Maximo Park: Too Much Information

Maximo Park: Too Much Information

Universal

VÖ: 31.01.2014

 

Wertung: 7,5/12

 

In der ersten Hälfte der 00er Jahre gab es eine kleine Invasion von britischen Bands, die dafür sorgte, dass eine neue Generation das musikalische Zepter übernahm. Die Zeit der Britpop-Bands war endgültig vorbei. Doch was ist davon geblieben? Die Kaiser Chiefs veröffentlichen zwar immer noch in schöner Regelmäßigkeit Platten, das Feuer scheint trotzdem irgendwie erloschen zu sein. Franz Ferdinand nehmen eben Franz Ferdinand Songs auf, von Innovation und Inspiration ist da keine Spur zu hören. Die Band ist sicher nicht schlecht, tritt aber seit Jahren auf der Stelle. Die Libertines sind längst Geschichte und der völlig derangierte Peter Doherty versucht sich irgendwie über Wasser zu halten und nimmt hin und wieder mit seiner Band, den Babyshambles, tatsächlich noch beachtliche Songs auf. Viel geblieben ist von den einstigen Wunderkindern aber eben nicht. Bloc Party sind da noch zu nennen, die tatsächlich immer wieder mit versponnenen Sounds und Ideen aufwarten können. Leider ist das Bandgefüge derart labil, dass ein Fortbestand eher fraglich ist. Es bleiben noch Maximo Park, die sich jetzt mit dem fünften Album „Too Much Information“ tatsächlich von den Anfängen mit „A Certain Trigger“ entfernt haben und somit als einzige relevanten Überlebenden einer ganzen Generation übrig bleiben.

 

„Too Much Information“ zeigt eine deutlich gereifte Band. Aufgenommen wurde die Platte zwischen dem Winter 2012 und dem Sommer 2013. Geplant war ursprünglich eine EP, aber dann lief es nach eigener Aussage derart gut, dass man gleich weitermachte und dieses Album auf die Beine stellte. In Newcastle und Sunderland wurde dies letztlich alles auf den Weg gebracht. An „Too Much Information“ haben zwar auch noch einige andere mitgewirkt (Dave Okumu, Joe Lambert oder Nicolas Vernhes), aber letztlich ist dies das Baby von Maximo Park. Die Produktion hat die Band dann auch gleich mit übernommen.

 

Im Zeitalter der flüchtigen Informationen und der kurzen Aufmerksamkeitsspanne ist diese Platte denkbar ungeeignet. Man erhält hier in der Tat „Too Much Information“. Dies ist sicher kein Hitalbum im eigentlichen Sinn. Das war in der Vergangenheit zwar mal anders, aber davon wollten Maximo Park aber auch weg. „Brain Cells“ ist von Dreijer Anderssons Fever Ray-Projekt inspiriert, könnte aber auch ebenso einer dieser minimalistischen Electro-Nummern von Depeche Mode sein. Das düstere, fast traurige „Leave This Island“ hat da noch am ehesten Hitqualitäten. „Lydia, The Ink Will Never Dry“ erinnert ein bisschen an The Cure. Auch dieser Song, der von den amerikanischen Kurzgeschichten von Lydia Davis inspiriert wurde, besticht durch seine dichte Atmosphäre, ist aber auch kein Sound-Quantensprung. Ein Song für die stillen Stunden des Tages, um bei einem Glas Wein seinen Gedanken nachzuhängen.

 

„My Blood Mind“ spielt dafür umso mehr mit Stimmungen. Zwischen laut und leise, Hektik und Ruhe, Rock und Pop, Klassik und Electro ist die Bandbreite extrem groß. „Is It True?“ ist dafür leider komplett langweilig. Der Sound schwirrt und flirrt durch den Raum, aber so richtig packend ist das eben nicht und so verraucht das auch schnell wieder im Nichts. Wie es besser geht zeigten Maximo Park gleich mit dem Auftakt „Give, Get, Take“ zu Beginn der Platte. Einen solchen Wachmacher bräuchte man jetzt. „Drinking Martinis“ kann dies aber nur bedingt leisten. Gerade Herr Smith wirkt da reichlich teilnahmslos und unterkühlt. Nett, mehr aber eben auch nicht. Die perkussiven Elemente von „I Recognise The Light“ kommen da schon wesentlich besser. Da überschlägt sich der Bass, rumpelt das Schlagzeug und sägt die Gitarre, während der zackige Gesang genau richtig dosiert wurde. Geht doch. Warum viele Songs mit diesen unnötigen elektronischen Klängen anfangen müssen, erschließt sich auch nicht so ganz. „Midnight On The Hill“ steigert sich aber immerhin über den Bass schnell zu einem straighten Popsong mit schöner Melodieführung und einem akzeptablen Halbrefrain. Mit „Her Name Was Audre“ wird anschließend noch mal eine sehr schöne Duftmarke gesetzt. Dieses Stück klingt wie ein 70er-Punksong britischer Prägung. Das bewegende „Where We´re Going“ ist zwar der vertonte Kitsch, aber auf eine gute Art und Weise. Mit dem Bonus-Track „Out Of Harm´s Way“ schaffen Maximo Park dann endlich Rock und Electro zu vereinen. Ein Song wie ein Slogan. Davon hätte es auf dem Album gerne ein paar mehr sein dürfen.

 

Fazit: „Too Much Information“ unterstreicht abermals, dass Maximo Park – neben Bloc Party – so ziemlich die einzige Band ist, die von der hoffnungsvollen britischen Musikergeneration übrig geblieben ist. Leider ist dieses Album nicht konsequent bis zum Schluss ausformuliert worden und dann bleibt das auf halben Wege stecken. Nicht Electro. Nicht Rock. Nicht Pop. Trotzdem – oder gerade deswegen – hat „Too Much Information“ tolle Momente zu bieten, die aber erarbeitet werden wollen. Wer auf die Hitqualitäten vergangener Tage setzt, könnte mit diesem Werk eventuell seine Schwierigkeiten haben und enttäuscht sein. Das Album zeigt aber auch, dass die Musiker deutlich gereift sind und mit den ungestümen Anfangstagen nur noch wenig gemeinsam haben.

 

http://maximopark.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Maximo Park: The National Health

Maximo Park: The National Health

Universal

VÖ: 08.06.2012

 

Wertung: 8/12

 

Die Welt ist im Wandel. Das haben auch die Gefährten aus Tyne erkannt. Einzelkämpfer war gestern, heute heißt es sich wieder im Kollektiv gegen die bösen Mächte zu stellen. Maximo Park melden sich nach einer dreijährigen Pause zurück aus der sie vermeintlich gestärkt herauskommen. Sänger Paul Smith bezeichnet sein Soloalbum im Rückblick als immens wichtig, denn neue Wege mussten beschritten werden und die alten Bandpfade wurden verlassen. Was man nur erahnen konnte, wird nun bittere Gewissheit: die Band stand nicht nur am Scheideweg, das Ende war näher als man dachte.

 

Nun scheint ja alles wieder gut und „The National Health“ war schließlich dann gar keine schwere Geburt mehr. Das Quintett hat sich nach eigenem Bekunden einfach noch mal durch den bisherigen Backkatalog gewühlt und die Stärken der jeweiligen Alben und Songs herausgearbeitet – die Schwächen sollten dabei allerdings auch nicht unter den Tisch fallen. Die neue Platte sollte so den bestmöglichen Sound der Band einfangen. Das Keyboard war bisher immer ein wesentlicher Bestandteil, wurde aber kaum wahrgenommen. Dies wollte die Band nun ändern. In erster Linie wollte Smith aber auch aus lyrischer Sicht das große Ganze anpacken. In der Vergangenheit konnte sich in den Maximo Park Songtexten so gut wie jeder wiederfinden. „The National Health“ sollte nun politischer aus der Hüfte kommen.

 

Sicherlich alles gute Ansätze, denn Stillstand wäre bekanntlich der Anfang vom Ende. Und viele Bands, die mit Maximo Park in der ersten Hälfte der 00er Jahre als die Retter der Musik hoch geschrieben wurden, sind ja längst in der Versenkung verschwunden oder fristen ein Nischendasein für die verbliebenen Fans. Ob „The National Health“ Maximo Park aus eben dieser Nische herausholen wird, muss die Zeit zeigen. Es darf allerdings auch – zumindest – angezweifelt werden. Trotz aller Bemühungen Neuerungen in den Sound einfließen zu lassen, ist dieses Album unter dem Strich gut gemachter Pop mit zackigen Gitarrenriffs. Das Artwork ist nach dem Goldenen „Quicken The Heart“ natürlich wieder ein Hingucker. Es dürfte zumindest unter den Bergen von CD-Veröffentlichungen auffallen.

 

Die Tasteninstrumente werden auf diesem Album tatsächlich deutlicher hervorgehoben. Der Auftakt mit „When I Was Wild“ wird beispielsweise nur vom Piano und ein paar Streichern getragen. Das poppige „This Is What Becomes Of The Brokenhearted“ wird ebenfalls von Keyboard und Piano dominiert. Kein Wunder, denn die Musik zu dem Stück hat ja auch Lukas Woller geschrieben. Überhaupt konnte sich der Keyboarder der Band verstärkt einbringen und ist neben dem Opener auch noch an „The National Health“, „Hips And Lips“ und „Write This Down“ beteiligt. Dies ist dem Gesamtsound und der Atmosphäre schon ungemein zuträglich und trotzdem werden die Trademarks der Band nicht in den Schatten gestellt.

 

Schon „The National Health“ lärmt sich durch drei Minuten, als wäre Punkrock gerade erst erfunden. Maximo Park packen aber immer noch eine große Portion Pop oben drauf. Bei „Hips And Lips“ ist es vermehrt der spielerische Ansatz mit Electronica der überrascht. Überhaupt macht die Band davon diesmal vermehrt Gebrauch. Trotzdem sind es diese unwiderstehlichen Hymnen wie „The Undercurrents“ oder „Reluctant Love“ die man seit The Smiths nicht mehr von der Insel gehört hat, die aus diesem Album dann doch wieder etwas Besonderes machen.

 

Maximo Park nehmen sich immer noch die Freiheit heraus einer ganz leisen Ballade vom Schlage „Unfamiliar Places“ eine Lärmattacke folgen zu lassen, die hier „Waves Of Fear“ wäre. Diese zackigen Indietanznummern beherrschen sie wie momentan wohl kaum eine andere Band. Und genau so möchte Lloyd die Band auch verstanden wissen. Spaß soll es machen! Poltische Ansätze hin oder her, auf Konzerten und Festivals spielt das alles kaum noch eine Rolle, da sind andere Qualitäten gefragt und die besitzen Maximo Park zweifelsohne immer noch.

 

Fazit: Zugegeben, zunächst ist man ein bisschen ratlos, vielleicht sogar von „The National Health“ enttäuscht. Gibt man der Platte aber ein bisschen Zeit, dann kann man viele Details erkennen, die Maximo Park im Jahre 2012 doch recht gut zu Gesicht stehen und dabei keineswegs den bisherigen Ansatz vernachlässigen. Bestenfalls sind das immer noch grandiose Indiepophymnen. Die zackigen Gitarrenriffs dominieren nicht mehr alleine das Geschehen, es dürfen sich durchaus auch mal die Tasteninstrumente in den Vordergrund spielen und auch vor elektronischen Spielereien scheut die Band nicht zurück. Paul Smith hofft, dass in der Endabrechnung eine Maximo Park Platte bei den „100 besten Alben des Jahrhunderts" zu finden ist. „The National Health“ wird es nicht sein, aber ist das wichtig? Dieses Album hat auf jeden Fall seine Berechtigung!

 

www.maximopark.com

 

Text: Torsten Schlimbach

Maxiomo Park: Quicken The Heart

Maxiomo Park: Quicken The Heart

Warp/Rough Trade

VÖ: 08.05.2009

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Maximo Park die dritte Runde! Eine dritte Runde, die es in sich hat und eine dritte Runde, die es einem nicht einfach macht. Aber mal ehrlich, einfach kann ja jeder. Maximo Park sind aber bekanntlich nicht jeder, sondern zufälligerweise eine der besten Bands, die dieses Jahrzehnt den Weg von der Insel gefunden hat. „Quicken The Heart" wurde in L.A. aufgenommen und an den Reglern saß mit Nick Launay ein Könner seines Fachs.

 

„Quicken The Heart" will erarbeitet werden. Beim ersten Durchlauf bleibt nicht besonders viel hängen. Die zwölf Songs rasen an einem vorbei und ehe man gerade dabei ist, sich auf das Gehörte voll und ganz einzulassen, ist die ganze Kiste auch schon wieder zu den Akten gelegt und vorbei. Oberflächlich betrachtet könnte man auf den Gedanken kommen, hier ist alles wie immer. Doch unter der Oberfläche brodelt es ganz gewaltig und da gibt es eine Menge zu entdecken und ja, Maximo Park haben wieder Hits geschrieben, man muss nur genau hinhören. Wer zu früh aufgibt, der verpasst möglicherweise eine tolle Platte. Punkt!

 

Schon der hektische Postpunkeinstieg „Wraithlike" stürmt mit voller Wucht auf den Zuhörer zu. „Penultimate Clinch" ist anschließend noch eine Spur ausgefeilter. Ein Joy Division Gedenkbass jagt einem einen wohligen Schauer über den Rücken. Die Stimme von Smith verleiht der Nummer sogar etwas Düsternis. „Kids Are Sick Again" ist ein weiterer Höhepunkt. Gerade der Refrain entwickelt sich zu einer wahren Hymne. Keine Melodien für Millionen, aber für diejenigen, die bereit sind danach zu suchen. „Cloud of Mystery" besticht mit einer Schönheit und Dringlichkeit, die einen nach und nach mit gehöriger Wucht erwischt. Die folgende Ballade „Calm" wirkt zunächst recht unscheinbar, aber auch hier gilt wieder das Credo – genau hinhören, denn dann packt einen die Nummer direkt an sämtlichen Synopsen. Die erste Hälfte der Scheibe wird mit einer weiteren Hymne beendet. Allerdings ist "In Another World (You Would've Found Yourself by Now)" in den Strophen fast schon melancholisch – aber auch das gehört zu Maximo Park.

 

„Let's Get Clinical" versetzt einen dann wieder in die erste Hälfte der 80er. „Roller Disco Dreams" ist dann quasi der Auftakt zu der Schwächephase der Platte. Recht nett, aber auch ohne Überraschungen. Das Keyboard bei „Tanned" sorgt dann aber doch wieder für den besonderen Moment. „Questing, Not Coasting" holt das Album danach aber wieder zurück in die Spur. Maximo Park haben das einzigartige Händchen die ganz großen Gesten mit einer melancholischen Note zu versehen. Der Gesang von Smith sorgt dann erneut dafür, dass man auch bei sommerlichen Temperaturen eine Gänsehaut bekommt. „Overland, West of Suez" mäandert etwas plan- und ziellos durch die Gegend, bevor „I Haven't Seen Her in Ages" den Hörer dann in ruhigem Fahrwasser entlässt.

 

Fazit: Man sieht sie schon förmlich vor sich, all´ die Leute, die einem jetzt erzählen wollen, dass Maximo Park mit den ersten beiden Alben aber besser waren. Nein, waren sie nicht, nur anders. Diesmal springen einen die Songs nicht so vordergründig an, aber das ist verdammt noch mal ein gutes Zeichen. Musik, die erarbeitet werden will hat sicher eine längere Haltbarkeit. Auf die zum Teil sehr nachdenklichen Texte sollte man auch mal mehr als ein Ohr verwenden, denn auch hier sind Maximo Park eine Klasse für sich. Auch, wenn die zweite Albumhälfte etwas schwächer ist, ist „Quicken The Heart" insgesamt eine kleine Perle, die nur entdeckt werden will.

 

http://maximopark.com

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch