Marilyn Manson: The Pale Emperor

Marilyn Manson: The Pale Emperor

Universal

VÖ: 16.01.2015

 

Wertung: 8,5/12

 

Der selbsternannte Fürst der Dunkelheit ist zurück. Marilyn Manson hat sich noch mal aus seiner Gruft aufgerafft und ein Album aufgenommen. Schockrocker wird er aber vermutlich von keinem mehr genannt werden. Selbst die Hardcore-Christen werden über „The Pale Emperor“ nur müde lächeln. Was soll an Brian Warner, der mittlerweile mit eilenden Klumpfußschritten auf die 50 zueilt, auch noch schockieren? Es geht darum den einstigen Status zu verwalten. Gesagt ist sowieso alles. Getan auch. Ordentliche Songs wollen aber auch in der Hölle gespielt werden. Marilyn Manson ist sich dessen durchaus bewusst und gibt sein Bestes. „The Pale Emperor“ ist somit durchaus beachtenswert.

 

Man sieht sie schon förmlich vor dem geistigen Auge, die vielen Verrisse über „The Pale Emperor“. Das hat die Platte aber nicht verdient. Wer eben immer wieder den Antichristen sucht, wird natürlich enttäuscht sein. Marilyn Manson kann und will dem aber auch nicht mehr gerecht werden. Der Mann scheint sich durchaus im Klaren darüber zu sein, dass er die Rolle in seinem Alter überhaupt nicht mehr in Würde spielen kann. Das geht nicht nur mit seiner Optik einher, sondern eben auch mit „The Pale Emperor“. Marilyn Manson hat den Blues. Das wird nicht jedem gefallen – muss es ja auch nicht – aber er trägt das durchaus glaubwürdig vor.

 

Die knackige Single „Deep Six“ steht insofern alles andere als stellvertretend für diese Platte. „Deep Six“ trägt das Glamherz von „Mechanical Animals“ in das Jahr 2015 und hat durchaus Hitqualitäten. Natürlich wird die Nummer kein Hit werden – der Bus ist für Onkel Manson längst weg. Trotzdem ist das natürlich ein recht ordentlicher Song, der eingängig genug ist, um auch noch ein paar Leute abseits seiner Anhänger anzulocken.

 

The Pale Emperor“ lebt aber eben von anderen Tracks. „Warship My Wreck“ ist so ziemlich der düsterste Song, den Manson aufnehmen konnte. Das Ding packt einen im Nacken, schleift einen durch die Nacht, frisst den Hörer auf und spuckt ihn am Ende wieder mit einer dicken Gänsehaut aus. Morbide. Schön. Groß. Martin Luther King auf einem Marilyn Manson Album? Kann das sein? Bitteschön: „Slave Only To Be King“. Der Song groovt und groovt und groovt. Der Refrain wirkt zwar etwas einfallslos, dafür sind die Strophen schon ein ordentliches Brett. Manson gibt sich da derart kratzbürstig wie auf den letzten drei Alben nicht zusammen. Aber Vorsicht, auch das ist alles andere als eine harte Nummer. Diese Zeiten sind aber auch längst vorbei.

 

Dies war aber schon mit dem Opener „Killing Strangers“ absehbar. Ganz langsam schleppt sich der vom Bass angetriebene Track dahin. Perkussive Elemente besorgen den Rest. Die Stimme von Manson kommt in dieser minimalistischen Umgebung überraschend gut weg. „Third Day Of A Seven Day“ ist Blues, düster und von seiner Struktur einfach gestrickt, entfaltet aber doch eine Sogkraft, die das Stück dann doch irgendwie wieder zu etwas Besonderem macht. Man könnte sich das glatt von Nick Cave vorstellen. Vielleicht ist Marilyn Manson sogar auf dem besten Weg diese Richtung einzuschlagen.

 

„The Mephistopheles Of Los Angeles“ wirkt nicht nur textlich nachdenklich, nein, auch die Musik geht diesen Weg. Das Tempo wird hier ganz geschickt variiert, gleichwohl der Unterbau mit beiden Beinen fest im Pop verankert ist. Manson überspielt das ganz gut durch die vielen melancholischen Zwischentöne. „The Devil Beneath My Feet“ lässt auch noch mal den Bass pumpen, kommt aber erneut mit gedrosseltem Tempo aus den Boxen gekrochen. „Mechanical Animals“ kommt einem da erneut in den Sinn. „Birds Of Hell Awaiting“ will etwas zu viel. Da sollten wohl ein paar schauerliche Momente erzeugt werden, die aber eher unfreiwillig komisch sind. „Cupid Carries A Gun“ dürfte ja schon aus „Salem“ bekannt sein. Jetzt kann man den Track dann auch mal in ganzer Länge hören. Besser wird es nicht, der Nummer fehlt etwas der Spannungsbogen und letztlich schleppt sich das alles etwas uninspiriert dahin. „Odds Of Even“ schleicht sich dann noch so gerade zähflüssig durch die Höllenpforten. Gut, dass die Platte dann auch ihr Ende gefunden hat, denn nach hinten raus ringt Marilyn Manson doch deutlich nach Luft und Inspiration. Dies macht den guten Gesamteindruck aber keinesfalls zunichte.

 

Fazit: „The Pale Emperor“ wird die Lager spalten. Man sollte nicht zu voreilig über das neunte Album von Marilyn Manson urteilen. Dieses düstere und sich langsam dahinschleppende Werk ist zwischen Blues und ein paar Glamanleihen nämlich überraschend gut ausgefallen. Manson versucht garnicht erst die Vergangenheit aufleben zu lassen und biegt auf eine würdevolle Art und Weise in seinen düsteren Herbst des Lebens ab. Das wird nicht mehr für ein Rauschen im Blätterwald sorgen, seine Fans aber zufriedenstellen. In seiner Diskografie belegt das Album irgendwann einen der vorderen Plätze und das ist mehr als man erwartet hat!

 

http://www.marilynmanson.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Marilyn Manson: Born Villain

Marilyn Manson: Born Villain

Universal

VÖ: 27.04.2012

 

Wertung: 7,5/12

 

Die Zeit von Mariyln Manson war eigentlich schon abgelaufen. Der Fürst der Dunkelheit schien schon wieder in Vergessenheit geraten zu sein und dann bäumt er sich doch noch mal auf. Ist „Born Villain“ nun der letzte verzweifelte Versuch die ganzen verlorenen Seelen auf seine Seite zu ziehen und derart gestärkt die Weltherrschaft an sich zu reißen? Oder ist es noch mal ein Lebenszeichen aus dem Vorhof zur Hölle? Mal ehrlich, wer lässt sich in dieser verkommenen Welt überhaupt noch vom Teufel und seinen Schergen beeindrucken? Müssen die nicht vielmehr Angst vor der Menschheit haben?

 

Nach Herrn Manson kräht jedenfalls schon lange kein gerupfter Hahn des Voodoopriesters mehr. Die Sätze, die der ehemalige Schockrocker im Vorfeld von der Leine ließ, wirkten da auch eher wie der verzweifelte Sturm im Wasserglas. Es würde sich alles wie das erste Album anfühlen. Aha. „Born Villain“ hört sich nicht so an wie seine bisherigen Platten. Nun denn. „Born Villain“ würde sich vielmehr nach der Musik anhören, die er selber gehört hat, bevor die Karriere ins Rollen kam. Bauhaus wird da genannt. Birthday Party ebenso. Killing Joke und Joy Division müssen auch als Referenzpunkte herhalten. Hört sich nicht so ein Künstler an, der weiß, dass das Ende nahe ist?

 

Ein letztes Aufbäumen gab es allerdings bei der bisherigen Promotion. Da wurde Marilyn Manson mal schnell mit der Mannschaft von Rammstein beim Echo auf die Bühne geschickt und in den Weiten des Internets durfte man einen gemeinsamen Auftritt mit Johnny Depp bewundern. Dass dabei die neue Platte eigentlich schon keine Rolle mehr spielte und die alten Hits herhalten mussten, wen interessiert es? Manson wirkte sowieso wie ein Schatten vergangener Tage. Erstaunlicherweise gibt er sich da auch so unverkleidet und ungeschminkt wie selten zuvor. Die Kunstfigur Marilyn Manson kriegt so sogar das Gesicht von Brian Hugh Warner.

 

Und wie klingt „Born Villain“ nun? Manson wäre ja nicht Manson, wenn er dann nicht doch noch überraschen würde. Natürlich ist das aufgrund seiner stimmlichen und markanten Limitierung in erster Linie sofort als sein Album auszumachen. Wobei dies auf die gesprochenen Strophen von „The Gardener“ nun auch wieder nicht zutrifft. Cooles Ding übrigens. Und tatsächlich, der Mann hat mit seinen Ankündigungen dann doch nicht zu viel versprochen. „Born Villain“ ist nämlich ziemlich beatlastig. Ziemlich (an)getrieben.

 

So ein Bollerstampfer wie „The Flowers Of Evil“ hätte es zwar nicht gebraucht und der poppige Refrain schlägt dem Fass dann endgültig den Boden aus und wirkt etwas einfallslos, aber innerhalb der 63 Minuten passiert doch sehr viel Überraschendes. Nach den letzten Albumausfällen zugegebenermaßen sogar recht viel davon. Wer Manson nur für seine Schnellfeuerbretter schätzt, wird mit dieser Platte übrigens nicht glücklich werden. „Children Of Cain“ oder „Disengaged“ sind nämlich eher im Midtempobereich anzusiedeln und fallen eher durch minimalistischen Elektronikeinsatz auf, denn Geschwindigkeitsbrüller. Monotonie schleicht sich ein, die aber gewollt ist und die er sich bei seinen musikalischen Vorbildern abgeguckt hat. Damit der alte Onkel Marilyn aber nicht gänzlich von der Bildfläche verschwindet, schreit er in den Refrains doch noch mal in bekannter Manier drauf los. Oft genug funktioniert diese Mischung sogar ganz prächtig und dann kann er sogar mit einigen vertrackten Rhythmen punkten.

 

Das Album krankt allerdings etwas an seiner Länge, sprich es gibt zu viel Füllmaterial. Die Songs ähneln sich dann doch zu sehr und so ein Feuerwerk wie „Murderers Are Getting Prettier Every Day“ hätte es öfters mal gebraucht. Mit dem Titelstück liefert er gar die erste astreine Ballade seiner Karriere ab, die zum Schluss aber noch mit einem coolen Groove um die Ecke kommt. Mit dem Kitsch von „Breaking the Same Old Ground“ geht dieser Ansatz aber auch ordentlich in die Hose. Auf der anderen Seite liefert er mit „No Reflection“ und „Pistol Whipped“ auch seine besten Songs der vergangenen Jahre ab. Die lassen dann auch die letzten Ausfälle verblassen – zugegeben, das ist auch nicht sonderlich schwer.

 

Fazit: Marilyn Manson liefert mit „Born Villain“ ein Album mit Licht und Schatten ab. Wenn er aber den richtigen Schalter anknipst, dann erstrahlt das Licht derart hell, dass man sich schon etwas verwundert die Augen reibt. Über die Jahre ist er und seine Musik immer ruhiger, elektronischer und minimalistischer geworden. Dieses Album ist der vorläufige Höhepunkt. Beatlastig groovt sich das Ding oftmals gut in die Gehörgänge. Insofern ist dieses Album eine überraschende Rückmeldung von Herrn Manson, die man so nicht mehr erwartet hat. Geschockt ist aber keiner und Angst haben selbst die kleinen Kinder nicht mehr. Den Job sollen doch jetzt bitte andere machen...

 

http://bornvillain.com/

http://marilynmanson.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch