Philipp Poisel: Projekt Seerosenteich

Philipp Poisel: Projekt Seerosenteich

Grönland/Rough Trade

VÖ: 17.08.2012

 

Wertung: 7/12

 

Philipp Poisel ist in der Riege der jungen und wilden Singer/Songwriter längst angekommen und zählt durchaus zu einem Popstar mit einem entsprechenden Bekanntheitsgrad. Seine Touren und Konzerte erfreuen sich größter Beliebtheit und doch wollte er nach einem langen Festival-Sommer 2011 wieder etwas den Fuß vom Gaspedal nehmen. Reduzierter sollte es sein. Weniger laut, dafür umso leiser. Nachdenklicher und eben mehr Wert auf kleine Nuancen legen. Dazu gehörte auch das Bühnenbild.

 

Ja, Philipp Poisel hat alles umgeschmissen und seine Songs teilweise neu arrangiert und für jeden ein eigenes, angefertigtes, handbemaltes Bühnenbild entworfen. In den Umbaupausen wurden kleine Zirkusnummern aufgeführt. Diese hört man auf seiner neuen CD natürlich nicht, dafür aber das vierköpfige Streicherquartett. Es ist ein Livealbum und wurde auf den Namen „Projekt Seerosenteich“ getauft. Ein fast vergessener Titel seines ersten Albums.

 

„Projekt Seerosenteich“ fängt das reduzierte Konzept sehr gut ein. Die Stimme steht im Vordergrund. „Zünde alle Feuer“ ist so ziemlich der einzige Track auf weiter Flur, der dann auch mal ein bisschen geradeaus rockt. Der Rest konzentriert sich auf das nackte Gerüst. Jede kleine Nuance ist so natürlich zu hören, gar jedes kleine Atmen. Unplugged im besten Sinne des Wortes. Musik wie sie einst sein sollte. Ehrlich, authentisch und mit viel Seele und Herzblut. Philipp Poisel lässt alles künstliche vor der Tür.

 

Man muss allerdings auch die etwas gewöhnungsbedürftige Singstimme von Poisel mögen, die kommt hier nämlich mehr denn je zur Geltung. Und durch die Pausen, die selbstverständlich ein- und ausgeblendet werden, ist der Albumfluss etwas gestört. Natürlich kommen auch Hits wie „Eisener Steg“ oder „Bis nach Toulouse“ so voll zur Entfaltung. Herausragend sind aber die ganzen leisen Momente der Platte. „Wie soll ein Mensch das ertragen“ ist derart eindringlich, dass man die Spannung körperlich greifen und fühlen kann. „Durch die Nacht“ ist beispielsweise wunderschön instrumentiert, zerbricht allerdings am Gesang – die Damenwelt wird diese verträumte Art lieben.

 

Fazit: „Projekt Seerosenteich“ zeigt Philipp Poisel von einer etwas anderen Seite. Seine Singer/Songwritersongs kommen in dieser reduzierten Form gerade musikalisch voll und ganz zur Geltung. Die eingesetzten Streicher verstärken den intensiven Eindruck. Die Stimme von Poisel ist allerdings mehr denn je gewöhnungsbedürftig. Für Fans allerdings eine tolle Platte!

 

http://www.philipp-poisel.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
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