Marianne Faithfull: Negative Capability

Marianne Faithfull: Negative Capability

BMG/Warner

VÖ: 02.11.2018

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Marianne Faithfull kann mit ihren 71 Jahren auf ein sehr bewegtes Leben zurückblicken. Sie hat es immerhin auf 21 Studioalben gebracht. Ihre Musikkarriere dauert nun auch schon 54 Jahre an. Die Britin hat also sehr viel zu erzählen. Das tut sie nun auch auf ihrem neuen Album „Negative Capability“. Auf diesem Meisterwerk gibt es zehn Songs zu hören, bei denen Marianne Faithfull von Warren Ellis, Nick Cave, Ed Harcourt und Mark Lanegan unterstützt wird. Namen, die bei Musikliebhabern für Entzückung sorgen werden.

 

Machen wir uns nichts vor, man sieht und hört Marianne Faithfull ihr Alter an. Dies ist aber auch nicht weiter verwunderlich. Die Themen auf „Negative Capability“ sind dann auch eher düster bis schwere Kost. So befasst sich Frau Faithfull mit dem Verlust alter Freunde, der Einsamkeit in ihrer Wahlheimat Paris und mit der Liebe. Es sind fragile Songs, die von der Schönheit des Morbiden zusammengehalten werden. Songs, die minimalistisch ausgearbeitet wurden und die diese brüchige Stimme in den Vordergrund stellen.

 

Marianne Faithfull singt eher selten, sondern sprechsingt auf den Songs auf eine intuitive und meditative Art und Weise. Man hört dem Werk an, dass Warren Ellis eine zentrale Rolle eingenommen hat. Die Atmosphäre trägt durchaus seine Handschrift. Das ist dann in der Summe einfach nur großartig. Man höre sich nur mal „Born To Live“ an! Da dürfte bei jedem Hörer eine Gänsehaut und ein Tränchen im Knopfloch vorhanden sein.

 

Oder nehmen wir das alles überragende „The Gypsy Faerie Queen“ – geschrieben von Nick Cave. Der Meister ist auch als Duettpartner auf dem Song zu hören. Dies im Grunde eine typischer Cave-Song, wie man ihn aus seiner Phase der letzten Alben kennt. Die beiden Stimmen harmonieren perfekt miteinander und auch hier braucht man sich seiner Gänsehaut nicht zu schämen. Selbiges gilt dann auch für „Witches Song“.

 

Lediglich das bekannte und ausgelutschte „As Tears Go By“ nervt ein wenig und wirkt etwas deplatziert. Da sollte man sich schon eher ihre Interpretation von „It´s All Over Now, Baby Blue“ anhören. Geige und Stimme bilden eine perfekte Einheit. Das Tempo ist wesentlich langsamer als beim Original und somit stellt sich eine ganz neue Song-Atmosphäre ein. Etwas forscher wird es bei „They Come At Night“. Auch diesem Track haftet eine düstere Grundstimmung an, wodurch die ganze Geschichte schon etwas Bedrohliches ausstrahlt. Musikalisch wurde das einfach großartig in Szene gesetzt.

 

Das spärlich instrumentierte „Don´t Go“ ist tieftraurig, strahlt aber trotzdem etwas Schönes aus. Man kennt das von den Spätwerken eines Johnny Cash oder Leonard Cohen. Selbstverständlich konnte nur „No Moon In Paris“ das Album beenden. Die Lyrics steuerte übrigens Ed Harcourt bei.

 

Fazit: „Negative Capability“ ist ein tolles Alters- und Meisterwerk von Marianne Faithfull geworden. Wie groß ihr Anteil daran ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, denn man hört schon ganz deutlich die Handschrift von Warren Ellis, aber auch Nick Cave heraus. Das ist letztlich aber sowieso egal, denn es ist diese fragile Stimme, die den Songs eine ganz besondere Note mit auf den Weg gibt. Ganz großes und berührendes Kino ist das!

 

http://www.mariannefaithfull.org.uk/

 

Text: Torsten Schlimbach

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