Nathan Gray: Feral Hymns

Nathan Gray: Feral Hymns

End Hits Records/Broken Silence

VÖ: 19.01.2018

 

Wertung: 7,5/12

 

Boysetsfire waren einst Ikonen des Hardcore. Die Band bedeutete den Fans eine ganz Menge. Die berühmte musikalische Liebe, die so viel tiefer geht. 2007 folgte dann der Schock, denn die Kapelle löste sich auf. 2010 ging es aber dann doch noch mal weiter. Jetzt steht man abermals an einem Wendepunkt und Boysetsfire ruht – ob und wie es weitergeht, weiß man nicht. Frontmann Nathan Gray wurde über die Jahre zu einem Sprachrohr und einer Identifikationsfigur für die Anhängerschaft. Er gründete zudem nach der Auflösung von Boysetsfire mit Gitarrist Joshua Latshaw The Casting Out, die sich wiederum nach der Reunion der Hauptband wieder auflösten. Daneben lief dann allerdings auch noch die Metalcore- und Punkband I Am Hersey. Es war die letzten Jahre einiges los im Leben von Nathan Gray. Jetzt wird mit „Feral Hymns“ das nächste Kapitel aufgeschlagen.

 

Sein Solodebüt ist das nun aber auch nicht so wirklich, denn es gab in der Vergangenheit ja auch schon eine EP. Neu sind die Songs auch nicht, denn im Grunde ist das ein kleines Best Of aus dem musikalischen Schaffen von Nathan Gray. Freilich sind die Songs völlig anders arrangiert und teilweise bis auf das nackte Gerüst reduziert worden. Die zwölf Songs wurden aufgenommen und gemischt von Bouncing Souls-Gitarrist Pete Steinkopf. Es ist zum Glück keine Folkplatte geworden. Nicht die Art von Album, wie es so viele machen, die eigentlich aus der Krachmacherecke kommen. Natürlich gibt es Akustikgitarren und Streicher zu hören, trotzdem bleibt die Dringlichkeit des Gesangs und der Background deutlich hörbar. Die Stimme geht einem so nur noch mehr durch Mark und Bein.

 

So hört sich der Auftakt „As The Waves Crash Drown“ mit Hall und den E-Gitarrenschichten wie eine Mischung aus Bush mit „Letting The Cables Sleep“ und „E-Bow The Letter“ von R.E.M. an. Nathan Gray, der alte Satanist, singt auf dem Album, als wäre der Teufel tatsächlich hinter seiner Seele her. „Echoes“ sorgt dann auch für diese Art von Gänsehaut, die einen kurz darauf in Tränen ausbrechen lässt. Man könnte auch Billy Bragg ins Spiel bringen. Wobei „Walk“ so interpretiert wird, wie es auch Glen Hansard zusammen mit Markéta Irglová zu „Falling Slowly“-Zeiten getan hätte. Das Piano bei „Burn Away“ bringt einen auch um den Verstand. Darf man das eigentlich als Emo bezeichnen, was Nathan Gray da macht? Nicht dieses Kajal-Ding, aber eben jede Menge Emotionen die hier freigelegt werden. Gute wie schlechte. Burn Away? Maybe!

 

Wenn man so will, dann ist „Wayward Ghosts“ das erste richtige Folkstück. „Light & Love“ bringt dann das Cello noch ins Spiel. Was dem Album an dieser Stelle etwas fehlt, ist eine zündende Idee, die die Songs mal etwas aus ihrem Raster herausholt, denn auch „Alone“ ist ganz ähnlich ausgerichtet. „Quxiote´s Last Ride“ lässt endlich wieder den Strom durch das Gitarrenkabel fließen. Das klingt ohne Drums und Bass zwar irgendwie nach Demo, aber das wiederum ist kackegal, macht nämlich Laune. „Across Five Years“ erinnert wieder an R.E.M. und auch „Ebbing Of The Tide“ ist eher dem ruhigen Balladenfach zuzurechnen. „Damascus“ kommt noch mal aus der Hölle hochgekrochen und mit „Blue Hearts & Shades Of Grey“ wird das beendet, was musikalisch mit „As The Waves Crash Down“ begonnen hat. Ein Kreis schließt sich und Nathan Gray singt ein letztes Mal, als ginge es um ALLES!

 

Fazit: „Feral Hymns“ gewährt einen Blick in das Schaffen von Nathan Gray – und doch wiederum auch nicht. Die Songs wurden teilweise bis auf das nackte Gerüst seziert. Das wirkt dann manchmal unfertig, kriegt auf der anderen Seite aber eine unglaubliche Intensität verliehen. Der Mann singt sowieso als ginge es um sein Leben. Emotional bis dorthinaus. Singen kann der Mann wie kaum ein anderer im Post-Hardcore. Man sollte sich allerdings gut überlegen, ob man dem Satanist auch im Internet und seinen schriftlichen Ergüssen folgen möchte – das könnte nämlich ziemlich ernüchternd werden!

 

Text: Torsten Schlimbach

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