Ne-Yo: R.E.D.

Ne-Yo: R.E.D.

Universal

VÖ: 02.11.2012

 

Wertung: 7,5/12

 

Wenn man ehrlich ist, dann war das letzte Album von Ne-Yo eine totale Katastrophe. „Libra Scale“ war von vorne bis hinten eine Enttäuschung und der Versuch Michael Jackson zu kopieren scheitertete vollends. Eine Art Konzeptalbum zu stemmen war dann doch der berühmte Griff ins Klo. Man durfte also gespannt sein, wohin ihn die Reise mit seinem neuesten Werk „R.E.D.“ führen würde. Aufatmen ist angesagt, denn einstweilen geht es für Ne-Yo raus aus dem selbst auferlegten Korsett. Dies ist soweit die gute Nachricht!

 

Produziert von Stargate, hat Ne-Yo für sein fünftes Album noch mehr namhafte Schwergewichte ins Boot geholt, unter anderem Salaam Remi, No I.D., Jim Jonsin und David Banner. Der Albumtitel „R.E.D.“ hat übrigens nichts mit einer Farbe zu tun, sondern steht für „Realizing Every Dream“. Soweit zu den Fakten und nun kommt man auch nicht umhin die schlechte Nachricht kundzutun: viele Songs dümpeln leider auch im belanglosen Becken der Allerweltsware rum. „Shut Me Down“ und besonders „Unconditional“ mögen fantastisch gesungen sein, das musikalische Gewand ist aber derart austauschbar, dass sich diese R&B-Dancesoße als ein einziges langweiliges Ärgernis entpuppt.

 

Unter den dreizehn Songs finden sich allerdings auch solche, die die alte Stärke von Ne-Yo aufblitzen lassen. Die Single „Let Me Love You“ gehört gesanglich sicher dazu, warum aber auch hier so ein furchtbarer Bollerbeat drüber gelegt werden musste, erschließt sich nicht ganz. In Zeiten von David Guetta, der seine ganze Karriere darauf aufbaut, gehört dies wohl zum guten Ton und die Erfolge damit sprechen ja eine deutliche Sprache. Es ist und bleibt trotzdem grauenhaft. Wie toll ist dagegen doch „Lazy Love“ mit einem feinen Soul- und Popgewand? Da ist er wieder, der Ne-Yo vergangener Tage. Auch das lässige „Miss Right“ gehört dazu. Und „Jealous“ wird – eingerahmt von wundervollen Arrangements – gesanglich sehr schön getragen.

 

„R.E.D.“ ist einfach immer dann stark, wenn es nicht in die Danceecke geht. „Don´t Make Em Like You“ fällt da mal wieder aus dem Rahmen. Die butterweichen Klänge von „Stress Reliever“ sind einfach die Spielwiese, auf der sich Ne-Yo wie kein anderer zu bewegen weiß und das zeichnet ihn eben auch aus. „She Is“ entpuppt sich sogar als einer seiner besten Songs überhaupt. Ist das nun schon Singer/Songwriter-R&B? Auf jeden Fall ein großes Ding und „Carry On (Her Letter To Him)“ schließt fast nahtlos daran an.

 

Fazit: Ne-Yo meldet sich mit „R.E.D.“ wieder gestärkt zurück. Das Album ist zwar in seiner Gesamtheit gesehen nicht sein nächster großer Wurf und den einen oder anderen Dancetrack hätte er sich schenken sollen, lässt auf der anderen Seite aber wieder ganz oft seine alte Klasse aufblitzen. Gesanglich hat er endlich auch wieder zur alten Form zurückgefunden. Sind schon ein paar klasse Songs dabei und wenn er es jetzt auch noch schafft diesen Bollerbeat-Weg wieder zu verlassen, dann wird sein nächstes Album erneut ein Genre-Klassiker!

 

http://www.neyothegentleman.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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