Marillion: The Singles Vol. 2 89-95 (4 CD-Box)

Marillion: The Singles Vol. 2 89-95 (4 CD-Box)

EMI

VÖ: 19.04.2013

 

Wertung: 8/12

 

Ende der 80er gab es für die Marillion Fans ein paar unschöne Dinge zu verkraften. Plötzlich war Fish nicht mehr länger der Sänger. Der Charakterkopf war nicht nur das Aushängeschild, nein, gleichzeitig war er auch die Identifikationsfigur dieser Kapelle. Das Ende von Marillion schien also besiegelt und kaum einer wettete einen Pfifferling auf ein weiteres Fortbestehen der Band. Der neue Mann am Mikro – Steve Hogarth – hatte zunächst einen schweren Stand und besonders die Presse beäugte dies alles im Argusaugen. Abgesehen davon hatte Hogarth von Anfang an einen völlig anderen Ansatz wie Fish.

 

Ende der 80er wandelte sich das Musikgeschäft aber sowieso ganz extrem. Marillion waren und sind stets eine Albumband gewesen, aber trotzdem haben sie es sich nicht nie nehmen lassen Singles zu veröffentlichen, die dort eben nicht zu finden waren. Das nahm sogar solche Ausmaße an, dass einige ihrer besten Arbeiten nie den Weg auf ein Album fanden und eben nur im Singlesformat erhältlich waren. Für die Fans und Sammler war das immer eine schöne Geschichte. Die Nachfrage danach brach aber irgendwann weg und im CD-Zeitalter standen plötzlich ganz andere Dinge ganz oben auf der Agenda.

 

Leider wurde nun nicht mehr ganz so viel wert auf echte B-Seiten gelegt und vermehrt wurden die CD-Singles einfach mit Live-Versionen oder fürchterlichen Remixen angereichert. Marillion stellten da auch keine Ausnahme dar. Für Marillion-Fans gab es aber doch noch jede Menge zu entdecken. Die Band war ja schlau genug die Fish-Ära nun nicht unter den Tisch zu kehren und somit gab es diese Songs nun mit neuer Stimme. Allerdings sollte dies nur live stattfinden, denn die Band wollte unter keinen Umständen die alten Songs im Studio neu einspielen. So ein bisschen haben sie sich da auch selbst belogen. Marillion waren sich durchaus bewusst, dass „Kayleigh“ der Überhit war, der eine ganz neue Anhängerschaft an Land gezogen hatte. Die Band spielte den Song einfach live im Studio mit Hogarth erneut ein. Das Ergebnis ist eher von zweifelhafter Natur, denn die Geschichte hinter dem Song dürfte ja bekannt sein und die ausdrucksstarke Stimme von Fish fehlt natürlich auch gänzlich.

 

„The Singles Vol. 2 89-95“ bietet nun anhand von 4 CDs einen guten Überblick darüber und dies alles für 20 Euro. Die Aufmachung ist zwar sehr spartanisch, aber zweckmäßig. Natürlich fehlt die schon erwähnte Live-Version aus dem Studio von „Kayleigh“ ebenso wenig, wie auch eine Konzertaufnahme des Hits, der mittlerweile ein Klassiker ist. „Brave” und „Afraid Of Sunlight” hat schließlich die Zusammenarbeit zwischen der EMI und Marillion beendet, somit ist auch geklärt, warum diese Box nur die Jahre bis 95 abdeckt. Alles in allem war dies aber sowieso die stärkste Zeit mit Hogarth. „Icon“ und „Live Forever“ sind fast ganz zum Schluss noch mal richtige B-Seiten alter Prägung, da es diese Nummern auf keinem Album gab und gibt. Ansonsten ist hier natürlich alles drauf, was der Titel verspricht. Von „Hooks In You“ über „Uninvited Guest“ (in der 7` Version und Live-Version), „How Can It Hurt“, das The Who Cover „Substitute“, „Cover My Eyes“ (ebenfalls mehrfach vertreten) bis hin zu der Demoversion von „Hard As Love“ ist das Set recht üppig ausgefallen.

 

Fazit: Fans haben natürlich längst die Pappbox im Schrank stehen, die bereits auf ähnliche Art und Weise diese Phase abdeckte. Diese Box war von der Aufmachung um einiges schöner als das vorliegende Set, welches im Grunde eben nicht anderes ist, aber eben wesentlich günstiger in der Anschaffung, da die Pappbox längst vergriffen ist und nur über Umwege für viel Geld erworben werden kann. Und natürlich spart „The Singles Vol. 2 89-95“ Platz, denn bisher gab es das eben nur als 12 CD-Version. Fans brauchen diese neuerliche Veröffentlichung sicher nicht, wer aber erst jetzt in die Hogarth-Ära einsteigt, wird hiermit bestens bedient werden und kann sich nun einen wunderbaren Überblick der Neo-Progrocker verschaffen, die sich in den 90ern vermehrt poppigen Klängen widmeten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger sollte diese Box erreichen!

 

http://www.marillion.com

 

Text: Torsten Schlimbach

Marillion: The Singles 82-88 (3 CD-Box)

Marillion: The Singles 82-88 (3 CD-Box)

EMI

VÖ: 16.10.2009

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Der heutigen Generation muss man mittlerweile den Sinn und Zweck einer Single erklären. Es gab mal eine Zeit, da waren diese Albumauskopplungen auf Vinyl noch mit einigen zusätzlichen Schmankerln versehen, die jedes Fan- und Sammlerherz in Ekstase versetzten. Keine blöden Datenfiles, die man sich gegen einen kleinen Obolus in irgendeinem Onlineshop runterladen konnte. Man ging noch aufgeregt in den Laden und am Ende des Tages hielt man doch glatt etwas in der Hand, was man gehegt und gepflegt hat wie seinen Augapfel. Vorbei sind diese Zeiten. Damals wurde noch viel Wert auf ein Album gelegt. Warum ich das alles erzähle? Weil Marillion – die Band, der wir eigentlich diese Zeilen widmen – auch hier eine Ausnahmestellung inne hatte.

 

Marillion waren zwar immer eine Albumband, was die fünf Jungs allerdings nicht daran hinderte einige Songs ausschließlich nur als Single zu veröffentlichen. Es gibt sogar Stimmen, die sprechen dabei von den besten Arbeiten der Band. Zudem entwickelten sich viele dieser Tracks zu Fanlieblingen und Liveklassikern. Die Teile wurden so schnell zu begehrten Sammlerstücken, wenn auch die Auflage der damaligen Vinylsingles natürlich nicht klein gehalten wurde. Trotzdem müssten sich Spätgeborene das erstmal mühsam zusammensuchen.

 

Und hier kann man wunderbar einen Bogen in das Hier und Jetzt schlagen, denn Dank der Errungenschaft der CD lässt sich das nun auch in komprimierter Form auf einen Schlag erwerben. Dies spart Platz, Zeit und Geld. „The Singles 82-88“ deckt in dieser Hinsicht die Fish-Ära von Marillion sehr gut ab. Knapp vier Stunden Marillion geben Anlass sich einen ganzen Tag ausschließlich mit den Neo-Progrockern zu befassen.

 

An dieser Stelle soll aber auch nicht verschwiegen werden, dass es diese Box schon in anderer Form gab. In den 90ern erschien schon ein Boxset, welches den kompletten Singles-Backkatalog enthielt. Sämtliche Singles wurden in Papphüllen neu aufgelegt und entsprachen im Grunde dem Pendant in Vinyl-Form. Die vorliegende 3-CD Box ist inhaltlich nichts anderes, mit einem Anschaffungspreis von knapp 15 € aber um einiges günstiger zu erwerben, wie die vergriffene Box, die mit viel, viel Glück für 100 € aufwärts auf Börsen oder Internetauktionshäusern käuflich erworben werden kann.

 

Hier muss man nicht um den heißen Brei reden, die neuerliche Box braucht der Beinhart-Fan nicht, denn jener wird hier nichts vorfinden, was er nicht schon mehrfach im Schrein stehen hat. Auch optisch ist das Paket nicht so reizvoll, dass man sich dies dann doch in den Schrank stellt. Komplettisten werden dies natürlich trotzdem machen.

 

Neueinsteiger kommen allerdings gar nicht umhin sich dieses feine Teil zu kaufen, denn die Dichte der Perlen ist immens hoch. Satte 45 Songs vereinen sich auf den drei Scheiben. Man höre sich nur das 17-minütige Epos „Grendel“ an und staune, welch ausgefeilte Geschichte in klassischem Erzählstil musikalisch kongenial aufbereitet wird. Zudem kann man auch einigen Alternativversionen – wie dem ausschweifenden „Lavender Blue“ oder aber auch dem Hit „Kayleigh“ – lauschen. Marillion waren und sind eine Band, die gerade live eine besondere Intensität entwickelt hat und so darf man sich an „Margaret“, „Charting The Single“, „White Russians“ oder „Freaks“ erfreuen. Der Bogen wird selbstverständlich von der ersten Single „Market Suqare Heroes“ bis hin zu „White Father“ gespannt. Das Entstehungsjahrzehnt tritt dabei zwar manchmal an zu vielen Stellen deutlich zu Tage, aber die 80er Retroswelle ist ja sowieso in vollem Gange.

 

Fazit: Die 3-CD Singles Box von Marillion der Jahre 82-88 bietet viel, viel Material, welches man eben nicht auf den regulären Alben vorfinden kann. Für die nachgewachsene Generation ist dies eine ganz hervorragende Möglichkeit sich einige Perlen für recht kleines Geld zuzulegen. Die Songs selber sind teilweise die Blaupause des Neo-Progrock und auf der anderen Seite auch exemplarisch für das Entstehungsjahrzehnt. Die knapp vier Stunden sind Anlass genug um auf Entdeckungsreise in eine musikalische Welt zu gehen, die den Hörer reichlich belohnen wird!

 

http://www.marillion.com

 

Text: Torsten Schlimbach

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