Nelly Furtado: The Ride

Nelly Furtado: The Ride

Warner

VÖ: 31.03.2017

 

Wertung: 5/12

 

Was hat eigentlich Nelly Furtado die letzten Jahre getrieben? Irgendwie scheint es so, als wäre sie komplett aus dem Blitzlichtgewitter verschwunden. Sie hat für ein paar Tage in einem Plattenladen gearbeitet, ihre Bude mal wieder selber geputzt - und nicht putzen lassen - und dann ist sie auch mal wieder als Botschafterin für das „Free The Children“-Projekt durch Kenia gereist. Mutter ist sie ja auch noch. Sie hat einfach mal wieder gelebt und sich aus dem Geschäft zurückgezogen. So hat die gute Nelly auch wieder den Spaß an der Musik zurückgefunden. Die Songs entstanden dann auch teilweise auf ihren Reisen, beispielsweise in Chile oder London. „The Ride“ ist nun das Ergebnis.

 

Für „The Ride“ hat sie mit dem Produzenten und Songwriter John Congleton gearbeitet. Herausgekommen ist ein modernes Popalbum. Die zwölf Songs sind mal extrem mainstreamtauglich - hin und wieder mit futuristischen Tönen versehen. Ein Knaller, der demnächst wieder die Charts aufmischen und hoch- und runterlaufen wird, ist allerdings nicht unbedingt dabei. Das ist ja im Grunde sogar ein positives Zeichen, wäre das nicht alles so glatt wie Teflon. Vielleicht zieht der Name Nelly Furtado ja noch, denn ansonsten dürfte das Ding kaum Anhänger finden.

 

Eine Nummer wie „Magic“ ist heillos überladen. Da wurde alles untergebracht, was der Furtado-Kosmos so hergibt. „Cold Hard Truth“ ist der Versuch an moderne Dancemusik Anschluss zu finden. Immerhin hört man dem Song an, dass Furtado offensichtlich Spaß dabei hatte. „Flatline“ klingt als wollte sie mit der jungen Generation mithalten. Das ist zu wenig Nelly Furtado und zu viel Anbiederung. Das hat auch nichts mit musikalischer Weiterentwicklung zu tun. „Carnival Games“ nimmt dann endlich mal etwas den Finger von der Tastatur und der Maus – sprich weniger Computermusik.

 

„Live“ pluckert dann aber wieder, als hätte Martin Gore höchstpersönlich ein paar seiner Reste zur Verfügung gestellt. „Paris Sun“ und „Sticks And Stones“ machen aber eine Rolle rückwärts und es zirpt und fiept wieder mit ordentlich Sirenen. „Pipe Dreams“ oder „Tap Dancing“ kommen immerhin unaufgeregter daher und sind ein bisschen verträumt. Der mit Abstand schönste und nachhaltigste Track ist „Phoenix“ und danach ist das Album dann auch vorbei.

 

Fazit: Nelly Furtado meldet sich mit „The Ride“ im Popzirkus zurück. Sie wollte wieder Spaß an der Musik haben, lässt sie verkünden. Nun gut, wenn es darum geht Mainstreampop ohne eigene Ideen zu kreieren, dann ist ihr das gelungen. Das hört sich nämlich so an, als hätte man den Baukasten für Popmusik der letzten fünf Jahre bemüht und das miteinander vermengt. Die Identität von Nelly Furtado bleibt dabei weitestgehend auf der Strecke. Mit Weiterentwicklung hat das auch recht wenig zu tun.

 

https://www.nellyfurtado.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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