Revolverheld: Immer In Bewegung

Revolverheld: Immer In Bewegung

Sony

VÖ: 20.09.2013

 

Wertung: 7,5/12

 

Und da wurde aus einem Quintett plötzlich ein Quartett. Revolverheld ist der Bassist abhanden gekommen. Inwieweit die Band überhaupt kurz davor war alles vor die Wand zu fahren, sprich hinzuschmeißen, wissen die verbliebenen Jungs wohl selbst nicht ganz so genau. Hält man sich an die Fakten, dann haben sowohl Sänger Johannes Strate wie auch Gitarrist Kris Hüneke als Solisten respektable Erfolge eingefahren. Warum also noch an Revolverheld festhalten? Man hat sich immerhin gemeinsam so viel aufgebaut und mittlerweile derart viel erlebt, dass man dies nicht einfach so wegwirft. Solche Sologeschichten fungieren ja auch gerne mal als Augenöffner und dann kommt man gerne in den Hafen der Band zurück. Anders gesagt: bei Revolverheld ist alles „Immer In Bewegung“.

 

Mittlerweile ist das auch keine Teenieband mehr. Hitsingles sorgten dafür, dass der komplette Mainstream plötzlich Notiz von Revolverheld nahm. Aber dies ist nicht der einzige Grund, denn die Bandmitglieder sind über die Jahre im Schatten dieser Kapelle erwachsen geworden. Die Musik hat sich verändert und auch die Texte haben sich weiterentwickelt. „Immer In Bewegung“ singt davon nun gleich zwölf Lieder. Revolverheld werden von den Mädchen geliebt und von den Jungs heimlich gehört – das Alter spielt dabei keine Rolle. Es fällt schwer diese Band nicht zu mögen, ganz besonders nach „Immer In Bewegung“.

 

In Bewegung ist die Platte nur selten. Der Titeltrack und „Wir Schmeissen Unsere Herzen Ins Feuer“ sind im weitesten Sinne Rocksongs, der Rest eben nicht. Es sind die nachdenklichen, melancholischen und romantischen Songs, die diese Platte bestimmen und beherrschen. Die gute Single „Das Kann Uns Keiner Nehmen“ steht da durchaus exemplarisch für das gesamte Album. Auch der Coldplay-Refrain und ganz besonders der Blick in die Vergangenheit. „Bands Deiner Jugend“ wird die Mittdreißiger sicher heftig mit dem Kopf nicken lassen. Einige gibt es aber noch oder sie kommen gerade wieder. Aber was soll es, wir sind eben alle älter und erwachsen geworden und nichts anderes sagt dieses Lied. Die unbekümmerten Tage sind eben vorbei. Mit „Ich Lass Für Dich Das Licht An“ feiert die Band das schönste aller Gefühle und unsere Daseinsberechtigung auf diesem Planeten: die Liebe. Zum Schluss wird musikalisch hier übrigens das ganz große Besteck ausgepackt. Bombast und Pathos sind hier aber auch passend.

 

Der schönste Song der bisherigen Revolverheld-Karriere ist mit „Sommer In Schweden“ auf diesem Album vertreten. Dieses wundervolle PopFolk-Stück treibt einem die Tränen in die Augen. Ein jeder wird in seinem Leben irgendwann diese Unbekümmertheit, diese Leichtigkeit erlebt haben die da besungen wird. Schweden und die Semesterferien eines Studenten sind hier nur exemplarisch zu verstehen. Schweden spielt dann auch noch mal kurz im Ohrwurm „Lass Uns Gehen“ eine Rolle – etwas zu viel für ein Album. „Deine Nähe Tut Mir Weh“ ist auch so ein melancholisches Stück, welches fast schon romantisch ist – sofern eine unerfüllte Liebe dafür Raum lässt. Kinder werden zu Freunden und dies überdauert alle Jahrzehnte, nur funktioniert Freundschaft zwischen Frau und Mann wirklich? Das leichte „Aufhören Mich Zu Verlieben“ kommt danach zur richtigen Zeit. „Hinter der Elbe New York“ wirkt gegen die anderen ganz großen Balladen fast schon gewöhnlich und auch „Worte die Bleiben“ ist zum guten Schluss etwas zu kitschig geraten und der Coldplay-Moment ist auch zu offensichtlich. Aber das ist nur eine kleine Fußnote von „Immer In Bewegung“.

 

Fazit: Revolverheld sind erwachsen geworden. „Immer In Bewegung“ ist dann auch ein Album, welches sich oftmals einen Blick zurück erlaubt. Eine Menge positive Erinnerungen werden dabei zu Tage gefördert, auch beim Hörer. Man erinnert sich gerne an die Unbekümmertheit und Leichtigkeit vergangener Tage. „Immer In Bewegung“ ist ein ruhiges Album, welches sich die nötige Zeit nimmt über die Dinge zu reflektieren. Es ist ein Herbstalbum, also genau richtig! Nicht alles ist Gold was hier glänzt, aber wenn, dann glänzt es auch richtig. Abgesehen davon sind die Jungs versierte Musiker und Arrangeure, denn die Songs sind über weite Strecken sehr fein austariert. Man darf Revolverheld als deutschsprachige Band durchaus lieben - Jungs dann auch gerne heimlich.

 

http://revolverheld.net/

 

Text: Torsten Schlimbach

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