P!nk: Beautiful Trauma

P!nk: Beautiful Trauma

Sony

VÖ: 13.10.2017

 

Wertung: 7,5/12

 

Seit dem letzten Album von P!nk hat sich in ihrem Leben eine ganze Menge getan. Es ist seit „The Truth About Love“ ja auch schon wieder sehr viel Wasser den Rhein runtergeflossen. Ein halbes Jahrzehnt ist seitdem vergangen. Musikalisch war sie nicht ganz untätig und zusammen mit Dallas Green hat sie unter dem Pseudonym You+Me ein gemeinsames Album veröffentlicht. Mittlerweile ist P!nk aber auch zum zweiten Mal Mutter geworden. Ein ungünstiger Zeitpunkt aus der Musikpause zurückzukehren. Die Babypause fällt dann eben etwas kürzer aus. Es ist mal wieder an der Zeit für ein neues P!nk-Album, denn ewig warten auch die treusten Anhänger nicht.

 

Die Songs schrieb sie gemeinsam mit Shellback, Steve Mac und Johnny McDaid. Der wichtigste Mensch war während des Entstehungsprozess aber sicher Jack Antonoff, der Mann von den Bleachers und Fun., der ja weiß, wie das mit den Popsongs und deren Produktion so vonstatten geht. Am Ende steht nun „Beautiful Trauma“ mit seinen dreizehn Songs zu Buche.

 

Die Formel für dieses Album ist relativ einfach: alles wie immer! Wer die Dame bisher für ihre Songs mochte, wird sie auch weiterhin fest in sein Herz schließen. Da kann sie sich noch so sehr inszenieren, mit Punk hat das nichts zu tun. „Beautiful Trauma“ ist Popmusik in seiner reinsten Form. Die rotzige Göre, die sie sonst gerne mal raushängen lässt und die man ihr durchaus auch abnimmt, gibt es nicht in ihrer Musik. Das ist insofern keine Wertung, sondern schlicht eine Feststellung. Singen kann die Dame ja bekanntlich sowieso. Der Wiedererkennungswert ist natürlich extrem groß.

 

Musikalische Überraschungen sucht man aber auch vergeblich. Wenn man so will, dann ist das entspannte „Revenge“ noch die Größte. Eifersüchtiger Ex-Freund, Rache am Expartner- alles lässig vertont. Eminem fungiert hier als Duettpartner. Das wird nicht jedem gefallen, ist aber wenigstens interessant und bricht aus dem Schema aus. „Whatever You Want“ ist eine Popballade im Midtempobereich. Ordentlich Bass wurde darüber gelegt und P!nk ist bemüht all ihre musikalischen Facetten zu zeigen. Der Aufbau der meisten Songs ist auch immer gleich gestrickt: ruhiger Beginn und dann wird der große Popbombast aufgefahren. Die unglaublich nervige Single „What About Us“ ließ ja schon nicht viel Gutes erwarten. Zum Glück steht die Nummer aber nicht exemplarisch für das Album.

 

Das zerbrechliche „But We Lost It“, die Akustikballade „Barbie“ oder das voller Selbstzweifel überbordende „Wild Hearts Can´t Be Broken“ sind schon richtig gute Songs! Ruhiger, nachdenklicher und wenn P!nk dann auch noch, wie im Abschlussong „You Get My Love“, eine derart eindringliche Liebeserklärung für ihren Mann singt, kann man auch schon mal eine Träne im Knopfloch haben. Demgegenüber steht dann halt auch eine fröhliche Tanznummer wie „Better Life“. Okayes Ding. Ebenfalls aus der wesentlich stärkeren zweiten Albumhälfte.

 

Fazit: Die lange Durststrecke hat für die P!nk-Fans endlich ein Ende. „Beautiful Trauma“ dürfte die Vielzahl der Anhänger glücklich machen. Das ist ein Popalbum wie es im Buche steht. Ein bisschen mehr Ecken und Kanten hätte man sich da gewünscht. Die Popnummern entsprechen dem Zeitgeist, sind musikalisch aber auch sehr austauschbar. Die Balladen sind die Stärke von „Beautiful Trauma“. Die zweite Albumhälfte ist sowieso gehaltvoller wie die erste Rutsche. Der Mainstream hat nun eine seiner schillernden Figuren zurück.

 

https://www.pinkspage.com/home/

 

Text: Torsten Schlimbach

P!nk: The Truth About Love

P!nk: The Truth About Love

Sony

VÖ: 14.09.2012

 

Wertung: 7,5/12

 

Da sage noch einer, selbst die Superstars verkaufen keine CDs mehr. Man gucke sich nur die beispiellose Karriere von P!nk an, seit sie im Jahre 2000 mit „Can´t Take Me Home“ plötzlich auftauchte. Sie hat seitdem von ihren 5 Studioalben alleine 30 Millionen absetzen können. Unglaubliche 65 Millionen Singles konnte sie an die Frau und den Mann bringen und davon sind 20 Millionen mal eben so als legale Downloads zu verbuchen. Wie war das noch gleich mit dem bösen Internet? Ihre Konzerte sind Selbstläufer und mit vielen Preisen ist sie sowieso dekoriert, darunter alleine drei Grammys.

 

Trotzdem war die letzten vier Jahre fast Funkstille. Gut, P!nk Songs laufen irgendwo immer im Radio und eine Werkschau gab es auch schon und selbstverständlich waren die beiden ausgekoppelten Tracks auch schnell Hits und Chartsstürmer. Ansonsten machte sich die Dame nach "Funhouse" aber rar. Die Beziehung zu ihrem Ehemann füllte die Klatschspalten und dann wurde sie auch noch Mutter. Zeit für eine Pause also. Diese wird nun mit „The Truth About Love“ beendet. Das Thema Liebe nicht – wie könnte es auch?

 

P!nk erzählt auf „The Truth About Love“ meist von den dunklen Seiten und Stunden der Liebe. „At the same time I wanna hug you/I wanna wrap my hands around your neck''. Na, wer könnte hier gemeint sein? Ihr Ehemann Carey Hart und die schwierige Beziehung der beiden wird hier mal wieder thematisiert. P!nk kann auch gar nicht anders. Immer mit offenem Visier voran. Wer also dachte, dass die Dame als Mutter gemäßigter zu Werke geht, kann sich beruhigt zurücklehnen. Sie hat aber ja noch nie lange um den heißen Brei herumgeredet und dies unterscheidet sie eben von den Kolleginnen. In dieser Hinsicht müssen sogar ihre größten Kritiker anerkennen, dass sie sich nie verstellt und dies immer authentisch ist. Sie bringt die Dinge auf den Punkt und nennt diese beim Namen.

 

Das ist es dann auch schon gewesen mit der Punkgöre, als die sie sich und die Marketingstrategen bisweilen gerne inszenieren. Dafür ist das doch alles zu sehr auf Hochglanz getrimmt. „The Truth About Love“ ist natürlich – wie könnte es auch anders sein – lupenreiner Pop. Dazu gibt es die üblichen Balladen und fertig ist das nächste P!nk Album, welches in Zukunft in vielen, vielen Haushalten zu finden sein wird. Kurioserweise ist es mittlerweile eine Ballade wie „The Great Escape“, die zu ihren großen Stärken zählt. Gerade das raue in ihrer Stimme kehrt sich zu einer Verletzlichkeit um, die ein Stück von ihrem Innenleben freizulegen scheint. Sie kann das aber auch mit dem ganz großen Besteck. „Try“ ist nämlich im Grunde in eine Schublade mit „The Great Escape“ einzusortieren, ist von der Aufmachung aber eben völlig anders. Da darf auch mal eine Gitarre kurz dazwischen funken und der Refrain zum großen Bombast aufgeblasen werden. Passt.

 

Das Duett „Just Give Me A Reason“ mit Nate Ruess ist allerdings dann doch zu schmalzig und zwischen Schlager und Queen kriegt man eine Gänsehaut – aber nicht weil das Stück so schön ist! Dann doch lieber Lilly Allen, die bei „True Love“ (Textauszug: Du bist ein Arschloch, aber ich liebe Dich!) mit von der Partie ist. Dieser fröhliche Pop steht im krassen Gegensatz zum deutlichen Text. Was sagt der Ehemann eigentlich dazu?

 

Dazu gesellen sich noch die coolen Tracks vom Schlage „Are We All Are We“ und „How Come You´re Not Here“, die einen wie ein Magnet auf die Tanzfläche ziehen. „Here Comes The Weekend“ ist ein typischer Enimen Track. Kein Wunder, der Mann hat das Ding ja auch mitgeschrieben und ist zum Schluss auch dabei. Steht P!nk erstaunlich gut. Die beiden Straßenköter haben sich aber auch gesucht und gefunden – und das ist bitte positiv zu verbuchen! Der Rest ist Standard, wie man es von der Dame gewohnt ist. Pop, der keinem sonderlich wehtut, aber auch immer eindeutig P!nk zuzuordnen ist.

 

Fazit: „The Truth About Love“ kann problemlos zu den anderen Alben von P!nk gestellt werden. Wer Sorge hatte, dass sie vielleicht gemäßigter und versöhnlicher um die Ecke kommt, wird ganz schnell eines Besseren belehrt. Sie ist so angriffslustig wie eh und je. Musikalisch bewegt sich das zwischen dem bekannten Hochglanzpop und Balladen. Wer P!nk im Jahre 2012 bucht, bekommt genau das, was man erwarten durfte.

 

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Text: Torsten Schlimbach

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