Roger Taylor: Fun On Earth

Roger Taylor: Fun On Earth

Universal/Virgin/EMI

VÖ: 08.11.2013

 

Wertung: 7/12

 

Roger Taylor hat verdammt lange für sein fünftes Studioalbum gebraucht. Bereits 2008, als er noch mit Queen + Paul Rodgers unterwegs war, hat er daran gearbeitet. Nach dem Split werkelte er fleißig weiter daran und dann sollte auch bald ein Veröffentlichungstermin bekanntgegeben werden. Es verzögerte sich Jahr um Jahr. Nun liegt das Teil endlich in den Läden und dürfte so manchen überraschen. Die Platte ist nämlich manchmal ganz gut geworden. „Fun On Earth“ wurde in den Priory Studios in Surrey aufgenommen. Dreizehn Songs haben es schließlich auf die abwechslungsreiche Platte geschafft.

 

Roger Taylor ist wütend und angepisst. Die totale Überwachung, der wir in unserer schönen Online-Welt ausgesetzt sind, geht ihm gehörig auf den Keks. Und dann wäre da noch die Bankenkrise und wie wir alle darunter zu leiden haben – zu viel für den Mann. Schweigend hinnehmen? Nicht seine Sache! Er ist da aber auch in einer komfortablen Position. Eine Revolution und Protestsongs müssen her. Davon ist in der großen Musikerfamilie natürlich weit und breit nichts zu sehen und zu hören und somit muss er selbst ran. Der Spaß soll zurückkommen und der Planet und die Menschheit müssen gerettet werden.

 

Der Mann war der Herzschlag von Queen und selbstverständlich wird er auf ewig mit dieser Gruppe in Verbindung gebracht werden. Er hat zudem ja noch einige Hits von Weltformat zum Gelingen dieser Band beigesteuert. Sein Soloschaffen ist von Queen allerdings ziemlich weit entfernt. Für den ganzen Pomp und die furchtbare Dramatik ist da kein Platz. Für Kitsch schon. „Sunny Day“ ist voll davon und das Stück ist so ausgerichtet, dass man aufpassen muss, dass einem die Boxen nicht verkleben. Selbst das Gitarrensolo ist der pure Schmalz. Solche Songs nimmt heute doch nur noch Rod Stewart auf. Die beiden älteren Herren sind hier stimmlich übrigens kaum zu unterscheiden. Der Totalausfall dieser Platte. Die sanfte Ballade „Be My Gal (My Brightest Spark)“ zeigt ja, dass es auch anders geht. Der Tanz auf der Rasierklinge haut hier hin und Taylor stürzt nicht in Richtung des furchtbaren Kitschs ab.

 

Es sind aber andere Songs die aufhorchen lassen. Das rotzige „I Am A Drummer (In A Rock N´ Roll Band)“ beispielsweise. Das rockt und das rollt und die Gitarre lärmt wie zu besten Zeiten. Oder nehmen wir „One Night Stand“. Das Stück schleppt sich schwer atmend an. Ein Biest. Ein Monster. Für den Zuhörer gibt es kein Entkommen, der Groove fängt einen früher oder später ein. Tonnenschwer. Die vielen Brüche innerhalb des Tracks machen die ganze Kiste interessant, gleichwohl hier auch ein Hauch von „One Vision“ in der Luft liegt. „Fight Club“ ist gänzlich anders, schon das sehnsuchtsvolle Saxophonspiel zu Beginn lässt aufhorchen. Ein melancholischer Song, der zu früheren Zeiten völlig überladen worden wäre. Roger Taylor lässt der Nummer jetzt aber den nötigen Raum sich zu entfalten. Der fast schon gehauchte Gesang verleiht „Fight Club“ noch mehr Ausdruck. So stark geht es auch mit „Be With You“ weiter. Der schwebende Blues erinnert gar an Mark Knopfler. Ein Gänsehautmoment von „Fun On Earth“.

 

Bei „I Don´t Care“ muss man ganz nahe an die Anlage heranrücken. Die zärtliche Instrumentierung und der Gesang kommen auf ganz leisen Sohlen angekrochen. Auch dieser Song scheint zu schweben, baut sich nach und nach aber sehr kraftvoll auf. Roger Taylor hat sich musikalisch auch hier auf das Wesentliche konzentriert, was sich abermals als die perfekte Umsetzung erweist. „Small“ kann man in eine Reihe mit „Sunny Day“ stellen – fürchterliche Altherrenmusik. „Say´s It´s Not True“ kennt man ja schon vom gescheiterten Queen + Paul Rodgers Projekt. Diesmal darf Jeff Beck mitklampfen, besser wird es dadurch nicht. Schmalz bleibt Schmalz. Leider ist der Platte nach hinten raus deutlich die Luft ausgegangen. „The Unblinking Eye“ fängt auch furchtbar an, kriegt aber so gerade noch mal die leise Kurve. „Up“ soll wohl Kunst sein, versinkt zunächst aber irgendwo in der esoterischen Kiste, bevor das Ding noch mal an Fahrt aufnimmt und eine nicht uninteressante Wendung nimmt. „Smile“ lässt zum Schluss leider noch mal die Zuckerwatte regnen.

 

Fazit: Schade, eigentlich wäre hier mehr drin gewesen. „Fun On Earth“ hat einige gute Songs und Ansätze zu bieten. Auf der anderen Seite gibt es einige kitschige Ausfälle bei denen sich die Nackenhaare kräuseln. Der Beginn und das Ende der Platte fangen in dieser Hinsicht die beiden Seiten sehr gut ein. Abwechslungsreich ist die Platte trotzdem und zum Glück fehlt der ganze Bombast und Pomp fast gänzlich. Ist ja auch schon mal was.

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
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