Ray Charles: King Of Cool – The Genius Of (Box-Set)

Ray Charles: King Of Cool – The Genius Of (Box-Set)

Rhino/Warner

VÖ: 06.06.2014

 

Wertung: 9/12

 

Ray Charles zählt zu den ganz Großen. Es ist wohl unumstritten, dass der Mann im Musikgeschäft eine Ausnahmestellung einnimmt. Es gab und gibt kaum einen anderen Künstler, der ihm das Wasser reichen kann. Er hat über sechs Jahrzehnte durch seine Musik die Welt zu einem besseren Ort gemacht und unzählige seiner Kollegen beeinflusst. Ray Charles war Songwriter, Sänger, Pianist und Arrangeur und zudem hat er so ziemlich jede Auszeichnung auf sein Kaminsims stellen dürfen, die in diesem Business eben verliehen wird. 2004 verstarb der Mann aus Georgia und anlässlich seinen zehnten Todestages erscheint nun eine bis zum Anschlag gefüllte Box. Auf drei CDs verteilen sich 73 Aufnahmen. Man kriegt hier also reichlich Gelegenheit in die Welt von Ray Charles einzutauchen!

 

Sind wir mal ehrlich, es gibt unzählige Tonträger von und über Ray Charles. Viele sind von eher zweifelhafter Qualität und die vielen Zusammenstellungen – egal ob illegal oder legal – werden der Musik und Ray Charles in keinster Weise gerecht. Manches kommt über Bootlegqualität nicht hinaus. Wie immer geht es da um den schnöden Mammon und den Leuten soll ihr sauer verdientes Geld aus der Tasche gezogen werden. Eine „Best Of“ von Ray Charles kann man ja immer mal im Schrank stehen haben. Ganz anders geht man selbstverständlich im Hause Rhino zu Werke. Es ist ja bekannt, dass dort Musikliebhaber so manchen Schatz zu Tage gefördert und auf sehr liebevolle Art und Weise die eine oder andere Zusammenstellung unter die Leute gebracht haben. „King Of Cool – The Genius Of Ray Charles“ ist so eine Veröffentlichung. Allerdings muss man deutliche Abstriche bei der Aufmachung hinnehmen. Das Booklet enthält die Trackliste mit den dazugehörigen Songschreibern und das Jahr der Veröffentlichung – das war es. Da hat man von Rhino durchaus schon mehr geboten bekommen. Die ganze Sause schlägt allerdings auch nur mit knapp 20 Euro zu Buche und somit gibt es da auch nicht viel zu meckern, denn letztlich zählt die Musik und die ist natürlich schlichtweg brillant und essenziell!

 

Das Box-Set konzentriert sich auf die alten Aufnahmen von Charles aus den 50ern Jahren und einige wenige Veröffentlichungen der 60er! Die Qualität ist dabei zwar hin und wieder etwas schwankend, aber das Gesamtbild ist sehr positiv. Mit „Mess Around“ geht es recht schmissig los, bevor „I´v Got A Woman“ schon ganz dick unterstreicht, dass Charles ein Ausnahmetalent war – besonders auch in gesanglicher Hinsicht. Da ist er doch, der gute alte Rock and Roll der alten Schule. „Sinner´s Prayer“ hingegen, getrieben von einem wundervollen Pianopart, stapft durch die Sümpfe. Ja, Ray Charles hat den Blues und wie er die Nummer von Lloyd Glenn und Lowell Fulson interpretiert ist unvergleichlich. „Jumpin´ In The Mornin´“ hetzt sich durch die etwas mehr als zweieinhalb Minuten im Big Band-Rocksound, während „Don´t You Know“ stimmlich mehr als andeutet, dass der Mann den Soul völlig neu definieren wird. Und gesanglich ist „I Wonder Who“ ein Gospelstück, welches einem eine dicke Gänsepelle beschert. „I Got A Break Bay“ schwenkt mühelos zum Jazz hinüber. Schubladendenken war für Charles schlichtweg nicht vorhanden. Er hat sich in allen Genres wohlgefühlt und teilweise auch miteinander kombiniert. Ray Charles hat Crossover - viele Jahrzehnte bevor das Wort überhaupt erfunden wurde – gemacht und dies auf sehr beeindruckende Art und Weise. Und wie er „I Got A Break“ intoniert kann man nicht lernen. Auch die Phrasierung bei „Losing Hand“ ist traumwandlerisch sicher. Langsam schleppt sich die Nummer durch Georgia und Charles singt diese mit derart viel Gefühl, dass einem Hören und Sehen vergeht! Selbiges lässt sich übrigens auch problemlos auf sein Pianospiel übertragen. „Dawn Ray“ unterstreicht dies sehr beeindruckend und nachhaltig. Jazz der Extraklasse – nicht mehr und nicht weniger!

 

Wie leichtfüßig er sich durch „Hallelujah I Lover Her So“ swingt hat schon Klasse! Die Ballade „Georgia On My Mind“ ist mittlerweile ein Klassiker der Musikgeschichte. Ein wunderschönes Stück. „Lonely Avenue“ groovt und stampft sich durch die Wüste, während Ray Charles sehr schön seinen Gesang variiert. Selbst dem traditionellen „My Bonnie“ konnte der Mann die Würde zurückgeben, die der Songs längst verloren hatte – so schien es jedenfalls. Selbstverständlich ist diese Zusammenstellung auch eine Ansammlung von Hits. „Blackjack“ zählt sicher noch nicht zu den bekanntesten Songs, dabei ist dieses kleine Bluesmonster derart formvollendet, dass man das gute Stück sogar als Referenz für dieses Genre benennen könnte. „Unchained My Heart“ ist leider durch den Schreihals Joe Cocker ziemlich verunstaltet worden. Ray Charles hat die Nummer wesentlich dezenter arrangiert und eingesungen. „I Had A Dream“ steht auf den Grundfesten des Soul, während „Bag´s Guitar Blues“ mehr als sechs Minuten den Jazz hoch- und runterzitiert. Das unverwüstliche „What´d I Say“ liegt in einer soundtechnisch ganz passablen Version auf dem zweiten Silberling vor. Ohne Zweifel eine der großen Nummern von Ray Charles.

 

Und weil das Ding zum Kulturgut der Menschheit gehört, beginnt die letzte CD auch mit „What´d I Say I & II“ in der Stereo Version. „Hit The Road Jack“ gehört dabei ebenso zu den herausragenden Tracks dieser unvergleichlichen Karriere. „A Fool For You“ kann einen auch nach all den Jahren immer noch berühren und „Let The Good Times Roll“ gehört einfach in jede Sammlung, die Version von Ray Charles ist da bevorzugt zu behandeln. „I Believe My Soul“ bedient sich ein bisschen bei den Altvorderen des Soul, Gospel und Blues, aber mit einer Grandezza, dass es eine Freude ist. Ray Charles hat vieles auch einfach aus einem Bauchgefühl heraus gespielt, aber wie er den Gesang und sein Pianospiel bei „You Won´t Let Me Go“ kombiniert ist schon die ganz große Kunst der Musik. Die Streicher sind allerdings zu kitschig und das driftet dann auch in den Easy Listening Bereich ab. Selbiges gilt auch für „Just For A Thrill“. Filmmusik der 50er kommt einem da in den Sinn. Bei „Am I Blue“ passt der süßliche Unterbau ganz gut. Und dann diese Stimme! Gibt es kein zweites Mal! Drei ganz besondere Schmankerl gibt es zum Schluss. „Sinner´s Prayer“ stammt von Rehearsals mit Ahmet Ertegun aus dem Jahre 53! Ray Charles singt, als wäre der Teufel hinter seiner Seele her. Grandios! „Tell Me How Do You Feel“ stammt aus einer Aufnahmesession von 58 und wird mit einer Leichtigkeit derart behände gespielt, dass man zunächst überhaupt nicht die vertrackten Rhythmen bemerkt. „„Let The Good Times Roll“ & Dialog“ ist in dieser Form auch noch recht unbekannt. Charles wurde gefragt, ob er die Nummer nicht für „The Genius Of Ray Charles“ aufnehmen wolle. Diese drei letzten Songs des Sets wurden zwar schon 2005 veröffentlicht, dürften aber nur eingefleischten Fans bekannt sein. Mit diesem Box-Set wird sich das nun ändern. Wäre ja auch zu schade gewesen, wenn diese Raritäten unentdeckt bleiben würden!

 

Fazit: „King Of Cool – The Genius Of“ bildet nur einen kleinen Teil des umfangreichen Schaffens und der Karriere von Ray Charles ab. Immerhin beschränkt man sich da auf eine sehr gehaltvolle und produktive Phase. Man sollte vorsichtig mit dem Wörtchen Genie sein, aber auf Ray Charles trifft dies wohl ohne Umschweife zu. Wie er die verschiedenen Musikstile von Blues über Jazz bis hin zum Soul und Rock and Roll mischt und vereint ist schlichtweg bravourös. Hinzukommt, dass der Mann mit einer unvergleichlichen Stimme gesegnet war. Sein Pianospiel setzte sowieso Maßstäbe. Warum Ray Charles für viele Künstler Inspiration war und ist, kann man auf diesen drei CDs noch mal wunderbar nachvollziehen. Wer da noch eine Lücke in seiner Sammlung klaffen hat, kann diese nun für relativ kleines Geld schließen!

 

http://www.raycharles.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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