New Model Army: Winter

New Model Army: Winter

earMUSIC/Edel

VÖ: 26.08.2016

 

Wertung: 9/12

 

„Between Dog And Wolf“ war ein überaus bemerkenswertes Album von New Model Army. Wer die Band schon auf das Altenteil abgelegt hatte, kriegte dieses Manifest um die Ohren gehauen und musste dann wohl kleinlaut zugeben, dass Justin Sullivan und seine Mitstreiter immer noch etwas zu sagen hatten. Seitdem sind nun auch wieder drei Jahre ins Land gezogen. Drei Jahre, die von New Model Army genutzt wurden, denn mit „Winter“ folgt nun ein weiteres, hervorragendes Werk. Die Unabhängigkeit, die New Model Army genießt weil alles in den eigenen Bandhänden liegt, dürfte dabei mal wieder geholfen haben. Schön, wenn man in künstlerischer und kommerzieller Sicht völlig freie Hand hat.

 

Es sind im Grunde alle musikalischen Zutaten da, die man von einem New Model Army Album erwartet, und doch ist „Winter“ kein Abklatsch des bisherigen Schaffens. Es geht auch nicht darum den Status zu verwalten, damit man die Fans bei der Stange hält. Die Songs sind nämlich eigenständig und stehen für sich – und zwar jeder. New Model Army unterstreichen somit, dass die Band auch im Jahre 2016 noch relevant ist. Natürlich bezieht sich das nicht auf den Mainstream, aber in ihrer Nische sind New Model Army eben immer noch völlig zurecht eine Ausnahmeband.

 

Mit dem düsteren „Beginning“ schleichen sie sich ganz böse in die Ohren. Über den dominierenden Bass, der Lemmy gefallen würde, singt Sullivan wie der Fürst der Dunkelheit. „Burn The Castle“ rockt nach dem verhaltenen Auftakt amtlich durch die Prärie. Der rohe und ungefilterte Gesang steht einer weiteren Hymne aus dem Hause New Model Army nicht hinderlich im Wege. Mit „Winter“ - wie könnte es bei dem Titel auch anders sein?! - gibt es eine typische Akustikballade wie man sie von der Band schon oft gehört hat. Eine jede hat aber ihre Berechtigung. Und da sind sie auch wieder, die soldiers. „Part The Waters“ und „Eyes Get Used To Darkness“ rocken als hätte man es hier mit einer jungen, wilden Kapelle zu tun. „Drifts“ dengelt lässig - natürlich nicht ohne diesen düsteren Schleier darüber zu legen. Die Gitarre füllt die Lücken zwischen Bass und Drums. Das Stück klingt nach einem Seefahrerlied. Ein Shanty. Sullivan singt sich (mal wieder) die Seele aus dem Leib.

 

Die Melancholie von „Born Feral“ nimmt einen ebenso mit, wie das Akustikstück „Die Trying“. „Devil“ gleicht, abgesehen vom Refrain, schon einer Spoken Words Performance. „Strogoula“ wird anschließend theatralisch inszeniert. Die flirrende Gitarre sticht dabei besonders hervor. „Echo November“ entpuppt sich als weitere Hymne, während bei „Weak And Strong“ mit Tempowechseln gearbeitet wird. Schade, dass die Nummer ausgeblendet wird und somit ein richtiges Ende fehlt. „Winter“ endet mit „After Something“ in üblichen New Model Army-Gewässern, ist aber trotzdem verdammt gut.

 

Fazit: Mit „Winter“ ist der New Model Army erneut ein hervorragendes Album gelungen. Die Band ist sich und ihren Wurzeln treu geblieben. Oftmals sind alle Trademarks sofort hörbar und doch hat diese Platte durchaus ihre Berechtigung und stellt eine Bereicherung für das Musikjahr 2016 dar. Man darf hier durchaus von zeitlosen Songs sprechen. Schön, dass die Band immer noch Alben auf derartigem Niveau veröffentlicht.

 

http://www.newmodelarmy.org/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
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