Mick Hucknall: American Soul

Mick Hucknall: American Soul

Warner

VÖ: 26.10.2012

 

Wertung: 6,5/12

 

Simply Red ist mittlerweile längst Geschichte, jetzt wandelt Mick Hucknall also auf Solopfaden. Geändert hat sich somit kaum etwas, denn er war ja schon bei der Band die einzige feste Größe und der Alleinunterhalter. Jetzt legt er einstweilen mit „American Soul“ ein neues Album vor. Hucknall gehört zugegebenermaßen zu den besten und charismatischsten Stimmen, die die britische Insel die letzten Jahrzehnte zu bieten hatte. Seine Soulstimme wurde und wird immer wieder anerkennend gelobt und so war es nur eine Frage der Zeit, wann er eine derartige Platte aufnimmt.

 

Irgendwann landen anscheinend alle Sänger von der Insel ab einem bestimmten Alter bei einer Soulplatte. Rod Stewart macht mitterweile ja nichts anderes mehr und feiert damit sensationelle Erfolge. Von Mick Hucknall ist ein solches Album nun aber auch keine faustdicke Überraschung. Seine Interpretation der bekannten Gassenhauer allerdings auch nicht. Hucknall bewegt sich kaum aus seiner Komfortzone heraus und die zwölf Songs bieten die erwartete Kost. Diese Klassiker sind alle großartig produziert, arrangiert und gesanglich erstklassig umgesetzt worden. Irgendwie scheinen alle Beteiligten aber kaum ein richtiges Gefühl dafür entwickelt zu haben. „American Soul“ ist fast schon zu perfekt.

 

Zwischen „That´s How Strong My Love is“ von Otis Redding und Mick Hucknall liegen Welten. Die Intonation ist eine andere und so bitter es ist, die hier vorliegende Version hat nämlich ganz und gar keinen Soul. Und dies gilt leider für fast jeden Song. Wenn man sich „Don´t Let Me Be Missunderstood“ von Nina Simone anhört, dann hat man eine dicke Gänsehaut, die Interpretation von Hucknall lässt einen aber ziemlich kalt. Selbst die schmalzige Ballade „It´s Impossible“ reicht nicht an Armando Manzanero heran. Abgesehen davon hat man nun auch noch das Kunststück geschafft diesen Song noch mehr mit süßlichem Kitsch zu überträufeln.

 

Ein Song wie „Turn Back The Hands Of Time“ passt dann auch wesentlich besser zu Mick Hucknall. Hier wird das Tempo mal etwas angezogen und so kann er mit seiner Stimme etwas mehr spielen und bei derartigen Songs fühlt er sich einfach wohl, davon hatten Simply Red ja jede Menge im Gepäck. Es mag hart klingen, aber „Tell It Like It Is“ hat auch Don Johnson nicht wesentlich schlechter interpretiert. Immerhin gibt es mit „Baby What You Want Me To Do“ noch einen erstklassigen Bluessong, den Hucknall ohne Fehl und Tadel auf den Punkt bringt.

 

Fazit: „American Soul“ von Mick Hucknall ist in jeglicher Hinsicht perfekt umgesetzt worden. Leider geht den Songs oftmals das Gefühl verloren und diese Interpretationen erreichen nicht mal ansatzweise die großartigen Vorlagen. Wer die Originale nicht kennt, wird zweifelsohne viel Spaß mit dieser Platte haben, alle anderen aber sicher nicht.

 

http://www.mickhucknall.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch