Mike + The Mechanics: Let Me Fly

Mike + The Mechanics: Let Me Fly

BMG/Warner

VÖ: 07.04.2017

 

Wertung: 7/12

 

Mike Rutherford hätte vermutlich selbst nicht geglaubt, dass das Ablenkungsprojekt Mike + The Mechanics acht Alben aufnimmt und mittlerweile seit 32 Jahren kontinuierlich aktiv ist. Es gab zwar mit der Zeit einige Besetzungswechsel im Bandgefüge, aber letztlich ist das ja auch das Baby von Rutherford. Jetzt wird mit „Let Me Fly“ mal wieder ein Album veröffentlicht. Der Grundstein für das Werk wurde bereits 2011 nach der letzten Tour gelegt. Neue Songs mussten her, wenn man denn auch in Zukunft noch weitere Tourneen spielen wollte. Rutherford betont allerdings auch, dass er mit „Let Me Fly“ schon gerne noch erfolgreich und relevant sein möchte. Nun gut, das wird ihm nicht mehr so ganz gelingen. Die Anhängerschaft ist zwar groß und treu genug, um für einen Achtungserfolg zu sorgen, aber die Relevanz sollte er dann doch bitte der jüngeren Generation überlassen.

 

Was kann man also im Jahre 2017 von Mike + The Mechanics erwarten? Im Grunde das, was einem die Band schon immer gegeben hat: grundsolide Popmusik jenseits aller Trends. Popmusik, die durchaus immer melancholisch angehaucht war. Mit Andrew Roachford hat sich Rutherford einen erstklassigen Sänger in die Werkstatt geholt, der die Band zudem auch noch als Songwriter weiterbringt. Wenn man so will, dann ist das Popmusik für erwachsene Menschen jenseits der 30 – eher sogar der 40.

 

Mit dem Titelsong „Let Me Fly“ gibt es zu Beginn dann auch gleich eines dieser unnachahmlichen Stücke. Ein verdammter Ohrwurm ist das. Pop, Soul und Gospel. „Are You Ready?“ hingegen geht die Sache etwas forscher an. Das ist schon tanzbar, aber nicht auf modern getrimmt. Im Grunde ist das sogar zeitlos. Das erschüttert die Musikwelt zwar nicht in ihren Grundfesten, ist aber grundsolide. „Wonder“ ist einer dieser Midtempo-Balladen, die Frauen mittleren Alters sicher immer noch durch den Tag tragen. Das ist übrigens überhaupt nicht despektierlich gemeint!

 

„The Best Is Yet To Come“ ist allerdings in dieser belanglosen Popecke zu finden. Die Gitarre von Rutherford gibt der Nummer wenigstens noch ein bisschen Identität. Die Ballade „Save The World“ ist natürlich der vertonte Kitsch, die Stimme kriegt einen trotzdem. Und melancholische Songs wie „Don´t Know What Came Over Me“ oder „Love Left Over“ sind die große Stärke dieser Band, da macht ihnen kaum einer was vor. Das fluffige „High Life“ geht zudem gut in die Ohren, während „The Letter“ die Theatralik vergangener Tage noch mal aufleben lässt. „Not Our Love“ ist unaufgeregt und lebt letztlich von dieser wirklich guten Stimme. Gut, so ein Ding wie „I´ll Be There For You“ hätte nicht sein müssen. Da klaut die Band doch sehr offensichtlich bei sich selber und versucht das dann in ein modernes Soundgewand zu pressen. „Save My Soul“ beendet das Album im Grunde in ruhigen Gewässern – mit ganz viel Soul.

 

Fazit: „Let Me Fly“ ist ein blitzsauberes Popalbum von Mike + The Mechanics. Es ist nicht die Sorte, die sich – bis auf wenige Ausnahmen – bei modernen Sounds anbiedert. Nein, „Let Me Fly“ ist für ein erwachsenes Publikum gemacht. Relevant ist das nicht, aber es dürfte genug Menschen geben, die diese Art von Musik durch den Alltag trägt. Grundsolide, unaufgeregt, oft melancholisch und mit Andrew Roachford gibt es hier einen Sänger zu hören, dem man aufgrund seiner angenehmen Stimme und seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten gerne zuhört. Im großen Buch der Musikgeschichte wird dieses Album zwar nur eine klitzekleine Randnotiz werden – aber eine nette!

 

http://www.mikeandthemechanics.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Mike + The Mechanics: The Living Years – 25th Anniversary Deluxe Edition

Mike + The Mechanics: The Living Years – 25th Anniversary Deluxe Edition

Universal

VÖ: 17.01.2014

 

Wertung: 6/12

 

Mike Rutherford konnte in den 80ern mit Genesis zu einer der größten Popacts des Jahrzehnts aufsteigen - und dies nach der Progvergangenheit! Mit einem weiteren Projekt war er fast genauso erfolgreich. Mike + The Mechanics waren ab 85 eigentlich nicht mehr aus den Charts und dem Radio wegzudenken. Den größten Erfolg landete die Band mit dem Überhit „The Living Years“. Das dazugehörige Album verkaufte sich dann auch wie geschnitten Brot und somit waren Mike + The Mechanics für den Moment zu Superstars geworden. Nun feiert die Platte Jubiläum und kommt in einer Anniversary Edition erneut in den Handel. Ob in der heutigen Zeit die Nachfrage nach diesem Prototyp des 80er Sounds überhaupt noch vorhanden ist, muss zumindest hinterfragt werden.

 

Die ganze Geschichte kommt in der bewährten Anniversary-Aufmachung des Labels optisch zumindest sehr gut rüber. Die beiden CDs sind in dem Digipack jedenfalls sicher aufgehoben. Ein Booklet mit Liner Notes und vielen Fotos rundet das Gesamtpaket sehr stillvoll ab. Bei den Fotos kann man allerdings auch leicht stutzig werden, denn was die aktuelle Besetzung von Mike + The Mechanics mit der damaligen und diesem Album zu tun hat, erschließt sich nicht sofort. Ein Blick auf die Trackliste der zweiten CD bringt dann Licht ins Dunkel. Von „The Living Years“ – von welchem Song auch sonst? – gibt es eine neue Version mit dem neuen Sänger Andrew Roachford. Das hätte man sich mitunter besser gespart, denn so mutet das doch ein wenig seltsam an und größere Erfolge dürfte man mit der neuerlichen Auflage auch nicht gerade feiern – gleichwohl Roachford selbstverständlich einen guten Job macht und der Nummer seinen Stempel aufdrückt. Trotzdem wurde das Ding eher verschlimmbessert, besonders durch den orchestralen und sakralen Ansatz mit dem Chor.

 

Die Bonus-CD enthält zudem noch zehn Live-Songs von der UK-Tour aus dem Jahre 89. „Seeing Is Believing“ oder „Don´t“ sind da eher verzichtbar, aber an „Silent Running“ zeigt sich, dass Mike + The Machnics trotz des Sounds und der Politur eben auch immer richtig gute Songs aufgenommen haben die auch live richtig toll sind. Das langweilige „Par Avion“ kann als Ballade damit überhaupt nicht konkurrieren. Auch ein vermeintlicher Rocksong wie „Take The Reins“ ist das pure 80er-Grauen. Live wird es noch schlimmer. „Nobody´s Perfect“ liefert immerhin etwas Genesis-Atmosphäre ab. Ob das gut oder schlecht ist weiß man allerdings auch nicht so genau.

 

Die Platte selber spiegelt in ihrer Gesamtheit natürlich das Jahrzehnt wieder in dem sie entstanden ist. Das ist im Grunde harmlose Popmusik, die mit seichten Melodien den Zuhörer schnell vereinnahmt hat. Das bombastische „Why Me?“ lässt immerhin erahnen, dass Rutherford auch mit Genesis Geschichte geschrieben hat. Als Gitarrist tritt Rutherford auch kaum in Erscheinung, wenn, dann sticht sein Bassspiel heraus. Im Grunde genommen ist „The Living Years“ aber ein Spiegelbild jener Zeit, als die Keyboardflächen den Sound definierten und dominierten. Der breiten Massen hat es ja gefallen. Diese Art von wenig anspruchsvoller Popmusik geht eben gut in die Gehörgänge und setzt sich da auch schnell fest. Ehrlicherweise muss man aber auch sagen, dass Songs wie „Blame“, „Don´t“ oder „Black & Blue“ kaum mit dem Überhit konkurrieren konnten. Die beiden Sänger – Carrack und Young – hatten ihre Hausaufgaben erledigt und durchaus hörenswerte Beiträge abgeliefert. Die glatte Produktion tut alles dafür, dass hier keiner überfordert wird und sämtliche Ecken und Kanten, so diese denn überhaupt vorhanden waren, weggespült werden.

 

Fazit: Die 25th Anniversary Deluxe Edition von „The Living Years“ ist von der Optik und Haptik eine feine Geschichte geworden. Ob man dieses Album allerdings tatsächlich noch mal mit einer Geburtstagsausgabe feiern muss(te) sei mal dahingestellt. Wer die Platte bereits im Schrank hat, braucht nicht gleich in den nächsten Laden stürmen. Insgesamt hat dieses Album den Test der Zeit nicht bestanden und ist in seiner Seichtheit eines dieser 80er Machwerke, wie es sie leider wie den berühmten Sand am Meer gibt. Die Single „The Living Years“ hätte man auch nicht erneut aufnehmen sollen. Die Livesongs sind für Fans sicher eine ganz nette Geschichte, mehr aber auch nicht. Insgesamt ist „The Living Years“ mit seinen luftigen, leichten und seichten Melodien ein nettes Album, vom Hocker reißt es aber kaum noch jemanden.

 

http://mikeandthemechanics.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Mike + The Mechanics: The Singles 1985 – 2014

Mike + The Mechanics: The Singles 1985 – 2014

Universal

VÖ: 17.01.2014

 

Wertung: 7/12

 

Mike Rutherford hat mit Genesis einst Musikgeschichte geschrieben. In den 80ern rief er allerdings eine Band ins Leben, die wie die Faust auf das Auge zu dem Jahrzehnt passte. Mike + The Mechanics waren geboren. Der Bandname mag heute kaum noch geläufig sein, aber man kann davon ausgehen, dass so ziemlich jeder Musikhörer mindestens einen Song dieser Formation kennt. Auch heute noch laufen die Nummern im Radio rauf und runter und stellen eine Art Blaupause für 80er Radiohits dar. Warum das so ist, kann man nun anhand der Zusammenstellung „The Singles 1985 – 2014“ überprüfen.

 

Eigentlich steht eine derartige Geschichte mindestens einen Monat früher in den Läden, damit das Christkind und der Weihnachtsmann das Exemplar dann auch unter die Tanne legen können. Bei Mike + Mechanics hat man einen anderen Weg gewählt und gewartet bis die 25th Anniversary Edition von „Living Years“ zur Veröffentlichung anstand. Wie es der Titel dieser Compilation schon andeutet, gibt es auch neues Material von Mike und seinen Mechanikern. Rutherford war also direkt und indirekt an „The Singles 1985 – 2014“ beteiligt. Dies ist insofern erstaunlich, da die Aufmachung dieser Doppel-CD ein Witz ist. Da wurde sich nicht die geringste Mühe gegeben und ganz lieblos ein paar Seiten aneinander getackert. Ein paar Informationen, Liner Notes, die den Namen auch verdienen, oder sonstige erhellenden Dinge sucht man vergeblich. Das sieht aus, als hätte es der Schülerpraktikant mal eben mit dem Farbkopierer notdürftig zusammen geschustert. Ganz schwach!

 

Letztlich geht es ja um die Musik und da darf man schon mal staunen. Mike + The Mechanics haben tatsächlich Hits, Hits und noch mal Hits im Gepäck. Kennt man alle aus dem Formatradio. Neben Mike Rutherford gehörten zur ursprünglichen Formation noch Paul Carrack und Paul Young, sowie Peter van Hooke und Adrian Lee. Besonders Carrack und Young hinterließen deutliche Spuren, gerade gesanglich. Mit „When My Feet Don´t Touch The Ground“ gibt es gar noch einen ganz neuen Song zu hören. Mike Rutherford schrieb das Stück zusammen mit Andrew Roachford, der jetzt anscheinend auch zum festen Kern der Band gehört. Roachford gibt der ganzen Geschichte durch sein markantes Organ eine neue Richtung, obwohl musikalisch alles beim Alten bleibt. Die Songs von Mike + The Mechanics funktionierten seinerzeit alle nach einem gut durchdachten Schema und passten perfekt zu jener Zeit: viel Hall, Keyboards, glatt gebügelt bis kaum noch etwas da ist und natürlich Schmalz und Kitsch. „The Singles 1985 – 2014“ könnte teilweise auch eine „Bravo Hits“ Zusammenstellung sein. Zeitlos ist der Sound sicher nicht, aber viele hier versammelte Songs sind doch längst zu Klassikern avanciert.

 

Man kann Mike Rutherford sicher nicht absprechen, dass er kein Talent als Songwriter hätte. Wie man gefühlvolle Songs schreibt wusste und weiß er jedenfalls. Auf der ersten CD gibt es somit fast keinen Ausfall. Von „Silent Running (On Dangerous Ground)“, über das schmissige „All I Need Is A Miracle“, den Überhit „The Living Years“, „Over My Shoulder“ und „A Cup Of Coffee“ bis hin zur Überballade „A Time And Place“ und „Whenever I Stop“ sind das alles Volltreffer. Hier reiht sich tatsächlich Hit an Hit.

 

Die zweite CD ist dann der Griff in die Raritätenkiste. Neben den obligatorischen B-Seiten hat man tatsächlich auch noch unveröffentlichtes Material mit auf den Silberling gepackt. In erster Linie handelt es sich dabei um den unveröffentlichten Song „One By One“, bei dem der verstorbene Paul Young & Paul Carrack zu hören sind. Letztlich ist das ein verzichtbarer Song, der auch von Bananarama sein könnte. Immerhin ist er tanzbar. Die Ballade „I´ve Got The Message“ hätte immerhin das Zeug gehabt auch im Radio gespielt zu werden. Vieles auf dieser Raritäten-CD ist aber mehr oder weniger nur leidlich interessant und nach einmaligem Hören auch schnell wieder vergessen. Es sind die langsamen Tracks, die hier eher überzeugen. Ein gefühlvoller Song wie „You Don´t Know What Love Is“ war eben die Stärke von Mike + The Mechanics. Immerhin wurde sich mit „Boy At The Front“ auch mal am Rock versucht.

 

Fazit: Wer die Singles und Hits von Mike + The Mechanics schon immer haben, sich dafür aber nicht alle Alben der Band kaufen wollte, wird mit „The Singles 1985 – 2014“ bestens bedient werden. Hier gibt es alles, was man von der Band kennt – und mit der zweiten CD sogar noch ein bisschen mehr. Die Hitdichte ist schon beachtlich, gleichwohl die Band soundtechnisch nie den Pfad der 80er verlassen hat, selbst in den 00er Jahren nicht. Für manch einen werden da aber auch wieder jede Menge Erinnerungen wach. Schade, dass man sich bei der Aufmachung so gar keine Mühe gegeben hat. 

 

http://mikeandthemechanics.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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