Morcheeba: Head Up High

Morcheeba: Head Up High

Pias/Rough Trade

VÖ: 11.10.2013

 

Wertung: 8/12

 

Morcheeba waren eigentlich schon Geschichte. Das Trio erklärte den gemeinsamen Weg zwar nie offiziell für beendet, aber Sängerin Skye Edwards nahm ein paar Soloplatten auf, Ross Godfrey verschlug es nach Kalifornien um nur noch an Filmmusik zu arbeiten und sein Bruder Paul pflegte nach einer Diabetes-Diagnose seine Depression. Es deutete nichts auf ein weiteres Album von Morcheeba hin. In den letzten 18 Jahren hat die Band besonders mit „Big Calm“ ein dickes Ausrufezeichen gesetzt. Nachdem Skye Edwards 2004 gehen musste und durch verschiedene andere Sänger ersetzt wurde, war es die beste Entscheidung des Brüderpaars sie 2010 wieder zurück ins Boot zu holen. Trotzdem dauerte es nun geschlagene drei Jahre bis der Nachfolger von „Blood Like Lemonade“ endlich in den Regalen steht.

 

„Head Up High“ ist ein gutes bis sehr gutes Album geworden. In manchen Momenten ist es gar die tollste Clubplatte der Welt. Und dabei gibt es Gitarren auf diesem Werk. Trotzdem ist „Gimme Your Love“ der lässigste Song für die Tanzschuppen des Jahres 2013. Morcheeba locken dabei ein ganz großes Spektrum an potenziellen Hörern an. Die Indienerds fühlen sich da ebenso zu Hause, wie die Hipster aus Berlin oder die Medienleute beim Cocktail in der Bar nach getaner Arbeit. Die kühle Ästhetik ist dabei ebenso ein Stilmittel wie ein warmer Grundton. Morcheeba sind eben voller Widersprüche und dies macht mitunter auch den Reiz dieser Band aus.

 

Und Hits, Hits, Hits haben sie massenweise im Gepäck. „Face Of Danger“ beispielsweise. Ein Ohrwurm vor dem Herrn mit einem tollen Groove und Bass. „Call It Love“ lebt vermehrt durch den männlichen Gesang. Langsam schleppt sich dieses Stück dahin, besticht aber mit einer Eindringlichkeit, dass selbiges gar das Zeug zum Indiehit hätte. Die Ballade „Under The Ice“ (mit Charango!) ist schwelgerisch und träumerisch, während „I´ll Fall Apart“ eine unglaubliche Wärme ausstrahlt. Die Nummer ist einem Gospel-Song nicht unähnlich, nur wesentlich zurückhaltender. Wem es bisher zu wenig abging, wird mit „Make Believer“ bestens bedient werden. Morcheeba haben einst ja auch mal TripHop gemacht, da musste so etwas ja kommen. Die Gitarre mit allerlei Effekten holt das Stück aber in das Jahr 2013 zurück. Das hektische „Release Me Now“ ist nett gemeint, aber eher unspektakulär.

 

„To Be“ speist sich aus Funk, HipHop und Dancemusic. Wer da nicht mit dem Fuß wippt, hält Musik wohl grundsätzlich für Teufelszeug. „Hypnotized“ fällt dagegen etwas ab und auch „The Grave“ ist zwar ganz gefällig, aber eben auch nicht mehr. „Do You Good“ versucht sich noch mal am Pop, bevor das entspannte „Finally Found You“ noch mal in die Spur zurückfindet. Ein versöhnlicher und toller Abschluss!

 

Fazit: Morcheeba sind zurück – und wie! „Head Up High“ droht zwar auf den letzten Metern etwas die Luft auszugehen, was sie aber davor abliefern ist einfach tolle, erwachsene Musik mit einer Prise Pop, TripHop, Gospel, Funk, Soul und wunderbaren Klangwelten. Der kühlen Ästhetik wird ein warmer, fast analoger Sound gegenübergestellt. Schön, dass sie wieder da sind!

 

http://www.morcheeba.co.uk/

 

Text: Torsten Schlimbach

 

http://www.youtube.com/watch?v=ShEMm89g3UQ

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