Peter Gabriel: And I´ll Scratch Yours

Peter Gabriel: And I´ll Scratch Yours

Universal

VÖ: 20.09.2013

 

Wertung: 8/12

 

Peter Gabriel hat sich 2010 einem ganz besonderen Projekt angenommen und ein Album verwirklicht, welches Kritiker und Fans gleichermaßen begeisterte. Er nahm sich die Songs von Kollegen wie den Talking Heads, Lou Reed, Radiohead, Arcade Fire oder Bon Iver – um nur einige zu nennen – an und arrangierte diese teilweise um und nahm diese Stücke dann im typischen Gabriel-Gewand ganz neu auf. Das Ergebnis war „Scratch My Back“ und fügte dem Gesamtkatalog von Gabriel eine feine Fußnote hinzu. Jetzt hat sich eine Vielzahl dieser Künstler revanchiert und Songs von Peter Gabriel aufgenommen. Das Ergebnis liegt nun mit „And I´ll Scratch Yours“ vor.

 

Die Trackliste und die Schar der Musiker ist natürlich schon beeindruckend, aber noch beeindruckender ist es natürlich, was aus den klassischen Peter Gabriel Stücken gemacht wurde. Es liegt natürlich in der Natur der Sache, dass dies alles recht unterschiedlicher Natur ist. Dies bleibt ja auch nicht aus, wenn man Interpreten vom Schlage eines Randy Newman, Loud Reed, Arcade Fire oder Regina Spektor auf einem einzigen Album vereint. Gabriel Fans dürften dabei den einen oder anderen Klassiker nicht mehr wiedererkennen.

 

Ganz vorne dabei wird „Solsbury Hill“ sein. Was der alte Grantler Loud Reed hier veranstaltet, spottet jeder Beschreibung. Eine Feedbackorgie und der Nichtgesang machen es einem schon nicht leicht. Dazu gesellt sich eine Soundcollage, die die klassische Songstruktur eigentlich ad absurdum führt. Dagegen wirkt „Biko“ in der Paul Simon Version wie Urlaub für die Ohren – allerdings auch weitaus langweiliger. Die reduzierte Klackerinterpretation von Feist und Timbre Timbre bei „Don´t Give Up“ verfremdet das Original allerdings auch nicht total. Hier stimmt die Balance und der etwas andere Ansatz fügt dem Song tatsächlich eine neue Note hinzu.

 

Mit „Mother Of Violence“ in der Brian Eno Interpretation ist ein weiterer Song dabei, der kaum noch etwas mit der Peter Gabriel Version zu tun hat. Übrig bleibt ein eher unhörbarer Soundbrei. Das hat nichts mit Kunst zu tun, sondern mit Zerstörung. Der Totalausfall des Albums ist somit auch gefunden. Da ist die wunderschöne Pianoversion von „Blood Of Eden“ von der großartigen Regina Spektor spannender und nachhaltiger. Tolle Umsetzung! Die wabernden und pluckernden Klänge bei „Not One Of Us“, die sich Stephin Merritt ausgedacht hat, sind nur leidlich spannend und Joseph Arthur versucht sich bei „Shock The Monkey“ als Gabriel-Double. Randy Newman gibt bei „Big Time“ eben den Randy Newman – was denn auch sonst? War ja klar, dass der Mann nicht in die Versuchung gerät etwas zu kopieren. Arcade Fire liefern mit „Games Without Frontiers“ einen eher enttäuschenden Beitrag ab. Das hätten die Einstürzenden Neubauten vermutlich besser und interessanter gelöst. Elbow lassen „Mercy Street“ zu einen erhabenen Stück anwachsen. Diese tolle Band macht daraus keine neue Nummer, ergänzt aber das bekannte Gabriel-Terrain um ein paar tolle Nuancen.

 

Fazit: „Scratch My Back“ war in der Summe wesentlich einheitlicher als „And I´ll Sratch Yours“. Aber das war ja abzusehen, da es eben einen gravierenden Unterschied macht, ob sich ein Künstler Songs verschiedener anderer Künstler annimmt oder ob unterschiedliche Künstler eben Stücke eines Kollegen interpretieren. Trotzdem ist „And I´ll Scratch Yours“ extrem interessant und lebt von seiner Vielfalt. Nicht alles ist über alle Maßen gelungen, aber vieles richtig gut umgesetzt worden. So hat man die Songs von Peter Gabriel garantiert noch nie gehört!

 

http://petergabriel.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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