Queen: On Air – The Complete BBC Radio Sessions

Queen: On Air – The Complete BBC Radio Sessions

Virgin/Universal

VÖ: 04.11.2016

 

Wertung: 8,5/12

 

Früher war ganz sicher nicht alles besser, aber im Musikgeschäft hatten Bands noch genug Raum sich zu entfalten und auch mal ungewöhnliche Weg zu gehen. Es klang nicht alles gleich, damals durften neue Künstler sich ausprobieren und ihre Kreativität sprudeln lassen. Ein guter Ort dafür war die BBC. Von vielen großen Kapellen und namhaften Musikern liegen sehr viele Radiosessions in exzellenter Qualität vor. Auch Queen nahmen derer zwischen Februar 1973 und Oktober 1977 sechs Stück auf. Nun erscheint ein Doppel-Alben dieser BBC Sessions. Dies bedeutet auch, dass das die erste Veröffentlichung ist, die alle Aufnahmen beinhaltet.

 

Der Sound von „On Air“ ist erstklassig. Man könnte glatt den Eindruck gewinnen, dass Queen bei einem im Wohnzimmer sitzen und spielen. Dafür ist der Toningenieur Kris Frederiksson verantwortlich, der die Aufnahmen mit sehr viel Liebe restauriert hat. Das Mastering hat der Grammy Award Gewinner Adam Ayan übernommen. Neben dem 2CD-Set und der 3LP-Vinyl Edition wird selbstverständlich auch die heutzutage obligatorische Deluxe Version veröffentlicht. Dieses Set besteht aus 6 Discs, inklusive einer CD mit Livesendungen und drei CDs mit Radiointerviews. Das braucht dann aber wirklich nur der Hardcorefan und Komplettist.

 

Optisch soll da natürlich auch ein wenig der Inhalt und das Thema angesprochen werden. Digipack und Booklet sind zudem in unschuldigem Weiß gehalten. Die rudimentären Informationen zu den Songs gibt es - sowie einige Fotos jener Zeit - zwar im Innenteil, aber ein paar Worte zu den einzelnen Sessions oder Liner Notes wären auch ganz nett gewesen. So wirkt das in dieser Hinsicht eher lustlos zusammengeschustert.

 

Die Musik ist selbstverständlich über jeden Zweifel erhaben. Hier kann man einer Band hautnah bei ihrer Entwicklung zuhören. Glücklicherweise hat man die Sessions chronologisch angeordnet, wodurch dieser Eindruck dann noch zusätzlich verstärkt wird. Mit „My Fairy King“ wird die Sause irgendwo zwischen Musical und Prog-Anleihen ziemlich nervig eröffnet. Die Gitarre von May sorgt aber auch schon hier für den Trademark-Sound. Mit dem bassgetriebenen „Keep Yourself Alive“ geht es dann aber mit ordentlich Drive in die Vollen. „Doing All Right“ ist vielfältig ausgearbeitet und reicht von Klassik bis zur wilden Raserei mit May an der Gitarre. Das Tempo wird sehr schön variiert. Der Sound ist auch hier zum Niederknien.

 

Natürlich wiederholen sich die einzelnen Songs. „Liar“ wurde in der ersten und zweiten Session erstaunlicherweise exakt gleich gespielt. Selbst die Songlänge haut hin. Während bei der dritten Session „Son And Daughter“ noch weiter verfeinert wurde. Hier ist allerdings der Klang nicht mehr so brillant. „Modern Times Rock´n´Roll“ rockt in allen Versionen. Die Ballade „White Queen (As It Began)“ aus der vierten Session wird – egal wie man zu Mercury steht – brillant gesungen. Trotz aller Thetralik gefällt der erdige Klang. Im krassen Gegensatz dazu steht das Hardrockbrett „Stone Cold Crazy“. „We Will Rock You“ aus der letzten Session liegt gleich zwei Mal vor – allerdings in völlig unterschiedlichen Versionen. Letztere ist ja fast nicht zu erkennen. Kommt gut. Das schlagerhafte „Spread Your Wings“ und das nervige Experiment „It´s Late“ nimmt man dann auch schon mal gerne in Kauf. „My Melancholy Blues“ langweilt zum Schluss leider als Rausschmeißer.

 

Fazit: „On Air – The Complete BBC Radio Sessions“ beinhaltet alle Sessions, die Queen für die BBC gespielt haben. Der ganze Pomp und Bombast der späteren Jahre ist da noch nicht so ausgeprägt, dafür hört man einer Band beim Wachsen zu. Die Anlagen und Fähigkeiten sind schon alle vorhanden. Manchmal ist das recht ungestüm, dann wiederum sehr filigran ausgearbeitet. Für Fans ist das ein absoluter Pflichtkauf. Wer wissen möchte, wie eine der größten Stadionbands der 80er in den 70ern klang, sollte mal ein Ohr riskieren.

 

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Text: Torsten Schlimbach

Queen: A Night at the Opera (Limited Black Vinyl)

Queen: A Night At The Opera (Limited Black Vinyl)

Universal

VÖ: 25.09.2015

 

Wertung: 12/12

Tipp!

 

Im Zuge des weltweiten Vinyl-Revivals wird von vielen Bands der ganze Backkatalog noch mal neu aufgelegt. Nun hat man sich auch dazu entschlossen, von Queen alles noch mal unter die Leute zu bringen. Es wird da gleich das ganz große Rad gedreht und mit der ultimativen LP-Box kriegt man dann auch 15 Alben auf 18 Platten geliefert. Ein gebundenes Buch mit Fotos und Geschichten zu den einzelnen Alben rundet das wohl sehr schön ab. Billig ist die Geschichte allerdings nicht, denn das Gesamtpaket schlägt mit fast 400(!) Euro zu Buche. Guckt man sich den Gegenwert an, dann erhält man aber auch eine ganze Menge als Gegenleistung dafür, die dann den Preis schon wieder rechtfertigt. Für Queen-Fans ist das selbstverständlich ein Pflichtkauf!

 

Insgesamt zogen sich die Arbeiten an dieser Box über einen Zeitraum von fünf Jahren! Während der ganzen Zeit war das Produzententeam der Band in allen Phasen des akribisch durchgeführten Masteringprozesses involviert. Im ersten Schritt wurden die vorhandenen Bänder gesichtet und die korrekten Versionen mit dem besten Quellmaterial für alle Tracks herausgesucht. In akribischer Kleinarbeit hat man alle vorhandenen Aufnahmen und Bänder verglichen, damit man das bestmögliche Ergebnis erzielt. Einige Songs konnten so noch qualitativ verbessert werden.

 

Die einzelnen Alben gibt es aber auch in limitierter Auflage einzeln zu kaufen. An dieser Stelle wurde „A Night At The Opera“ zur Verfügung gestellt. Die Haptik lässt wohl kaum Wünsche offen und dürfte für Begeisterung sorgen. Einzeln in einer Schutzfolie verpackt stecken die Platten nicht im Original-Insert. Die Kunststoffhülle ist zudem antistatisch. Auch die dicke Platte (180g) macht nicht nur optisch einen sehr guten Eindruck. Kein Knacken, kein Knarzen. Das läuft schon sehr ruhig auf dem Teller. Die größte Überraschung ist aber der Klang. Hierbei geht es nicht um die Glaubensfrage, ob nun Vinyl das Nonplusultra ist oder nicht. „A Night At The Opera“ hat – zumindest im direkten Vergleich zur vorliegenden CD – noch nie so satt, warm, druckvoll und ausgewogen geklungen. Das von den Originalbändern in halfspeed gepresste Vinyl offenbart da teilweise ganz neue Klangebenen. Auch, wenn die Songs bekannt sind, hat man teilweise das Gefühl, dass man diese völlig neu entdeckt und erlebt. Das Hörerlebnis ist schon gänzlich anders! Der Bass war noch nie so klar zu hören. Mitunter hat man das Gefühl hier Gitarrenfills zu entdecken, die man bisher noch nicht gehört hat. Der Gesang ist gar gottgleich und die Drums scheinen zu schweben. Selten hat eine Vinyl-Veröffentlichung in einer remasterten Version so viel Sinn gemacht wie hier. Bravo!

 

Das eigentliche Album muss man ja hoffentlich keinem Rockfan schmackhaft machen. „A Night At The Opera“ gehört definitiv zu den Meisterwerken von Queen. Manch einer wird „Queen II“ und auch das Spätwerk „The Miracle“ nennen, aber „A Night At The Opera“ dürfte aus kompositorischer Sicht schon eine Ausnahmestellung einnehmen. An dem Album war alles groß. Alles ein bisschen drüber, aber eben auch auf seine Art und Weise herausragend. 70 Stunden für den Gesang und 180 Overdubs waren notwendig. „Bohemian Rhapsody“ strahlt hier sogar noch ein bisschen heraus. Mercury folgte seiner Version aus einem Rockstück etwas Operettenhaftes zu machen und wieder zurück zum Thema zu kommen. Eine Sternstunde von Queen. Das Album ist aber eben auch extrem vielfältig. „Death On Two Legs“ ist durchaus im Metalfach zu finden. „Lazing On A Sunday Afternoon“ ist auch wieder eine musikalische Achterbahnfahrt. Zwischen Musical und Varieté ist da alles drin. Taylor komponierte mit „I´m In Love With My Car“ ein veritables Rockstück. Dies war sowieso eine Stärke von Queen, dass sich alle Bandmitglieder als Songschreiber einbrachten. Die luftige Nummer „You´re My Best Friend“ aus der Feder von Deacon ist schon eine tolle Single. May hingegen überrascht, da er mit „39“ eben keinen Krawallrocker vom Stapel gelassen hat, sondern ein Akustikstück. „Love Of My Life“ war sowieso stets ein Eckpfeiler im Queen-Kanon. Ein Meisterwerk von einem Album!

 

Fazit: Von Queen erscheint dieser Tage eine ganz feine Vinyl-Box mit dem kompletten Backkatalog. Als Beilage gibt es noch ein dickes Buch. Fans brauchen das Gesamtwerk unbedingt, da sich der Sound teilweise eklatant verbessert hat! Das Meisterwerk „A Night At The Opera“ klang noch nie so toll! Der dynamische und warme Sound lässt einen als Hörer das Album noch mal ganz neu erleben. Die Haptik ist zudem überragend! Weltklasse und Chapeau!

 

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Text: Torsten Schlimbach

Queen: Forever (Deluxe Edition)

Queen: Forever (Deluxe Edition)

Virgin/Universal

VÖ: 07.11.2014

 

Wertung: 7,5/12

 

Die Weihnachtszeit ist definitiv angebrochen. Auch im Queen-Land hat man schon wieder etwas für den Gabentisch gezimmert. Brian May und Roger Taylor waren höchstpersönlich an „Forever“ beteiligt, was die ganze Geschichte eigentlich noch trauriger macht. Wie oft eigentlich noch? Wie viele Zusammenstellungen von Queen kann der Backkatalog eigentlich vertragen? Gut, diesmal hat man es sich zur Aufgabe gemacht die Balladen auszuwählen, die wiederum das Wachstum von Queen zeigen sollen (O-Ton May). Aha. Immerhin gibt es die obligatorischen neuen Songs und der Rest liegt dann in überarbeiteter Form vor. Beides ist natürlich die halbe Wahrheit und neu ist auf „Forever“ so gut wie nichts.

 

Die Aufmachung von „Forever“ ist durchaus gelungen. Die Deluxe Edition kommt im mittlerweile üblichen Digipack. Im Inneren gibt es dann selbstverständlich die beiden CDs, die links und rechts das mittige Bandfoto einrahmen. Dahinter verbirgt sich letztlich die Hülle für das Booklet. Überraschenderweise kann selbiges mit allen Songtexten(!) ganz fett punkten. Das hat man bei ähnlichen Veröffentlichungen schon ganz anders erlebt. Zusätzlich werden natürlich auch die jeweiligen Songschreiber oder Besonderheiten genannt. Das Booklet hat zudem noch einige Fotos am Start, die das volle Frisuren- und Kleidergrauen offenbaren. Alles in allem eine wirklich gelungene Aufmachung!

 

Der Song, der im Vorfeld dieser Veröffentlichung für ordentlich Aufmerksamkeit sorgte, ist im Grunde eine Mogelpackung. „There Must Be More To Life Than This“ ist ja nun alles andere als unveröffentlicht. Natürlich sorgt die Version von „Forever“ noch mal für einen großen Aha-Effekt, denn dies ist dann auch endlich jene, welche Mercury und Michael Jackson als Duettpartner vereint. William Orbit hat hier für den neuen Mix gesorgt. Wer den Solo-Track von Mercury kennt, wird von der jetzigen Variante nicht sonderlich überrascht sein. Der Song wurde etwas opulenter aufgepeppt, es gibt Streicher und Jackson singt zu beschwingten Klavierklängen. Im Grunde ist die Nummer so, wie man sich eben eine Zusammenarbeit von Queen und Jackson vorstellt. Das hat durchaus Hitqualitäten und wäre in früheren Zeiten im Radio rauf- und runtergespielt worden.

 

Ein weiterer neuer Song ist „Let Me In Your Heart Again“, der während der Aufnahmen zu „The Works“ erarbeitet wurde. Dies ist ein typischer Queen-Song, der alle Trademarks der Gruppe vereint. Der Musical und klassische Einschlag ist deutlich hörbar und doch groovt das Ding auch sehr amtlich und Brian May sorgt für den Rockanstrich. Giorgo Moroder hatte für den ersten Mercury Solo-Hit „Love Kills“ maßgeblichen Einfluss, die hier vorliegenden Balladenversion ist natürlich vollkommen pathetisch, passt aber zum Albumthema.

 

Der Rest von „Forever“ ist bekannt. May und Taylor haben sich aber wirklich sehr viel Mühe bei der Songauswahl gegeben und sämtlich Phasen und Alben von Queen bedacht. Für diejenigen, die sich nicht zum Hardcore-Fankreis zählen, gibt es da dann doch noch einiges an Material zu entdecken. Hier und da wurde noch etwas geschraubt und bearbeitet, sodass sich klanglich bei den 36 Songs tatsächlich ein sehr gutes und einheitliches Bild ergibt.

 

Und selbstverständlich ist da natürlich reichlich Tiefstapelei dabei, wenn May schwadroniert, dass „Forever“ keine Hitsammlung wäre. Das beschwingte „You´re My Best Friend“, die herzergreifende Ballade „Love Of My Life“ oder das bombastische „Who Wants To Live Forever“ sind genau das. „Somebody To Love“, „Friends Will Be Friends“, „It´s A Hard Life“, „Save Me“ oder „The Miracle“ schließen sich da nahtlos an.

 

Fazit: May und Taylor haben drei neue Queen-Songs ausgegraben und darum, geschäftstüchtig wie sie sind, ein Album gestrickt. So ganz neu und unbekannt sind die Tracks allerdings nicht, lediglich die Verpackung ist etwas anders und ja, Michael Jackson ist nun auch endlich zu hören. „Forever“ soll eine Balladen-Sammlung sein. Kann man so sehen, aber machen musste man diese Zusammenstellung trotzdem nicht. Man kann das mitunter als sinnvolle Ergänzung zu den „Greatest Hits“ Alben sehen, allerdings gibt es natürlich einige Überschneidungen. Letztlich sind die Songs schon sehr unterschiedlich und „Forever“ ist weit davon entfernt ein einheitliches Bild abzugeben. Klanglich ist das allerdings erste Sahne und der Sound wurde bei manchen Stücken marginal verändert und angepasst. Die Aufmachung darf auch als gelungen bezeichnet werden und doch bleibt da ein etwas fader Beigeschmack zurück!

 

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Text: Torsten Schlimbach

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Queen: Deep Cuts 3 (1984 - 1995)

Queen: Deep Cuts 3 (1984 - 1995)

Universal

VÖ: 02.09.2011

 

Wertung: 7/12

 

Auch die dritte Queen-Phase wird nun in klanglich überarbeiteter Form erneut veröffentlicht. Diese Periode spaltet immer noch die Gemüter und so mancher Fan der ersten Stunde sagte sich von der Band los. Machte aber im Grunde nichts, denn eine ganz neue Käuferschicht wurde erschlossen und kam hinzu. Am Status der Band wurde mit den letzten fünf Alben sowieso nicht mehr gekratzt. Neben den Studioplatten kommt nun auch die letzte Runde von „Deep Cuts“ in die Läden.

 

Fünfzehn Songs hat man hier zusammengestellt, die Fans jetzt zwar nicht den heiligen Gral liefern, aber Neueinsteigern und all´ jenen, die eben noch nicht alle Scheiben im Schrank stehen haben, die weniger bekannten Songs der Band präsentieren. „Deep Cuts 3“ beleuchtet somit nicht die großen Welthits, sondern liefert die weniger bekannten Songs.

 

Bei der Verteilung der Stücke ist man nicht chronologisch vorgegangen, sondern hat versucht hier einen roten Faden zu finden. Zu Beginn hat man somit richtigerweise „Made In Heaven“ gesetzt. Die Einleitung hätte nicht passender sein können. Mit dem seltsamen „Machines (Or ´Back To Humans´)“ geht es dann weiter. Vermutlich wollten Queen mit diesem Stück einen innovativen Track, der dem damaligen Zeitgeist entspricht, präsentieren. Nun ja, die teilweise verfremdete Stimme lässt einen heute etwas ratlos zurück. „Don´t Ty So Hard“ von „Innuendo“ nervt ebenso. Die klassische Seite der Band ist ja sowieso sehr schmalzig. Die rockige Variante mit „Tear It Up“ ist da schon wesentlich besser. Die Stärke der Band kommt ja auch immer dann zum Tragen, wenn May seinen typischen Sound voll einbringen kann.

 

Auch, wenn man um die besondere Geschichte vom „Made In Heaven“ Album weiß, sind die darauf enthaltenen Nummern teilweise schon sehr fragwürdig. So eine Schnulze wie „I Was Born To Love You“ im vermeintlichen Rockgewand zeigt Queen von der nicht ganz so schönen Seite. „A Winter´s Tale“ ist in dieser Hinsicht der negative Höhepunkt. Wie so oft bei solchen Zusammenstellungen ist aber für jeden etwas dabei. Wer die poppigen und schmalzigen Momenten nur schwer ertragen kann, wird eben mit „Was It All Worth It“ und ganz besonders mit „Khashiggi´s Ship“ und „The Hitman“ bedient.

 

Fazit: „Deep Cuts 3“ von Queen widmet sich den Jahren 1984 bis 1995. Aus dem einstigen Glamrock-Ungetüm ist eine poppige Stadionband mit Hang zu klassischen und schmalzigen Elementen geworden. Insofern dominieren auch diese Songs auf dieser Zusammenstellung das Geschehen. Immerhin hat man hier die weniger bekannten Songs der Alben untergebracht. Mit der Überballade „Mother Love“ zeigen Queen aber auch, dass auch diese Seite der Band durchaus Beachtung finden sollte. Wer es lieber rockig mag, findet auf „Deep Cuts 3“ aber auch genug Material. Wer also aus dieser Queen-Phase nur die bekannten Hits kennt und sich nicht gleich alle Alben zulegen möchte, kriegt durch diese Platte einen guten Eindruck davon vermittelt.

 

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Text: Torsten Schlimbach

Queen: Deep Cuts 2 (1977 – 1982)

Queen: Deep Cuts 2 (1977 – 1982)

Universal

VÖ: 24.06.2011

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Die Queen Festspiele gehen in die nächste Runde. Weitere fünf Alben aus dem umfangreichen Backkatalog werden klanglich überarbeitet erneut veröffentlicht. Auch diese Phase der Band ist immens interessant und wer nur die Hits aus der Hochphase der 80er kennt, verpasst womöglich etwas. Dafür sind die neuerlichen Veröffentlichungen von „News Of The World“, „Jazz“, „The Game“, „Flash Gordon“ und „Hot Space“ bestens geeignet. Wer sich allerdings nicht gleich alles ins Haus holen möchte – das ist ja auch immer eine Frage des lieben Geldes – der wird mit der zweiten Ausgabe von „Deep Cuts“ bestens versorgt.

 

Auch hier hat die Band wieder die besten Tracks dieser 5 Alben abseits der Single-Hits kompiliert. Für Fans ist das natürlich nichts, denn diese haben das alles schon mehrfach im Schrein stehen. Man kann jetzt natürlich darüber streiten, ob ausgerechnet die vorliegenden vierzehn Tracks die Jahre 1977 - 1982 ausreichend repräsentieren. Auf der CD wäre natürlich auch noch Platz für mehr Material gewesen. Letztlich richtet sich das aber an die Leute, die eben nicht alles von Queen im Schrank stehen haben, sich aber auch für diese Jahre interessieren. „The Best Of The Rest“ - quasi.

 

„Spread Your Wings“ von „News Of The World“ lässt dann schon erahnen, wohin der Weg von Queen mal führen sollte und ist vom Klang und Songaufbau ein erster Fingerzeig in diese Richtung. Das bluesige „Sleeping On The Sidewalk“ ist das genaue Gegenteil, auch, wenn dieses Stück auch von „News Of The World“ stammt. Noch verrückter ist gar „Sheer Heart Attack“ aus diesem Album. Das ist Punk der Marke Queen, kann man sich gar nicht vorstellen, wenn man nur die Megahits kennt. Wobei auch „Deep Cuts 2“ natürlich nicht arm an Hits ist. „It´s Late“ darf sicher als solcher bezeichnet werden. „Mustapha“, „Dead On Time“ und „Jealousy“ von „Jazz“ zeigen, dass Queen auch immer extrem vielfältig waren. Von bekloppt bis total schmalzig reicht die Palette.

 

Man hätte sich für die zweite Hälfte der 80er einfach gewünscht, dass die Band weiter den Weg von „Sail Away Sweet Sister“ beschritten hätte. Da war zwar schon alles vorhanden, was Queen eben zu absoluten Superstars machte, aber eben noch mit weit weniger Pathos und einer sehr erdigen Instrumentierung. Gutes Songwriting ist ebenfalls der Schlüssel, um diesen Song zu einer wirklich guten Nummer werden zu lassen. Wir wissen ja, wo das geendet ist. Jedenfalls nicht beim ausgefeilten, rockigen und düsteren „Dragon Attack“ von „The Game“. Das klingt ja fast schon eine Spur nach Crossover, der seinen Siegeszug in den 90ern hatte. Das Bassspiel ist mal wieder eine Ohrenweide. Mit „Battle Theme“ ist immerhin auch „Flash Gordon“ vertreten.

 

Fazit: „Deep Cuts 2“ ist eine wirklich tolle Zusammenstellung für die Leute, die sich nicht alle Alben von Queen der Jahre 77 – 82 kaufen wollen. Diese vierzehn Tracks bieten einen wirklich prima Überblick über diese Band-Phase. Wer hören möchte, wie Queen klangen, bevor der Pathos endgültig Einzug gehalten hat und die Bandmitglieder zu absoluten Megastars aufstiegen, ist hier goldrichtig.

 

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Text: Torsten Schlimbach

Queen: I (2011 Remaster Deluxe Edition)

Queen: I (2011 Remaster Deluxe Edition)
Universal


Wertung: 11/12

Tipp!


Queen feiern dieses Jahr ein ganz besonderes Jubiläum. 40 Jahre Queen wollen auch entsprechend gefeiert werden und somit hat man sich nicht lumpen lassen und so manches feine Geschenk erblickt nun das Licht der Welt. Gerade die Fans dürften das eine oder andere Freudentränchen verdrücken. Den Anfang macht nun das Debütalbum. Feine Sache, denn dieses Werk ist doch sträflich unterbewertet worden. Ein Großteil der Fans liebt es zwar, aber bei einem breiteren Publikum spielt es eher eine untergeordnete Rolle, wenn es um Queen geht. Warum eigentlich? Weil die Hits fehlen?

 

Man muss einfach neidlos anerkennen, dass „Queen I" ein absolutes Meisterwerk ist. Die vielen kleinen Details, die es hier zu entdecken gibt, lassen einen wie ein kleines Kind im größten Spielwarengeschäft der Welt gucken und staunen. „Liar" beispielsweise ist ein modernes Musical, Oper, Rockstück - kurzum ein Paradebeispiel dafür, was hier aufgefahren wird. Es ist der pure Wahnsinn und hat mit den Queen, die sich später in eine unerträgliche Poprichtung entwickelten, nicht viel zu tun.

 

Die Arrangements sind zudem sehr anspruchsvoll und ein jeder der vier Bandmitglieder drückt den zehn Songs derart einen charakteristischen Stempel auf, dass schon durch dieses Werk klar gewesen sein durfte, dass man es mit Ausnahmekönnern und Musikern zu tun hat. Der bezaubernde Aufbau von „The Night Comes Down" unterstreicht zudem, dass auch das Songwriting schon absolut zur Sperrspitze der Rockmusik zu zählen war. Als Tipp seien an dieser Stelle Kopfhörer empfohlen, denn so kann man die musikalische Vielfalt richtig genießen.

 

Die Mischung stimmt ebenfalls. Wo sich andere Musiker zu dieser Zeit im Progrockdschungel verirrt hatten, schaffen Queen mit diesem Album den Spagat zwischen anspruchsvoller, progressiver Musik und schlichtem Rock. „Modern Times Rock´n´Roll" braucht sich jedenfalls zwischen den härteren Sachen von Zeppelin nicht zu verstecken. Dieses ungestüme Debüt macht auch heute noch Spaß und ist weit von dem Spätwerk der Band entfernt.

 

Als schönes Bonbon gibt es noch eine feine EP obendrauf. Ganz ehrlich, der Demo-Version von „Keep Yourself Alive" kann ich fast schon mehr wie der Albumversion abgewinnen. Die Demos von „The Night Comes Down", „Great King Rat", „Jesus" und dem herausragenden „Liar" runden diese erneute Veröffentlichung sehr schön ab. Dazu gibt es noch „Mad The Swine" aus dem Juni 72.

 

Fazit: Das Debütalbum von Queen wird leider immer sträflich unterschätzt. Klasse, dass es nun aufgrund des Jubiläums nun diese feine Wiederveröffentlichung gibt! Anhören und staunen, zu was Queen in der ungestümen Frühphase alles fähig waren. Hits sucht man vergeblich, macht aber nichts, denn die zehn Songs überzeugen auf voller Länge. Die EP ist das I-Tüpfelchen obendrauf!

 

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Text: Torsten Schlimbach

Queen: II (2011 Remaster Deluxe Edition)

Queen: II (2011 Remaster Deluxe Edition)
Universal

 

Wertung: 12/12

Tipp!

 

Na gut, „Queen I" haben wir hier ziemlich abgefeiert. Das vergessene Debütalbum hat es aber auch verdient, da es ein verdammtes Meisterwerk ist. Nun gut, jetzt kann es mit „Queen II" eigentlich nur den Bach runtergehen. Pustekuchen, die vier Jungs waren zu Beginn ihrer Karriere derart kreativ und innovativ, dass mit diesem Album hier noch mal alles getoppt wird. Geht nicht? Gibt es nicht! Mit dieser Scheibe hat die Band es definitiv geschafft und sich endgültig die Krone aufgesetzt und dies immer noch ohne die Superhits, die im weiteren Karriereverlauf noch folgen sollten.

 

Da sind wir auch noch mal kurz beim Jubiläum. 40 Jahre Queen können einfach nicht besser gefeiert werden wie mit dieser wunderbaren Remastert und Deluxe Edition. Formidabel. Und ganz zum Schluss verrate ich dann auch noch ein ganz persönliches Geheimnis. Bis dahin wird aber diesem Album weiter gehuldigt.

 

Der Bombast war ja schon immer eine Spielwiese von Queen und wurde auch bis zum Schluss nicht abgelegt. Die Band stand aber auch mal dem Heavy Metal - oder von mir aus ersetzen wir Metal durch Rock - sehr, sehr nahe. Auf „Queen II" stehen die schönsten, ähm, Schmusemomente brachialen Ausbrüchen gegenüber. Nicht selten entstehen dabei kleine Mini-Epen. „Father To Son" ist doch einfach nur göttlich. Und dann auch noch so düster. Oder wie wäre es mit „The Ogre Battle"? Einfach mal hören und staunen!

 

Schon zu diesem frühen Karrierezeitpunkt hatte die Band sich schon gefunden. Brian May leitet diese Platte mit seinem unverwechselbaren Stil mit „Procession" ein. Oder die Piano-Ballade „Nevermore", die einem glatt die Tränen in die Augen treiben wird. Sensationell! Die Bonus-Ep hat auch aller feinstes Material zu bieten. „White Queen (As It Began)" aus dem Hammersmith Odeon von 75 ist ein wunderbares Zeitdokument. Auch die Aufnahmen der BBC Session von 73 und 74 sind höchst interessant und eine prima Ergänzung zum restlichen Werk.

 

Fazit: „Queen II" ist in allen Belangen eine Wahnsinnsplatte und überzeugt auf ganzer Linie. Die Vielseitigkeit ist beeindruckend und doch hört man auch deutlich die einzelnen, markanten Elemente, die ein jedes Bandmitglied hier mit einbringt. Und jetzt kommen wir noch zu dem kleinen Geheimnis: Ich mag eigentlich Queen nicht - überhaupt nicht. Die Platte überzeugt mich trotzdem auf ganzer Linie, das will was heißen!

 

 

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Text: Torsten Schlimbach

 

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