Ramones: dito 40th Anniversary Edition

Ramones: dito 40th Anniversary Edition

Rhino/Warner

VÖ: 09.09.2016

 

Wertung: 12/12

Tipp!

 

Es gibt Alben, die gehören eigentlich in jeden Haushalt. Der einzige Grund, der dagegen sprechen könnte: man hat Musik komplett aus seinem Leben verbannt. Jetzt musste ich aber dann schmerzhaft lernen, dass es tatsächlich Menschen jenseits der 50 gibt, die von den Ramones noch nie etwas gehört haben. Freilich wird es viele geben, die nicht einen Songtitel nennen können. Aber wie schafft man es denn bitte nie etwas von der Existenz einer der wichtigsten Bands des Punkrock mitzubekommen? Den ikonischen Schriftzug, der Millionen T-Shirts ziert und die bei den schwedischen Klamottenvertreibern verramscht werden, nicht zu kennen? Das Covermotiv des Debüts ist ja nun ebenfalls als ikonisch zu betrachten. Wie hat man das über die Jahrzehnte ausgeblendet? Dann aber die Heulboje James Blunt auf dem Schirm haben – die Welt ist einfach ein großes Scheißhaus. Gut, dass das Debüt der Ramones nun als 40th Anniversary Edition – in der Deluxe Variante mit jede Menge Bonusmaterial – erneut veröffentlicht wird.

 

Als das Debüt der New Yorker am 23. April 1976 veröffentlicht wurde, ändert sich zunächst nicht viel. Die Kritiken waren miserabel und den Ramones schlug sogar offen Ablehnung und Verachtung entgegen. Man reagierte mit einigem Unverständnis auf die schnellen, minimalistischen und rohen Songs. Progrock war der Musikstil der Stunde, da konnte man mit diesen rotzigen Garagenkids recht wenig anfangen. Die vielen Live-Auftritte im CBGB vorab überzeugten aber das Label. Das Hitpotenzial wurde erkannt und so gab man den Jungspunden die Chance das auch im Studio zu zeigen. Als Vorschuss gab es 20.000 US $. Craig Leon wurde als Produzent herangekarrt, während Drummer Tommy Ramone zusätzlich noch als Produktionsassistent fungierte. Mittlerweile kriegt das Album überall die Anerkennung, die es verdient hat. Über die Jahre sollte es aber für die Ramones dabei bleiben, dass mehr Leute mit ihrem Schriftzug auf dem T-Shirt herumliefen, denn Platten kauften. Ein Schicksal, welches sie mit den Kollegen von Motörhead teilten. Beide Bands sind mittlerweile Kult.

 

Das Album „Ramones“ entstand in 17 Tagen! Die Songs wurden in chronologischer Reihenfolge, wie sie geschrieben wurden, aufgenommen. Letztlich wurde das fein säuberlich getrennt, so wie man es beispielsweise von den Beatles kannte: Bass auf dem einen Kanal, Gitarre auf dem anderen und Gesang und Drums in die Mitte gemischt. Für das Album wurden aber durchaus schon Overdubs eingesetzt. Dem rastlosen Joey Ramone dauerte das aber anscheinend zu lang und er war sich sicher, dass die Aufnahmen seinerzeit nicht gut laufen würden – so zumindest die Legende. Ein Klassiker wurde damals geboren.

 

Das Covermotiv von Roberta Bayley ist eines der bekanntesten der Rockgeschichte. Ikonisch eben. Die Fotografin bekam dafür von der Plattenfirma übrigens etwas mehr als läppische 100 $. Das Leben ist eben oftmals doch nicht gerecht.

 

Vierzehn Songs, die nicht mal auf eine Spielzeit von einer halben Stunde kommen – das war in den 70ern schon ein Brett. Das Fehlen jeglicher Solos stellte so manchen Kritiker – und wohl auch Hörer – vor eine echte Herausforderung. Mittlerweile feiert diese Platte den 40zigsten Geburtstag und hat unzählige Bands beeinflusst und inspiriert. Die Party, die nun abgerissen wird, kann sich sehen und hören lassen: Die 3CD/1Vinyl-Box ist auf 19.760 individuell nummerierte Exemplare limitiert und enthält eine im Remastering optimierte Stereo-Version sowie einen akribisch nachempfundenen Mono-Mix des Albums. Außerdem gibt es jede Menge Raritäten, bisher unveröffentlichte Demos und eine unveröffentlichte Live-Show. All das wurde produziert, gemischt und gemastert von Craig Leon, dem ursprünglichen Produzenten des Albums.

 

Der Opener „Blitzkrieg Bop“, der damals für einige Kontroversen sorgte, hat für den allseits bekannten Schlachtruf „Hey ho, let’s go!“ gesorgt, der zu einer Art Erkennungszeichen der Band, aber auch der Fans wurde. Schnell, rotzig und roh und doch ist das Stück im 4/4 Takt derart eingängig, dass es ein veritabler Ohrwurm ist. „Beat On The Brat“ wurde schon mehrfach gecovert, auch von U2. Die Iren nennen die Ramones ja sowieso gerne als Einfluss. Joey Ramone wurde zu dieser Nummer übrigens durch ungezogene Kinder inspiriert, die er seinerzeit gerne mit dem Baseballschläger bearbeitet hätte. „Judy Is A Punk“ ist einer der ersten Songs, der den Begriff „Punk“ enthält. Es ist das schnellste und kürzestes Stück auf dem Album. Natürlich hochmelodisch. Dafür ist das romantische „I Wanna Be Boyfriend“ das langsamste des gesamten Debüts. Ob sich die Einstürzenden Neubauten wohl von „Chainsaw“ inspirieren ließen? Zumindest bietet der Song mit der Kreissäge zu Beginn die besten Voraussetzungen dafür.

 

„Now I Wanna Sniff Some Glue“ hat kaum Text, passt also zu der Thematik der jugendlichen Langweile. Dafür brettert das Ding ordentlich durch die Prärie. „I Don’t Wanna Go Down to the Basement“ mit drei Akkorden pflügt ebenfalls alles um – ist zudem das längste Stück der Platte. Dagegen ist „Loudmouth“ mit sechs Akkorden ja schon als komplex zu bezeichnen. Die Perkussions von „Havana-Affair“ kommen in dieser überarbeiteten Version richtig zur Geltung. „Listen To My Heart“ lebt dafür im Bassgewand auf. „53rd & 3rd“ ist eine Komposition von Dee Dee Ramone über einen Stricher. Er singt zudem die Strophe über den Mord. Ob das Stück autobiografisch ist? Darüber gibt es geteilte Meinungen. „Let´s Dance“ ist eine Coverversion des Christ Montez Liedes, welches in den 60ern zu einer Art Klassiker avancierte. Die Ramones spielen das natürlich um einiges schneller. „I Don´t Wanna Walk Around“ wurde angeblich bei der allerersten Probe von allen Bandmitgliedern geschrieben. Insofern wäre das durchaus als historisch zu betrachten. „Today Your Love, Tomorrow the World“ spielt mit satirischen Bezügen zum Nationalsozialismus. Dee Dee Ramone wuchs ja auch in Deutschland auf. Joey Ramone hatte keine Probleme den Text zu singen, was ja nun auch auf Satire schließen ließ, denn der gute Joey war Jude. Trotzdem wurde die Nummer oftmals sehr kontrovers diskutiert.

 

Fazit: Das Debüt der Ramones ist eines der wegweisenden Alben der Musikgeschichte. Man kann sicher darüber streiten, ob dies die Initialzündung des Punk war. Wichtig war dieses Werk auf jeden Fall. Unzählige Bands wurden davon beeinflusst – von Metallica bis U2. Jetzt feiert dieses Werk den 40igsten Geburtstag! Die Stereo-Version des Original Album klingt schon schick. In der Deluxe Edition gibt es jede Menge Bonsumaterial – auch für den Fan. Dieses Werk gehört in jeden Haushalt! Punkt! Ende! Aus!


http://www.ramones.com
https://www.facebook.com/theramones
https://twitter.com/RamonesOfficial
https://de.wikipedia.org/wiki/Ramones
http://warnermusic.de

 

Text: Torsten Schlimbach


RAMONES: 40th ANNIVERSARY DELUXE EDITION
Track Listing

Disc One: Original AlbumStereo Version
01. “Blitzkrieg Bop”
02. “Beat On The Brat”
03. “Judy Is A Punk”
04. “I Wanna Be Your Boyfriend”
05. “Chain Saw”
06. “Now I Wanna Sniff Some Glue”
07. “I Don’t Wanna Go Down To The Basement”
08. “Loudmouth”
09. “Havana Affair”
10. “Listen To My Heart”
11. “53rd & 3rd"
12. “Let’s Dance”
13. “I Don’t Wanna Walk Around With You”
14. “Today Your Love, Tomorrow The World”


40th Anniversary Mono Mix
15. “Blitzkrieg Bop”*
16. “Beat On The Brat”*
17. “Judy Is A Punk”*
18. “I Wanna Be Your Boyfriend”*
19. “Chain Saw”*
20. “Now I Wanna Sniff Some Glue”*
21. “I Don’t Wanna Go Down To The Basement”*
22. “Loudmouth”*
23. “Havana Affair”*
24. “Listen To My Heart”*
25. “53rd & 3rd"*
26. “Let’s Dance”*
27. “I Don’t Wanna Walk Around With You”*
28. “Today Your Love, Tomorrow The World”*


Disc Two: Single Mixes, Outtakes, and Demos
01. “Blitzkrieg Bop” (Original Stereo Single Version)
02. “Blitzkrieg Bop” (Original Mono Single Version)
03. “I Wanna Be Your Boyfriend” (Original Stereo Single Version)
04. “I Wanna Be Your Boyfriend” (Original Mono Single Version)
05. “Today Your Love, Tomorrow The World” (Original Uncensored Vocals)*
06. “I Don’t Care” (Demo)
07. “53rd & 3rd" (Demo)*
08. “Loudmouth” (Demo)*
09. “Chain Saw” (Demo)*
10 “You Never Should Have Opened That Door” (Demo)
11. “I Wanna Be Your Boyfriend” (Demo)*
12. “I Can’t Be” (Demo)
13. “Today Your Love, Tomorrow The World” (Demo)*
14. “I Don’t Wanna Walk Around With You” (Demo)*
15. “Now I Wanna Sniff Some Glue” (Demo)
16. “I Don’t Wanna Be Learned/I Don’t Wanna Be Tamed” (Demo)
17. “You’re Gonna Kill That Girl” (Demo)*
18. “What’s Your Name” (Demo)


Disc Three: Live at The Roxy (8/12/76)
Set One
01. “Loudmouth”
02. “Beat On The Brat”
03. “Blitzkrieg Bop”
04. “I Remember You”
05. “Glad To See You Go”
06. “Chain Saw”
07. “53rd & 3rd"
08. “I Wanna Be Your Boyfriend”
09. “Havana Affair”
10. “Listen To My Heart”
11. “California Sun”
12. “Judy Is A Punk”
13. “I Don’t Wanna Walk Around With You”
14. “Today Your Love, Tomorrow The World”
15. “Now I Wanna Sniff Some Glue”
16. “Let’s Dance”

Set Two
17. “Loudmouth”*
18. “Beat On The Brat”*
19. “Blitzkrieg Bop”*
20. “I Remember You”*
21. “Glad To See You Go”*
22. “Chain Saw”*
23. “53rd & 3rd"*
24. “I Wanna Be Your Boyfriend”*
25. “Havana Affair”*
26. “Listen To My Heart”*
27. “California Sun”*
28. “Judy Is A Punk”*
29. “I Don’t Wanna Walk Around With You”*
30. “Today Your Love, Tomorrow The World”*
31. “Now I Wanna Sniff Some Glue”*
32. “Let’s Dance”*


40th Anniversary Mono Mix
LP Track Listing
01. “Blitzkrieg Bop”*
02. “Beat On The Brat”*
03. “Judy Is A Punk”*
04. “I Wanna Be Your Boyfriend”*
05. “Chain Saw”*
06. “Now I Wanna Sniff Some Glue”*
07. “I Don’t Wanna Go Down To The Basement”*
08. “Loudmouth”*
09. “Havana Affair”*
10. “Listen To My Heart”*
11. “53rd & 3rd*
12. “Let’s Dance”*
13. “I Don’t Wanna Walk Around With You”*
14.
“Today Your Love, Tomorrow The World”*

*bisher unveröffentlicht.

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