Man kann auf verschiedene Art Musik konsumieren, aber nur auf eine ganz bestimmte Art Musik auch wirklich hören, erleben und fühlen. Über die Jahre wurden die Formate immer kleiner und mittlerweile spielt sich das weitestgehend im und über das Internet ab. Es ist ja auch denkbar einfach mit ein paar Klicks durch ein paar Songs zu springen und diese dann auch noch über fragwürdiges Equipment zu hören. Vielleicht hat Musik bei der jüngeren Generation auch nicht mehr den Stellenwert wie es mal der Fall war. Man hat eben zu viele Möglichkeiten. Dabei kann Musik ja bekanntlich Leben retten. Was das alles mit den Pink Floyd Alben zu tun hat? Eine ganze Menge, denn die Musik dieser Band entstand eben unter ganz anderen technischen Umständen und selbige wurde selbstverständlich auf Vinyl gepresst. Der Siegeszug der CD und des Internets sollte da noch ein paar Jahrzehnte auf sich warten lassen. Jetzt wird der komplette(!) Pink Floyd-Katalog nach und nach das erste Mal seit über zwei Jahrzehnten auf Vinyl veröffentlicht!

Pink Floyd: A Momentary Lapse of Reason (Vinyl)

Parlophone/Warner

VÖ: 20.01.2017

 

Wertung: 8/12

 

„A Momentary Lapse Of Reason“ läuft zwar auch unter dem Namen Pink Floyd, übrig geblieben waren 1987 aber nur noch David Gilmour und Nick Mason. Als Schlagzeuger wurde Alleskönner Jim Keltner verpflichtet. Produziert wurde das Album von Bob Ezrin und Gilmour. Der Gitarrist schrieb zudem fast das komplette Material alleine. Anthony Moore griff ihm dabei tatkräftig unter die Arme. Im Grunde hat Gilmour das Zepter von Waters übernommen, der wiederum über seine Anwälte die Band Pink Floyd für aufgelöst erklären lassen wollte – vergeblich.

 

Richard Wright kehrte als Gastmusiker am Keyboard zurück. Auf „Sorrow“ tritt er im Hintergrund sogar gesanglich in Erscheinung. Auf späteren Ausgaben des Albums wurde Wright sogar wieder als vollwertiges Mitglied gelistet. Eine nette Geste, aber so ganz entsprach das natürlich nicht der Wahrheit. Fans und Kritiker waren seinerzeit von „A Momentary Lapse Of Reason“ nicht vollends überzeugt. Letztlich wurde bemängelt, dass die Texte schwach wären und die Songs sehr konstruiert erscheinen würden. Man hört den Songs mitunter schon an, dass gerade Gilmour nach dem Vorgänger wieder mehr in Richtung des typischen Pink Floyd Sounds wollte. Nur, was ist der typische Sound? Die Band hatte sich stetig weiterentwickelt und Waters und Gilmour sich immer aneinander gerieben und zu Höchstleistungen beflügelt. Das geht durch das Fehlen von Waters „A Momentary Lapse Of Reason“ natürlich vollends ab.

 

Mit „Learning To Fly“ gibt es sogar einen Hit, der eher als Blues-Nummer durchgeht. „On The Turning Away“ geht in Richtung melancholischer bis romantischer Popsong. Rhythmisch ist das aber auch sehr anspruchsvoll. Über allem schwebt das unvergleichliche Gitarrenspiel von Gilmour. Auch „The Dogs Of War“ ist im Grunde seines Herzens ein Blues-Song. Wenn man etwas bemängeln möchte, dann dürfte das dieser klinische Klang, der typisch für die 80er steht, sein. „One Slip“ ist ein Beispiel dafür. Edelrock der 80er Jahre. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Hier wird vieles bombastisch aufgeblasen, dafür ist das Spiel von Gilmour aber auch etwas rockiger. „A Momentary Lapse Of Reason“ spiegelt eben auch den damaligen Zeitgeist wieder.

Das Cover für dieses Album wurde ja wieder von Storm Thorgerson gestaltet. Das Motiv darf durchaus erneut als ikonisch bezeichnet werden. Im Vinyl-Format ist die Wirkung ungleich größer als im kleinen CD-Format. Durch die Tatsache. dass es ein Klappcover ist, hat das Motiv noch mehr Raum zur Entfaltung. Auch im Innenteil ist die Gestaltung gelungen. Das verwendete Material ist wertig und dick - wie bei der gesamten Reihe. Pink Floyd-Alben sind eben wie Prototypen für Vinyl.

Auch hierbei handelt es sich selbstverständlich wieder um 180g schweres Vinyl. Das liegt naturgemäß sehr schön in der Hand und macht einen guten Eindruck. Ob es nun tatsächlich 180g sein müssen, ist ja immer wieder ein Streitpunkt unter den Nerds. Fakt ist jedenfalls, dass die Nadel einen sehr ruhigen Lauf hat und auch "A Momentary Lapse Of Reason" keine Wellen und Verformungen aufweist. Ein besonderes Ohrenmerk sollte auf dem Remastering liegen und das ist schlichtweg großartig. Da die Sounds wieder sphärischer sind, ist das Klangbild natürlich von extremer Bedeutung. Hier gleicht das - gerade mit entsprechend guten Kopfhörern - einer kleinen Offenbarung - egal ob man die Songs nun mag oder nicht! Chapeau!

Fazit: War „The Final Cut“ in erster Linie eine Soloarbeit von Roger Waters, so ist „A Momentary Lapse Of Reason“ eher ein Solowerk von David Gilmour. Dies stellt nun die letzte Veröffentlichung in der Reissue-Reihe der Vinyl-Veröffentlichung dar. Die Haptik ist nochmals überragend. Das Cover und die Gestaltung kommen so richtig zur Geltung. Das Remastering ist auch überragend – unabhängig von der Qualität der Songs. Die Songs selber sind ein Spiegelbild der 80er. Der Rock wurde schon bombastisch aufgeblasen, insgesamt sind die Sounds aber auch etwas sphärischer. Unter dem Strich klingt das schon etwas konstruiert, aber natürlich kann man auch in diese Sounds eintauchen und sich in eine andere Welt entführen lassen.

 

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Text: Torsten Schlimbach

Pink Floyd: The Final Cut (Vinyl)

Parlophone/Warner

VÖ: 20.01.2017

 

Wertung: 8,5/12

 

„The Final Cut“ von Pink Floyd ist eines von zwei Alben, die den Abschluss der Pink Floyd Reissue-Serie auf Vinyl darstellen. Das Werk, welches im Grunde eine Roger Waters Soloarbeit ist, muss man wohl mittlerweile als vergessen bezeichnen. Ungeliebt von den Kritikern, aber auch von vielen Fans. Warum eigentlich? Natürlich stellt die teilweise monotone Musik einen Stilbruch zum Vorgänger dar, befasst man sich aber noch mal eingehender mit „The Final Cut“, dann wird man feststellen, dass die Platte leider sträflich unterbewertet wird! Man muss das nicht unbedingt in eine Reihe mit den Meisterwerken stellen, aber eine Stufe drunter ist ja auch nicht unbedingt schlecht.

 

Auch bei „The Final Cut“ handelt es sich wieder um ein Konzeptalbum. Teilweise verarbeitet Waters hier den Tod seines Vaters im zweiten Weltkrieg. Wie so oft zu dieser Zeit, sind aber auch die Politik von Margaret Thatcher und der Falklandkrieg ein Thema. „The Fletcher Memorial Home“ hat sogar immer noch erschreckend aktuelle Bezüge. Die Herrscher der Welt alle in einem einzigen Heim unterzubringen wäre ja nicht gerade die schlechteste Lösung.

 

Waters hat hier eine geradezu beklemmende Atmosphäre geschaffen. Richard Wright hatte zu dieser Zeit Pink Floyd den Rücken gekehrt und das hört man dem Werk selbstverständlich an. Er fehlt. Der Orchestereinsatz ist allerdings wesentlich besser als sein Ruf. Dies geschieht doch eher dezent als aufdringlich. Der Vorwurf, dass dies kein Prog wäre, wird spätestens durch „Two Suns In The Sunset“ entkräftet. Das melancholische „Paranoid Eyes“ ist eher ruhig instrumentiert, sorgt aber immer noch für eine Gänsehaut. Man mag jetzt bemängeln, dass Gilmour und Mason zu Statisten degradiert wurden, aber gerade die Solos von Gilmour sind mal wieder kleine Sternstunden.

Das Covermotiv stellt sicherlich auch ein Novum dar. Auch dafür sorgte Waters im Alleingang. Auf den schwarzen Hintergrund wurden mehrere Stoffstreifen (Militärabzeichen) aufgelegt. In diesem Format hier, kommt das nun noch mal richtig schön zur Geltung. Puristen werden natürlich immer noch bemängeln, dass die Hipgnosis-Designwerkstatt nicht dafür verantwortlich ist. Geschenkt! Ehrlich! Aufgeklappt offenbaren sich die Texte und Informationen zu den einzelnen Songs. Haptisch ist das schon ganz weit vorne. Hochglanz, versteht sich

Das Inner Sleeve in Schwarz und mit Loch, ist natürlich wieder ein sehr sicherer Aufbewahrungsplatz für die Platte. 180g schweres Vinyl ist hier natürlich obligatorisch. Das Remastering ist schon wegweisend. Der Sound gleicht - bei richtigem Equipment - einer kleinen Offenbarung. Das ist alles im allem sehr wertig ausgefallen. Verformungen und Wellen sind nicht auszumachen und somit dreht die Platte gewohnt ruhig ihre Runden auf dem Teller!

Fazit: „The Final Cut“ mag in erster Linie eine Soloarbeit von Roger Waters sein, da dieser für das Schreiben der Texte und – bis auf ein paar Soli von Gilmour – auch alleine für die Musik verantwortlich ist. Trotzdem ist das Album mit seiner düsteren und melancholischen Atmosphäre wesentlich besser als der Ruf, der selbigem vorauseilt. Gerade über Kofphörer entfaltet die Musik noch mal seine faszinierende Wirkung. Man muss sich darauf einlassen wollen, dann funktioniert „The Final Cut“ nämlich vorzüglich. Leider hat das inhaltlich auch nicht gerade an Aktualität verloren. Wie bei den übrigen Veröffentlichungen dieser Reihe ist die Haptik überragend, das Remastering gelungen und das Cover kommt erst in dieser Größe so richtig zur Geltung!

 

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Text: Torsten Schlimbach

Pink Floyd: Animals (Vinyl)

Parlophone/Warner

VÖ: 18.11.2016

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Mit „Animals“ wird nun ein weiterer Vinyl-Schatz aus dem Hause Pink Floyd gehoben. Auch dieses Album, welches seit 20 Jahren nicht mehr auf Vinyl erhältlich war, wurde von den Original-Mastertapes remastert. „Wish You Were Here“ und „The Dark Side Of The Moon“ sind übrigens ebenfalls wieder auf Vinyl erhältlich. „Animals“ wurde seinerzeit in den Britannia Row Studios in London aufgenommen. Der Legendenstatus hat sich seit der Veröffentlichung im Jahre 1977 kontinuierlich weiterentwickelt. Mittlerweile gibt es nicht gerade wenige Fans, die diese Platte als das Lieblingsalbum von Pink Floyd bezeichnen. Umso größer dürfte nun die Freude sein, dass dieses Meisterwerk wieder in diesem Format in den Handel kommt.

 

Wie so viele Covermotive von Pink Floyd, ist auch dieses hier als ikonisch zu bezeichnen. „Algie“ ist wohl eines der berühmtesten Schweine der Welt – der Musikgeschichte sowieso. Hunde und Schafe spielen aber eine ebenso wichtige Rolle für die sozialkritische Thematik von „Animals“. Waters unterscheidet hier drei Gruppen von Menschen, denen er jeweils ein Tier zuweist. Die Hunde stehen für die Menschen, die nur an Profit interessiert sind. Die Schweine stehen laut Waters für all jene, die sich wie Moralapostel verhalten, aber letztlich unmoralischer handeln als andere. Die Schafe sind dann die Mitläufer, die breite Masse. An Aktualität wird das wohl nie einbüßen. Man muss sich ja nur mal den Zustand der Menschheit im Jahre 2016 angucken.

 

„Animals“ ist trotz des Intro und Outro „Pigs On The Wing“ mit akustischer Gitarre ein Rockalbum. Für Pink Floyd Verhältnisse klingen die Songs und deren einzelnen Passagen sogar ziemlich hart. David Gilmour und sein Gitarrenspiel sind auf dem Album sehr präsent und beherrschen den Sound weitestgehend. Dies ist insofern erstaunlich, da die kompletten Texte, sowie wie fast – sieht man mal von der Beteiligung von Gilmour bei „Dogs“ ab – die gesamte Musik aus der Feder von Waters stammen. Die Synthesizer sind auf „Animals“ allerdings nicht gänzlich verschwunden und auch Richard Wright setzt mit seinem Keyboard oder Mini Moog feine musikalische Akzente. Und der Bass pumpt auch auf „Animals“ wieder.

Das Covermotiv ist nicht nur ikonisch, sondern hat auch eine verrückte Geschichte zu bieten. Zu sehen ist das Kohlekraftwerk Battersea Power Station mit einem fliegenden Schwein zwischen den Schornsteinen. Die Band wollte allerdings nicht, dass das Schwein per Fotomontage dort reinmontiert wird und so spannte man doch tatsächlich ein riesengroßes, mit Helium gefülltes Stoffschwein zwischen die Schonsteine. Man engagierte sogar einen Scharfschützen(!), damit er das Teil, falls es sich losriss, abschießen konnte - damit der Luftverkehr nicht gefährdet wird. Das Foto am ersten Tag war der Band von der Stimmung nicht düster genug und somit wurde am nächsten Tag ein weiterer Versuch gestartet. Diesmal allerdings, da die Kosten zu hoch waren, ohne den Scharfschützen. Es kam, wie es kommen musste: das Schwein riss sich los und der Flugverkehr für London Heathrow musste umgeleitet werden. Letztlich wurde das Cover dann doch per Fotomontage erstellt. Das Cover entfaltet seine Wirkung sowieso erst so richtig in diesem Vinyl-Format. Die Haptik war und ist bei Pink Floyd eben auch von immenser Bedeutung!

Das Inner Sleeve in Schwarz und mit Loch, ist ein sicherer Aufbewahrungsplatz für die Platte. Selbige liegt natürlich als schweres 180g Vinyl vor. Das Remastering ist gelungen, was sich äußerst positiv auf den Sound ausgewirkt hat. Die Nadel freut sich über ihren ruhigen Lauf, ergo: keine Wellen und Verformungen. Insgesamt ist das eine abermals wertige Angelegenheit!

Fazit: „Animals“ mag nicht den großen und bekannten Hit abgeworfen haben und Menschen, die nicht gerade zu den Fans zu zählen sind, werden nicht einen Titel benennen können, aber das spielt bei der Qualitätsbeurteilung ja auch sowieso keine Rolle. Das Album geht nämlich durchaus als Meisterwerk über die Ziellinie! Thematisch hat sich das Werk, im Gegensatz zu vielen anderen Alben des Genres, mehr als gut gehalten und ist leider erstaunlich aktuell. Die Musik ist etwas härter ausgefallen und wird oftmals von der Gitarre dominiert. Vielleicht war das sogar auf gewisse Weise eine Reaktion auf den Zeitgeist, Punkrock war auf dem Vormarsch. Das Vinyl macht abermals einen sehr wertigen Eindruck und die Haptik ist mal wieder überragend. Für jede vernünftige Musiksammlung unverzichtbar – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger!

 

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Text: Torsten Schlimbach

Pink Floyd: Obscured By Clouds (Vinyl)

Parlophone/Warner

VÖ: 23.09.2016

 

Wertung: 8,5/12

 

Die Vinyl-Veröffentlichungen von Pink Floyd bringen den positiven Nebeneffekt mit, dass man sich wieder mit Alben beschäftigt, die man teilweise seit Jahrzehnten nicht mehr gehört hat. Man neigt ja gerne dazu die Platten aufzulegen, die gemeinhin als Meisterwerk eingestuft werden. „Obscured By Clouds“ gehört ganz sicher nicht dazu. Wer nicht gerade zum harten – zugegeben: großen – Kern der Fans zu zählen ist, wird dieses Werk sowieso nicht auf dem Schirm haben. Schade eigentlich, denn „Obscured By Clouds“ hat es verdient von vielen Menschen gehört zu werden. Das siebte Studioalbum basiert auf dem Soundtrack von Pink Floyd für den Film „La Vallée“ und wird nun selbstverständlich auch noch mal auf Vinyl aufgelegt.

 

Die Aufnahmen fanden in Paris in den Château-d’Hérouville-Studios statt. Wenn man Zeitzeugen Glauben schenken darf, dann ging die Geschichte innerhalb von zwei Wochen über die Bühne. Zum Einsatz kam auch erstmals ein Synthesizer. Es ist schon erstaunlich, dass „Obscured By Clouds“ mittlerweile fast vergessen ist, denn immerhin stellte das Album den bis dahin größten Erfolg von Pink Floyd in den USA dar. Es sind für Pink Floyd-Verhältnisse ja auch recht kurze und knackige Songs. Selbige wirken teilweise noch nicht vollends ausgearbeitet und überzeugen durch ihren rohen Charme. Mitunter ist das sogar recht rockig. Mit Prog hat das sowieso nur am Rande zu tun.

 

Die zehn Tracks sind schon recht abwechslungsreich. Man überhört dabei gerne so eine Perle wie „Burning Bridges“, geschrieben von Wright und Waters. Der Song besticht durch seine gleichbleibend schöne Atmosphäre. Man sollte natürlich nicht vergessen, dass es sich hierbei um Filmmusik handelt. Der Titelsong „Obscured By Clouds“ ist dann auch genau das. Nicht mehr, aber auch nicht weniger und zudem funktioniert dieser auch losgelöst vom Film-Kontext. „When You´re In“, gemeinsam geschrieben von den vier Herren, schwebt in ähnlichen Sphären davon. Dem gegenüber steht dann aber auch mal ein Kracher wie „The Gold It´s In The…“, der es dann auch mal scheppern lässt. Da haben Waters und Gilmour perfekt miteinander harmoniert, als sie dieses Stück gemeinsam auf den Weg brachten. „Childhood´s End“ – eine Nummer von Gilmour alleine – zeigt zudem schon, in welche Richtung sich die Band noch entwickeln wird. Und warum „Free Four“ der Singlehit der Platte war, lässt sich auch heute noch recht schnell erahnen. Mit „Stay“ haben Pink Floyd sogar – mehr oder weniger – im Pop gebadet. „Absolutely Curtains“ – eine weitere Gemeinschaftsarbeit – erschließt sich wohl nur vollends, wenn man den Film auch kennt. Aber manchmal ist es doch schöner, wenn man das eigene Kopfkino anwerfen kann.

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Das Front- und Backcover ist schon sehr psychedelisch angehaucht. Im Vinyl-Format kommen die beiden Seiten nun aber erst wieder so richtig schön zur Geltung. Apropos Format: das ist schon ziemlich außergewöhnlich, denn die Ecken der Hülle sind tatsächlich abgerundet. So hat „Obscured By Clouds“ auch optisch eine Ausnahmestellung im Backkatalog inne. Das Material ist recht dick und macht einen wertigen Eindruck!

Die Platte selber wird vom Inner Sleeve sehr gut geschützt. Auch hier hat man es mit einem Novum dieser Veröffentlichungsreihe zu tun. Das berühmte Loch in der Mitte gibt es nämlich nicht! Damit das Sleeve dann auch in die Hülle passt, hat man die Ecken gestutzt - gleichwohl das nicht so abgerundet wurde wie die Hülle. Optisch sieht es fast so aus, als hätte man da zur Schere gegriffen – was aber natürlich nicht der Fall sein dürfte.

 

Die 180g-Pressung selber ist schon erstklassig. Fehler sind da keine auszumachen, sprich keine Wellen oder Verformungen. Das macht dann auch nicht nur optisch einen hervorragenden Eindruck und liegt gut in der Hand, das dreht auch auf dem Teller ruhig seine Runden und lässt einen sehr gleichmäßigen und ruhigen Lauf der Nadel zu. So und nicht anders!

Selbstverständlich wurde das Album remastert. Hierfür sind James Guthrie, Joel Plante und Bernie Grundman verantwortlich. Die Songs gefallen nun mit einem warmen Sound, wodurch gerade diese Filmmusik ungemein dazu gewinnt. Man kann sich förmlich in diesen Klang fallen lassen.

 

Fazit: „Obscured By Clouds“ ist eines jener Alben, die sträflich unterschätzt werden. Schade, dass die Platte nicht den Stellenwert anderer Pink Floyd-Veröffentlichungen genießt. Natürlich ist die Musik anders, da diese eben für einen Film erdacht wurde. Bisweilen ist das recht roh und ungeschliffen – jedenfalls im Vergleich zu anderen Veröffentlichungen von Pink Floyd. Schön, dass auch dieses Werk nun noch mal auf 180g Vinyl veröffentlicht wird. Die Haptik ist mal wieder überragend. Erst in diesem Format kann man das Album mit allen Facetten erleben – dazu gehört eben auch die Optik.

 

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Text: Torsten Schlimbach

Pink Floyd: Meddle (Vinyl)

Parlophone/Warner

VÖ: 23.09.2016

 

Wertung: 8,5/12

 

„Meddle“ von Pink Floyd ist so eine Sache. Das Album ist stellenweise überragend, andere Teile sind aber – bei allem Respekt – für die Tonne. Oder anders ausgedrückt: der Test der Zeit wurde hier sicher nicht bestanden. Dies ist umso überraschender, denn für Pink Floyd ist „Meddle“ nach eigener Aussage genau die Art von Album, die sich die Musiker für die Band vorstellten. Der Übergang vom psychedelischen Rock zum Artrock ist allerdings schon sehr offensichtlich. Somit durchschritten Pink Floyd mit „Meddle“ auch eine neue Tür. Auch dieses Album wird nun auf Vinyl wiederveröffentlicht.

 

Unter Fans und Kritikern wird „Meddle“ als Vorreiter von „The Dark Side Of The Moon“ und „Whish You Were Here“ gesehen. Syd Barrett ist endgültig Vergangenheit. Teile von „Meddle“ werden auf den späteren Alben wieder auftauchen. Insofern markiert die Platte schon einen Wendepunkt in der Geschichte der Band. Gilmour hat daran einen hörbaren und auffallend großen Anteil, da er für einen nicht unerheblichen Teil des Gesangs zuständig ist. Drei Songs wurden gemeinsam von allen vier Bandmitgliedern geschrieben, einer von Waters und zwei vom Duo Waters/Gilmour. Gilmour ist hier auch als Bassist zu hören. Bei „One Of These Days“ kommen nämlich zwei vier Saiter zum Einsatz und Waters und Gilmour teilen sich diesen Part.

 

Der überragende Song dieser Platte ist natürlich „Echoes“. Das Stück mit mehr als 23 Minuten Spielzeit ist dann auch alleine auf der zweiten Seite zu finden. Für viele Hörer ist dies der erste richtige Floyd-Track der den Mythos dieser Band begründete. Egal ob es das Instrumentalintro ist, der ruhige Gesangspart. Die Chöre oder die rockigen Übergange – die Gitarrensolos von Gilmour überstrahlen alles. „Echoes“ verdeutlicht auch noch mal, dass ohne den Mann an den sechs Saiten der Mythos Pink Floyd sicherlich nicht geboren worden wäre.

 

Der andere geniale Track ist das schon erwähnte „One Of These Days“. Die Windgeräusche sind mittlerweile ikonisch. Der von Nick Mason gesprochene, kurze Text wurde stark verlangsamt. Die Folkballade „A Pillow Of Winds“ ist da gänzlich anders. Übrigens toll von Gilmour gesungen. „Fearless“ wiederum wird wunderbar von Waters getragen. „San Tropez“ ist das Jazz-Stück von Pink Floyd, welches aufgrund der Ausrichtung nicht gerade sehr beliebt unter Fans zu sein scheint. Der Blues „Seamus“ mit Hundegeheul ist allerdings nicht witzig, sondern eher ein Witz. Nun gut, ein Album mit überragenden und epischen Songs, soliden Nummern, aber mindestens anderthalb Totalausfällen.

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Das kleine Wörtchen Haptik kriegt hier eine ganz neue Bedeutung. Wann streichelt man schon mal mit den Händen über ein Front- und Backcover? Bei dieser Vinyl-Veröffentlichung von „Meddle“ wäre jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen. Man kann dieses Werk mit allen Sinnen erfassen. Und ja, riechen kann man es auch! Ausgeklappt kriegt das noch mal einen ganz anderen Dreh und auch das Bandfoto im Innenteil verfehlt nicht seine Wirkung. Ganz toll! Auch dafür liebt man Platten!

Das Inner Sleeve, dieses Mal in Schwarz und mit Loch, ist ein sicherer Aufbewahrungsplatz für die Platte. Selbige liegt natürlich als schweres 180g Vinyl vor. Das Remastering ist sehr gut, was sich äußerst positiv auf den Sound bei „Echoes“ ausgewirkt hat. Die Nadel freut sich über ihren ruhigen Lauf, ergo: keine Wellen und Verformungen. Insgesamt ist das eine abermals wertige Angelegenheit!

Fazit: Pink Floyd haben einst mit „Meddle“ den Anfang des Weges beschritten, der sie zu der Band werden ließ, für die man sie heute kennt. Der Artrock ist ganz groß, andere Teile des Albums aber lediglich solide bis verzichtbar. Vielleicht muss man „Meddle“ auch als Übergangsplatte verstehen und einordnen. Die Aufmachung, sprich die Haptik, ist hier allerdings überragend! Schon alleine dafür – und natürlich für „Echoes“ lohnt sich die Anschaffung. Alles in allem sollte dieses Album aber in keiner anständigen Artrock-Vinylsammlung fehlen!

 

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Text: Torsten Schlimbach

Pink Floyd: Atom Heart Mother (Vinyl)

Parlophone/Warner

VÖ: 23.09.2016

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Pink Floyd machten es dem Hörer nie leicht. In der heutigen und hektischen Zeit dürfte ein Werk wie „Atom Heart Mother“ wohl kaum Gehör finden. Insofern wird dieses Album in der Vinyl-Neuauflage auch kaum von der jungen Musikhörergeneration gekauft werden. Nun gut, dies kann man im Grunde ja über jedes Werk dieser Band sagen, aber es gibt ja durchaus ein paar Songs des Spätwerks – und dazu zählen wir mal alles ab „The Dark Side Of The Moon“ – die gerne als Hits bezeichnet werden und die dann doch auch noch mal von den jungen Leuten entdeckt werden. Für „Atom Heart Mother“ gilt das nicht. Die beiden Suiten, die dieses Album dominieren, sind dann doch zu verschroben. Wer sich gerne und schnell durch YouTube-Videos klickt, wird vermutlich nicht die nötige Geduld aufbringen, um sich damit zu beschäftigen.

 

Die Entstehungsgeschichte von „Atom Heart Mother“ ist schon nicht uninteressant, zumindest wirft selbige einen etwas anderen Blick auf dieses Werk. Der Soundkünstler und Multiinstrumentalist Ron Geesin hat nämlich einen nicht unerheblichen Anteil an dieser Platte. Liest man sich durch die vielen, vielen Berichte, die es über dieses Werk gibt, dann könnte man sogar auf die Idee kommen, dass Geesin das Endprodukt erst ermöglicht hat. Geesin war es, der damit im Studio und Sessionsmusikern und einem Chor die Teile von Pink Floyd in eine hörbare Reihenfolge brachte und eben musikalisch erweiterte. Die Musiker waren allerdings auch eher in der Klassik unterwegs. Konservatoriums-Absolventen eben - und so beanspruchte es dann wiederum noch mal viel Zeit, bis alles so war wie es Geesin wollte.

 

So ist „Atom Heart Mother“ (benannt nach einer Mutter mit Herzschrittmacher, die ein gesundes Baby zur Welt brachte) sicherlich Nischenmusik, aber eben auch ein experimentelles Meisterwerk. Psychedelische Musik wurde damit auf ein ganz neues Level gehoben. Schon alleine die Titelsuite der ersten Plattenseite bringt derart viele musikalische Themen unter, dass es für mehrere Alben reichen würde. Auf diesen mehr als 23 Minuten wechseln sich Chor und Orchester ab. Das Stück hat sogar reine Orchesterpassagen zu bieten und dürfte somit komplett Geesin zuzurechnen sein. An anderen Stellen darf Gilmour solieren und brillieren. Zudem geben sich eingängige Passagen mit vertrackten und verschrobenen Teilen die Klinke in die Hand. Ein ganz besonderer, progressiver Trip.

 

Im krassen Gegensatz dazu steht „If“. Die Waters-Nummer geht in Richtung Country und Singer/Songwriter. „Summer 68“ von Wright setzt sich kritisch mit dem Rockstar-Lebensstil von Pink Floyd auseinander. Das Piano ist bei dem Stück selbstverständlich sehr dominant und den Gesang hat Wright dann auch gleich noch mit übernommen. „Fat Old Soul“ ist ein weiterer Track von Gilmour. Ein typischer, ruhiger und entspannter Song vom Meister. „Alan’s Psychedelic Breakfast“ ist genau das. Man hört allerlei Dinge, die man wohl auch jeden Morgen in englischen Küchen wahrnehmen dürfte. Alan Styles war übrigens ein Crewmitglied von Pink Floyd und stand hierfür Pate. Dreigeteilt wird das von Piano/Orgel, dann von der Gitarre und zuletzt von allen Instrumenten beherrscht. Ein instrumentaler Irrsinn.

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Front- und Backcover kommen im Hochglanzformat sensationell gut zur Geltung. Pink Floyd wollten sich damals ja nicht schon durch die Cover auf einen Stil festlegen und limitieren lassen. So wurde es eben die Kuh Lulubelle III.. Auch ausgeklappt verfehlen die Kühe ihre Wirkung nicht. Die Gestaltung ist bei Pink Floyd untrennbar mit dem Gesamtkunstwerk verbunden.

Das weiße(!) Inner Sleeve schützt die Platte sehr gut. Selbstverständlich besteht das Innenleben nicht nur aus Papier, wie es eine Zeit in den späten 80er an der Tagesordnung war. 180g Vinyl ist schon eine feine Sache. Das Teil liegt nicht nur gut in der Hand und glänzt schön, es ist auch sehr wertig Der Glaubenskrieg, ob 180g Vinyl der Musik klanglich nicht sogar hinderlich im Wege steht, kann an dieser Stelle getrost vergessen werden. Das ist nämlich keineswegs der Fall. Von den original Analog-Tapes wurde das Album von Guthrie, Plante und Grundman ganz vorzüglich gemastert. Hier passiert ja derart viel, dass ein guter Klang von immenser Bedeutung ist. Es passt alles!

Fazit: „Atom Heart Mother“ wird seltsamerweise nicht in einem Atemzug mit den Meisterwerken der Band genannt. Die erste Seite hat aber schon alleine diese Bezeichnung verdient. Die B-Seite ist anders, aber nicht minder interessant. „Atom Heart Mother“ ist keine Rockklassik, wie es in jenen Tagen gerade angesagt war, sondern steht für sich ganz alleine. Pink Floyd waren stets in ihrer eigenen Nische unterwegs. Die Hochglanzaufmachung ist sehr schön und das Covermotiv kommt in dem Format noch mal ganz anders zur Geltung. Der Klang ist ganz formidabel. Jeder, der Pink Floyd gegenüber wohlgesonnen ist, sollte dieses Werk im Schrank stehen haben!

 

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Text: Torsten Schlimbach

Pink Floyd: Ummagumma (Vinyl)

Parlophone/Warner

VÖ: 03.06.2016

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Die erste Rutsche der Pink Floyd Vinyl-Veröffentlichungen des Jahres 2016 hat mit „Ummagumma” ein Meisterwerk zu bieten. Mit dieser Platte konnte die Band einen ersten Meilenstein nach der kurzen Barrett-Ära landen. Dies ist zudem ihr erstes Doppelalbum. Das  Covermotiv ist selbst Menschen geläufig, die noch nie einen Song von „Ummagumma“ gehört haben. Auch in dieser Hinsicht kann man von einem unnachahmlichen und stilprägenden Meisterwerk sprechen. Die Zweiteilung in Live-Set und Solo-Kompositionen war und ist ebenfalls ein Novum. „Ummagumma“ gehört in dieser Vinyl-Version – und so viel kann dann auch schon direkt am Anfang gesagt werden – in jede anständige Plattensammlung!

 

Die Live-Platte zählt vermutlich zum Besten, was Pink Floyd in dieser Hinsicht zu bieten haben. Die vier klassischen Songs der ersten beiden Studio-Alben sind im Live-Gewand um Längen besser. Die Weiterentwicklung ist schon atemberaubend. Die Dramaturgie von „Astronomy Dominé“ und „Careful With The Axe Eugene“ ist schlichtweg brillant. „Set The Controls For The Heart Of The Sun“ und „A Saucerful Of Secrets“ wurden live sogar kompositorisch weiterentwickelt. Die spielerische Brillanz der vier Herren lässt einem zudem die Kinnlade auf den Tisch klappen. Gilmour spielt von folkig bis zum Hardrock sein ganzes Können aus. Der Wah-Wah Effekt ist immer noch für eine Gänsehaut gut. Wie sein Spiel in den Drum Loop von Nick Mason übergeht ist die hohe Musikkunst des Experimentierens. Richard Wright spielt dazu die schönste Orgel der Populärmusik und Waters ist noch nicht so verkopft wie auf späteren Werken, die in dieser Hinsicht auch mal die Brechstange auspacken. Pink Floyd waren definitiv live erstmals auf dem Zenit angekommen.

 

Die Studio-Platte kann schnell überfordern, klar. Man sollte bereit sein, sich da reinfallen lassen zu wollen. Atmosphärisch ist das nämlich unglaublich dicht. Experimentell und avantgardistisch sind die Songs, die fast mit allen gängigen Konventionen brechen. Dies ist eine Achterbahnfahrt mit teilweise verstörenden Klängen. Ist man dafür aufgeschlossen, wird sich einem da ein ganz neuer Klangkosmos erschließen. Auch heute noch. Dies ist die Sorte Musik, bei der man immer wieder etwas Neues entdecken kann. Jedes Bandmitglied durfte sich damals zu gleichen Teilen austoben und entsprechend unterschiedlich und vielfältig sind die Klangwelten.

 

Tierschützer würden heutzutage vermutlich auf die Barrikaden gehen, denn am Ende der Folkballade „Grantchester Meadows“ wird nicht nur das Gebrumme einer Stubenfliege mit auf den Song gepackt, sondern auch ihr Ende. Das Klatschen, welches man zum Schluss hört, dürfte wohl unzweifelhaft sein. Vielleicht wird der eine oder andere Zartbesaitete durch das Vogelgezwitscher wieder versöhnt.  „The Narrow Way“  von Gilmour entspricht beispielsweise noch eher konventionellem Songwriting. Das Teil darf durchaus als Suite bezeichnet werden und ist noch am ehesten als Psychedelische Musik der herkömmlichen Sorte zu bezeichnen. „Several Species of Small Furry Animals Gathered Together in a Cave and Grooving with a Pict” ist eine fünfminütige Geräuschkulisse sondergleichen. Hier gibt es den Zusammenschluss von Klängen aus der Technik, Musik und Natur(!). Dies wurde im Studio derart bearbeitet, (aus)geschnitten, verfremdet und in der Geschwindigkeit verändert, dass einem schwindelig werden kann. „Sysyphus“ von Richard Wright ist eindeutig dem avantgardistischen Musikbereich zuzurechnen. Natürlich ist das angelehnt an die Sagengestalt der griechischen Mythologie. Wright hat die mühevolle Arbeit, den Felsen den Berg hinaufzurollen, das sichtbare Ende der Arbeit (den Berggipfel), aber auch die Frustration, wenn der Felsen wieder hinunterrollt und von vorne begonnen werden muss, kongenial vertont. Man sollte aber eben auch mit den Arbeiten des Sisyphus vertraut sein, denn sonst kann man mitunter nicht verstehen, was Wright hier im Sinn hatte. Von Jazz bis atonale Musik ist dieses Stück abermals ein Ritt auf der Rasierklinge. „The Grand Vizier’s Garden Party“ dürfte alle erfreuen, die ein Herz für Trommeln und Percussions haben. Mason hat diese Suite ganz wunderbar in Szene gesetzt. Seine Frau war für die Flöten(!) zuständig.

 

Die Studio-LP ist zudem ein Spiegelbild der technischen Möglichkeiten jener Zeit. Alle vier Musiker arbeiteten nämlich damit. Die Tonbänder liefen rückwärts, Loops wurden ebenso wie elektronisches Instrumentarium verwendet und selbstverständlich kamen alle möglichen Stereoeffekt zum Einsatz!

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Betrachtet man sich das Cover und Gatefold-Sleeve, dann weiß man auch wieder, was man an Vinyl-Veröffentlichungen hat. Dafür liebt man dieses Format einfach. Bilder sprechen da mehr als Worte, auch wenn diese natürlich nur im Ansatz wiederspiegeln können, was man da in den Händen hält. Da schlägt doch jedes Sammlerherz des Musikliebhabers höher. Das Frontcover ist herausragend und auch das Backcover kommt erst in diesem Format richtig zur Geltung. Ausgeklappt macht das feine Teil aber auch sehr viel her. Das kann man sich glatt einrahmen. Die Haptik ist schlicht überragend. Das ist eine 1 mit Sternchen!

Die beiden Platten werden von dem jeweiligen Inner Sleeve gut geschützt. Beide Langrillen machen schon optisch einen tadellosen Eindruck. Biegungen und Wellen sind keine erkennbar und die Verarbeitung ist sehr sauber. Und ja, die Dinger liegen auch gut in der Hand. Da kriegt man schon sehr viel für das Geld geboten. Das Remastering der Herren Guthrie, Plante und Grundman ist auch als sensationell zu bezeichnen. Vergleichsmöglichkeiten zum Remastering aus dem Jahre 2011 können an dieser Stelle keine gezogen werden, da diese Veröffentlichung nicht vorliegt. Ob sich da also noch mal eine Verbesserung eingestellt hat, kann demzufolge nicht beurteilt werden. Fakt ist aber, dass der Klang schon eine Wucht ist. Die Studio-LP gibt ja an Geräuschen sehr viel her und umso wichtiger war da ein gutes, aber auch dezentes Remaster. Das Original sollte schließlich nicht verfälscht werden. Dies ist auf ganzer Linie gelungen! Jede Nuance und jede Feinheit ist da zu hören und somit hat der geneigte Hörer die Möglichkeit vollends in dieses Werk mit seinen ganzen Facetten einzutauchen!

Fazit: „Ummagumma“ von Pink Floyd wird nun auf 180 Gramm Vinyl erneut veröffentlicht. Man musste lange darauf warten. Und was soll man sagen? Das Warten hat sich mehr als gelohnt! Die Haptik ist in jeglicher Hinsicht überragend! Genau so war das einst gedacht! Hier kann man nicht nur die Musik erleben und genießen, sondern auch in die hervorragende Optik und Gestaltung eintauchen. Die Platten selber machen einen mehr als guten Eindruck, da hat das Presswerk wirklich einen guten Job erledigt. „Ummagumma“ selber ist ja zweigeteilt. Die Live-Songs sind allesamt besser als die Studio-Versionen der vorherigen Alben. Pink Floyd entwickelten diese sehr schön weiter und die ganze Dramaturgie ist besser und eine andere. Das Studio-Album wiederum ist schwere Kost, zeigt aber auch, wie die einzelnen Musiker es verstanden hatten das Studio und seine Möglichkeiten zu nutzen. Wenn man offen dafür ist, kann man in einen Klangkosmos eintauchen, der auch heute noch spannend und interessant ist. „Ummagumma“ ist das erste Meisterwerk von Pink Floyd und sollte unbedingt in diesem Format den Weg in die Sammlung finden!

Pink Floyd: Soundtrack From The Film More (Vinyl)

Parlophone/Warner

VÖ: 03.06.2016

 

Wertung: 8/12

 

Den Soundtrack „More“ zum Film von Barbet Schroeder, den Pink Floyd innerhalb von acht Tagen aufnahmen, kann man sicher nicht mit normalen Maßstäben messen. Es war die erste Arbeit dieser Art, welche die Briten annahmen. Aufgenommen wurden die Tracks im März 1969, die dann im Juli 69 veröffentlicht wurden. Da die Musikstücke aber in direktem Zusammenhang mit dem Film stehen – anders als es heutzutage oftmals der Fall ist – fällt eine Beurteilung natürlich schwer, da „More“ auf das Werk von Schroeder komplett abgestimmt wurde. Die ersten Songs waren ja schon komponiert, aber als Pink Floyd dann eine Rohfassung des Films sahen, interpretierte das Quartett die Tracks neu. Man sollte also nicht vergessen, dass das Musik zur Untermalung eines Films ist. Schön, dass nun auch „More“ auf Vinyl erneut veröffentlicht wird.

 

An dieser Stelle komme ich nicht umhin, noch ein paar persönliche Wort zu verlieren. Mit dem Schaffen von Pink Floyd bin ich durchaus vertraut, aber seltsamerweise hat mich bisher nie etwas dazu bewogen, dass ich mich mit dem „Soundtrack From The Film More“ befasse. Mit anderen Worten: diese Veröffentlichung ist auch mein Erstkontakt mit diesem Soundtrack. Das könnte ja eine Art Aha-Erlebnis auslösen. In gewisser Weise tut es das sogar, weil die Songs, die auch noch größtenteils Instrumentalstücke sind, so anders und nicht unbedingt typisch für diese Band sind. Die Musik wirkt teilweise locker und gelöst, kann aber eben auch die Soundtrackauftragsarbeit nicht verleugnen. Ohne den Film zu kennen kann man im Grunde „More“ nicht abschließend bewerten.

 

Funktionieren die Songs denn auch unabhängig von der visuellen Unterstützung? Für die Tracks mit Gesang kann man das sicherlich bejahen. Mit „The Nile Song“ ist sogar ein veritabler Rocker mit an Bord, der aber eigentlich für Pink Floyd ziemlich untypisch ist. „Cirrus Minor“ überzeugt sogar durch die getragene Orgel. Es fällt auf, dass dieser Soundtrack durchaus eine jazzige Komponente zu bieten hat, wie „Crying Song“ unterstreicht. Das Vibraphon gibt dem Stück zudem die besondere Note. Auch eine Ballade wie „Green Is The Colour“ hat durchaus ein paar besondere (Folk-)Momente. Ob man Gilmour als Flacemco-Gitarrist braucht („A Spanish Piece“) sei mal dahingestellt. „More Blues“ ist gar ein Totalausfall. Insgesamt kristallisiert sich heraus, dass die meisten Tracks auf „More“ recht kurz sind und gar unter drei Minuten bleiben. „Quicksilver“ ist allerdings auch ein Longtrack, der ein paar nette Ideen hat. Überraschenderweise kann man sich von diesem Soundtrack wunderbar mit auf eine Reise nehmen lassen. Böse Zungen würden von einlullen sprechen. Mir gefällt es aber.

Sticker

Im Gegensatz zu „A Saucerful Of Secrets“ gibt es die acht Punkte aber auch aufgrund der Musik. Die Aufmachung ist natürlich in diesem (Vinyl-)Format richtig gelungen. So kommt die Covergestaltung richtig schön zur Entfaltung und verfehlt dabei keineswegs ihre Wirkung. Die schöne Farbgebung hat zumindest auf mich eine beruhigende Wirkung und harmoniert so perfekt mit der Musik. Es macht einfach Spaß in beiden Kunstformen zu versinken.

„Soundtrack From The Film More“ wird nun selbstverständlich als 180 Gramm-Pressung veröffentlicht. Nach dem ersten positiven optischen Eindruck hält das Inner Sleeve allerdings einen kleinen Wermutstropfen bereit. Der untere Teil weist ein Loch oder Riss auf. Das kennt man ja teilweise noch von den LPs der 80er. Das ist jetzt sicher kein Beinbruch, aber das deutet auch nicht direkt auf hochwertige Arbeit hin! Insgesamt ist das aber natürlich eine wertige Angelegenheit. Hier ist das Vinyl wunderbar gepresst worden – keine Wellen oder dergleichen. Dies bestätigt sich auch auf dem Teller und in ruhigen Bahnen dreht das Teil seine Runden und die Nadel freut sich dann doch über die tiefe Rinne.

James Guthrie, Joel Plante und Bernie Grundman waren auch für dieses Remastering verantwortlich. Da bei diesem Album mir jegliche Vergleichsmöglichkeiten zu bisherigen Versionen von „More“ fehlen, kann in dieser Hinsicht auch kein Statement abgegeben werden. Fakt ist aber, dass auch hier der Klang sehr warm und sauber ausgefallen ist und mich vollends mitzureißen versteht. Rauschen gibt es nur, wenn es auch so gewollt ist. Zur Zeit macht mir „More“ auf Vinyl jedenfalls richtig viel Freude!

 

Fazit: „Soundtrack From The Film More“ ist für mich die große Überraschung im Pink Floyd Backkatalog. War dieses Werk von mir bisher gänzlich vernachlässigt worden, so hat es sich gerade als heimlicher Star im Pink Floyd-Universum hervorgetan. Für den Moment jedenfalls. Es ist anders, es ist ein Soundtrack, aber man kann sich wundervoll da reinfallen lassen. Die schöne Covergestaltung ist in diesem Format natürlich hervorragend und auch das 180 Gramm Vinyl macht einen sehr guten Eindruck. Die Geschichte mit dem Riss am unteren Ende des Schutzes kann ja mal passieren.

Pink Floyd: A Saucerful of Secrets (Vinyl)

Parlophone/Warner

VÖ: 03.06.2016

 

Wertung: 8/12

 

Das zweite Album von Pink Floyd - „A Saucerful Of Secrets“ - wurde 1968 veröffentlicht und ist das erste Werk mit David Gilmour. Dies war dann aber auch gleichzeitig mit dem schleichenden Ende von Syd Barrett verbunden. Auf dieser Platte ist nur noch eine Komposition von Barrett vertreten – ein krasser Gegensatz zum Debüt also. Seine psychische Erkrankung (und wohl auch die Drogensucht) durchziehen das Werk und beschäftigten seine Kollegen hier nachhaltig. Zwei Songs, nämlich „Scream Thy Last Scream“ und „Vegetable“, die von Barrett komponiert wurden, blieben unveröffentlicht, weil sie als unhörbar eingestuft wurden. Da er immer unzuverlässiger wurde, holten seine Kollegen dann Gilmour als zweiten Gitarristen in die Band. Der favorisierte Jeff Beck war zu teuer.

 

„A Saucerful Of Secrets“ sollte zunächst von fünf Musikern eingespielt werden und es war durchaus angedacht an Barrett festzuhalten. Es ging aber nicht und so wurden die letzten Aufnahmen von Gilmour alleine bestritten. Damit war die Pink Floyd-Formation geboren, die zu Weltruhm gelangen sollte. Allerdings noch nicht mit „A Saucerful Of Secrets“, denn die Platte konnte sich in den USA nicht in den Charts platzieren. Der Weg war aber geebnet. Dies ist aber auch das erste Werk bei dem sich Hipgnosis für die Covergestaltung verantwortlich zeigt. Diese fruchtbare Zusammenarbeit – speziell mit Storm Thorgerson – ist für einige der bekanntesten und ikonischen Cover der Musikgeschichte verantwortlich. „Corporal Clegg“ ist zudem der erste Song, bei dem Nick Mason für den Gesang zuständig ist. Das Ergebnis ist allerdings wenig aufregend.

 

Das Album ist für sich gesehen aber keine Sensation. Pink Floyd verstehen es zwar eine Menge Effekte und Spielereien einzubauen, das Songwriting ist aber eher langweilig. Das mag in den 70ern sicher aufregend gewesen sein, aber die Songs haben schon sehr viel Staub angesetzt und wenn man sich mal das ganze Brimborium wegdenkt, dann ist das eher dürftig. Ich muss gestehen, dass ich die Platte bestimmt schon seit zwei Jahrzehnten nicht mehr gehört habe. Jetzt weiß ich auch wieder warum. Waters, auf dem jetzt mehr und mehr der Fokus des Songschreibers lag, war da sicher noch nicht auf dem Zenit angekommen. Bei „Let There Be More Light“ orientiert er sich deutlich an dem Material von Barrett. „Remember A Day“, von Wright geschrieben, hat letztlich auch nur unspannende Klavier- und Orgelpassagen zu bieten. Ansonsten sind Bass und Drums derart monoton, dass man einschläft. Die Gitarre kann da auch nicht gerade als Glanzpunkt bezeichnet werden.

 

„Set The Controls For The Heart Of The Sun“ ist ein typisches Musikstück seiner Zeit. Dazu wird die eine oder andere Sportzigarette die Runde gemacht haben. Irgendwas hat die Nummer aber und übt auch heute noch eine gewisse Faszination aus. Der Titelsong „A Saucerful Of Secrets“ ist mehr oder weniger – wobei die Betonung da auf mehr liegt – eine Soundcollage. Da wird sich ohne besonderen Mehrwert minutenlang ausgetobt. Das ist weder zielorientiert noch songdienlich. Vielleicht lag es auch an den Drogen, die da einige Sinne vernebelt haben dürften. Fans sprechen dem Stück aber durchaus Klassikerpotenzial zu und es gibt sogar Stimmen, die das als die Geburt der progressiven Musik verstehen und die Geburtsstunde von Pink Floyd, die in den 70ern die Musik revolutionierte. Nun ja. „See Saw“ lockert das Album noch mal gekonnt auf. „Jugband Blues“ ist dann der Abgesang von Barrett. Der Track zeigt aber auch, dass sein Abgang kein Verlust für die Band war. Jedenfalls nicht in dieser Form.

Sticker

Warum jetzt diese Vinyl-Ausgabe dann doch auf acht Punkte kommt, liegt nicht unbedingt an der Musik. Zunächst einmal muss man konstatieren, dass das Cover in diesem Format immer noch eine unglaubliche Wirkung hat. Schön zu sehen, dass man sich da an dem ursprünglichen Artwork orientiert hat. Back- und Frontcover kommen erst so richtig zur Geltung. Auch hier bietet sich an, den Sticker von der Umverpackung auszuschneiden und in die Hülle zu legen. Texte oder Beiblätter gibt es übrigens nicht. Und natürlich ist das kein Gatefold-Cover. Die Platte selber steckt in einem schwarzen Inner Sleeve und wird dort sicher aufbewahrt.

„A Saucerful Of Secrets“ liegt als 180 Gramm-Pressung vor. Nach dem ersten positiven optischen Eindruck wird das Teil genauer unter die Lupe genommen. Eine leichte Welle oder Biegung ist da zu erkennen. Oder ist das gar eine optische Täuschung? Die Erleichterung folgt auf dem Fuße. Auf dem Teller dreht sich die Platte wunderbar und die Abtastung ist grandios. Die Nadel wird sich über ihren Lauf freuen. Auch hier hat das Presserk letztlich einen guten Job gemacht.

James Guthrie, Joel Plante und Bernie Grundman zeichnen sich auch für dieses Album für das Remastering verantwortlich. Der Klang ist warm und sehr sauber, kann aber zumindest mich – was aber eben auch an den Songs liegt – nicht wirklich mitreißen. Da es aber ja genug Floyd-Fans gibt, die dieses Werk sehr zu schätzen wissen, dürfte es für die vermutlich klanglich eine kleine Offenbarung sein.

 

Fazit: „A Saucerful Of Secrets“ wird wohl nicht mehr mein Lieblingsalbum von Pink Floyd werden. Wir beide werden in diesem Leben einfach keine Freunde mehr. Daran kann auch die – objektiv gesehen – hervorragende Vinyl-Veröffentlichung nichts mehr ändern. Die Covergestaltung ist in diesem Format natürlich Weltklasse und auch das 180 Gramm Vinyl macht einen guten Eindruck. Insgesamt eine wertige Geschichte und somit verdiente 8 Punkte – wobei es da ein paar Zusatzpunkte für die Aufmachung abseits der Musik gegeben hat!

Pink Floyd: The Piper At The Gates Of Dawn (Vinyl)

Parlophone/Warner

VÖ: 03.06.2016

 

Wertung: 8,5/12

 

Man beginnt logischerweise mit „The Piper At The Gates Of Dawn“, jenem Album von 1967, welches mittlerweile zu einem Mythos geworden ist. Gerne wird hier von der Geburtsstunde der progressiven Musik gesprochen. Das kann man sicher so machen, muss man aber nicht. Im Grunde ist das ein verschrobenes psychedelisches Album, welches „Sgt. Pepper…“ aus dieser Zeit noch weit übertrifft. Benannt wurde das Debüt nach dem siebten Kapitel des Kinderbuchs „Der Wind In Den Weiden“. Natürlich hat dieses Werk dann auch noch diesen legendären Stellenwert, weil Syd Barrett hier federführend tätig war. Acht Kompositionen stammen aus seiner Feder. Zwei Instrumentals entstanden mit Roger Waters, Rick Wright und Nick Mason. „Pow R. Toc H.“ folgt dabei noch herkömmlichen Strukturen und ist sicher auch für ungeübte Ohren nachvollziehbar. „Interstellar Overdrive“ ist die andere Nummer, die sich auf fast zehn Minuten streckt. Von einem Song zu sprechen wäre im Grunde der falsche Ansatz. Dieser Track ist ein wahnsinniger Ritt und eine Soundcollage sondergleichen. „Interstellar Overdrive“ genießt ja schon Kultstatus, aber wer diese klanglichen Eskapaden erstmals hört, könnte mitunter schnell überfordert sein. Man muss sich auf dieses Stück schon einlassen wollen.

 

Der Rest des Albums ist hat zwar jede Menge Gimmicks zu bieten und Pink Floyd waren sicherlich auch schon auf dem Debüt eine Band, die die Studiotechnik für sich zu nutzen wusste, aber im Grunde sind das nette Popsongs, die den Test – und da mögen mir alle Pink Floyd-Fans verzeihen – nicht bestanden haben. Zeitlos ist „The Piper At The Gates Of Dawn“ unter keinen Umständen. Das mag zum Ende der 60er ziemlich abgefahren geklungen haben, hat aber über die Jahrzehnte auch eine ganz dicke Staubschicht angesetzt. Das ist aber ja auch nicht negativ zu verstehen, nur sollte man bei der ganzen Legendenbildung, die sich um diese Platte rankt, die Musik eben nicht vergessen und die ist eben alles andere als zeitlos.

 

Klassikerpotenzial weisen trotzdem eine Vielzahl der Stücke auf. Ganz vorne muss man da „Astronomy Dominé“ nennen. Diese sphärische Reise in den Weltraum holt einen auch heute noch ab. Die Sprachfetzen aus dem Kontrollzentrum verstärken diesen Eindruck nachhaltig. Das hat mitunter sogar was von einer Improvisation. Barrett hatte es aber verstanden songorientiert die ganzen Spielereien zu platzieren. Mit „Lucifer Sam“, „Matilda Mother“ und „Flaming“ folgen drei Songs, die als exemplarisch für die damalige Entwicklung der Populärmusik stehen. Die ganzen Geräusche wie das Klappern und programmatische Klingeln können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Melodien sehr eingängig sind. Teilweise erinnert das (gewollt) an Kinderlieder. Auch „The Gnome“ haftet eine Naivität an, die der psychedelischen Musik ihre Unschuld belässt. „Chapter 24“ spinnt das weiter und mit dem Albumausklang „The Bike“ kriegt der geneigte Hörer zum Schluss noch mal die volle Breitseite der wirren Klänge geboten.

Sticker

Was hat aber nun die Vinyl-Ausgabe zu bieten? Zunächst sticht einem da natürlich die Optik ins Auge. Hier wurde wohl sehr viel Wert auf die Reproduktion der Original-Verpackung gelegt. Dies bedeutet allerdings auch, dass es keine Gimmicks gibt. Keine Texte oder ähnliche Informationen. Das ikonische Covermotiv kommt nun wesentlich besser zur Geltung als bei den vielen CD-Versionen und selbst die 3fach CD Box kann dagegen nicht anstinken. Den Sticker, der auf das frische Remastering hinweist, hat man glücklicherweise nicht auf die Hülle gepappt, sondern auf die Umverpackung. Wer darauf nicht verzichten kann und will, hat ja die Möglichkeit das Teil abzuknibbeln und dann auch das Cover zu kleben. Aber mal ehrlich, wer macht das schon? Das wäre ja ein Frevel. Ausschneiden und in die Hülle legen geht ja auch. Es handelt sich hierbei selbstverständlich nicht um ein Gatefold Cover! Die Platte steckt nicht direkt in der Hülle, sondern einem schwarzen Inner Sleeve, welches hervorragend als Schutz dient.

Gepresst wurde „The Piper At The Gates Of Dawn” auf 180-Gramm-Vinyl. Das schwarze Gold lässt sich sehr leicht aus der Hülle nehmen. Die erste Überraschung ist das Handling, denn gefühlt hat man schon schwerere und stabilere 180-Gramm-Vinyl in den Händen gehalten. Kann aber natürlich nicht der Fall sein. Nach der ersten optischen Begutachtung macht das Teil einen hervorragenden Eindruck. Wellen sind keine erkennbar und auch sonst sind keine Verbiegungen oder Materialschäden auszumachen. Dieser Eindruck bestätigt sich dann auch auf dem Teller. Die Nadel läuft sehr ruhig und gleichmäßig in der Rinne. Manchmal gleicht das ja einem Glücksspiel und die Pressungen sind oftmals fehlerbehaftet. Das ist bei dieser LP in keinster Weise der Fall. Da hat das Presswerk einen wirklich guten Job erledigt.

James Guthrie, Joel Plante und Bernie Grundman haben das Album gemastert. Jetzt müssen alle Hüter des heiligen Grals aber ganz stark sein, denn selbiges liegt als Stereo-Version vor! Was diesen Aspekt betrifft, gibt es ja einen Glaubenskrieg und nicht wenige Stimmen behaupten, dass „The Piper At The Gates Of Dawn“ nur in der Mono-Variante das einzig Wahre wäre. Ganz ehrlich, geschenkt. Der Klang ist warm und sehr sauber. Da es in diesem Haushalt das Album bisher nur in einer einzigen Variante gibt, nämlich eine der ersten CD-Veröffentlichungen und somit keine weiteren Vergleichsmöglichkeiten vorhanden sind, gleicht das nun klanglich einem Quantensprung! Unter diesem Gesichtspunkt kann ich sogar davon sprechen, dass ich dieses Debüt so noch mal ganz neu erleben kann.

 

Fazit: Lange musste man warten, jetzt endlich wird nach und nach der Backkatalog von Pink Floyd auf 180 Gramm Vinyl veröffentlicht – selbstverständlich alles als Remaster. Optisch hat man sich bei „The Piper At The Gates Of Dawn” an er ursprünglichen Version orientiert. Dies bedeutet dann aber auch, dass es eben nur die Hülle, Inner Sleeve und Platte gibt! Die Scheibe selber macht einen hervorragenden Eindruck und klanglich stellt das eine echte Verbesserung gegenüber (meiner) der CD dar! Insgesamt ein sehr gelungener Einstieg in die Vinyl-Welt von Pink Floyd. Musikalisch hat das Album einigen Staub angesetzt, es ist aber eben auch ein Spiegelbild jener Tage.

 

http://www.pinkfloyd.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Pink Floyd: The Endless River

Pink Floyd: The Endless River

Parlophone/Warner

VÖ: 07.11.2014

 

Wertung: 8/12

 

Da ist es also, das letzte Vermächtnis von Pink Floyd. Jenes sagenumwobene letzte Album, welches im Vorfeld der Veröffentlichung aufgrund des Covers von „The Endless River“ schon mit reichlich Häme und Spott überschüttet wurde. Jetzt, wo das Ding im Hardcover-Einband mit Leinenrücken vor einem liegt, ist es überhaupt nicht mehr so schlimm. Haptik ist eben doch wichtig, auch wenn sich ein Großteil nur noch lieblos die Musik im Netz besorgt – und da sind legale Quelle auch nicht gerade das gelbe vom Ei. Bei einer Band wie Pink Floyd war die Covergestaltung ja sowieso immer von immenser Bedeutung.

 

Manchmal wünscht man sich einfach mehr Zeit. „The Endless River“ braucht nämlich Zeit, viel Zeit. Man muss sich mit dieser Platte sehr lange beschäftigen um in die vielseitigen Songstrukturen einzutauchen. Die Zeit hat man aber leider nicht, wenn das Rezensionsexemplar am Samstag auf dem Tisch liegt, die Review am besten aber schon am Vö-Freitag online sein sollte. Die Netzgemeinde ist ja sowieso in heller Aufruhr. Wie machen die das? Wie kann man – und das kann man durchaus unterstellen, dass die meisten am Vö-Tag maximal auf einen Durchlauf gekommen sind – schon eine Rezension zu diesem Album schreiben, die halbwegs seriös ist? Bei den Fans verhält es sich nicht wesentlich anders. Viele verteufeln „The Endless River“ als unwürdigen Abschluss der Diskografie, während die einen ein weiteres Meisterwerk ausgemacht haben wollen. So einfach ist es vermutlich nicht. Ganz ehrlich, für dieses Album sehe ich mich nach jetzt nunmehr drei Durchläufen nicht im Stande ein aussagekräftiges Review zu verfassen.

 

Wäre dieses Album nicht von Pink Floyd, dann würde sich vermutlich kaum einer dafür interessieren. „The Endless River“ ist einfach viel zu speziell, viel zu meditativ und im Grunde in der New Age-Ecke angesiedelt. Teilweise hört sich das wie Filmmusik für ein Science Fiction-Großwerk an („It´s What We Do“). Die Songs – sofern man bei dieser Instrumentalmusik, die Pink Floyd 1993 im Rahmen ihrer Division Bell`-Sessions aufnahmen von Songs sprechen kann - nehmen den Zuhörer mit auf eine Reise. David Gilmour und Nick Mason hatten dabei auch eine Art Tribut für Rick Wright im Sinn. „The Endless River“ soll im Grunde auch das Spiel von Wright repräsentieren. „Sum“ ist ein wunderbares Beispiel dafür, aber auch Gilmour zeigt seine vielen Facetten.

 

Viele Tracks bewegen sich dabei sogar unter der zwei Minuten Marke. Dies ist insofern bemerkenswert, da es sich hierbei ja nicht um irgendeine Wald- und Wiesenkapelle handelt, sondern um eines der Prog-Schlachtschiffe schlechthin. „Divison Bell“ ist naturgemäß überall zu erkennen. Dies trifft ja sogar auf den Albumtitel zu, der sich aus einer Zeile von „High Hopes“ speist. Und Wright? Das Vorhaben den Mann noch mal richtig zu würdigen gelingt vollends. Gerade der Anfang mit „Things Left Unsaid“, „It´s What We Do“ und „Ebb And Flow“ wird auch deutlich von ihm getragen. Überhaupt schimmern auf dem Album überall seine Keyboardflächen, sein dezentes Pianospiel und die erhabenen Klänge, die er der Orgel entlockt, durch. Wenn man so will, dann duelliert sich Wright oftmals sogar mit Gilmour, der den Blues überall durchschimmern lässt. Wright hat die Klassik und sogar ein Stück Jazz einfließen lassen. Ganz zum Schluss gibt es bei „Louder Than Words“ den einzigen Vocal-Track zu hören. Ein letztes Finale und ein letztes Ausrufezeichen unter diese großartige Karriere und einen der besten Backkataloge der Musikgeschichte!

 

Fazit: Ist „The Endless River“ nun ein würdiges Ende der Geschichte von Pink Floyd? Daran werden sich mitunter die Geister scheiden. Es könnte sogar sein, dass diese Platte schnell in Vergessenheit gerät. Dies beruht wahrscheinlich nur auf der Tatsache, dass die Band derart viele Meisterwerke im Backkatalog hat, dass man, sofern man Pink Floyd-Musik hören möchte, nicht als erste Wahl zu „The Endless River“ greifen wird. Dies trifft aber ja auf jede große Band der Musikgeschichte zu und als erstes legt man eben deren Meilensteine in den Player oder auf den Teller. Dieses meditative Werk hier braucht Zeit, Zeit sich voll zu entfalten und bis man es mit all seinen Facetten ganz erfasst hat. „The Endless River“ hört sich nicht nach 2014 an, muss und will dieses Album aber auch nicht. In dieser hektischen Zeit von 2014 wirkt die Musik von 1993 jedenfalls ungemein entschleunigend. Vor dem Hintergrund, dass dieses Werk noch nicht allzu oft rotieren konnte, gibt es vorsichtige 8/12. In ein paar Wochen kann das allerdings schon anders aussehen und der Daumen leicht nach unten oder oben gehen! Man sollte sich die Version mit der Blu-Ray gönnen, die enthält das Album in hochauflösendem 5.1 Surround (DTS Master Audio & PCM, 96/24), plus PCM Stereo 96/24!

 

 

http://www.pinkfloyd.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Pink Floyd: The Wall Experience Edition (3CD)

Pink Floyd: The Wall Experience Edition (3CD)
EMI
VÖ: 24.02.2012

 

Wertung: 11/12

Tipp!

 

Der Pink Floyd Veröffentlichungsreigen geht in die nächste Runde. Oder sollte man hier gar von einem Wahn sprechen? Fakt ist jedenfalls, dass der geneigte Fan ganz tief in die Tasche greifen muss und musste, sofern er sich wirklich alles in den Schrein stellen mag. Es gibt aber auch einiges zu entdecken und selbst die Hardcore-Fans dürften sich nicht nur über die Optik, sondern eben auch über das bisher unveröffentlichte Material freuen. Die „Experience Edition“ von „The Wall“ ist das Minimal-Pflichtprogramm!

Im September 2011 wurde ja schon die „Discovery-Version“ veröffentlicht. Über das eigentliche Album muss man nicht mehr viele Worte verlieren, das Material ist ja hinlänglich bekannt. Was schon letztes Jahr auffiel und sich jetzt abermals mit der „Experience Edition“ bestätigt, ist der saubere Klang. Klar, Pink Floyd waren in dieser Hinsicht schon immer das Nonplusultra, aber in den ganz ruhigen Passagen war ein leichtes Rauschen im Hintergrund zu vernehmen. Mit der neuerlichen Überarbeitung ist das nun endgültig Geschichte.

Die Thematik von „The Wall“ über menschliche Isolation und Verlassenheit wird aber nie zu den Akten gelegt werden können und wird so lange Menschen diesen Planeten bevölkern aktuell bleiben. Der – mehr oder weniger – Alleingang von Roger Waters wird ja immer wieder kontrovers diskutiert. Manch einer zählt dieses Doppel-Album nicht mal zu den besten Werken der Band. Für andere wiederum ist es der Meilenstein schlechthin. Die Wahrheit liegt – wie so oft – sicher irgendwo in der Mitte, sofern man diese Platte mit dem gesamten Backkatalog vergleicht. Für sich gesehen ist „The Wall“ ein Meisterwerk!

Die „Experience Edition“ ist aufgrund der dritten CD höchst interessant. Über satte 75 Minuten kann man „Work In Progress“ lauschen und noch mal ganz tief in „The Wall“ eintauchen und die einzelnen Songs noch mal aus einer anderen Perspektive erleben. Unterteilt wurde das in drei Teile – hier mit Programme 1, 2 und 3 bezeichnet. Der brillante Klang ist für diese Phase der Songs schier unglaublich. Da hat man auf ähnlichen Veröffentlichungen von anderen Bands schon ganz andere Demos angeboten bekommen.

Nicht alle Tracks weichen erheblich von den Album-Versionen ab. Dies liegt aber auch in der Natur der Sache. Trotzdem kann man gerade „Another Brick In The Wall“ noch mal ganz neue Facetten abgewinnen. Gerade der klassische Auftakt und der düstere und langsamere Ansatz von „Part I“ aus Programme 1 ist doch extrem spannend. Auf den Text sollte man ebenfalls achten. „Mother“ hingegen ist schon recht nahe an der veröffentlichten Version dran. Mit „The Thin Ice“ findet sich aber auch in dieser ersten Phase ein kleines Schätzchen wieder, während andere Nummern – wie „Teacher Teacher“ - das Gesamtbild und die Geschichte zwar noch mal auf eine andere Ebene heben, aber mehr als nett ist das nicht, da der Gesang auch leicht neben der Musik liegt. Zudem hat Gilmour auch schon mal spannendere Motive gezaubert. „In The Flesh?“ hat noch nicht ganz die Charakteristika der späteren Version erreicht und kommt um einiges rauer daher. Gerade Bass und Drums treten hier deutlich in den Vordergrund. Programme 2 hat abermals eine gänzlich andere Version von „Another Brick In The Wall Part I“ zu bieten. Wie sich das Stück aus einer komplett anderen Perspektive in die Ohren fräst ist schon interessant. Letztlich ist das zwar nicht mehr als eine Demo-Version, aber die Entstehungsgeschichte dieses monumentalen Songs derart intensiv zu verfolgen ist schon immens interessant. Das gilt natürlich auch für „Part 2“ und „Part 3“. Von besonderem Interesse dürfte auch „The Doctor“ sein, denn schließlich ging daraus der vielleicht beste Song von „The Wall“ hervor - „Comfortably Numb“.

Fazit: „The Wall“ ist ein Meilenstein der Musikgeschichte, auch wenn es nicht die beste Platte von Pink Floyd sein mag. Die „Experience Edition“ von „The Wall“ gewährt nun noch mal ganz neue Einblicke in die Entstehungsgeschichte dieser monumentalen Musik. Als Zuhörer ist man hautnah an der Ausarbeitung der Songs dran. Die Klangqualität ist selbstverständlich exzellent! Sollte in keiner Sammlung fehlen!
 
http://www.pinkfloyd.com/

Text: Torsten Schlimbach

Pink Floyd: Wish You Were Here (2CD Experience Version)

Pink Floyd: Wish You Were Here (2CD Experience Version)

EMI

VÖ: 04.11.2011

 

Wertung: 12/12

Tipp!

 

Die große Veröffentlichungsoffensive des Backkatalogs von Pink Floyd geht in die nächste Runde. Mit der Experience Version von „Wish You Were Here“ kommt nun auch ein frühes Meisterwerk der Band zu neuen Ehren. Unfassbar, dass diese Platte nun schon geschlagene 36 Jahre auf dem Buckel hat! Hört man sich diese fünf Songs an, dann braucht sich das im Jahre 2011 keineswegs zu verstecken – im Gegenteil. Und dies gilt nicht nur für die musikalische Umsetzung, sondern auch für die brillante Produktion!

 

Insofern stellt sich bei Pink Floyd sowieso immer wieder die Frage, ob die Alben überhaupt einer klanglichen Runderneuerungen bedürfen. Es war und ist mal wieder ein Hochgenuss den Bandmitgliedern beim Zusammenspiel zu zuhören! Jede noch so kleine Nuance, noch so unscheinbare Note ist glasklar zu hören. Eingerahmt wird die Platte von dem großartigen „Shine On You Crazy Diamond“! Unterteilt in neun Stücke ist das einer der besten monumentalen Songs der Musikgeschichte. Das fein akzentuierte Spiel von Gilmour ist immer noch unerreicht. Wie er beseelt auf diesen vier Tönen reitet ist nicht nur magisch, sondern einer DER Momente von Pink Floyd. Dabei sollte man aber nicht das Fundament vergessen, welches Mason, Waters und Wright hier ausrollen und Gilmour erst die Möglichkeit zur Entfaltung bieten. Ein erhabenes Manifest! Das grandiose Artwork und die traumhafte Aufmachung runden dieses Meisterwerk perfekt ab.

 

Die zweite CD ist dann was für die Raritätenkiste. Los geht es mit drei Songs aus Wembley von 1974. „Shine On You Crazy Diamonds“ erstreckt sich auf über 20 Minuten. Bedenkt man das Alter der Aufnahme, dann ist man schier sprachlos! Die Grenzen zwischen Studio und Konzert scheinen zu verwischen. Die Klangqualität ist derart brillant, dass man nicht glauben kann, dass dies live ist. Das Spiel von Gilmour lässt ebenfalls nicht darauf schließen, dass dies nicht mehrmals nachbearbeitet wurde. Wie er über sechs Minuten diesen Songs vorantreibt scheint nicht von dieser Welt zu sein. Magisch beschreibt es wohl mit den richtigen Worten. Überhaupt war das Zusammenspiel der Band zu dieser Zeit formidabel. Das klaustrophobische „Raving And Drooling“ ist ein Manifest der Stilwechsel. Der Blues scheint immer durch, aber darauf baute Pink Floyd und besonders Gilmour ja sowieso immer auf. „You´ve Got To Be Crazy“ fängt als Lagerfeuerromantik an, baut sich aber immer weiter zu einem melancholischen und schwebenden Sound auf der Seinesgleichen sucht – auch heute noch. Wenn die Gitarre aufheult, dann wird man in ganz andere Welten entführt.

 

Im krassen Gegensatz dazu steht „Wine Glasses“ des Household Objects Projekts. Das wabert zwei Minuten so vor sich hin und darauf hätte man gut und gerne verzichten können. Da ist die Alternative Version von „Have A Cigar“ schon interessanter – man achte auf den Text und die Art des noch fordernden Gesangs. „Wish You Were Here“ mit Stéphane Grappelli gibt dem Song eine besondere Note. Gerade das Geigenspiel lässt die Nummer in einem ganz anderen Licht erscheinen. Wunderbar, dass man dies hier mit auf die zweite CD gepackt hat.

 

Fazit: „Wish You Were Here“ von Pink Floyd ist für sich gesehen ja schon ein Überalbum – ein Meisterwerk der Musikgeschichte. Die „Experience Edition“ setzt dem nun die Krone auf. Die Livetracks lassen nur erahnen, dass die Band eigentlich von einem anderen Stern stammt. Auch die Studio Recordings veredeln – bis auf „Wine Glasses“ - diese Ausgabe zusätzlich. Das neugestaltete Digipak und von Storm Thorgerson designte 20-Seiten-Booklet runden die Geschichte sehr schön ab. Ein Klassiker!

 

http://www.whypinkfloyd.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

Pink Floyd: A Foot In The Door – The Best Of Pink Floyd

Pink Floyd: A Foot In The Door – The Best Of Pink Floyd

EMI

VÖ: 04.11.2011

 

Why Pink Floyd? ist vermutlich die größte Veröffentlichungsoffensive einer Band in Bezug auf den Backkatalog. In vielen verschiedenen Formaten kann man sich die großartigen Alben der Art-Rock Pioniere in ganz neuem Klanggewand nun zulegen. Das Haus steht und das Fundament ist mehr als solide, aber ein neuer (klanglicher) Anstrich musste her und wo man gerade dabei war, hat man noch jede Menge andere Schmankerl auf die üppigeren Editionen gepackt. Eine tolle Box ist dann das Sahnehäubchen. Fans dürften dieses Jahr auf den Sommerurlaub verzichtet haben, damit der Schrein damit auch entsprechend befüllt werden kann.

 

Soweit so gut! Was fehlt noch? Genau, eine „Best Of“ darf da natürlich nicht fehlen, damit auch wirklich jedes Marktsegment bedient wird. „A Foot In The Door – The Best Of Pink Floyd“ schließt nun auch diese Lücke. Selbstverständlich sind auch diese Tracks remastered. Aber jetzt mal Hand auf die Herzchen, das macht bei einer Band wie Pink Floyd ja nun so gar keinen Sinn! Wie kaum eine andere Band war bei Pink Floyd immer das große Ganze wichtig. Es ging nicht nur um eine lose Ansammlung von Hits sondern um Konzeptalben! Auch die komplette Ausstattung und das Artwork waren von rudimentärer Bedeutung! Man kann gar nicht einzelne Songs aus diesen Gesamtkunstwerken raus reißen, denn damit wird das Bild und auch die Intention, die hinter den Songs steht, komplett verfälscht!

 

„The Best Of“ ist im vorliegenden Fall dann auch nicht richtig. Das sind sicher nicht die besten Songs von Pink Floyd! Vielleicht kann man sich auf Hits einigen, aber selbst das stimmt nicht. So mancher Prog- und Art-Rock Brocken fehlt auf dieser Zusammenstellung, was selbstverständlich in der Natur der Sache liegt, denn sonst hätte man das Ding mit fünf Songs schon alleine gefüllt. Da passt die Bezeichnung „A Foot In The Door“ schon wesentlich besser. Letztlich kann diese Zusammenstellung auch nicht mehr bieten und für Neueinsteiger ist das ein ganz kleines Puzzleteilchen in die Welt von Pink Floyd!

 

Sechzehn Songs ebnen einem also den Weg in den Kosmos dieser Band. Dabei ist dann auch tatsächlich vieles, was man als Hit oder bekannten Song betiteln kann. Bei „Hey You“ geht die Reise los, landet bei „Another Brick In The Wall Pt.2“ und „Have A Cigar“, hat selbstverständlich auch „Wish You Were Here“ und „Comfortably Numb“ zu bieten und „Shine On You Crazy Diamond“ (leider nur in der editierten Version) und Eclipse“ dürfen auch nicht fehlen. Das neu zusammengestellte Artwork von Meister Storm Thorgerson rundet die Geschichte ab und dürfte für Fans der größte Kaufanreiz sein.

 

Fazit: „A Foot In The Door – The Best Of Pink Floyd“ ist nicht mehr als ein kleiner Einstieg in die Welt dieser einzigartigen Band. Wer tatsächlich nur ein paar der bekanntesten Songs braucht, ist hier natürlich goldrichtig. Im Grunde werden diese – losgelöst vom Gesamtkonzept der jeweiligen Alben – aber keineswegs dem gerecht, was Pink Floyd eigentlich ausmacht. Als Türöffner und Einstieg mag das funktionieren, aber nach und nach wird sich jeder, der einmal angefixt wurde, sowieso die Meisterwerke von Pink Floyd anschaffen.

 

http://www.whypinkfloyd.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

Pink Floyd: The Dark Side Of The Moon (Discovery-Version)

Pink Floyd: The Dark Side Of The Moon (Discovery-Version)

EMI

VÖ: 23.09.2011

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Pink Floyd sind zurück. Pink Floyd melden sich eindrucksvoll zurück. Pink Floyd mit ihren Meisterwerken in klanglich beeindruckender Form. So oder so ähnlich könnten die Meldungen lauten, wenn es dieser Tage um die bedeutendste Art-Rock des Planeten geht. Die Veröffentlichungsoffensive, die nun über den geneigten Fan hereinbricht, hat es in diesem Ausmaße wohl auch noch bei keiner Band gegeben. Im Grunde wird das Tafelsilber und der Goldschatz gleich mit verscherbelt. Alles kommt unter den Hammer und alles muss raus. Es ist ein bisschen wie beim Schlussverkauf. Es gibt allerdings einen gravierenden Unterschied: bei Pink Floyd gibt es keine Ramschware!

 

Uns liegt zur Besprechung als erstes das legendäre Meisterwerk „The Dark Side Of The Moon“ von 1973 vor. Selbstverständlich ist die Scheibe auch klanglich überarbeitet worden. Man stellt sich allerdings auch die Frage, ob dies überhaupt notwendig war. Wie kaum eine andere Band haben Pink Floyd immer sehr viel Wert auf die Sound-Ästethik gelegt. Das gleich immer alles einer Offenbarung und war und ist ein Hörgenuss sondergleichen.

 

Wer sich also auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen möchte, der kauft sich die Einzel-CD von „The Dark Side Of The Moon“ in neuem Klanggewand. Dieses Album mutierte zur ersten Nr. 1 in den USA. Es hielt sich unglaubliche 741 Wochen in den Charts! Somit ist dieses epochale und monumentale Album eines der meistverkauften der Musikgeschichte! Die neuerliche Veröffentlichung wurde von James Guthrie und Joel Plante vom original Studio-Album remastert. Das Digi-Pack enthält übrigens ein Booklet mit den Songtexten und wurde zudem von Storm Thorgerson designt, wodurch sich die Wertigkeit noch mal erhöht.

 

Für Fans ist natürlich die klangliche Weiterentwicklung von Interesse. Wer Sorge hatte, dass der ursprüngliche Charakter der Songs nun verfälscht wird, kann diese nun zu den Akten legen. Trotzdem stellt sich die Frage nach dem Sinn. Es gibt ja schließlich schon eine remasterte Version und auch die Mehrkanalversion hat schon so manches Fanherz in Entzückung versetzt. Im Grunde war die Stereoversion eine Klasse für sich, aber auch die SACD-Hybrid Version war für Klangpuristen eine Offenbarung. Allerdings machte dieser Multichannel-Mix auch nicht jeden glücklich und ist mittlerweile wohl längst wieder überholt. Da dürfte die 2011er Version endlich alle glücklich machen. Also, Kopfhörer ausgesetzt und sich in ungeahnte Klansphären entführen lassen!

 

Was soll man zu diesem Meisterwerk noch schreiben, was nicht längst schon irgendwo verbürgt ist? In Millionen Haushalten ist dieses Album zu Hause. Warum? Weil sich anscheinend eine Menge Leute an dieser psychedelischen und komplexen Musik erfreuen können. Die langsamen und mittleren Tempi entführen einen immer noch in Klangsphären, in die sich nur wenige Musiker der – im weitesten Sinne – Rockmusik vorwagen. Derart sauber und fein austariert kriegen das nur ganz wenige hin, wenn überhaupt! Das beeindruckt immer noch und wenn man bedenkt, dass die Technik vor fast vier Jahrzehnten ja noch lange nicht so ausgereift war wie heute, dann umso mehr. Wie hier Münzengeklimper oder Ladenkassenklingeln verwoben wird, ist schon eine Show für sich.

 

Fazit: Klangästheten kommen mit der neuen Ausgabe von „The Dark Side Of The Moon“ voll und ganz auf ihre Kosten. Pink Floyd haben mit diesem Album Kopfhörermusik der Güteklasse A geschaffen, die nun in perfekter Form zu Geltung kommt – ohne dabei den Charakter der Songs zu verfälschen! Prädikat: besonders wertvoll!

 

http://www.whypinkfloyd.de

 

Text: Torsten Schlimbach

Pink Floyd: Wish You Were Here (Discovery-Version)

Pink Floyd: Wish You Were Here (Discovery-Version)

EMI

VÖ: 23.09.2011

 

Wertung: 11/12

Tipp!

 

Was für „The Dark Side Of The Moon“ gilt, ist auch auf „Wish You Were Here“ anzuwenden. Auch von dieser Platte erscheint nun eine überarbeitete Version. Diesem Projekt haben sich selbstverständlich auch James Guthrie und Joel Plante angenommen. Für das Booklet zeichnete sich auch hier Storm Thorgerson verantwortlich, der selbiges designt hat. Das Album selber dürfte ja bekannt sein. Selbiges kletterte nach seiner Veröffentlichung im Jahre 75 direkt an die Spitze der beiden wichtigsten Musikmärkte und enterte also die Nr. 1 in den USA und in UK.

 

Klanglich ist das jetzt der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich alle einigen können. Und dieser Nenner ist da nichts anderes wie das BESTE, was man in der Populärmusik finden kann! Die Hybrid-SACD Version hat im Nachhinein auch einige Kritiker auf den Plan gerufen und die remasterte Version aus den 90ern konnte noch nicht auf die technischen Möglichkeiten von heute zurückgreifen. In letzter Konsequenz werden so die Feinheiten noch besser herausgearbeitet. Man muss allerdings schon genau hinhören, um diese Unterschiede auszumachen. Hier bieten sich mal wieder Kopfhörer an. Trotzdem werden Fans, die diese Platte schon in zigfacher Ausführung im Schrank stehen haben, auch hier wieder neue Klangebenen entdecken.

 

Dieses Album wird dominiert vom klaren Gitarrenspiel, welches deutlich an den Blues angelehnt ist. Den Gegenpart dazu bilden die Keyboardflächen und so mancher monotone Maschinenklang. Die Gesellschaftskritik, die da durchschimmert, hätte nicht besser umgesetzt werden können. Fünf Monumente, die alles aussagen, was es zu sagen gibt. Die Ansichten der Band über das Musikbusiness werden klar und deutlich auf den Punkt gebracht. Das Tribut an Gründungsmitglied Sy Barrett - „Shine On Your Crazy Diamond“ - ist der alles überstrahlende Brocken dieser Platte. Der Titelsong selber avancierte gar zum Hit.

 

Fazit: Das bis dahin vielleicht beste Pink Floyd Album kommt nun selbstverständlich auch in überarbeiteter Klangqualität erneut in die Läden. Auch hier gilt: anschnallen und auf Entdeckungsreise in diesen Klangkosmos gehen. Was die Band an Arrangements und Ästhetik geschaffen hat, wird vermutlich auf immer unerreicht bleiben. Knapp 35 Jahre danach ist dies jedenfalls immer noch der Fall! Darf und sollte in keiner Musiksammlung fehlen!

 

http://www.whypinkfloyd.de

 

Text: Torsten Schlimbach

Pink Floyd: The Wall (Discovery-Version)

Pink Floyd: The Wall (Discovery-Version)

EMI

VÖ: 23.09.2011

 

Wertung: 11/12

Tipp!

 

Das opulente „The Wall“ schließt einstweilen die Veröffentlichungsoffensive von Pink Floyd und EMI ab. James Guthrie und Joel Plante sind abermals für die klangliche Überarbeitung verantwortlich. Storm Thorgerson designte das ausführliche 28-seitige Booklet. Das Digi-Pack dürfte optisch so kaum Wünsche offenlassen und wird dem haptischen Erlebnis ebenso wie dem klanglichen voll und ganz gerecht. Das ist ja nicht ganz unwichtig, da Roger Waters mit seiner letzten Tour die Erinnerungen an dieses epochale Doppel-Album wieder ganz frisch hervorgerufen hat.

 

Über diesen Brocken, ja diese Rock-Oper, ist derart viel geschrieben worden, dass dies ganze Bücher füllt. Gerade der Bildband „The Making Of The Wall“ mit einem Vorwort von Roger Waters hat so manches Mysterium aufgelöst. Mythen und Legenden ranken sich ja sowieso genug um die ambitionierteste Arbeit von Waters. Die Geschichten rund um das Bandgefüge jener Tage sind ja mittlerweile ebenso legendär wie die Platte selbst.

 

Kein anderes Album davor und auch keins danach hat sich derart intensiv mit den Themen menschliche Isolation und Verlassenheit befasst. Gerald Scarfes hat dazu das einzigartige Artwork gezeichnet. Alan Parker adpatierte dies gar für das Kino, wir erinnern uns alle an Bob Geldof in der Hauptrolle. „Another Brick In The Wall Part 2“ wurde zum Hit, aber das Album hat so viel mehr zu bieten und funktioniert nur als Gesamtkonzept. Einzelne Stücke kann man hier gar nicht herausreißen. Was dieses Album von den anderen Konzeptwerken von Pink Floyd deutlich unterscheidet, sind die ungewohnt harten und rockigen Töne. Die Leidensgeschichte des Jungen, der in die totale Isolation getrieben wird, wollte schließlich auch entsprechend verpackt werden.

 

Fazit: „The Wall“ steht nicht umsonst millionenfach in den Haushalten. Die Musik dürfte also bekannt sein. Die Geschichte ebenfalls. Was also von besonderem Interesse sein dürfte, ist die neuerliche klangliche Überarbeitung. War bisher in den ganz ruhigen Parts ein leichtes Rauschen zu vernehmen, so scheint dies endgültig zu den Akten gelegt worden zu sein. Aber keine Angst, Puristen brauchen jetzt nicht in ein lautes Schreien des Entsetzens zu verfallen, denn die Charakteristik der Musik wird so natürlich nicht verändert – im Gegenteil! Das Album scheint so nun endlich auf klanglicher Ebene perfekt ausgearbeitet zu sein!

 

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Text: Torsten Schlimbach

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