Rage Against the Machine: XX - 20th Anniversary Edition (2CDs/DVD)

Rage Against The Machine: XX - 20th Anniversary Edition (2CDs/DVD)

Sony/Legacy

VÖ: 23.11.2012

 

Wertung: 12/12

Tipp!

 

Vor zwanzig Jahren tauchte plötzlich eine Band wie aus dem Nichts auf und pfefferte einem ein Album um die Ohren, wie man es noch nie gehört hatte. Rage Against The Machine waren die radikalste Band der aufkeimenden Alternativbewegung. In jeglicher Hinsicht gaben sich die vier Charakterköpfe kompromisslos. Zwar gingen sie einen Deal mit einem Majorlabel ein, aber ein Glaubwürdigkeitsproblem, wie bei so vielen anderen, gab es nie. Ohne Unterlass setzte sich der Vierer für die Ausgestoßenen der Gesellschaft ein, zeigte in politisch und sozialkritisch orientierten Texten den Mächtigen in Politik und Wirtschaft der Welt den Mittelfinger und unterstützte natürlich die außerparlamentarische Opposition. Die Textzeile „Fuck you, I won't do what you tell me“ aus „Killing In The Name“ avancierte dabei zu einem Slogan einer ganzen Generation. Neben „Here we are now, entertain us“ von Nirvana sicher einer der prägendsten Textzeilen der 90er!

 

Jetzt wird das Debütalbum noch mal veröffentlicht und wie es sich für eine Geburtstagsparty gehört, gibt es jede Menge Geschenke dazu! Die Aufmachung im großformatigen Digipack macht optisch schon alleine recht viel her. Das Cover auf dem der vietnamesische Mönch Thích Quảng Đức zu sehen ist, der sich 1963 in Saigon aus Protest gegen die Politik der Regierung verbrannte, kriegt jetzt noch mal eine ganz andere und bedrückende Wirkung. Das Foto wirkt derart real, dass man einen Kloß im Hals hat. Die Aussagekraft dahinter wird einem noch mal schmerzlich bewusst!

 

Auch das Innenleben kann größtenteils überzeugen. Als negativ sind höchstens die Halterungen der drei Silberlinge zu werten. Da bedarf es schon einiges an Fingerspitzengefühl, dass man die Verpackung beim Herausnehmen nicht beschädigt. Das hätte man sicher noch etwas sinnvoller lösen können, denn es wäre schon sehr ärgerlich, wenn einem das feine Teil durch einen Riss auseinanderfällt. Neben einem Bandfoto (S/W) mit den abgedruckten Danksagungen der einzelnen Mitglieder auf der Rückseite, kann besonders das Booklet überzeugen. Die umfangreichen Liner Notes hat übrigens Chuck D verfasst. Wie es zu dem Coverfoto kam, wird ebenfalls sehr eindringlich beschrieben. Dazu runden einige Fotos, die Songtexte und natürlich alle Informationen zu den Tracks und den 3 Discs die Kiste sehr schön ab. Die Gestaltung ist bis auf den Makel mit den Halterungen sehr liebevoll und detailverliebt! Feine Sache!

 

Das Album hat hoffentlich jeder Rockfan sowieso schon im Schrank stehen. Mittlerweile ist diese Platte ein Klassiker und entpuppt sich als überraschend zeitlos. Die Crossover-Welle brachte ja so manches obskure Zeug hervor und bei nicht wenigen Alben kann man heute nur noch den Kopf schütteln. Auf „Rage Against The Machine“ trifft dies in keinster Weise zu. Abgesehen davon ist das leider auch inhaltlich immer noch erschreckend aktuell.

 

Die erste CD enthält das Album, welches neu geremastert wurde. Die Rhythmusfraktion Tim Commerford und Brad Wilk verbreitet so noch mehr Dynamik und im Zusammenspiel mit dem Gefrickel von Tom Morello und den wütenden Raps und dem Stakkatogesang von Zack De La Rocha wirkt das wie ein gepflegter Tritt mitten in die Fresse. „Bombtrack“ fräst sich zu Beginn derart in die Ohren, dass man nicht mehr weiß wo oben und unten ist. Das Geschrei bei „Freedom“ und „Wake Up“ lässt einem immer noch das Blut in den Adern gefrieren und wenn De La Rocha bei „Bullet In The Head“ zum finalen Abgesang ansetzt, dann stellen sich immer noch sämtliche Körperhaare ins Achtung. Diese zehn Songs besitzen immer noch eine Kraft, dass es schier unglaublich ist. Rock, Metal, Hip Hop, Funk sowie Elemente des Punk und Jazz ergeben auch heute noch einen aufregenden Mix. Die Riffs von Morello sind auch 2012 noch revolutionär. Andere benötigen dafür eine ganze Computer-Armada. Die Zeile „They say jump, you say how high" hat in unserer Medienwelt sogar noch mehr an Bedeutung gewonnen. Und musikalisch gilt immer noch: „no samples, keyboards or synthesizers used in the making of this record"! Ein Meilenstein! Angereichert wird die erste CD nun noch mit den Live-B-Seiten der Singles: „Bombtrack“, „Bullet In The Head“ und „Take The Power Back“. Gerade live entwickelte die Band stets eine Kraft, die mit Worten kaum zu beschreiben ist. Wer schon mal 70.000 Menschen im Kollektiv dazu springen gesehen hat, weiß wovon die Rede ist.

 

Die zweite CD beinhaltet die „Original Demos“ von 1991. Hier kann man noch mal auf wundervolle Art und Weise die Entwicklung zu dem Debüt nachvollziehen. „Auto Logic“ orientiert sich beispielsweise noch sehr stark am Funkgefrickel der Red Hot Chili Peppers. „The Narrows“ ist gar eine Vorgängerversion von „Take The Power Back“. „Bombtrack“ wird hier noch langsamer gespielt und hat derart viel Hall im Gepäck, dass es sich anhört, als hätten sie das auf dem Lokus aufgenommen. Die Demoversion von „Take The Power Back“ ist schon sehr stark an der Endversion angelehnt, lediglich nicht bis zum Ende produziert. Selbiges gilt auch für „Bullet In The Head“. Als stark entpuppt sich „Darkness Of Greed“ mit einem hohen Jazzfrickelanteil. „Clear The Lane“ ist durchaus interessant und auch bei dieser Nummer bastelt Morello wieder derart herum, dass einem die Kinnlade auf den Tisch klappt. „Windset´s A Threat“ lugt gar ein bisschen zum Dub und Reggae rüber. Alles in allem sind diese zwölf Demosongs eine feine Sache und lassen den geneigten Zuhörer ein Stückchen am Arbeits- und Entwicklungsprozess teilhaben!

 

Die DVD setzt sich aus den Videos und Live-Clips zusammen. Mit dem grobkörnigen Video zu „Killing In The Name“ von 92, welches aus Livesequenezen besteht, ist wohl alles gesagt. Was diese Band ausmacht, gibt es hier zu sehen. Fast! Den politischen Teil gibt es nämlich bei „Bombtrack“ und das Video zu „Freedom“ setzt beides optisch noch mal entsprechend um. Die drei Livetracks sind in Anbetracht der gefilmten Umstände und für das Alter technisch in Ordnung – Blu-ray-Standard gibt es sicher nicht. Konnte man auch nicht erwarten, dafür bringen „Take The Power Back“, „Bombtrack“ und „Wake Up“ (Achtung – Bootlegcharakter!) die unbändige Kraft, die von dieser Band bei Konzerten ausgeht, sehr gut rüber!

 

Fazit: Das Debütalbum von Rage Against The Machine darf mit Sicherheit zu den zehn besten Alben der 90er gezählt werden. In neuem Glanz und aufpoliert erscheint nun die Jubiläumsausgabe und rückt diesen Meilenstein noch mal in ein ganz neues Licht. Die Demoaufnahmen sind höchst interessant, während die Bonus-DVD die ganze Kraft dieser Band auch optisch sehr schön eingefangen hat. Bitte bei beidem keine Wunderdinge erwarten, sie runden das Bild zu diesem außergewöhnlichen Debüt aber kongenial ab. Prädikat: besonders wertvoll!

 

http://www.ratm.com/rage20/

 

Text: Torsten Schlimbach

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