Rory Gallagher: Notes From San Francisco (Limited 2CD Deluxe Legacy Edition)

Rory Gallagher: Notes From San Francisco (Limited 2CD Deluxe Legacy Edition)

Sony

VÖ: 03.06.2011

 

Wertung: 9/12

 

Rory Gallagher darf man sicher zu den ganz großen Saitenattisten zählen. Er war bis zu seinem Tod 1995 ein wahrer Virtuose und wird von seinen Kollegen immer als einer der prägenden Einflüsse genannt. Seine Musik war stets geprägt vom Blues-Rock oder vom puren Blues in all seinen Farben und Schattierungen. Der Ire hatte allerdings einen ganz entscheidendes Talent, welches ihn letztlich von einer Vielzahl seiner Kollegen abhob: Improvisation! Nicht nur live war das immer wieder ein Ereignis, sondern auch auf einer Vielzahl seiner Studioalben. Nicht selten wehte durch seine Songs auch immer ein gewisser Jam-Charakter. Nicht umsonst wollten die Stones den Mann gerne in ihren Reihen haben, nachdem Mick Taylor ausgeschieden war. Gallagher hatte allerdings ganz andere Ambitionen.

 

Eine davon war „Notes From San Francisco“. Dieses Album wurde aber nie fertiggestellt. Gallagher war mit der Abmischung einfach nicht zufrieden und somit verschwanden die Songs für Jahrzehnte im Schrank. Nun erscheint das Werk also doch noch. Die heutige Technologie macht es möglich und natürlich haben seine Nachlassverwalter dem ganzen Projekt nun doch zugestimmt. Ein netter Nebeneffekt ist dabei natürlich auch, dass sie auch am Geldsegen partizipieren und somit bleibt natürlich auch ein fader Beigeschmack. Man kann zwar die berechtigte Frage stellen, ob Rory Gallagher „Notes From San Francisco“ nun so veröffentlicht hätte, aber letztlich ist es müßig darüber zu diskutieren. Fakt ist jedenfalls, dass sein Bruder und langjähriger Manager Dónal und dessen Sohn Daniel mit den Mitteln der heutigen Technik das Album nun fertiggestellt haben. Gehen wir einfach mal davon aus, dass sie das ganz im Sinne des Künstlers getan haben und nach seinen damaligen Vorstellungen gehandelt haben.

 

„Notes From San Francisco“ ist aber noch viel mehr als Musik. Der Gitarrist schickte auch regelmäßig seine Notizen per Postkarte nach Irland. Dem wird mit der Deluxe Edition ganz besonders gehuldigt. Wer sich dieses Album zulegen möchte, der sollte bitte gleich zu dieser limitierten Ausgabe greifen. Die Aufmachung als Digibook ist ein Traum. Das Cover kommt hier sowieso besser zur Geltung, aber auch der Rest rechtfertigt den Kauf der Deluxe Edition. Ebenso sind im Innenteil originalgetreue Faksimile der handschriftlichen Songtexte zu finden. Viele Fotos und weitere Gimmicks lassen das Fanherz sowieso höher schlagen. Als besonderes Schmankerl liegen noch vier Postkarten mit Rory Gallagher Briefmarken bei. Die Gestaltung ist schon mal zum Niederknien!

 

„Notes From San Francisco“ besteht aus zwei Teilen. Zunächst wäre da das Studio-Album und dann liegt auch noch eine Live-CD bei. Das eigentliche Album selber wurde aber anscheinend als zu kurz befunden und somit hat man noch drei Bonus Tracks hinzugefügt. Das Studio-Werk ist eine komische Angelegenheit. Zunächst lief das Teil in Dauerschleife, aber so richtig packen konnte es einen nicht. Ein paar Tage auf Seite gelegt und dann schlägt es teilweise wie ein Blitz ein.

 

Der fulminante Einstieg mit „Rue The Day“ knallt gleich ordentlich rein. Rory Gallagher klingt rotzig wie selten und das Honky Tonk Piano übernimmt überraschenderweise die Führung der Nummer. „Persuasion“ kommt ebenfalls recht schmissig rüber und Gallagher lässt sein Können an der Axt mehrfach aufblitzen. Das gilt auch für die versponnen Licks und Solos von „B Girl“. Der Rest der Nummer langweilt allerdings auch ein bisschen. Dies gilt ganz und garnicht für den Bluesstampfer „Mississippi Sheiks“. So hat man Gallagher kennen und lieben gelernt. Mit der Ballade „Wheels Within Wheels“ ist er nahe an Clapton-Gefilden dran. Mr. Slowhand hat auch unüberhörbaren Einfluss auf das Gitarrenspiel gehabt – oder umgekehrt, gibt da ja immer wieder unterschiedliche Meinungen. Als Bonus Track wurde auch noch eine alternative Version auf die Scheibe gepackt. Ist aber nicht sonderlich anders ausgefallen. Auch die Rolling Stones haben ihre Duftmarken bei „Brute Force & Ignorance“ hinterlassen. „Fuel To The Fire“ beendet die ursprüngliche Version fast traditionell. Austoben darf sich Gallagher dann bei „Cut A Dash“, bevor er sich bei „Out On The Tiles“ bei Hendrix bedient und verbeugt. Insgesamt klingt das Album sehr druckvoll und wenn man so will, dann ist das auch sehr gut abgemischt.

 

Die Live-CD zeigt dann das ganze Spektrum von Gallagher. Wie ein Derwisch pflügt er sich durch die Songs von „Follow Me“ über „I´m Leavin´“ bis hin zu „Sea Cruise“. Daneben wird auch immer wieder dem guten, alten Blues gehuldigt und wie bei „Bought And Sold“ ordentlich die Bühne nieder gestampft. Gallagher bezeichnete das als Rückkehr zu „Meat & Potatoes Rock & Roll“. Das kann man so stehen lassen. Die Live-CD ist insofern fast die eigentliche Sensation, denn hier wird sehr gut eingefangen, was Gallagher auch für eine Bühnenpräsenz hatte.

 

Fazit: Es wäre wirklich eine Schande gewesen, wenn „Notes From San Francisco“ nicht doch noch das offizielle Licht der Welt erblickt hätte. Hier gibt es die Rory Gallagher Vollbedienung. Man sollte gleich zur Limited Deluxe Legacy Edition greifen. Diese wundervolle Aufmachung und Gestaltung sollte man sich einfach nicht entgehen lassen. Die Live-CD ist ebenfalls sehr gelungen und zeigt, dass der Mann zwischen Blues und Rock & Roll zu den ganz Großen gehörte.

 

http://www.rorygallagher.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
Loading

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch