Myrath: Shehili

Myrath: Shehili

VÖ: 03.05.2019

earMUSIC/Edel

 

Wertung: 7,5/12

 

Myrath ist längst kein Geheimtipp mehr. Je nach Zählung wird mit „Shehili“ bereits das fünfte bzw. sechste Album – das Debüt Double Face erschien nur in Tunesien, unter dem Namen X-Tazy – veröffentlicht. Bei uns hat man die Progressive Metal-Band spätestens seit „Legacy“ auf dem Zettel. Das neue Werk soll nun noch mehr Aufmerksamkeit erhalten und die Promomaschine lief im Vorfeld auf Hochtouren. Damit das Vorhaben erfolgreich wird, hat man die Platte mit Kevin Codfert, Eike Freese und Jens Bogren produziert. Zwölf Songs sind dabei herausgekommen, die durchaus internationalen Ansprüchen genügen.

 

Nach dem Intro mit „ASL“ geht es auch gleich in die Vollen. „Born To Survive“ klingt wie die Vereinigung der orientalischen Musikwelt mit den Zutaten des Metals. In dem Song wurde wirklich alles abgearbeitet, was im großen Handbuch zu finden ist. Handwerklich ist das durchaus erstklassig. Die Produktion ist allerdings schon sehr clean. Wohlwollend könnte man das auch als klassisch bezeichnen. Der Part, der von „Ratamahatta“ von Sepultura geborgt wurde, ist wohl weniger als Hommage zu verstehen, sondern vielmehr eine dreiste Kopie.

 

Das hat die Kapelle allerdings überhaupt nicht nötig. Mit „You´ve Lost Yourself“ zeigt die Band nämlich, wo in Tunesien der Metalhammer hängt. Und dieser braucht sich in dieser Form jedenfalls nicht hinter Helden wie Iron Maiden zu verstecken. Schön, dass Myrath auch immer wieder Klänge aus der Heimat in den Sound einwebt. „Dance“ ist ein weiterer Beleg dafür, dass dies hervorragend funktioniert. Abgesehen davon ist das ja auch immer höchst melodisch und mit Hitqualitäten versehen. Manch einem mag das allerdings zu sauber und zu seicht sein. „Wicked Dice“ knüpft nahtlos daran an. Mit „Monster In My Closet“ wird zunächst aber eine neue Tür aufgestoßen und es scheint in die brettharte Richtung zu gehen. Die Nummer hat durchaus ein paar düstere Momente, ist dann aber plötzlich auch derart zuckrig wie ein Popstück.

 

Myrath versteht es aber auch mal, einen Spannungsbogen aufzubauen, der verschiedene Metaebenen hat. Nachhören kann man das bei „Lili Twil“. „No Holding Back“ wird derart theatralisch in Szene gesetzt, dass selbst Meat Loaf rot anlaufen würde. Was bisher so ein bisschen fehlt, ist eine Ballade. Die kommt dann in Form von „Stardust“. Geht aber durchaus in eine gute Richtung und driftet weniger in den Kitsch ab. „Mersal“ bleibt da noch mal am Ball, bevor „Darkness Arise“ musikalisch durchaus sehr ausgefeilt ist. Guter Bass! Der Titeltrack „Shehili“ beendet das Album erneut mit den Zutaten aus der orientalischen Welt und des Metalladens. Myrath versteht es einfach, das perfekt zu kombinieren.

 

Fazit: Mit „Legacy“ hat sich Myrath schon vom Geheimtipp zu einem ernstzunehmendem Metalact entwickelt. Mit „Shehili“ etablieren sich die Tunesier nun. Es hätten durchaus ein paar Ecken und Kanten mehr sein dürfen. Wer auf den sauberen Metal abfährt, ist hier gut aufgehoben. Die orientalischen Klänge werden zudem wunderbar in die Songs eingewoben. Folklore ohne ein Klischee zu bedienen! Für Genrefans ist das Album sicher interessant!

 

https://www.myrath.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch