen. „She´s A Mystery To Me“ könnte auch von The Velvet Underground sein. Das mag aufgrund der glasklaren Stimme überraschen, von der Grundstruktur ist das aber „All Tomorrow´s Parties“ nicht unähnlich. Ansonsten kann man hier sehr gut hören, dass Bono und The Edge von U2 da gerade mitten in ihrer amerikanischen Phase steckten. „The Onyl One“ ruft noch ein paar Assoziationen zu Springsteen hervor, während „Windsurfer“ eine Mischung aus Tom Petty, den Beach Boys und eben Orbison ist.

 

Die Dokumentation „Mystery Girl: Unraveled“ entstand unter der Regie von Alex Orbison. Roy Jr. Und Wesley fungieren ebenfalls als Produzenten. Hier gibt es Interviews mit vielen Beteiligten Personen zu sehen, die teilweise neu sind. Manches hat schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, wie die O-Töne von Bono, der noch mal erzählt, wie er „She´s A Mystery To Me“ geschrieben hat, als er vor einen Konzert von U2 im Wembley Stadion nicht schlafen konnte. Am nächsten Tag standen Barbara und Roy Orbison dann nach dem Konzert im Backstagebereich und so wurde dieser Song dann auf den Weg gebracht. Geplant war das nicht. Von „You Got It“ gibt es auch ein paar sehr schöne Sequenzen mit Orbison, Petty, Lynne und Campbell. Die Aufnahmen waren sehr entspannt und da lief dann auch schon mal der Nachwuchs durch das Studio. Das sehenswerte Archivmaterial entstand übrigens fast komplett in der Garage des langjährigen Tom-Petty-Gitarristen Mike Campbell, in der auch ein Großteil des Originalalbums aufgenommen wurde. Sehr schön, dass der Orbison Nachwuchs hier mit eingebunden wurde! Wenn Alex mit Tränen der Rührung davon erzählt, wie er „The Only One“ das erste Mal gehört hat und dann feststellen musste, dass dies ein Song seines Bruders Wesley ist, dann schluckt man auch als Zuschauer. Jeder Song des Albums wird hier einzeln gewürdigt. Die umfassenden Einblicke in den Entstehungsprozess – beispielsweise wie Petty, Orbison und Lynne die Backing-Vocals einsingen – lassen einen dieses Werk noch mal mit ganz anderen Ohren hören. Die Videos zu den Songs, darunter eine neue Version von „You Got It“ und die bisher unveröffentlichte Version von „She´s A Mystery To Me“, machen die Sache so richtig rund!

 

Fazit: „Mystery Girl“ von Roy Orbison ist sein letztes musikalisches Vermächtnis an die Welt. Schade, dass dieser großartige Sänger dies nicht mehr mitbekommen hat. Die Geburtstagsausgabe kommt nun mit üppigem und wirklich interessantem Demomaterial daher. Der Sound ist nicht immer optimal, hat aber unschätzbaren dokumentarischen Wert. Die DVD dröselt die ganzen Einzelheiten noch mal Stück für Stück auf. Das tolle Booklet rundet die Geschichte sehr schön ab!

 

http://www.royorbison.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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