Marillion: F.E.A.R.

Marillion: F.E.A.R.

earMUSIC/Edel

VÖ: 23.09.2016

 

Wertung: 7/12

 

Das achtzehnte Studioalbum von Marillion hört auf den schönen Titel „Fuck Everyone And Run“.  Da dies aber anscheinend dann doch etwas hart klingt, hat man für das Cover die Abkürzung „F.E.A.R.“ gewählt. Marillion machen das auf ihre ganz eigene und genüssliche Art.  Und so ist auch die Musik auf diesem Mammutwerk, welches sich fast auf siebzig Minuten streckt, ausgefallen. Neue Anhänger kommen sicher nicht mehr dazu, aber die Fans werden „F.E.A.R.“ lieben. Marillion haben wieder alles in dieses Album gepackt – ohne sich dabei zu wiederholen. Dies dürfte sicher ein schwieriges Unterfangen gewesen sein, denn wer auf eine derart lange Karriere blicken kann, kommt ja unweigerlich auf das eigene Schaffen zurück.

 

„F.E.A.R“ ist trotzdem nicht frei von einigen Längen. Diesem New Artrock hätte doch eine Begrenzung ganz gut getan. Marillion waren stets eine Band, die sich auch mal epische Freiheiten genommen hat, es fällt trotzdem schwer bei „F.E.A.R.“ vollends am Ball zu bleiben. Man findet hier wunderschöne Melodien und ganz tolle Arrangements vor. Die Instrumentierung ist sowieso über jeden Zweifel erhaben und von Folk über Pop bis zum Metal beherrschen die Herren sämtliche Spielarten im Schlaf. Manche Passagen und Soundscapes laden sogar regelrecht zum Träumen ein. Und dann ist da noch die andere Seite der Platte, die sich endlos zu ziehen scheint und mit gähnender Langeweile aufwartet. Dies bringt weder die bombastischen Songteile weiter, noch kann man sich als Zuhörer darin verlieren oder verlieben.

 

Die Übergänge sind zudem fließend, sodass es einem schwerfällt nachzuvollziehen, wo sich die Band gerade überhaupt befindet. Natürlich beherrschen Marillion ihr Handwerk – auch in kompositorischer Hinsicht – so gut, dass es von laut nach leise, von verträumt bis zum krachigen Ausbruch, immer nur ein Wimpernschlag ist. Man lässt sich dann auch gerne auf eine Reise mitnehmen. Und das ist dann die große Stärke von „F.E.A.R.“ und Marillion. Die Band schafft es nämlich immer noch mit ihren Soundlandschaften – sofern man bereit dafür ist – den Hörer an die Hand zu nehmen und in eine andere Welt zu entführen. Inbrunst und Leidenschaft gibt es hier im Übermaß. Klanglich ist das schon sehr aufwendig. Bis zur Effekthascherei ist es allerdings auch nur ein kleiner Schritt.

 

Fazit: „F.E.A.R.“ hat fünf neue Songs von Marillion zu bieten, die sich auf knapp siebzig Minuten ausdehnen. Dies musste dann auch in siebzehn(!) Einzelstücke unterteilt werden. Es gibt also mal wieder viel zu entdecken. Vieles ist toll, manches langatmig. Unter dem Strich ist das ein solides Album von Marillion, welches die Fans begeistern wird. Manchmal würde man sich wünschen, dass die Band die Kapazität einer CD nicht ausschöpfen würde, denn da werden doch ein paar Runden zu viel gedreht.

 

http://www.marillion.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
Loading

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch