Red Hot Chili Peppers: I´m With You

Red Hot Chili Peppers: I´m With You

Warner

VÖ: 26.08.2011

 

Wertung: 7,5/12

 

Nachdem die ersten Eindrücke der neuen Red Hot Chili Peppers Scheibe „I´m With You“ einen noch etwas sparsam gucken ließen, konnte sich nun ausgiebiger mit den neuen Stücken auseinandergesetzt werden. Festhalten muss man auch hier, dass diese Platte die Musikwelt spalten wird. Für die einen wird es der erste gute Fingerzeig in Richtung Alterswerk sein und für die anderen eben eine Enttäuschung, weil die Peppers eben nicht die Erwartungen erfüllen. Es wird über über dieses Album diskutiert und das ist ja schon mal was. Die Wahrheit liegt wie so oft irgendwo in der Mitte.

 

Dass Frusciante die Band verlassen hat, kann natürlich nicht so leicht kompensiert werden. Mit Josh Klinghoffer ist aber immerhin ein enger Freund des Genies die Nachfolge angetreten. Der neue Mann drängt sich dann auch nicht in den Vordergrund sondern macht einen fast unauffälligen Job. Nein, er ist nicht der Lionel Messi der Musikwelt. Er stellt sich vielmehr in den Dienst des gesamten Vereins und ist damit aber nicht weniger wertvoll. Das hat manchmal sogar etwas Befreiendes, auch wenn man sich etwas mehr Mut gewünscht hätte, denn Klinghoffer hält sich doch merklich zurück. Wo Frusciante ganze Schichten auftürmte, ist das auf „I´m With You“ doch etwas luftig geraten. Dadurch bleibt aber auch mehr Raum für die anderen. Besonders Flea dominiert die Platte und dies nicht nur durch sein Bassspiel, sondern er packt sogar die Trompete wieder aus.

 

Einen Fehler machen die Peppers aber auf jedem Album: sie überladen die Dinger ganz einfach immer wieder auf ein Neues. So ist doch auch so mancher mittelmäßiger Track – mit Tendenz zum Totalausfall – dabei. Zehn Tracks wären sicher ausreichend gewesen und hätten die Platte noch mal in einem ganz anderen Licht stehen gelassen. Hat man sich der Scheibe ausgiebig gewidmet, dann hört man das doch mit anderen Ohren. Nein, Erwartungshaltungen werden hier nicht erfüllt und wer sich die rockige Variante der Band zurückwünscht, wird eben ein langes Gesicht machen. Da muss man eben auf den Backkatalog zurückgreifen.

 

Die erste Single „The Adventures Of Rain Dance Maggie“ ist duchaus repräsentativ für das Album. Der rockige Discoauftakt mit „Monarchy Of Roses“ führt einen da zunächst noch auf das Glatteis. Danach wird die Schlagzahl etwas runter gefahren und leider sind Stücke wie „Ethiopia“ oder „Annie Wants A Baby“ nur leidlich spannend. „Factory Of Faith“ lässt immerhin die Funkvergangenheit der Band erkennen.

 

Überraschend hingegen ist die Lagerfeuerromantik von „Brendan´s Death Song“. Die Lyriks kommen zwar etwas holprig, aber das Stück reiht sich nahtlos in die Balladenecke der Peppers ein. „Did I Let You Know“ ist eine weitere Überraschung. Zwischen Afrobeat und karibischem Flair pendelt dieses luftige und leichte Stück und hier wird auch die besagte Trompete aus dem Koffer geholt. Die jazzige Elemente werden von einem Gitarrensolo aufgebrochen, wie man es lange nicht mehr von der Band gehört hat. Das folgende „Goodbye Hooray“ rockt knochentrocken auf den Punkt. Rick Rubin hat hier ganz Arbeit geleistet. Das gilt übrigens für das gesamte Album. Mit „Dance. Dance. Dance“ gibt es zum Ende noch mal ein dickes Ausrufezeichen.

 

Fazit: „I´m With You“ ist ein sicher kein Album, welches einen sofort mit dem nackten Allerwertesten anspringt. Manches bleibt im Mittelmaß stecken, anderes gleicht gar einen Totalausfall. Trotzdem hat die Platte durchaus ein paar beachtenswerte Momente. Die Red Hot Chili Peppers haben hiermit die Abbiegung in Richtung Alterswerk genommen. Es wird einem nicht alles direkt auf dem Präsentierteller dargeboten, sondern mit viel Liebe zum Detail sind viele kleine Feinheiten eingebaut. Ein ruhiges Album, welches Hoffnungen und Erwartungen nicht bedient, aber das muss es ja auch nicht!

 

http://www.redhotchilipeppers.de/

http://redhotchilipeppers.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Red Hot Chili Peppers: I´m With You (erste Eindrücke!)

Red Hot Chili Peppers: I´m With You (erste Eindrücke!)

Warner

VÖ: 26.08.2011

 

Die neue Platte der Red Hot Chili Peppers wird bewacht und gehütet wie der größte Schatz der Menschheit. Streams, Promos und den ganzen Kram gibt es von „I´m With You“ nicht vor der Veröffentlichung. Die Presse darf sich das neue Album allerdings ein einziges Mal per Kopfhörer anhören. Am 20. Juli war es in Köln soweit. Dies ist sicher die denkbar schlechteste Gelegenheit sich eine neue Platte zu Gemüte zu führen. Das eigene Equipment fehlt und bei gut und gerne zwanzig Pressevertretern ist die Ablenkung eigentlich auch vorprogrammiert. Positiv anmerken muss man an dieser Stelle aber, dass sich die Vertreter der Plattenfirma die größte Mühe geben die Atmosphäre so angenehm wie möglich zu gestalten. Die vorhandenen Kopfhörer zählen ebenfalls zu den Guten – unter den gegebenen Umständen ist also alles perfekt angerichtet.

 

Man darf sich nach dem Genuss von „I´m With You“ die Frage stellen, ob dieser ganze Aufwand und dieses ganze Brimborium auch betrieben worden wäre, wenn es hier nicht um die Red Hot Chili Peppers gehen würde. Würde diese Platte überhaupt ein größeres Publikum interessieren? Vermutlich nicht! Ist die Platte nun schlecht? Nein, ganz bestimmt nicht! Handwerklich ist die sogar sehr gut umgesetzt worden. Anspruchsvoll ist die Platte ebenfalls. Bisweilen wird sogar eine Brücke der Funkanfänge zum Spätwerk der Band gebaut. Alles gut also? Jein! Man hätte sich nämlich hin und wieder ein bisschen mehr Drive, ein bisschen mehr Kraft und ein bisschen mehr Krach gewünscht. „I´m With You“ ist doch sehr gediegen und im Grunde eine sehr ruhige Platte. Die Single „The Adventures Of Rain Dance Maggie“ ist da mehr als nur ein Fingerzeig in diese Richtung. Vieles der Platte geht auch diesen Weg. Der Balladenanteil ist sogar extrem hoch. Macht sich das Fehlen von Frusciante bemerkbar? Natürlich! Klinghoffer ist ein extrem guter seines Fachs, aber eben auch ein anderer Gitarrist. Minimalistischer spielt er. Wo Frusciante ganze Landschaften ausgebreitet hat, lässt Klinghoffer auch mal den einen oder anderen Ton gleich ganz weg.

 

In „I´m With You“ steckt viel Liebe zum Detail und im Grunde ist das sogar ein Kopfhöreralbum. Im Hintergrund passieren immer viele kleine versteckte Kleinigkeiten, die sich ganz sicher erst nach und nach erschließen werden. Dem Erfolg der Scheibe wird diese Tatsache sicher nicht im Wege stehen. Letztlich ist sie dafür auch zu eingängig und zu perfekt auf das Mainstreampopradio zugeschnitten. Gleich der Albumopener „Monarchy Of Roses“ fährt die ganze Palette auf. Das Teil ist nämlich nicht nur eingängig, sondern auch ein straighter Popsong, der leicht melancholisch um die Ecke biegt. Darüber kann auch das Solo in der Mitte nicht hinwegtäuschen. „Factory Of Faith“ lässt dann erstmals richtig aufhorchen. Die Strophen sind raplastig und Flea ist das treibende Element. Der Refrain ist allerdings wieder sehr eingängig. Die Nummer gibt einiges für die Livekonzerte her, denn zum Schluss gibt es einen schönen Jampart zwischen Flea und Josh, der live sicher noch ausbaufähig ist.

 

„Brendan´s Death Song“ ist dann die erste waschechte Ballade an der bekannten Stelle. Der Track klingt gar wie unter freiem Himmel am Lagerfeuer aufgenommen. Nach hinten raus knallt es dann doch mal, aber insgesamt ist das aufgrund der vielen Wiederholungen eine einschläfernde Nummer. „Ethiopia“ hat dagegen das bekannt starke Bassspiel von Flea aufzubieten und die Funkgitarre von Klinghoffer kommt schon recht gut. Rubin hat bei der Produktion vom Schlagzeug übrigens ganze Arbeit geleistet. Chad Smith poltert sich doch öfters mal sehr schön in den Vordergrund. Das typische Gefrickel der Peppers gibt es übrigens auch bei diesem Track. Das ist auch auf dem ganzen Album immer mal wieder zu finden, aber man wird dabei den Eindruck nicht los, dass dies eher eine Alibifunktion erfüllt. „Annie Wants A Baby“ ist eine weitere Ballade. Auch, wenn Josh sehr akzuentiert spielt, ist das eher was für das Mainstreamradio.

 

Guckt man sich die eigenen Aufzeichnungen an, dann ist „Look Around“ der erste Song, bei dem es mal etwas mehr zur Sache geht. Endlich mal Dampf auf dem Kessel. Die Rhythmusfraktion treibt das Ding voran, während Kiedis seinen Sprechgesang abfeuert. Handclaps, Keyboardflächen im Mittelteil und das typische Gefrickel sorgen dafür, dass sich das Ding zu einem Livekracher entwickeln könnte. Zur Single muss man ja nichts mehr sagen, die dürfte ja hinlänglich bekannt sein. „Did I Let You Know“ beginnt Dank Chad Smith sehr vielversprechend, geht dann aber wieder in eine schnarchige Richtung. Die Trompete passt allerdings zum Karibikflair und Josh versucht mit seinem Solo etwas Farbe reinzubringen. Die Percussions zum Schluss sind ganz nett. „Goodbye Hooray“ gehört ebenfalls zu den schnelleren Songs und wird ohne Umschweife auf den Punkt gebracht. Erinnert irgendwie an das völlig unterschätzte „One Hot Minute“ - gerade auch aufgrund der flirrenden Gitarre.

 

„Happiness Loves Company“ beginnt mit einem Piano und könnte auch ein Westernsaloonstück für den nächsten Tarantino Film sein. Auch, wenn das Ding extrem eingängig ist, kann man dazu sicher auch tanzen und der Refrain ist schon extrem stark. Die melancholische Grundstimmung der Ballade „Police Station“ passt mit dem düsteren Auftakt zu den Abendstunden des Sommers. Das Pianospiel ist allerdings auch etwas zu seicht. „Even You Brutus“ wirft die Frage auf, warum die Band nicht öfters mal einen solchen Knaller auf der Platte platziert hat?! Zwar fällt der Refrain ins alte Muster zurück, aber die gerufenen Strophen haben schon was. Die Band groovt sich hier gut ein und auch dieses Stück erinnert hin und wieder an die Funkvergangenheit. „Meet Me At The Corner“ ist eine weitere – extrem langweilige – Ballade. Der Schmalz trieft und trieft, dass man darauf schon ausrutscht. Mit „Dance, Dance Dance“ hat sich die Band den stärksten Song ausgerechnet bis zum Schluss aufgehoben. Das Stück verbreitet ein karibisches Flair und der Titel ist Programm. Die Begeisterung kann aber auch daher rühren, dass der Rest der Platte teilweise recht langweilig daher kommt.

 

Fazit: Ein wirkliches Fazit braucht noch ein paar mehr Durchgänge. Es zeichnet sich allerdings ab, dass die Band mit sich im Reinen ist und ein Album irgendwo „in the middle of the road“ aufgenommen hat. Der ruhigen und schnarchigen Nummern scheinen zu überwiegen und wer die letzte Platte in sein Herz geschlossen hat, wird auch von „I´m With You“ nicht verschreckt werden. Die Red Hot Chili Peppers sind kein Haufen von ziellosen Jugendlichen, sondern Musiker, denen keiner mehr ein X vor ein U macht. Ein bisschen mehr Druck auf dem Kessel hätte der Platte allerdings ganz gut getan. Warten wir ab, wie sich das Ding noch weiter entwickelt, denn es gibt sehr viele kleine Details, die man sich erst noch erarbeiten muss. Schöner hören kann man sich „I´m With You“ garantiert. Ob dies allerdings ein Kompliment ist?

 

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Text: Torsten Schlimbach

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