Neil Diamond: The Very Best Of – The Original Studio Recordings

Neil Diamond: The Very Best Of – The Original Studio Recordings

Sony/Legacy

VÖ: 09.03.2012

 

Wertung: 12/12

Tipp!

 

Oftmals sind „Best Of“ Zusammenstellungen eine ziemliche Mogelpackung und eine traurige Angelegenheit. Gerade bei Künstlern die seit Jahrzehnten im Geschäft sind wird auf den schnellen Taler gezielt, da die vermeintliche Zielgruppe oftmals ja gar nicht tiefer in das Thema und die musikalische Biografie eingetaucht ist und sich eben nur einen schnellen Überblick verschaffen möchte. Kommt dann noch die Tatsache hinzu, dass der jeweilige Künstler im Verlaufe seiner Karriere auch noch bei verschiedenen Labels unter Vertrag stand, wird es schnell unübersichtlich und zum Ärgernis.

 

Neil Diamond ist auch so ein Fall. Die Flut an „Best Of“, „Greatest Hits“ und ähnlichem Kram ist schier nicht mehr zu überblicken. Die wenigsten Veröffentlichungen werden Diamond und seinem Gesamtschaffen auch nur im Ansatz gerecht. Jetzt kommt eine neuerliche Veröffentlichung mit dem hochtrabenden Titel „The Very Best Of“ in den Handel. Dieses Album kann aber was und endlich hält der Titel was er verspricht. Natürlich wird man auch hier wieder das Fehlen des einen oder anderen Songs bemängeln können, aber das liegt ja in der Natur der Sache. Trotzdem ist dies eine erstklassige Zusammenstellung, die es dann auch tatsächlich schafft einen guten Überblick der Karriere des großen Songschreibers abzubilden – Label-übergreifend. Endlich, möchte man da ausrufen!

 

Der Mann hat ja nicht umsonst annähernd an die 130 Millionen Tonträger verkauft. Auf der vorliegenden CD findet man jede Menge Klassiker der modernen Musikgeschichte wieder. Man möchte fast sagen, dass dieses Album sogar für Menschen geeignet ist, die bisher von Neil Diamond nur am Rande gehört haben. Der New Yorker hat in seiner langen Karriere jede Menge Hits geschrieben, die man von Johnny Cash, den Hollies, UB40, Barbara Streisand oder den Monkees – um nur einige zu nennen – kennt.

 

Die CD hat aber noch ein anderes Schmankerl zu bieten. Zu jedem Song hat Neil Diamond ein paar Worte verfasst und so kann man noch mal nachlesen, wann, wo und wie die einzelnen Stücke entstanden sind. Daraus ergibt sich sogar eine musikalische Kurzbiografie. Zum Schluss beinhaltet das Booklet noch die wichtigsten Informationen zu jedem Song. Üppig ist das zwar alles nicht, aber hier zeigt sich mal wieder, wie man mit recht wenig Aufwand und der richtigen Vorgehensweise etwas von wirklichem Mehrwert auf die Beine stellen kann.

 

Zwischen klassischem Croonertum, Country, Singer/Sonwriter und auch Pop hat Neil Diamond über die Jahre erstklassige Songs aufgenommen. Seine ruhigen und melancholischen Nummern sind nie in das Balladenonkelfach einzusortieren, sondern überzeugen immer mit einer Nachhaltigkeit, die andere mit Kitsch ertränken. „Love On The Rocks“ ist einfach nur groß. Auch das Duett mit seiner alten Schulfreundin Barbara Streisand „You Don´t Bring Me Flowers“ ist eine Sternstunde der ruhigen Zwischentöne. Das toll arrangierte und an Dylan angelehnte „I Am...I Said“ fehlt hier ebenso wenig wie die stimmungsvollen Hits „Sweet Caroline“ oder „Cracklin´ Rosie“. Leider wurden diese Stücke ja etwas zu sehr von der Spaßfraktion vereinnahmt, dabei ist das mehr als nur stumpfer Schlager. Mit „I´m A Believer“ landeten die Monkees einen ihrer größten Hits, die Neil Diamond Version ist allerdings noch besser. Tarantino wusste auch warum er „Girl, You´ll Be A Woman Soon“ für Pulp Fiction genommen hat – er hätte allerdings gleich auf die Interpretation von Diamond zurückgreifen sollen. Dass der Mann ein wahrlich genialer Songwriter ist, hat er auch mit „Solitary Man“ oder „Hello Again“ bewiesen. Etwas aus dem Rahmen fällt das furchtbare „Song Sung Blue“, aber das Ding ist nun mal auch ein großer Hit gewesen. Im Grunde ist ein jeder der 23 Songs ein Treffer.

 

Fazit: „The Very Best Of – The Original Studio Recordings“ ist eine tolle, Label-übergreifend Zusammenstellung, die eindrucksvoll unterstreicht, dass der Junge aus Brooklyn einer der ganz Großen seines Fachs ist, auch wenn man seine Songs oftmals nur von anderen Künstlern kennt. Diese Musikgeschichtsstunde gehört in jeden Haushalt. Punkt.

 

http://www.neildiamond.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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