Oasis: (What´s The Story) Morning Glory? – Remastered (Deluxe Edition)

Oasis: (What´s The Story) Morning Glory? – Remastered (Deluxe Edition)

Big Brother Indigo

VÖ: 26.09.2014

 

Wertung: 12/12

Tipp!

 

Der Re-Release von „Definitely Maybe“ war für Oasis-Fans ein wahres Freudenfest. So und nicht anders geht das! Jetzt folgt mit „(What´s The Story) Morning Glory?“ die zweite Platte der Serie „Oasis: Chasing The Sun?”. Selbstverständlich wurde auch dieses monumentale Zweitwerk remastert. Ian Cooper hat sich in Kooperation mit dem Album-Produzenten Owen Morris der Geschichte in den Londoner Metropolis Studios angenommen. Zusammen ging man mit den damals Beteiligten auf Schatzsuche und grub Demos und Live-Material aus. Man kann mit Fug und Recht sagen, dass dieses Album in wirklich jede vernünftige Musiksammlung gehört. Mit bisher 22 Millionen verkauften Einheiten ist dies nicht umsonst Oasis´ kommerziell erfolgreichstes Album. Selbst wer dieses Werk schon im Schrein stehen hat, kann nun erneut bedenkenlos zugreifen. Die zwei weiteren CDs können immerhin mit den B-Seiten, aber auch rarem und unveröffentlichtem Material vollends überzeugen. Dies gilt sowohl für die Quantität wie auch die Qualität.

 

Hört man sich nach langer Zeit mal wieder „(What´s The Story) Morning Glory“ an, dann kann man letztlich nur zu folgender Schlussfolgerung kommen: Verdammte Axt, waren die mal gut. Damals. In den 90ern. Das Album ist gespickt mit Hits und Klassikern für die Ewigkeit. Auf der Insel gab es zu dieser Zeit keine bessere Band. Mit Oasis war es aber auch schon immer so wie mit der englischen Fußballnationalmannschaft, sobald sie das Festland betreten sind sie nicht mehr ganz so gut. Live waren sie in ihrer Heimat einfach unschlagbar. Man muss es einfach erlebt haben, wie einem die Engländer aus tausenden Kehlen „Don´t Look Back In Anger“ entgegenbrüllen. Oasis schufen damit eine Art zweite Nationalhymne – und das will schon was heißen. Das könnte man auch von dem balladesken „Wonderwall“ sagen – ein Hit, der für immer in Stein gemeißelt ist.

 

Das Album ist aber so viel mehr, als nur diese beiden Megahits. „Hello“ ist wieder ein knackiger Vollgaseinstieg in das Album. Und ein Fingerzeig in die Richtung für die sie später eine große Portion Prügel einstecken sollten: „Be Here Now“. „Roll With It“ schließt sich da nahtlos an und macht ordentlich Radau, inklusive Bowie-Verbeugung. Und dann höre man sich mal an, wie der gute Liam den Refrain von „Morning Glory“ rausrotzt. Das Selbstbewusstsein war nicht nur Show, sondern wirklich vorhanden und das auch noch berechtigt. Alleine der Refrain rechtfertigt den Kauf der Platte. Auch dies schallte einem live aus tausenden Mündern entgegen. Gänsehaut. Und wenn eine Band eine Soundwand aus Krach aufbauen darf, dann ist es Oasis.

 

Wie herrlich rumpelt doch „Hey Now“ durch die Straßen von Manchester. Erzähle doch bitte keiner was vom Garagenrock und den ganzen Bands mit dem The im Namen. Oasis konnten auch das besser. Den Glammoment gibt es mit „Some Might Say“ kostenlos obendrauf. Etwas weniger darf es ja beim süßlichen „Cast No Shadow“ sein. Und wie herrlich beschwingt ist doch „She´s Electric“? Und zum Schluss dann noch „Champagne Supernova“. Mund offenstehen. Immer noch.

 

Die zweite CD ist jetzt für Fans nicht unbedingt neu, die B-Seiten sind ja doch bekannt. „Talk Tonight“ ist letztlich auch nicht mehr als eine nette Fingerübung für den Hausgebrauch. Kann man mal machen. „Acquiesce“ walzt dann aber alles nieder. Alles. Das schmissige „Headshrinker“ ist ebenfalls eine Walze. Da knarzt es in den Ohren. Oasis als Punker? Geht doch. „It´s Better People“ wurde gut durchgelüftet und erfreut das Herz mit einer wundervollen Leichtigkeit. Es hat schon einen Grund warum das eine B-Seite ist, aber trotzdem hört man sich das gerne an. Und „The Swamp Song“ gehört in voller Länge zu diesem Album, schon aus diesem Grund macht diese zweite CD Sinn. „The Masterplan“ ist einer der besten Songs von Oasis, der den Weg auf das reguläre Album nicht geschafft hat. Selbstverständlich lässt sich da leicht heraushören, aus welchen anderen Tracks die Nummer zusammengesetzt ist, aber trotzdem ist das ein sehr erhabener Noel-Song, der allerdings – so ehrlich muss man sein – auf das eigentliche Werk nicht gepasst hätte. Der Brendan Lynch Mix von „Champagne Supernova“ hat jetzt nicht viele Änderungen zu bieten, braucht man also nicht unbedingt. „You´ve Got To Hide Your Love Away“ geht ja eigentlich nicht. Kann und sollte man nicht machen. Aber wer, wenn nicht Oasis, dürfen diesen Song covern?

 

Die Raritätenkiste wird dann mit dem dritten Silberling geöffnet. Die Demoversion von „Some Might Say“ ist schon putzig, könnte auch ein Schüler sein, der sich erstmals in seinem Zimmer an einem Song versucht. Die Live-Version von Roskilde ist mit sehr viel Hall unterlegt, das Ergebnis ist da eher zweifelhafter Natur. Es ist ja auch kein Auftritt in der Heimat. Die Demoversion von „She´s Electric“ lässt einen wundervoll am Entstehungsprozess teilhaben. Selbiges gilt auch für „Rockin Chair“. Immer schön auf der Akustikgitarre ausarbeiten. „Morning Glory“ hat in Roskilde zunächst mit ein paar Problemen zu kämpfen, ist dann aber das Ungetüm, welches einem die Albumversion schon versprochen hat. Wunderschön ist das – abermals – akustische Demo von „Hey Now!“. So oft hört man die Stimme von Noel aus dieser Zeit ja auch nicht. „Cast No Shadow“ ist in der Liveversion von „Live At Maine Road“ schon alleine deshalb hörenswert, da die Zuschauer aus vollem Halse mitsingen. „The Masterplan“ ist in der Bühnenvariante gar noch besser wie aus dem Studio. Toller Abschluss der drei CDs!

 

Fazit: Liam und Noel Gallagher erklärten sich und Oasis in den 90ern mal eben zur besten Band der Welt. Dieses Selbstverständnis war echt. Und berechtigt. Wer nach „Definitely Maybe“ im Stande ist so ein Album wie „(What´s The Story) Morning Glory?“ aufzunehmen, der gehört zu den ganz Großen. Ein Album voller Hits und Klassikern. Besser wurde es nicht mehr, nur anders. Die Geschichte dieses monumentalen Werkes kann man nun erneut auf der wunderbaren Wiederveröffentlichung erleben – im remasterten Gewand, mit B-Seiten, unveröffentlichten Songs und Live-Tracks. Für 20 Euro in der Deluxe Variante. Zugreifen!

 

http://www.oasisinet.com/#!/music/album/whats-the-story-morning-glory

http://www.oasisinet.com/#!/home

 

Text: Torsten Schlimbach

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Oasis: Definitely Maybe – Remastered (Deluxe Edition)

Oasis: Definitely Maybe – Remastered (Deluxe Edition)

Big Brother/Indigo

VÖ: 16.05.2014

 

Wertung: 12/12

Tipp!

 

Es gibt Großmäuler, da kommt außer heißer Luft nicht viel. Und dann gibt es noch Oasis! Die Gallagher Brüder haben es stets verstanden sich medial richtig in Szene zu setzen. Die Yellow Press bekam jedenfalls immer reichlich neues Futter. Noel Gallagher diktierte im August 94 der Journaille folgende Sätzchen in die Notizbücher „Noch in 20 Jahren wird man „Definitely Maybe“ kaufen und seine eigentliche Bedeutung zu schätzen wissen“. Peng. Und was ist? Recht hat der Mann. Natürlich! Die Platte wird nun in einer remasterten Version im Geburtstagsjahr mit reichlich Bonusmaterial erneut veröffentlicht. „Definitely Maybe“ hat es durchaus verdient, dass da eine große Party steigt. Wer was anderes sagt, hat dieses Album noch nie gehört.

 

In der ersten Woche gingen in Großbritannien 86.000 Platten über die Ladentheke – so viel wie noch nie von einem Debüt! Das will schon was heißen, denn die Briten sind schon einigermaßen verrückt wenn es um Musik geht und abgesehen davon ist die Insel voll von begabten Künstlern. Schon hieran lässt sich der damalige Stellenwert von Oasis ablesen. Die Band mutierte zu einer Art Nationalheiligtum. Dabei gleicht es ja fast schon einem Wunder, dass es Oasis überhaupt gegeben hat. Liam gründete zwar mit seinem Freund Bonehead eine Band, aber beide hatten überhaupt keine Ahnung wie man gute Songs schreibt. Noel hatte nach diversen Gelgenheitsjob aller Art als Roadie bei Inspiral Carpets angeheuert. Tontechniker war ein gewisser Mark Coyle, der für „Definitely Maybe“ - nun ja – auch eine entscheidende Rolle spielt. Noel schrieb Songs eigentlich nur so nebenher und als sein Bruder ihn fragte, ob er nicht die Band von ihm und Bonehead managen(!) wolle, entschied sich dieser lieber dafür in die Saiten zu greifen, seine Songs unterzubringen und die Band fortan zu führen. Oasis waren geboren. In der Erfolgsspur waren sie aber noch lange nicht. Erst als – der Legende nach - sturzbetrunkene Alan McGee sie bei einem Liveauftritt sah, kam die Sache allmählich ins Rollen. Der Labelchef von Creation nahm die Band unter Vertrag, aber die unbändige Liveenergie ließ sich immer noch nicht so einfach auf Platte bannen. Erst als Oasis die Livesituation quasi im Studio simulierten und der schon erwähnte Mark Coyle die Produktion übernahm, fluppte es. Jetzt aber so richtig und innerhalb von 14 Tagen war das Ding im Kasten. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

 

Man soll ja nicht in der Vergangenheit leben, aber die 90er waren schon ein geniales Musikjahrzehnt, besonders die erste Hälfte hatte massenweise herausragende Alben zu bieten. „Definitely Maybe“ ist eines davon. Das Debüt von Oasis ist längst zu einem unsterblichen Klassiker mutiert und hat den von Noel Gallagher prognostizierten Stellenwert längst inne. Ein Meisterwerk und für den Moment waren Oasis die größte Band des Planeten. Diese kleinen Proleten, die wie eine Gang alles niederwalzten was sich ihnen in den Weg stellte, haben sich mit diesem Debüt unsterblich gemacht.

 

Noel Gallagher hat ja nie einen Hehl daraus gemacht, wo er sich seine Inspiration geholt hat: Beatles, Stone Roses, Bowie und T.Rex. Natürlich hört man auf „Definitely Maybe“ überall Verweise und Zitate von besagten Künstlern. Eigentlich hätte er sogar Tantiemen zahlen müssen. Warum dies nicht der Fall war? Die Songs klingen derart rotzig, frech und frisch, dass man meinen könnte, dass Oasis das Rad neu erfunden haben. Noch erstaunlicher ist die Tatsache, dass die alten Kracher – von „Rock ´n´ Roll Star“ über „Live Forever“, „Supersonic“ bis hin zu „Cigarettes & Alcohol“ und „Slide Away“ - dies immer noch tun. Da hat sich keine Staubschicht gebildet, das ist immer noch genau so frisch wie damals, wie 1994. Die Live-Atmosphäre wird durch die sauberen Arrangements erst so richtig freigesetzt. Und laut ist diese Platte. Das braucht sich sicher nicht hinter den ganzen Helden des Grunge zu verstecken. Auch in „Definitely Maybe“ steckt eine gehörige Portion Punk. Die remasterte Version scheint da sogar noch eine ganze Spur zugelegt zu haben und lärmt sich noch mehr durch die Prärie – ohne dabei natürlich den ursprünglichen Vibe zu verfälschen. Gut gemacht!

 

Die Deluxe Geburtstagsversion hat zusätzlich noch zwei weitere CDs zu bieten. Hier gibt es noch mal satte 33 Songs obendrauf. Die B-Seiten hat der geneigte Fan natürlich schon im Schrank stehen, abgesehen davon werden selbige ja nun auch nicht zum ersten Mal verwurstelt. Macht aber nichts, denn es gibt ja noch massenweise Extra Tracks, Unreleased Demos, Out-Takes und Liveaufnahmen. Da wurde schon ordentlich rangeklotzt. Selbst Fans dürften da das eine oder andere Tränchen der Freude verdrücken. Dies alles gibt es übrigens zum Preis von 17 Euro! Wer jetzt also irgendwas von Ausverkauf faseln möchte, soll sich schämen und in die Ecke stellen. Dies ist durchaus eine sehr würdige Angelegenheit.

 

Hört man sich die Demoversion von „Cigarettes & Alcohol“ an, dann bleiben kaum noch Fragen offen: T.Rex stand da mehr als nur Pate. Der traurige „Sad Song“ trifft einen danach mit all seiner Melancholie mit voller Wucht. Noel zeigte damals schon, dass er auch ein respektabler Sänger ist. „Take Me Away“ ist letztlich nur Ausschussware für eine amerikanische Truckerkneipe, ist aber trotzdem irgendwie ganz putzig. Und natürlich kann man sich darüber streiten, ob man denn von „Columbia“ neben der White Label Demoaufnahme auch noch den Eden Studio Mix braucht. Die reine Streicherversion von „Whatever“ braucht dagegen kein Mensch, da hätte man diesen tollen Song besser im Original gebracht. Und ein Demo bleibt ein Demo bleibt ein Demo. „Alive“ ist trotzdem interessant, da scheppert es und da ist auch deutlich hörbar, wie die Band noch auf der Suche nach der richtigen Balance ist. Das ist es doch, was eine solche Veröffentlichung so wertvoll macht. Und die Kraft, die von der frühen Liveversion von „Supersonic“ ausgeht, bläst einen auch im Wohnzimmer um. „Fade Away“ ist und bleibt sowieso immer ein guter, rotziger und punkiger Song. Oasis rockten bisweilen alles in Grund und Boden. Die Schönheit von einem Song wie „Half The World Away“ legt dagegen die verletzliche Seite frei, besonders die von Noel. So kleine Schmankerl wie die In-Store Aufnahme aus Paris von „Shakermaker“ oder „Live Forever“ machen diese Deluxe Edition sicher noch ein Stückchen interessanter und auch das Demo von „Cloudburst“ fetzt – wenn auch klanglich nicht ganz auf der Höhe. Selbiges gilt auch für „Strange Thing“. Die Power dieser – damals – Jungspunde ist schon beeindruckend. Oasis wollten die Weltherrschaft und diese sollten sie für eine kurze Zeit auch erlangen. Klasse sind auch die Liveaufnahmen aus der Manchester Academy – von wo auch sonst?

 

Fazit: Mit dem Debütalbum machten sich Oasis unsterblich. „Definitely Maybe“ ist längst zu einem Klassiker gereift und dürfte sich auf die eine oder andere Art in jedem britischen Haushalt wiederfinden. Die Platte feiert jetzt Geburtstag und wird zwanzig Jahre alt. Dies hat man nun zum Anlass genommen ein wirklich schönes Paket zu schnüren. Da ist für jeden etwas dabei. Bei den Demos angefangen, geht es über unveröffentlichtes Material und die B-Seiten weiter und mit den Liveaufnahmen ist noch lange nicht Schluss. Das eigentliche Meisterwerk ist sowieso über jeden Zweifel erhaben! Ein Klassiker der jüngeren Musikgeschichte. Wobei – so jung ist die Platte ja garnicht mehr, sie klingt nur so ungemein frisch. Darf in keiner vernünftigen Musiksammlung fehlen! Und jetzt kann Liam ja noch mal die Feierlichkeiten ankurbeln und ein paar Buchstaben twittern.

 

http://www.oasisinet.com/#!/home

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
Loading

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch